Wickert, Erwin

Lebensdaten
1915 – 2008
Geburtsort
Bralitz bei Bad Freienwalde (Mark Brandenburg)
Sterbeort
Remagen
Beruf/Funktion
Diplomat ; Schriftsteller ; Drehbuchautor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118632264 | OGND | VIAF: 92878074
Namensvarianten

  • Wickert, Erwin Otto Humin
  • Humin, Erwin (Pseudonym)
  • Wickert, Erwin
  • Wickert, Erwin Otto Humin
  • Humin, Erwin (Pseudonym)
  • humin, erwin
  • Wickert, Erwin Humin Otto
  • Weikede, Ai'erwen
  • Wickert, E.
  • Ai er wen Wei ke te
  • Aierwen-Weikete
  • Weikete, Aierwen
  • 埃尔文‧维克特
  • 维克特, 埃尔文
  • ヴィッケルト, エルヴィン

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Zitierweise

Wickert, Erwin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632264.html [05.01.2026].

CC0

  • Wickert, Erwin Otto Humin (Pseudonym Erwin Humin)

    | Diplomat, Schriftsteller, * 7.1.1915 Bralitz bei Bad Freienwalde (Mark Brandenburg), † 26.3.2008 Remagen, Köln, Melaten-Friedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Erwin (1884–1978), Distriktskommissar in d. preuß. Prov. Posen, Hptm. d. Schutzpolizei in Cappenberg, Ziegeleibes. in Reuden, Polizeidir. in Wittenberg;
    M Hanna Dornbusch;
    Heidelberg 1939 Ingeborg (1916–99), Röntgenassistentin, T d. Heinrich Weides (* 1886), Dr. iur., u. d. Katharina Engelen;
    2 S Wolfram (* 1941), Schriftst., Maler, arbeitete im Bundespresseamt, Ulrich (* 1942, 1] Sylvie [Sylvia] v. Frankenberg [u. Ludwigsdorf],* 1949, Journ., Schriftst., Malerin, 2] Birgit Schanzen,* 1958, Journ., Fernsehmoderatorin, 3] Julia Jäkel, * 1971, Journ., Managerin, Verl., 2013–21 Vorstandsvors. bzw. CEO v. Gruner + Jahr), Journ., Publ., Fernseh|moderator (s. Munzinger), 1 T Barbara (1949–2021, Michael Wood, Bankier), Dipl.-Psychol., Pschotherapeutin, Vf. v. „Was von der Kindheit bleibt“;
    E Emily Wood (* 1978), Schausp.

  • Biographie

    W. erhielt erste Prägungen am humanistischen Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg. Vor dem Hintergrund massiver Spannungen zu seinem Vater, einem bekennenden Nationalsozialisten, trat er 1933 für acht Monate der SA bei. Nach dem Abitur am Berliner Luisen-Gymnasium 1934 immatrikulierte sich W. an der Univ. Berlin für Philosophie, Germanistik und Journalistik. 1935 wechselte er zum Dickinson College in Carlisle (Pennsylvania), wo er 1936 den B. A. in Volkswirtschaftslehre und Politischer Wissenschaft erhielt. Nach einer Reise durch die USA und Ostasien begann W. 1937 in Heidelberg ein Studium der Kunstgeschichte, Zeitungswissenschaften und Philosophie. 1939 wurde er bei dem Kunsthistoriker und bekennenden Nationalsozialisten Hubert Schrade (1900–1967) zum Dr. phil. promoviert; im selben Jahr erschien sein erster Roman. Nach dem Beginn des 2. Weltkriegs trat W. als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in die Kulturabteilung des Auswärtigen Amts ein. Seit Febr. 1940 Mitglied der NSDAP, wurde er im August als Rundfunkattaché an die Außenstelle Shanghai der Botschaft Peking und im Juni 1941 an die Botschaft Tokio beordert.

    Im Anschluß an die Repatriierung 1947 ließ sich W. mit seiner Familie in Heidelberg nieder. Von der Entnazifizierungsspruchkammer 1948 als „entlastet“ eingestuft, begann er, Hörspiele zu verfassen. Nach Ablehnung des Postens eines Kulturreferenten an den Botschaften in Neu Delhi bzw. Bangkok kehrte W. 1955 in den Diplomatischen Dienst zurück und arbeitete als politischer Referent der NATO-Vertretung in Paris. Schon bald litt er unter der „Doppelexistenz“ als Diplomat und Schriftsteller. Vor dem Wechsel in die „Ostabteilung“ der Bonner Zentrale ließ sich W. 1960 beurlauben, um einen neuen Roman zu schreiben. 1964/65 verfaßte er in einem zweiten Urlaub ohne Dienstbezüge seinen nächsten Roman. Zu einer für Diplomaten unüblichen Berühmtheit gelangte W. 1966 als Autor der „Friedensnote“ von Bundeskanzler Ludwig Erhard (1897–1977), mit der die Bundesregierung einen zaghaften Versuch zur Entspannungspolitik gegenüber Osteuropa unternahm. 1968 ging W. als Gesandter nach London, 1971 avancierte er zum Botschafter in Bukarest. Mit der Versetzung nach Peking 1976 erreichte W. den Höhepunkt seiner Laufbahn.

    Nach der Pensionierung 1980 veröffentlichte W. vielbeachtete Sachbücher über China und Ostasien, eine zweiteilige Autobiographie und zwei weitere Romane, mit welchen er sich als „Erneuerer des historischen Romans“ präsentierte. Neben seiner publizistischen Tätigkeit mischte sich W. wiederholt in politische Debatten ein. Als Bundesaußenminister Joschka Fischer (* 1948) dem verstorbenen Botschafter Franz Krapf (1911–2004) wegen seines Dienstes während der NS-Zeit die bisher übliche Ehrung verwehrte, provozierte W. 2004 mit ehemaligen Kollegen eine öffentliche Kontroverse. Die Publikation einer 2005 von Fischer beauftragten Studie über das Auswärtige Amt im Dritten Reich erlebte er nicht mehr.

  • Auszeichnungen

    |Hörspielpreis d. Kriegsblinden (1952);
    Gr. BVK (1979);
    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. Mainz (1980);
    Vors. d. Dt. Ges. f. Ostasiat. Kunst (1990–93);
    Staatspreis d. Landes Rheinland-Pfalz f. Lit. (1992);
    Vors. d. Dt. Autorenrates (1994–96);
    Mitgl. d. Verbandes Dt. Schriftst. (Austritt 1995) u. d. PEN-Zentrums Dtld. (1963, Austritt 1995).

  • Werke

    |Fata Morgana über d. Straßen, 1938;
    Das Paradies im Westen, 1939;
    Das Tier in d. neueren dt. Kunst, Diss. Heidelberg 1939;
    Die Adamowa, 1940, ²1941;
    Du mußt dein Leben ändern, 1949, rumän. 1974;
    Dramat. Tage in Hitlers Reich, 1952;
    Die Frage d. Tigers, 1955, rumän. 1972, überarb. Fassung 1990;
    Hitlers Machtergreifung, 1959;
    Jahre d. Wahns, 1959;
    Der Auftrag, 1961, neubearb. u. d. T. Der Auftrag d. Himmels, Roman aus d. ksl. China, 1979, Tb.-Ausg. 1981, engl. 1964, rumän. 1986;
    Der Purpur, 1965, neubearb. u. d. T. Der Purpur, Roman e. röm. Ks.s, 1980, Tb.-Ausg. 1982, rumän. 1975;
    China in d. Wandlung, 1979;
    China v. innen gesehen, 1982, Tb.-Ausg. ⁹1994 (P), engl. 1983, span. 1983, chines. 1989;
    Der verlassene Tempel, 1985 (P), Tb.-Ausg. 1987, span. 1987, rumän. 1989;
    Der fremde Osten, China u. Japan gestern u. heute, 1988, erw. Tb.-Ausg. 1990 (P);
    Mut u. Übermut, Geschichten aus meinem Leben, 1991 (P), Tb.-Ausg. 1991;
    Sonate mit d. Paukenschlag u. sieben andere unglaubl. Geschichten, 1993;
    Zappas oder Die Wiederkehr d. Herrn, 1995, span. 1996;
    Von d. Wahrheit im hist. Roman u. in d. Historie, 1997;
    John Rabe, d. gute Dt. v. Nanking, 1997 (Hg.), japan. 1997, engl. 1999, chines. 1999;
    Die glückl. Augen, Geschichten aus meinem Leben, 2001 (P);
    Das Gipfelgespräch, Ansichten u. Einsichten, hg. v. U. Lappenküper, 2003 (Bibliogr.);
    Das muß ich Ihnen schreiben, Beim Blättern in unvergessenen Briefen, hg. v. U. Lappenküper, 2005 (P);
    „Warum schreibst du eigtl. Romane?“, Behauptungen u. Vermutungen, 2006;
    Hörspiele: Der Mann hinter d. Wandschirm, 1948;
    Bürokratie als Waffe, 1948;
    Die Sonate mit d. Paukenschlag, 1948;
    Das Buch u. d. Pfiff, 1949;
    Lot u. Lots Weib, 1949;
    Die kühne Operation, 1950;
    Darfst du d. Stunde rufen?, 1951;
    Der Klassenaufs., 1954;
    Der Verrat v. Ottawa, 1954;
    Cäsar u. d. Phönix, Vier Hörspiele, 1956;
    Hiroshima, Ber. aus d. Stadt, die d. Atombombe z. Opfer fiel, 1959;
    Robin|son u. seine Gäste, 1960;
    Alkestis, 1961;
    Der Ks. u. der Großhist., Sieben Hörspiele, 1987.

  • Literatur

    |K. Hohmann, Der Mann d. Monats, in: „man“, April 1967, Nr. 1, S. 70;
    R. A. Blasius, E. W. u. d. Friedensnote d. Bundesreg. v. 25. März 1966, in: VfZ 43, 1995, S. 539–53;
    H. Ginzler, E. W., Schriftst., Diplomat, Asienkenner, in: Heimatjb. d. Kr. Ahrweiler 1996, S. 40–42;
    E. Kleßmann (Hg.), Die Wahrheit umkreisen, Zu d. Romanen v. E. W., 2000 (Bibliogr., P);
    U. Lappenküper, Vorw., in: E. W., Das Gipfelgespräch (s. W), S. 7–16;
    ders., Vorwort, in: E. W., Das muß ich Ihnen schreiben (s. W), S. 7–13;
    N. Weiss, 7 Abiturienten planen ihr Leben, Über E. W.s Hörspiel „Der Klassenaufs.“, 2004;
    N. Hille, Das Kunsthist. Inst. d. Univ. Tübingen u. d. Berufung v. Hubert Schrade z. Ordinarius im J. 1954, in: Kunst u. Pol., Jb. d. Guernica-Ges., 2006, S. 171–95;
    W. Hinck, Wahrnehmung d. Lebens, Vom Schreiben im Nebenberuf, Die Erzähler E. W., Hans Gf. v. d. Goltz u. Bernhard Schlink, 2008;
    E. Conze u. a., Das Amt u. d. Vergangenheit, 2010, S. 654 f., 702–04 u. 709 f.;
    Munzinger;
    Biogr. Hdb. Auswärtiger Dienst, Bd. 5, S. 268 f. (P);
    Teilnachlässe: Pol. Archiv d. AA Berlin;
    BA Koblenz;
    DLA Marbach.

  • Autor/in

    Ulrich Lappenküper
  • Zitierweise

    Lappenküper, Ulrich, "Wickert, Erwin Otto Humin (Pseudonym Erwin Humin)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 23-25 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632264.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA