Lebensdaten
1868 bis 1954
Geburtsort
Hörde bei Dortmund
Sterbeort
Fribourg (Schweiz)
Beruf/Funktion
Anthropologe ; Ethnologe ; Linguist ; Religionswissenschaftler ; Steyler Missionar
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118608959 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt, Heinrich Wilhelm Arnold
  • Schmidt, Wilhelm
  • Schmidt, Heinrich Wilhelm Arnold
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Zitierweise

Schmidt, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608959.html [23.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1819–70), aus Lippspringe, Schlosser;
    M Anna-Maria Mörs (* 1842, 2] Heinrich Stöwer, Maschinist), aus Erlinghausen (Kr. Brilon).

  • Leben

    1883 trat S. in das kurz zuvor gegründete Missionshaus St. Michael in Steyl (Niederlande) ein. Bis 1892 absolvierte er das Gymnasium sowie phil. und theol. Studien und komponierte zahlreiche Chorwerke. Im Mai 1892 empfing er die Priesterweihe. Nach einem Jahr als Gymnasiallehrer studierte er in Berlin oriental. Sprachen. 1895-1937 unterrichtete S. an der Ordenshochschule St. Gabriel Sprachen und theol. Fächer und war zugleich Chorregent.

    Als die Steyler Missionare Ende des 19. Jh. Missionsgebiete in Deutsch-Neuguinea übernahmen, erhielt S. von dort reiches sprachliches und ethnologisches Material, das er bearbeitete. Bald dehnte er seine Forschungen auf ganz Ozeanien, Südostasien und Australien aus. In wenigen Jahren erwarb er sich den Ruf eines profunden Kenners der Sprachen dieser Region. Seine Studie über „Die Mon-Khmer-Völker, ein Bindeglied zwischen den Völkern Zentralasiens und Austronesiens“ (1906) weist die Verwandtschaft der Munda-Sprachen Nordostindiens mit den austroasiat. Sprachen Hinterindiens und den austrones. Ozeaniens nach. Zusammen mit „Die Gliederung der austral. Sprachen“ (in: Anthropos 7-13, 1912-18) gelten diese Werke bis heute als wertvolle Pionierarbeiten.

    1906 gründete S. „Anthropos, Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde“ (seither 99 Bde.). Er forderte v. a. Missionare dazu auf, ihre Sammlungen und Materialien zur Veröffentlichung einzureichen. Aus den Arbeiten von Fritz Graebner und Bernhard Ankermann übernahm S. deren kulturhistorische Arbeitsweise und entwickelte diese Methode weiter, die als „Wiener Schule“ der Ethnologie bekannt wurde. Mittels mehrerer Kriterien versuchte S., in einem heute aufgegebenen Verfahren universalhistorische „Kulturkreise“ mit den „Sprachkreisen“ in Deckung zu bringen. Angeregt durch Leopold v. Schroeder (1851–1920) und die Schriften von Andrew Lang befaßte er sich seit 1902 mit der Frage nach dem Ursprung der höchsten Wesen bei den ältesten lebenden Völkern, v. a. bei den Uraustraliern und bei den Pygmäenvölkern. In seinem monumentalen Werk „Der Ursprung der Gottesidee“ (12 Bde., 1908-55) versuchte S. nachzuweisen, daß die „Urvölker“ bzw. „Urkulturen“, entgegen der damals vorherrschenden evolutionistischen Religionswissenschaft, nicht religionslos waren, sondern einen Eingottglauben besaßen, den sie als Schöpfer und Ursprung ihrer ethischen Ordnung verehrten. Um diesen Eingottglauben zu erklären, postulierte er eine „Uroffenbarung“. Die Kritik an diesen Thesen ist bis heute nicht verstummt. S. setzte zahlreiche seiner Schüler auf die Erforschung der „Urvölker“ an, wie Paul Schebesta (1887–1967) auf die Negrito und Pygmäen, Martin Gusinde (1886–1969) und Wilhelm Koppers (1891–1961) auf die Feuerlandindianer.

    S. lehrte an der Hochschule St. Gabriel und an der Univ. Wien, wo ihm 1938 die Lehrbefugnis entzogen wurde. Daraufhin übersiedelte er mit dem 1932 gegründeten Anthropos-Institut nach Freiburg (Schweiz), wo er fortan an der Universität lehrte.

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Bonn 1919, Louvain 1927, Budapest 1935, Salzburg 1948); Dr. phil. h. c. (Mailand 1932, Wien 1948); Ehrenmitgl. in etwa 30 Akademien u. gel. Gesellschaften (in Florenz, Rom, Chile, Göteborg, Dublin, La Plata etc.), u. a. d. Österr. Ak. d. Wiss. (korr. 1906), d. Ac. des Inscriptions et Belles Lottres, Paris, d. Royal Anthropol. Inst. of Great Britain and Ireland.

  • Werke

    Weitere W v. a. in: Anthropos, 1908 ff.;
    L'Origine de l'idée de Dieu, 1910, erweiterte u. verbesserte dt. Fassung u. d. T. Der Ursprung der Gottesidee, 1912, 21926;
    Die Stellung d. Pygmäenvölker in d. Entwicklungsgesch. des Menschen, 1910;
    Völker u. Kulturen, 3 Bde., 1924 (mit W. Koppers);
    Die Sprachfamilien u. Sprachenkreise d. Erde, 1926;
    Hdb. d. vgl. Rel.gesch., 1930 (zahlr. Überss., u. a. chin.);
    Hdb. d. Methode d. kulturhist. Ethnol., 1937 (engl. u. ital. Übers.);
    Wege der Kulturen, Ges. Aufss., hg. v. Anthropos-Inst., 1964; – W-Verz.:
    F. Bornemann, in: Anthropos 49, 1954, S. 385-432;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Micro-Bibliotheca- Anthropos.

  • Literatur

    Publication d'hommage Offerte au P. W. S., hg. v. W. Koppers, 1928 (W-Verz., P);
    A. Burgmann, P. W. S. als Linguist, in: Anthropos 49, 1954, S. 627-58;
    J. Henninger, P. W. S. SVD (1868–1954), Eine biogr. Skizze, ebd. 51, 1956, S. 19-60 (P);
    W. Koppers, Prof. Pater W. S. SVD †, Eine Würdigung seines Lebenswerkes, ebd., S. 61-80;
    J. Haekel, Prof. P. W. S.s Bedeutung f. d. Rel.gesch. d. vorkolumbian. Amerika, in: Saeculum 7/1, 1956, S. 1-39;
    S. Pajak, Urreligion u. Uroffenbarung b. P. W. S., 1977;
    E. Brandewie, W. S. and the Origin of the Idea of God, 1983;
    ders., When Giants Walked the Earth, The Life and Times of W. S. SVD, 1990;
    Anthropica, Gedenkschr. z. 100. Geb.tag v. P. W. S., 1968;
    F. Bornemann, P. W. S. SVD 1868-1954, 1982;
    J. F. Thiel, Der Urmonotheismus d. P. W. S. u. seine Gesch., in: Kulturwiss. im Vielvölkerstaat, hg. v. B. Rupp-Eisenreich u. J. Stagl, 1995, S. 256-67; – etwa 30 Nachrufe
    (American Anthropologist, Man, Zs. f. Ethnol., Ethnos, Zaïre, Revista di Antropologia, L'Anthropologie, Zs. f. Missionswiss. u. Rel.wiss., Revista de Antropologia, Theología, Africa, Academia etc.);
    BBKL;
    BHdE II;
    Killy;
    Biographien Dortmunder I (P); – zur Zs. „Anthropos“:
    W. Saake, The Seventy-Fifth Year of „Anthropos“, in: Anthropos 75, 1980, S. 1-6;
    P. Karl J. Rivinius SVD, Die Anfänge d. „Anthropos“, 1981.

  • Autor/in

    Josef Franz Thiel
  • Empfohlene Zitierweise

    Thiel, Josef Franz, "Schmidt, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 220-221 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118608959.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA