Lebensdaten
1890 bis 1958
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Archäologe ; Kunsthistoriker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118945130 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaschnitz von Weinberg, Guido Freiherr
  • Kaschnitz Weinberg, Guido von
  • Kaschnitz, Guido
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Zitierweise

Kaschnitz von Weinberg, Guido Freiherr, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118945130.html [27.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August (österr. Frhr. 1908, 1847-1919), k. k. Sektionschef im Min. f. Landesverteidigung, S d. k. k. Hauptm. Josef u. d. Karoline Strenitzer;
    M Emma (* 1853), T d. Hausbes. Josef Perko in Radkersburg u. d. Elisabeth Amtmann;
    Bollschweil 1925 Marie Luise Freiin v. Holzing-Berstett (s. 2);
    1 T Iris ( Dieter Schnebel, * 1930, Komponist).

  • Leben

    Seit 1908 studierte K. in Wien Archäologie und promovierte 1913 mit dem Thema „Griechische Vasenmalerei in Klassischer Zeit“. 1910-13 nahm er an Ausgrabungen in Dalmatien sowie an wissenschaftlichen Führungen nach Griechenland, Nordafrika und Ägypten teil. 1913 erhielt er ein Stipendium zum Aufenthalt in Griechenland und in der Türkei. Seit 1914 beteiligte er sich an den deutschen Ausgrabungen am Dipylontor in Athen, bis er 1916-18 zum Kriegsdienst eingezogen wurde (Mitglied der Kunstschutztruppe Venetien). 1918-23 lebte K. in München, wo er für Kunstverlage arbeitete, 1923/31 in Rom; bis 1927 arbeitete er am Deutschen Archäologischen Institut, anschließend für die Vatikanischen Museen. 1932 habilitierte er sich in Freiburg im Breisgau mit dem Thema „Die Struktur in der Griechischen Plastik“, wurde im selben Jahr Professor in Königsberg, 1937 in Marburg, 1940 in Frankfurt/Main. 1953-56 war K. Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, zu dessen Wiedereröffnung nach dem Krieg er die größten Anstrengungen unternahm.

    K.s Neigung zur Archäologie zeigte sich bereits in seiner Gymnasialzeit, als er an Ausgrabungen am Donaulimes teilnahm und dazu seine ersten Veröffentlichungen lieferte. Während des Studiums erhielt er entscheidende Anregungen von Max Dvořák, Hans Tietze und der Wiener kunsthistorischen Schule, die ihre bedeutendsten Vertreter in F. Wickhoff und Alois Riegl hatte. Dieser Einfluß bestimmte seine wissenschaftliche Arbeit, aus der Auseinandersetzung mit ihren Anschauungen erwuchs seine eigene Theorie der Kunstwissenschaft. Unter dem Einfluß jener älteren Wiener Schule entstand mit K., H. Sedlmayr, E. Panofsky und anderen die sogenannte jüngere Wiener Schule, deren Vertreter zwar keine gemeinsame Theorie entwickelten, aber kraft der Methoden und Anschauungen eines jeden von ihnen zu den großen Lehrern moderner Kunstwissenschaft gehören.

    K. entwickelt aus der Kritik an dem von Riegl geprägten Begriff des „Kunstwollens“ seine Theorie von der „Struktur“ der Kunst. In der Analyse der Strukturen sucht er objektive Kriterien für die Kunstwissenschaft zu finden, die nicht mehr von den Wahrnehmungskategorien der äußeren Erscheinung der Kunst abhängen, wie sie etwa in den Begriffen Riegls verwendet werden. In seiner Rezension von Riegls „Spätrömischer Kunstindustrie“ (in: Gnomon 5, 1929, S. 195 folgende) ist die Abgrenzung von dessen Anschauungen am deutlichsten festgelegt. K. versucht seine Vorstellung von den „Strukturen“ der Kunst zunächst am Porträt zu konkretisieren. Den ersten Beitrag zur Strukturforschung liefert er mit seinen „Studien zur etruskischen und frührömischen Porträtkunst“ (in: Römische Mitteilungen 41, 1926, S. 133 folgende). Seine Vorstellung von Struktur, die in keinem direkten Zusammenhang zum Strukturbegriff der Linguistik und zu den Strukturalisten steht, unterliegt im Laufe der Zeit einer Veränderung in der Definition. Strukturen zu ermitteln, so postuliert er, bietet den einzig wirklichen Zugang zur Frage nach den Bedingungen der Existenz des Kunstwerkes. Um die Struktur zu finden, sei es nötig, die Bedingungen, unter denen das Kunstwerk entsteht, zu erhellen, die historischen und sozialen Umstände zu betrachten. Dazu versucht K., „Konstanten“ zu finden, die als Grundbedingungen der Kunst zwar variabel, aber doch erkennbar durch den Lauf der Kunstgeschichte verfolgt werden könnten. Wesentliches Moment seiner Theorie ist die transzendentale Bindung der Kunst. Davon ausgehend, stellt er die Frage nach objektiven Kriterien der Analyse. K. legt seine Methode der Strukturanalyse systematisch vor allem in den Arbeiten zu dem Werk „Mittelmeerische Kunst, eine Darstellung ihrer Strukturen“ nieder (unvollständig, herausgegeben 1965).

    K.s Begriffsapparat, den er am Porträt und den frühen Mittelmeerkulturen entwickelt hatte und dann auch auf die griechische Klassik und die Kunst der römischen Kaiserzeit anwandte, wurde von den Fachgenossen und Schülern nicht einhellig übernommen. Kritik setzte bei der Frage an, ob Begriffe, die an Kunstäußerungen prä- und frühhistorischer Kulturen entwickelt wurden, ausreichen, um die komplizierten Bedingungen, denen die Kunst in den entwickelten Hochkulturen unterlag, zu erfassen. Die Analysen K.s bewirkten eine entscheidende Belebung kunstwissenschaftlich theoretischer Fragestellungen.

  • Werke

    Weitere W Bemerkungen z. Struktur d. ägypt. Plastik, in: Kunstwiss. Forschungen 2, 1933. S. 7 ff.;
    Sculture del Magazino del Vaticano, 1937;
    Die Mittelmeer. Grundlagen d. antiken Kunst, 1944;
    Jüngere Steinzeit u. Bronzezeit, in: Hdb. d. Archäol. II, 1, 1950;
    Üb. d. Rationalisierung d. „myth. Form“ in d. klass. Kunst, in: Festschr. B. Schweitzer, 1954, S. 147 ff.;
    Röm. Kunst, 4 Bde., hrsg. v. H. v. Heintze, 1961-63;
    Kleine Schrr. z. Struktur, hrsg. v. ders., 1965 (W-Verz. S. 240 ff., P);
    Ausgew. Schrr., 3 Bde., 1965 (Einl. v. H. Keller in I, Vorwort v. G. Kleiner in II, v. F. H. v. Blankenhagen in III, Biogr. v. M. L. Kaschnitz in II, S. 228 ff.).

  • Literatur

    E. Homann-Wedeking, in: Paideuma 7, 1959, H. 1, S. 11 ff.;
    H. Sedlmayr, Riegls Erbe, in: Hh. d. Kunsthist. Seminars d. Univ. München 4, 1959, S. 1 ff., 21963;
    F. Matz, in: Gnomon 31, 1959, S. 190 ff.

  • Autor/in

    Christoph Schwingenstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwingenstein, Christoph, "Kaschnitz von Weinberg, Guido Freiherr" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 312 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118945130.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA