Wickhoff, Franz

Dates of Life
1853 – 1909
Place of birth
Steyr (Oberösterreich)
Place of death
Venedig
Occupation
Kunsthistoriker ; Philologe
Religious Denomination
-
Authority Data
GND: 117337811 | OGND | VIAF: 5145857764823020604
Alternate Names

  • Wickhoff, Franz
  • Wickhoff, F.

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Citation

Wickhoff, Franz, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117337811.html [03.01.2026].

CC0

  • Wickhoff, Franz

    | Kunsthistoriker, * 7.5.1853 Steyr (Oberösterreich), † 6.4.1909 Venedig, Venedig, Cimiter|o di San Michele in Isola. (katholisch)

  • Genealogy

    Aus ursprüngl. niederl. Fam. (s. NÖB VIII), die seit d. 17. Jh. in Oberösterr. nachweisbar ist;
    V Franz (1827–85), Eisenhändler, 1861 Gde.rat in St., 1867 Abg. im Oberösterr. LT u. im Reichsrat (s. Adlgasser, Österr. Zentralparlamente), S d. Franz Xaver (1790–1866), Gewerke, Inh. d. Eisenhandlungsfa. F. Brandegsky in St., u. d. Barbara Schönthan v. Pernwald (um 1798 – um 1839);
    M Rosina (1823–95), T d. Johann Zayer, Protokollist d. Ak. d. bildenden Künste Wien, n. 1839 Oberfactorie-Beamter an d. k. k. Innerberger Hauptgewerkschaft;
    Ur-Gvv Franz Schönthan v. Pernwald sen. (1762–1839/40), Hammerherr auf Wendbach-Steg u. Neulust, Eisenhändler in St., Landstand in Oberösterr.;
    2 Schw Anna (1855–1919, Maximilian Thury [v. Thurybrugg], 1841–1919, Industr., Central-Dir. d. k. k. Cement-Fabrik zu Perlmoos), Rosine (* 1858, Josef Böhm, 1831–93, Dr. med. u. phil., 1874 Prof. f. Botanik an d. Hochschule f. Bodenkultur Wien, 1878 Prof. f. Botanik u. Pflanzenphysiol. an d. Univ. Wien, s. NDB II);
    – ledig;
    N Angela Anne Rosing Theresa Maximilian v. Thurybrugg (* 1889, 1910–24 Hon. Edward Brabazon Meade, 1878–1963, brit. Kpt., S d. Richard James Meade, 4th Earl of Clanwilliam, 1832–1907, brit. Admiral, s. Oxford DNB);
    Vt Franz Schönthan v. Pernwald (Franz v. Schönthan) (1849–1913), Dramatiker, Schriftst., Schausp. (s. ÖBL), S d. Johann Paul Schönthan v. Pernwald (1817/24–65/98).

  • Biography

    Der aus einer politisch liberal gesinnten Familie stammende W. zählt neben Alois Riegl (1858–1905), Julius v. Schlosser (1866–1938) und Max Dvořák (1874–1921) zu den führenden Vertretern der „Wiener Schule der Kunstgeschichte“. Seine durch Krankheit lange unterbrochene Schulausbildung erhielt W. in Kremsmünster, Seitenstetten und Krems, wo er 1874 die Maturitätsprüfung ablegte. Von Kindheit an sehr interessiert an Naturwissenschaften, entschied er sich jedoch nach regelmäßigen Besuchen der Wiener Kunstsammlungen für das Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Am Institut für Österr. Geschichtsforschung, dessen Kurs er 1877–79 belegte und den er mit einer Studie über die Typologie im christlichen Mittelalter absolvierte, fand er in Theodor v. Sickel (1826–1908) und Rudolf v. Eitelberger (1817–85) einflußreiche Förderer. Auch zu dem Universalhistoriker Max Büdinger (1828–1902) sowie den Archäologen Alexander Conze (1831–1914) und Otto Benndorf (1838–1907) stand er in engem Kontakt. In seiner unter Moriz Thausing (1838–1884) verfaßten und 1880 approbierten Dissertation, die von Dürers erster Italienreise handelt, wird W.s lebenslange Begeisterung für die Kunst Venedigs erstmals sichtbar. Noch vor Abschluß seines Studiums zum Kustos am Österr. Museum für Kunst und Industrie ernannt, leitete er ab 1879 in der Nachfolge von Hubert Janitschek (1846–1893) die Abteilung für Möbel, Holz, Skulpturen, Gipse und Textilien. Gleichzeitig hielt W. engen Kontakt zur Albertina, für die er ein kritisches Verzeichnis der ital. Handzeichnungen erstellte. Nach seiner Habilitation 1882 arbeitete er bis 1883 als Stipendiat am neugegründeten Istituto Storico Austriaco in Rom. 1885 wurde W. ao. Professor, 1890 schließlich o. Professor an der Univ.

    Wien. Zahlreiche Studienreisen führten ihn immer wieder nach Italien und v. a. nach Venedig, wo er nach schwerer Krankheit verstarb.

    W., der als „Haupt“ und „eigentlicher Begründer der Wiener Schule“ (v. Schlosser) beschrieben wurde, war konsequenter noch als sein Landsmann Alois Riegl darum bemüht, die Kunstgeschichte vom Vorwurf des Schwärmertums zu befreien. Mit dem methodischen Rüstzeug des streng geschulten Historikers konnte er sein Fach zu einer zeitgemäßen und seriösen akademischen Disziplin formen. Schon seine ersten Veröffentlichungen zeichnen sich durch die stringente Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze aus. Neben der historisch-kritischen Prüfung literarischer Quellen standen v. a. die deskriptive Analyse und Bestimmung der Artefakte selbst im Vordergrund. Dabei beschäftigten ihn ikonographische und stilkritische Fragen gleichermaßen. Im Bemühen, das Sehen zur heu|ristischen Grundlage der kunsthistorischen Arbeit zu machen, trat er für die wissenschaftliche Anerkennung Giovanni Morellis (1816–1891) ein, den er 1883 in Florenz kennengelernt hatte. Die gerade in Wien populäre und schon von Thausing hochgeschätzte „Morelli-Methode“ wurde von W. in den akademischen Unterricht eingeführt. Diesen hielt er überwiegend in den Sammlungen vor den Originalen – späterhin ein Merkmal der „Wiener Schule“. In Kenntnis der Apperzeptionstheorien seiner Zeit, die am Österr. Museum für Kunst und Industrie breit diskutiert wurden, knüpfte er an den Wissensstand der damals aktuellen wahrnehmungsphysiologischen Forschung an. Geprägt überdies von den Seherfahrungen des Impressionismus, stellte er insbesondere in der Einleitung zur „Wiener Genesis“ (1895), die als sein Hauptwerk gilt, Überlegungen über die Funktionsweise des Auges sowie – unter dem Schlagwort des „continuirenden Stils“ – über den Zeitfaktor in der Kunst an.

    Die in der „Wiener Genesis“ unternommene Rehabilitierung der spätantiken Malerei war begleitet von einem ebenso starken Interesse für die Moderne. Davon zeugt nicht allein W.s unausgeführt gebliebener Plan, eine umfassende Geschichte des Naturalismus zu schreiben, sondern auch sein letztlich erfolgloses Eintreten für Gustav Klimt (1862–1918) im Zuge des Streits um die sog. „Fakultätsbilder“ im Festsaal der Univ. Wien. Mit seiner Bereitschaft, dogmatische Ansichten in Frage zu stellen, was ihn über die gängige Einteilung der Kunst in Hauptperioden ebenso räsonieren ließ wie etwa über das Verhältnis zwischen der europ. und der asiat. Kunst, machte er sich nicht nur Freunde. Sein oft mit scharfen Worten geführter Kampf gegen den Dilettantismus veranlaßte ihn, 1904 das Rezensionsorgan „Kunstgeschichtliche Anzeigen“ zu gründen, wo er gegen den „breiten Wortschwall und seichten Unverstand“ der Kollegenschaft anschrieb. Demgegenüber wird er von seinen Schülern, wie u. a. Julius v. Schlosser, Hans Tietze und Max Dvořák, durchwegs als umgängliche und warmherzige Persönlichkeit beschrieben. W., der für Johann Wolfgang v. Goethe ebenso wie für Richard Wagner schwärmte, pflegte zeitlebens botan. Studien, war literarisch tätig und nahm noch im fortgeschrittenen Alter Malund Zeichenunterricht.

  • Awards

    |Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1898, wirkl. 1903).

  • Works

    |Dürers Studium nach d. Antike, Ein Btr. zu seinem ersten venezian. Aufenthalte, in: MIÖG 1, 1880, S. 411–29;
    Die ital. Handzeichnungen d. Albertina, 1. Theil: Die venezian., d. lombard. u. d. bolognes. Schule, in: Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Ks.hauses (JbkSAK) 12, 1891, S. CCV–CCCXIV, 2. Theil: Die röm. Schule, ebd. 13, 1892, S. CLXXV–CCLXXXIII;
    Die Wiener Genesis, Beil. z. 15. u. 16. Bd. d. JbkSAK, 1895 (mit W. Rr. v. Hartel), Nachdr. u. d. T. Röm. Kunst, hg. v. M. Dvořák, 1912, engl. 1900, ital. 1947;
    Hg.: Beschreibendes Verz. d. illuminierten Hss. in Österr., 1905 ff.;
    Einige Zeichnungen Rembrandts n. bibl. Vorwürfen, Seminarstudien, 1906;
    Kusejr’ Amra, hg. v. d. Ksl. Ak. d. Wiss.), 1907 (mit A. Musil, J. v. Karabacek u. a.);
    Abhh., Vortrr. u. Anzeigen, hg. v. M. Dvořák, 1913;
    Goethes Pandora, mit e. Schluss v. F. W., 1932.

  • Literature

    |Btrr. z. Kunstgesch., F. W. gewidmet v. e. Kreise v. Freunden u Schülern, 1903 (FS);
    H. Tietze, in: Kunstchronik NF 20, 1908/09, Sp. 369–72;
    V. Kramár ̌, in: Volné sme ˘ ry 13, 1909, S. 211–14, engl. in: Journal of Art Historiography 8, June 2013 (online);
    M. Dvořák, F. W.s letzte lit. Projekte, in: Offizieller Ber. über d. Verhh. d. IX. Internat. Kunsthist. Kongresses in München, 1911, S. 63–72;
    ders., in: BJ 14, S. 317–26, erneut in: ders., Gesammelte Aufss. z. Kunstgesch., 1929, S. 299–312;
    J. v. Schlosser, Die Wiener Schule d. Kunstgesch., in: MIÖG, Erg.bd. 13, H. 2, 1934, S. 141–228;
    ders. in: NÖB VIII, 1935, S. 190–98 (P);
    G. Glück, in: Alte u. neue Kunst 2, 1953, H. 2, S. 41–45;
    F. Glück, Briefe v. F. W. u. Max Dvořák an Gustav Glück, in: Karl M. Swoboda z. 28. Jan. 1959, 1959, S. 103–32;
    I. Kalavrezou-Maxeiner, F. W., Kunstgesch. als Wiss., in: Wien u. d. Entwicklung d. kunstgeschichtl. Methode, Akten d. XXV. Internat. Kongresses f. Kunstgesch., I, 1983, S. 17–22;
    K. Clausberg, Die Wiener Genesis, Eine kunstwiss. Bilderbuchgesch., 1984, S. 29–40;
    A. Rosenauer, Giovanni Morelli u. F. W., in: Giovanni Morelli e la cultura dei conoscitori, Atti del convegno internazionale, II, 1993, S. 359–70;
    U. Rehm, Wieviel Zeit haben d. Bilder? F. W. u. d. kunsthist. Erzählforsch., in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 53, 2004, S. 161–89 (P);
    B. Wyss, Nach d. gr. Erzz., 2009, S. 32–42;
    P. O. Scholz, F. W., Die Wiener Genesis, in: Hauptwerke d. Kunstgesch.schreibung, hg. v. P. v. Naredi-Rainer, 2010, S. 593 ff.;
    K. Johns, F. W. et ses élèves ou l’histoire de l’art au service de l’objectivité, in: Austriaca, Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche, 72, Juin 2011, S. 117–49 (W-Verz., Liste v. W.s Schülern);
    NÖB VIII;
    BJ 14, S. 317–26 u. Tl.;
    Dict. of Art;
    Dict. of Art Historians;
    Enc. of the Hist. of Classical Archaeology;
    Kunsthist. Lex.;
    Enciclopedia dell’Arte Antica;
    Österr. Gesch.wiss. 20. Jh.;
    Qu Univ.archiv Wien;
    Archiv d. Inst. f. Kunstgesch. d. Univ. Wien (Nachlaß, Photogrr.);
    Univ.archiv d. Ak. d. bild. Künste Wien.

  • Author

    Georg Vasold
  • Citation

    Vasold, Georg, "Wickhoff, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 25-26 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117337811.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA