Lebensdaten
1903 bis 1982
Geburtsort
Hagenau (Elsaß)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Musikethnologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124230547 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneider, Marius Karl Alfons
  • Schneider, Marius
  • Schneider, Marius Karl Alfons
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Zitierweise

Schneider, Marius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124230547.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Alfons Johann (1871–1928), aus H., Hotelier u. Bes. d. „Europ. Hofs“ in H.;
    M Maria Josefine Theresia Geiger (1877–1954), aus H.;
    1 Schw Annie (1898–1978);
    1) Berlin 1931 1956 Ingeborg (1904–88), 1948-68 Bes. d. Verlagsbuchhandlung Gebrüder Bornträger, T d. Dr. Robert Thost, als Nachf. v. Eduard Eggers 1895-1945 Bes. d. Verlagsbuchhandlung Gebr. Bornträger in Berlin, u. d. Elisabeth N. N., 1948-68 Bes. d. Verlagsbuchhandlung Gebrüder Bornträger, 2) Köln 1956 Birgit (Brigitte) (* 1922), Musikerin, T d. Robert Siller;
    1 S aus 1) Nikolaus (1932–95), Min.rat im Bundesforsch.min., 1 T aus 1) Maria Veronika (* 1937).

  • Leben

    S. absolvierte seine erste Ausbildung am Lyceum und Konservatorium in Straßburg (dt. Philologie u. Klavier), seit 1924 am Conservatoire de Paris und am musikhistorischen Seminar der Sorbonne bei André Pirro. Außerdem zählten Achille Philip, Alfred Cortot, Eugène Cools und Maurice Ravel (privatim) zu seinen Lehrern. Einem vierjährigen Studium der Musikwissenschaft an der Univ. Berlin (Promotion bei Johannes Wolf aufgrund e. Diss. über „Die Ars Nova d. 14. Jh. in Frankreich u. Italien“) folgten Assistenzen bei Curt Sachs (1881–1959) und Erich M. v. Hornbostel (1877–1935). Letzteren vertrat er nach dessen Emigration seit 1934 als geschäftsführender Leiter am Berliner Phonogramm-Archiv. Seit 1934 traten Konflikte mit Personen aus dem „Sonderstab Musik“ auf, v. a. mit Herbert Gerigk (1905–96). Eine Habilitation von S. (Gesch. d. Mehrstimmigkeit, Berlin 1934, 21969) wurde vereitelt. Den Kriegsdienst leistete S. in der militärischen Abwehr (Aufklärung u. Rundfunkpropaganda) und nutzte diesen u. a. für Experimente zu musikalischen Assimilationsprozessen.

    Nach einer Denunziation durch Guilleaume de Van und darauf aufbauenden politischen Beurteilungen durch Gerigk (Vorwurf: antinationalsozialistische Grundhaltung, auch hinsichtlich der sogenannten „Judenfrage“) verlegte S. Anfang 1944 mit Hilfe von Higini Anglès seinen Wohnsitz nach Barcelona, wo er die „sección folklore“ am Instituto Español de Musicología aufbaute und leitete. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland Mitte der 1950er Jahre lehrte S. bis 1968 an der Univ. Köln Musikethnologie (Gastprof. 1969/70 in Amsterdam) und verbrachte die letzten Lebensjahre in Marquartstein. Zu seinen Schülern zählen Josef Kuckertz und Robert Günther.

    Die bereits in S.s frühem Schaffen angelegte Synthese der historischen und vergleichenden Musikwissenschaft ist auf den Einfluß von Wolf, Hornbostel und Sachs zurückzuführen und basiert auf Ansätzen der kulturhistorischen Ethnologie und insbesondere auf diffusionistischen Paradigmen der Kulturkreislehre (Bernhard Ankermann, Fritz Graebner, Pater Wilhelm Schmidt). Bildeten in „Geschichte der Mehrstimmigkeit“ (1934) noch durch Quintschichtung gewonnene Tonalitätskreise die Grundlage zur geographischen und entwicklungsgeschichtlichen Einordnung von Mehrstimmigkeitsformen, so bestimmten seit 1946 zunehmend sog. „Überlebsel“ (u. a. Korr.tabellen, Mythen u. Symbolismen in schriftl. wie oralen Überlieferungen) S.s Methode bei der Erklärung musikalischer Erscheinungen. Ihnen|wird in „El origen musical de los animalessímbolos“ (1946) ein beweisartiges Niveau verliehen, auf dem ein megalithisches Urweltbild auf musikalischer Grundlage rekonstruiert wird. Den Ausgangspunkt bildet die Annahme einer Übertragung von musikalischen Symbolen und Kulturelementen im Zuge der Wanderung einer religiösen Bewegung zur Zeit des sog. „Megalithwesens“ und deren Überleben in Nachfolgekulturen. Teile seiner Theorien aus „El origen“, v. a. seine Entschlüsselung von in Tiersymbolen verborgenen Hymnen in den Klöstern San Cugat und Gerona, wurden 1955 in „Singende Steine“ (Nachdr. 1978) erstmals in dt. Sprache veröffentlicht und führten zu einer bis heute andauernden kontroversen Bewertung des S.schen Œuvres.

    Einfluß übte S. u. a. in Spanien aus, wo ihm der mit der Gruppe „Dau al Set“ in Verbindung stehende Essayist und Kunstkritiker Juan-Eduardo Cirlot sein „Diccionario de Símbolos“ (1958) widmete. Cirlot verwendete darüber hinaus S.s Urweltbild als Grundlage einiger Dichtungen (La Dama de Vallcarca, 1957; Bronwyn, 1971) und zur Filmanalyse. Über ihn wirken die Ideen von S. bis heute in der span. Kunstgeschichte (Lourdes Cirlot), Literaturwissenschaft (Victoria Cirlot) und Symbolforschung (Jaime D. Parra) fort. Die Verbreitung der S.schen Ideen im ital. und angelsächs. Bereich ist in besonderem Maße auf Elémire Zolla und Jocelyn Godwin zurückzuführen.

  • Werke

    Weitere W La danza de espadas y la tarantela, 1948;
    Die hist. Grundlagen d. musikal. Symbolik, in: Die Musikforsch. 4, 1951, S. 113-44;
    Primitive Music, in: E. Wellesz (Hg.), New Oxford Hist. of Music 1: Ancient and Oriental Music, 1957, 21986, S. 1-82;
    Le rôle de la musique duns la mythol. et les rites des civilisations non européens, in: Hist. de la musique, I/1: Enc. de la Pléade, Paris 1960, S. 131-214;
    Die Natur d. Lobgesangs, in: Basilienses De Musica Orationes, hg. v. L. Schrade, H. 2, 1964, S. 5-21;
    Il Significato della Musica, Simboli, Forme, Valori Del Linguaggio Musicale, hg. v. E. Zolla, 1970, 51996;
    Kosmogonie (unvollendet, 2000 S., Ed. in Vorbereitung);
    mehr als 100 musikethnol. u. symbolog. Art.;
    W-Verz.:
    N. Weiss, Systemat. Verz. d. wiss. Arbb. v. M. S., in: Mitt. d. Dt. Ges. f. d. Musik d. Orients 7, 1968, S. 11-20;
    R. Günther, in: Ethnomusicology, 13/3, Sept. 1969, S. 518-26;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ. Köln, Musikwiss. Inst. (bis 2003 Univ. München, Inst. f. Ethnol. u. Afrikanistik); |

  • Quellen

    Qu Archive d. HU Berlin, d. Univ. Köln u. d. LMU München; Hochschule d. Künste Berlin; IfZ, München; Phonogramm-Archiv am Ethnol. Mus. Berlin; BA Berlin; Archivo de Asuntos Exteriores Madrid; Archivo Miquel Querol Barcelona; Biblioteca de Catalunya Barcelona; Departamento de Musicología des Consejo Superior de Investigaciones Científicas Barcelona.

  • Literatur

    J. Godwin, The Revival of Speculative Music, in: The Musical Quarterly, LXVIII, No. 3, July 1982, S. 373-89;
    ders., Cosmic Music, Musical Keys to the Interpretation of Reality, Essays by M. S., Rudolf Haase and Hans Erhard Lauer, 1989;
    J. Kukkertz, in: Jb. f. musikal. Volks- u. Völkerkunde 12, 1985, S. 9-11 (P);
    A. Schneider, Musikwiss. im Exil, in: Musikwiss. in d. Emigration, hg. v. H.-W. Heister, C. Maurer-Zenck u. P. Petersen, 1993, S. 187-211;
    V. Cirlot, Notas sobre M. S. y J. E. Cirlot, in: Rosa Cúbica, 10, Primavera 1993, S. 93-99;
    H.-G. Nicklaus, Die „Kosmogonie“ M. S.s, Wiss., Philos., Mythos?, in: Harmonik u. Glasperlenspiel, hg. v. P. Neubäcker, 1995, S. 191-213;
    J. D. Parra, Cirlot y S., la ciencia de los símbolos, in: Anuari De Filología XXI, Secció G, número 9, 1998/99, S. 79-90;
    E. Zolla, El simbolismo musical de M. S., in: J. D. Parra (Hg.), La Simbología, Grandes Figuras De La Ciencia De Los Símbolos, Montesinos/Biblioteca de Divulgación Temática 71, Enero 2001, S. 177-88 (P);
    B. Bleibinger, Mythos M. S., Agent im Dienste d. Musikwiss., Handlanger d. Nat.Sozialisten oder verfolgter Emigrant?, in: Musikforsch. – Faschismus – NS, hg. v. I. v. Foerster, Ch. Hust u. Ch.-H. Mahling, 2001, S. 329-58;
    ders., M. S. u. d. Simbolismo, 2005 (W-Verz., P);
    ders., Etnología simbólica, M. S., in: Claves de Hermenéutica, hg. v. A. Otiz-Osés u. P. Lanceros, 2005, S. 134-42;
    New Grove2;
    MGG2.

  • Portraits

    Foto (Univ. Köln, Musikwiss. Inst.).

  • Autor/in

    Bernhard Bleibinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Bleibinger, Bernhard, "Schneider, Marius" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 302-303 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124230547.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA