Lebensdaten
1888 bis 1952
Geburtsort
Berlin
Beruf/Funktion
Romanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118779605 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lerch, Eugen

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Zitierweise

Lerch, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779605.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp, Kaufm.;
    M Marie Flehr;
    München 1919 Gertraud, T d. Joseph Herz (* 1855), Landesökonomierat, Chemiker, Landesinsp. f. Milchwirtsch., u. d. Betty Progel;
    2 S.

  • Leben

    Seit 1909 studierte L. in Berlin, Gießen und München; seine Lehrer waren A. Tobler, dem er seine Dissertation widmete, Heinrich Morf, Eduard Wechssler, Hermann Paul und Karl Vossler. 1911 wurde er in München bei Vossler promoviert, habilitierte sich dort 1913, wurde 1921 zum ao. Professor ernannt, 1930 als o. Professor nach Münster berufen, 1934 wegen pazifistischer Gesinnung beurlaubt, 1946 in Münster wieder in sein Amt eingesetzt und im selben Jahr nach Mainz berufen. – Dem Beispiel seines Lehrers Tobler folgend, stellte L. das Studium der Syntax in den Mittelpunkt seiner Forschung. Sich von dem herrschenden Positivismus der Junggrammatiker abwendend, beschränkte er sich nicht darauf, die sprachlichen Phänomene lediglich zu beschreiben, sondern suchte sie auch psychologisch zu erklären. Unter dem Einfluß Vosslers bezog er auch kulturhistorische und ästhetische Gesichtspunkte ein. Die Hinwendung zu Vosslers „idealistischer“ Neuphilologie trat in der von der| Bayer. Akademie der Wissenschaften preisgekrönten Arbeit über „Die Verwendung des roman. Futurums als Ausdruck eines sittlichen Sollens“ (1919) erstmals deutlich hervor. Über Vossler hinaus geht L. in dem nicht unumstritten gebliebenen Werk „Frankreichs Sprache und Wesensart“ (1933), in dem er sich von unhistorischen Verallgemeinerungen frei hielt. Bereits vorher hatte er sich gegen die populäre Vorstellung vom „Dauerfranzosen“ gewandt (Frankfurter Zeitung v. 10.6.1925). Eine kurze Zusammenfassung seiner Auffassung vom Wesen der Sprache und seiner Forschungsmethode gab L. in dem Aufsatz „Die neue Sprachwissenschaft. Sprachgeschichte und Nationenkunde“ (in: Die neueren Sprachen, 42, 1934). Zu einem Standardwerk wurde L.s „Historische franz. Syntax“ (I, 1925, II, 1929, III, 1934; IV blieb unvollendet). L. verband die historisch-vergleichende mit kulturhistorischer und andererseits sprachpsychologisch vertiefender Methode, wobei er das ungemein reichhaltige Material sorgfältig interpretierte. Einzelprobleme der Syntax wie auch methodische Fragen faßte er in den beiden Bänden „Hauptprobleme der franz. Sprache“ (1930 f.) zusammen. Ein starkes pädagogisches Interesse ließ L. in Fachzeitschriften und Tageszeitungen zu Fragen des neusprachlichen Unterrichts Stellung nehmen. Der Vertiefung des Grammatikunterrichts durch psychologische und kulturhistorische Erklärung sollte die mit dem Schulmann Th. Engwer herausgegebene Schulgrammatik dienen (1926, 61942). Aus dem akademischen Unterricht hervorgegangen war seine „Einführung in das Altfranzösische“ (1921) sowie seine Ausgabe des Rolandsliedes (1923, 21952), in der er, einer späteren Entwicklung vorauseilend, auf die Herstellung eines sprachlich normierten Textes verzichtete. Mit der französischen Literatur befaßte sich L. in zahlreichen Zeitungsartikeln, Nekrologen, Gedenkaufsätzen und Rezensionen. Von den Klassikern liebte er besonders Molière, doch beschäftigte ihn mehr das 19. Jh., zumal die Lyrik, ferner Flaubert, dessen Jugendwerk „November“ er kritisch herausgab (1926) und Bergson, den er übersetzte (1928; 1933). Mehrfach befaßte er sich mit den Beziehungen der deutschen Literatur zur französischen und besonders mit Goethe, Schiller und Nietzsche. In diesen Beiträgen sowie in zahlreichen politischen Artikeln warb L. in beiden Nachkriegszeiten für ein besseres Verständnis zwischen Deutschen und Franzosen. In diesem Zusammenhang steht auch sein Buch „Romain Rolland und die Erneuerung der Gesinnung“ (1926). Mit den übrigen roman. Sprachen hat sich L. nicht befaßt, außer gelegentlich mit dem Spanischen (Span. Sprache u. Wesensart, 1932). Die zahlreichen unter seiner Leitung entstandenen Dissertationen gab er in der von ihm begründeten Reihe der „Arbeiten zur roman. Philologie“, (1933 ff.) heraus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Prädikative Partizipia f. Verbalsubstantiva im Französischen, C'était un rêve accompli, Diss. Halle 1912;
    Der Konjunktiv d. psycholog. Subjekts im Französischen, 1919;
    Die halbe Negation, 1921;
    Das Imperfektum als Ausdruck d. lebhaften Vorstellung, 1922;
    Die Aufgaben d. roman. Syntax, 1922;
    Das invariable Partizipium praesentis d. Französischen (Habil.schr.), 1933;
    Die Bedeutung d. Modi im Französischen, 1919;
    Molières Größe, 1931;
    Das Wort „Deutsch“, Sein Ursprung u. s. Gesch., 1942;
    Lessing, Goethe, Schiller u. d. franz. Klassik, 1948. -
    Hrsg.: Idealist. Neuphilol., Festgabe f. K. Vossler, 1922;
    Jb. f. Philol., 1925/27;
    Univ.-Archiv, Münster, Romanist. Abt., 1931 ff.

  • Literatur

    P. M. Schon, in: Antares I, 1952;
    E. Schramm, in: Romanist. Jb. 5, 1952, S. 56-58;
    R. Hallig, in: Bull. Bibliographique de la Société Arthurienne 5, 1953, S. 104;
    Studia Romanica, Gedenkschr. f. E. L., hrsg. v. Ch. Bruneau u. P. M. Schon, 1955 (mit Gedächtnisrede v. E. Schramm, S. 5-21, W-Verz.).

  • Autor/in

    W. Theodor Elwert
  • Empfohlene Zitierweise

    Elwert, W. Theodor, "Lerch, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 310-311 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118779605.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA