Lebensdaten
1869 – 1949
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Sontheim/ Brenz
Beruf/Funktion
Romanist ; Neuphilologe ; Kulturwissenschaftler ; Schriftsteller ; Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1012370690 | OGND | VIAF: 171452654
Namensvarianten
  • Wechßler, Eduard
  • Wechßler, Johann Eduard Friedrich
  • Wechssler, Johann Edward Friedrich
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Wechssler, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012370690.html [25.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Eduard (Edward) (Wechsler) (1839–1901), Brauereibes. in U., seit 1874 Privatier, Schriftst. u. Anhänger d. Vegetarismus, S d. Albrecht Friedrich (Wechsler) (1796–1848), Kaufm., Tabakfabr. in U., Oberlt. d. Bürgerwehr ebd., u. d. Mathilde Wilhelmine Friederike Christlieb (1803– 91);
    M Maria Justine Wi(e)denmann (1845–1908);
    Ururur-Gvv Johann Caspar (1703–82), aus Erlangen;
    Urur-Gvv Georg (1736–1810), Kaufm. in U.;
    Ur-Gvv Christoph Heinrich (1768–1802);
    Ov Friedrich Adolph (Ps. Karl Berger) (1829–1914), Tabakfabr. in U., seit 1880 Privatier u. Dichter (s. Kosch, Lit.-Lex.³), Tante-v Clementine (1825–1907, Franz Wilhelm Joseph Stein, 1881);
    1 B Friedrich Georg (1874–1911, Thusnelde Gesell, * 1883);
    1904 Anna Mathilde (* 1884), Cousine 2. Grades, T d. Eugen Eisele (1856–1932), Pfarrer b. Rottweil u. Schneitheim/ Brenz, u. d. Emma Stein (* 1858);
    3 S Albrecht (1911–85, Sigrid Kümmel, 1922–2014, Dr. phil., bis 1987 Kunsthist. am Kurpfälz. Mus. Heidelberg, s. Kosch, Lit.-Lex.³), Dipl.-Ing., Architekt, Fritz (1906–24, Verkehrsunfall), Heinz (1914–25, Gasvergiftung), 1 T Helga (1905–25, Gasvergiftung).

  • Biographie

    In Abkehr von der kaufmännischen Familientradition förderte der Vater W.s humanistische Bildung. Bis 1888 besuchte W. humanistische Gymnasien in Ulm und Stuttgart, anschließend studierte er in Tübingen, München und Heidelberg Klassische und Oriental. Philologie, Germanistik und Romanistik. 1893 wurde er bei Hermann Suchier (1848–1914) in Halle/ Saale mit der Dissertation „Die romanischen Marienklagen, Ein Beitrag zur Geschichte des Dramas im Mittelalter“ zum Dr. phil. promoviert. Danach ging er zu Forschungszwecken zu Gaston Paris (1839–1903) nach Paris und habilitierte sich 1895 in Halle mit der Arbeit „Über die verschiedenen Redaktionen des Robert von Borron zugeschriebenen Graal-Lancelot-Cyclus“. Nach Vertretung der Stelle von Eduard Koschwitz (1851–1904) seit 1901 in Marburg wurde er hier 1904 ao., 1909 o. Professor für Roman. Philologie (Mitdir. d. Roman. Seminars seit 1905, Dekan 1916). 1920 wechselte er nach Berlin, wo er 1936 zum Direktor des „Instituts Portugal und Brasilien“ ernannt wurde (em. 1937). 1941–45 lebte W. am Wolfgangsee, seit 1946 in Sontheim/ Brenz.

    W. unterscheidet sich von den Romanisten seiner Generation durch eine auffällige germanistische Perspektive. Sie führte zur Erforschung kultureller Beziehungen zwischen Romania und dt.sprachigem Raum, implizierte aber auch einen ausgeprägten Nationalismus trotz Bemühungen um Ausgleich. Methodisch überwand W. das Einflußdenken insofern, als es in seinen vergleichenden Untersuchungen nicht allein um den Nachweis genetischer Zusammenhänge ging. Bereits mit seiner auf zwei Bände angelegten Studie zur Vorgeschichte der Renaissance „Das Kulturproblem des Minnesangs“ (nur Bd. 1 erschienen, 1909, Nachdr. 1966) profilierte er sich als innovativer Kulturforscher, der historische Zusammenhänge transnational und interdisziplinär erschloß. Das Konzept hierzu vermittelte ihm sein Lehrer, der Germanist Konrad Burdach (1859–1936). Auch seine typologisch angelegte Kontrastierung der dt. und der franz. Kultur zeigt W.s Ambitionen, über die Einflußforschung hinauszugehen. Politisch wie wissenschaftlich problematisch ist der nationalcharakterologische Grundzug mit völkerpsychologischen und geistesgeschichtlichen Synthesen, der in „Esprit und Geist, Versuch einer Wesenskunde des Deutschen und des Franzosen“ (1927) kulminierte. Dieses Werk, das die Details der roman. und german. Kulturforschung wesenhaft bündelte sowie in der Tradition der Romantik beide Kulturen zu ergänzen empfahl, machte W. zum wichtigsten Vertreter der geistesgeschichtlichen Kulturkomparatistik. Obgleich aufgrund seiner stereotypen Anlage überholt und schon von Kollegen wie Victor Klemperer (1881–1960) scharf kritisiert, ist die Studie bis heute ein Referenzwerk für eine vergleichende Begriffs- und Ideengeschichte.

    Eine produktive Auseinandersetzung mit W.s Schriften wurde durch deren nationales Sendungsbewußtsein erschwert, das bereits an propagandistischen Beiträgen aus der Zeit des 1. Weltkriegs abzulesen ist und W. in die Nähe zum Nationalsozialismus führte, ohne daß er jemals Mitglied der NSDAP war. Als förderlich für die Einbindung der Gegenwartsliteratur in den disziplinären Diskurs erwiesen sich v. a. W.s Einladungen franz. Gegenwartsautoren an die Univ. Berlin. Das neue Veranstaltungsformat etablierte er mit seinem germanistischen Kollegen Julius Petersen (1878–1941), der wie W. das Konzept der Generation als geschichtliche Größe theoretisierte. Zu W.s Schülern zählen Gerhard |Hess (1907–83), Paul Hartig (1898–1997) und Walter Mönch (1905–94).

  • Auszeichnungen

    |Ehrenmitgl. d. Wiss. Verbindung Rheinfranken zu Marburg (seit 1904);
    Dr. h. c. (Univ. Coimbra, Portugal 1933);
    korr. Mitgl. d. Ac. Portuguesa de História (1938) u. d. Dt. Dante-Ges. (1938).

  • Werke

    Weitere W Die Sage v. hl. Gral in ihrer Entwicklung bis auf Richard Wagners Parsifal, 1898, Nachdr. 1966;
    Giebt es Lautgesetze?, in: Forsch. z. Roman. Philol., FS H. Suchier, hg. v. J. Bédier u. a., 1900, Nachdr. 1978, S. 349–538;
    Ratschläge f. d. Studierenden d. roman. u. d. engl. Philol. an d. Univ. Marburg, 1910 (mit W. Viëtor);
    Molière als Philos., 1910, ²1915;
    Über d. Witz, 1914;
    Paul Verlaine (1844–1896), Seine Kunst u. sein Glaube, Rede an d. Ks. Geb.tag, 1914;
    Wege zu Dante, 1922;
    Die Auseinandersetzung d. dt. Geistes mit d. franz. Aufklärung (1732–1832), in: DVjS 1, 1923, S. 613–35;
    Eros u. Minne, in: F. Saxl (Hg.), Vortrr. d. Bibl. Warburg, 1923, S. 69–93;
    Dt. u. franz. Mystik, Meister Eckehart u. Bernhard v. Clairvaux, in: Euphorion 30, 1929, S. 40–93;
    Dante d. universale Denker, in: Dt. Dante-Jb. 1931, S. 45–133;
    Die Generation als Jugendreihe u. ihr Kampf um d. Denkform, 1930;
    Jugendreihen d. dt. Menschen 1733–1933, 1934;
    Hellas im Evangelium, 1936, ²1947;
    Nicolai Hartmanns krit. Ontol. als Grundwiss. u. ihre Bedeutung f. d. Geistesgesch., in: GRM 28, 1940, S.1–24;
    Das Prinzip d. geistigen Ordnung in der kastilian. Lit. u. Kunst, in: Marburger Jb. f. Kunstwiss. 13, 1944, S. 69–84;
    Hg.: Chrestomathie provençale, 2 Bde., ⁶1903 / 04 (mit K. Bartsch u. E. Koschwitz);
    Bibliogr.: Philol.-Phil. Stud., 1929 (s. L), S. 1–5;
    Nachlaß: Univ.archiv d. HU Berlin.

  • Literatur

    |F. Gundlach, Cat. professorum academiae Marburgensis, Bd. 1, 1927, Nr. 727;
    Philol.-Phil. Stud., FS f. E. W., hg. v. E. Gamillscheg, 1929 (W, P);
    K. Geisler, in: Neuphilol. Zs. 19, 1949, S. 60–62;
    W. Mönch, in: Archiv f. d. Studium d. Neueren Sprachen 102, 1950, S. 83–86;
    H. M. Bock, Tradition u. Topik d. populären Frankreich-Klischees in Dtld. 1925 bis 1955, in: Francia 14, 1986, S. 475–508;
    G. Bott, Zur Problematik d. Landeskde., Die dt. Romanistik 1900–1938 als Fallstud., 1992;
    M. Nerlich, Romanistik, Von d. wiss. Kriegsmaschine gegen Frankr. z. komparatist. Konsolidierung d. Frankreichforsch., in: Romanist. Zs. f. Lit.gesch. 20, 1996, S. 396–436;
    S. Paff, Die franz. Vortr.reihe E. W.s am Roman. Seminar d. Berliner Univ. 1926–1934, in: H. M. Bock (Hg.), Franz. Kultur im Berlin d. Weimarer Rep., 2005, S. 173–211;
    F.-R. Hausmann, „Vom Strudel d. Ereignisse verschlungen“, Dt. Romanistik im „Dritten Reich“, 2008, S. 524–26;
    P. Swiggers, Zur Diskussion über d. Lautgesetze, E. W. u. Hugo Schuchardt, in: Orbis 41, 2008 / 09, S. 395– 400;
    S. Dalstein-Paff, E. W. (1869–1949), Romanist im Dienste d. dt. Nation, Diss. Metz 2006;
    A. M. Kalkhoff, Roman. Philol. im 19. u. frühen 20. Jh., 2010, 148 f.;
    W. Asholt, Die Rolle d. Lit. b. d. Wahrnehmung des Anderen oder d. Geburt d. Kulturkde. aus d. idealist. Philol. u. d. Kriege, in: M. Grunewald u. a. (Hg.), Allemagne au XXe siècle, La production de savoir sur l’autre, Bd. 1, 2011, S. 241– 57;
    ders., Zw. Öffnung u. ideolog. Konfrontation, E. W., ebd., Bd. 2, 2012, S. 47–64;
    J. Klare, Max Leopold Wagner u. d. Romanistik an d. Berliner Friedrich-Wilhelms-Univ. bis 1945, in: Philol. im Netz 78, 2016 (Internet);
    Marburger Gel. (W, L, P);
    Biogr. Lex. Ulm;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    zur Fam.: G. Schmidt, Abriss z. Gesch. d. Fam. W., 1916.

  • Porträts

    |Photogr., Abb. in: Philol.-Phil. Stud., 1927 (s. L) u. Marburger Gel., n. S. 592.

  • Autor/in

    Alexander Nebrig
  • Zitierweise

    Nebrig, Alexander, "Wechssler, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 524-525 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012370690.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA