Dates of Life
1658 bis 1735
Place of birth
Marktbreit/Main
Place of death
Zweibrücken
Occupation
Historiker ; lutherischer Theologe
Religious Denomination
lutherisch
Authority Data
GND: 118712195 | OGND | VIAF: 68939377
Alternate Names
  • Joannis, Georg Christian
  • Ioannis, Georg Christian
  • Ioannis, Georgius Christianus
  • more

Relations

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Joannis, Georg Christian, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118712195.html [14.08.2020].

CC0

  • Genealogy

    V Martin (1621–78), Diakon in M., S d. Weingärtners Hans u. d. Anna Hilpert;
    M Martha, T d. I. G. Hochstalter;
    1) Weikersheim 1687 Maria Magdalena (1669–91), T d. hohenloh. Justizbeamten Georg Pfannenschmidt in Ingelfingen u. d. Rosina Block, 2) Kölln 1700 Adelheid Lucia, T d. Dr. iur. Gerhard Balthasar Stamm;
    1 S, 1 T aus 1), 1 T aus 2) Margarethe Gabriele ( Joh. Phil. Crollius, 1767, Historiker);
    E Georg Christian Crollius ( 1790), Historiker (s. NDB III).

  • Life

    Nach Besuch der Trivialschule im heimatlichen gräfl.-schwarzenberg. Marktbreit und des Gymnasiums in Rothenburg ob der Tauber studierte J. seit 1676 in Wittenberg und nach dem Tod des Vaters seit 1678 in Altdorf ev. Theologie. Vielleicht erwarb er hier den Magistergrad. Der arme Student galt jedenfalls schon als „Pietist“. 1681 wurde er Unterpfarrer im hohenloh. Weikersheim. Nach dem frühen Tod seiner 1. Frau gab er sein Amt unter ungewöhnlichen Umständen (eine Ehebruchsgeschichte?) auf und wandte sich nach Frankfurt/Main, von wo ihn Joh. Balthasar Ritter II 1694 als kurbrandenburg. Garnisonsprediger nach Kölln vermittelte. Im folgenden Jahr wurde er Prediger beim schwed. Gesandten in Wien, Gabriel Turesson Gf. Oxenstierna, einem Großneffen des Kanzlers, und als dieser zum Gouverneur von Zweibrücken ernannt wurde, folgte ihm J. 1702 als professor historiarum et eloquentiae an das neugegründete Zweibrücker Gymnasium Illustre, ein Mixtum aus Universität und Akademie, das freilich nur auf dem Papier stand und blieb. J. betätigte sich einstweilen als Schulvisitator und ordnete seit 1712 das herzogliche Archiv.

    Der immer stärkeren Distanzierung von der luth. Orthodoxie entsprach J.s zunehmende Hinwendung zur Historie. Polyhistorische Neigungen hatte bereits K. S. Schurtzfleisch in Wittenberg in ihm geweckt. Auf Anregung des ihm befreundeten Zweibrücker Kanzlers und Genealogen Ch. J. Nikolai v. Greyffencrantz verfaßte er 1708, wohl vor allem im Hinblick auf die kurpfalz-zweibrück. Auseinandersetzungen um das pfalzveldenz. Erbe, seine anonymen „Animadversiones“ zu K. L. Tolners „Historia Palatina“ (1700). Zudem stand er seit dem Aufenthalt 1692/94 in Beziehungen zu Frankfurter Verlegern und Gelehrten, unter ihnen zumal Z. K. v. Uffenbach, der ihm seine reiche Privatbibliothek öffnete. So konnte er durch die Edierung und Kommentierung historischer Quellen – auch Urkunden! – und Werke sein Brot finden, als er in Zweibrücken in zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und 1718 enttäuscht den schwed. Dienst quittierte. Von Karls XII. Nachfolger, Hzg. Gustav Samuel Leopold, bezog er seit 1725 wieder eine Pension. Methodisch an die Bollandisten, Mauriner und Leibniz anschließend und weltanschaulich der „Unpartheyischkeit“ Gottfr. Arnolds verpflichtet, hat sich J. im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten sowohl um die pfälz. wie um die Mainzer Geschichte verdient gemacht. Hier gab er als Wegbereiter von Würdtwein, Joh. Peter Schunk und Jos. Bodmann unter Mitwirkung V. F. v. Gudenus' drei Folianten „Scriptores Historiae Moguntinensi inservientes“ (1722/27) heraus. Dort veranstaltete er vor allem eine Neuedition der pfälz. Geschichte des Daniel Pareus (1633), schickte ihr eine beispielhafte pfälz. Bibliographie und eine Lebensgeschichte mit Werkverzeichnis des Verfassers voraus, versah sie mit einem umfangreichen kritisch-gelehrten Anmerkungsapparat und führte sie bis in die eigene Zeit fort (1717). Damit wurde er zum Vorläufer der historischen Forschung an der Mannheimer Akademie, zumal seines Enkels Georg Christian Crollius.

  • Works

    Weitere W u. a. De singulari memoratuque plane digna inclitae Ritterorum … familiae felicitate epistola, 1705, 21734;
    Examen Concilii Tridentini… Auctore Martino Chemnitio…, 2 Bde., 1707;
    Thomae Kempisii de Christo imitando, contemnendisque mundi vanitatibus libri tres, Interprete Sebastiano Castellione, 1707;
    De Eruditis, qui apud Bipontinos cum maxime per quinquaginta vel plures etiam annos officiis praefuere publicis, Schediasma, 1714;
    F. Conradi Philosophi, OSB, Chron. Schirense … Ioannis Aventini Chron. Schirense, nova hac editione ad praesens usque tempus perductum, 1716;
    Tabularum litterarumque veterum usque hoc nondum editarum Spicilegium, idque primum …, 1724;
    Veterum scriptorum, qui Caesarum et Imperatorum Germanicorum res per aliquot saecula gestas litteris mandarunt, tomus unus, a Iuslo Reubero olim editus …, 1726;
    J. F. Reigers … Ausgelöschte Chur-Pfaltz-Simmer. Stamms-Linie … (1693), 1735 (zunächst anonym 1732);
    Kal.arbb., Die Gesch. d. Hzgt. Zweybrücken betr., Nebst Forts, v. J. P. Crollius, 1825, 21829 u. d. T. Urgesch. d. Hzgt. Zweibrücken, treu wiedergegeben n. G. C. J. u. J. P. Crollius Kal.arbb. (n. J.s Anhängen z. Pfalz-Zweibrücker Kal. 1719–35).

  • Literature

    ADB 14;
    K. Hörner, G. Ch. J., 1960 (W, L);
    Wolfg. Müller, Briefe u. Akten d. Fürstabts Martin II. Gerbert v. St. Blasien 1764–93, II (Wiss. Korr. 1782–93), 1962, Nr. 260, S. 198 f.;
    P. Fuchs, Palatinatus Illustratus, Die hist. Forschung an d. kurpfälz. Ak. d. Wiss., 1963;
    Zedler 14 (W, L);
    Jöcher II (W);
    Ersch-Gruber II, 22, S. 250 f. (W).

  • Author

    Peter Fuchs
  • Citation

    Fuchs, Peter, "Joannis, Georg Christian" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 443 f. [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118712195.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Life

    Joannis: Georg Christian J., protestantischer Geistlicher und Geschichtsforscher, geb. am 4. November 1658 zu Markbreit (Franken), erhielt seine Ausbildung in Wittenberg und Altdorf, begleitete dann der Reihe nach die Stelle eines Hofpredigers bei dem Grafen Hohenlohe-Weikersheim (von 1682 an), eines Feldpredigers bei den brandenburgischen Truppen (1694) und eines Predigers bei der schwedischen Gesandtschaft in Wien (1695) und ließ sich dann (1702) auf Veranlassung des zum Statthalter in Zweibrücken berufenen Grafen Oxenstierna an dem gedachten Orte als Professor der Geschichte und der schönen Wissenschaften nieder. Aus dieser Stellung, mit welcher die Leitung des gesammten Unterrichtswesens verbunden war, schied J. nach dem Tode seines Gönners im J. 1717 aus, um sich ganz seinen Studien zu widmen. Alle Berufungen berühmter Universitäten konnten ihn nicht von Zweibrücken weglocken, woselbst er, eine Reise nach Holland abgerechnet, bis zu seinem Lebensende, 23. Februar 1735, verblieb. Das größte Verdienst erwarb sich J. durch seine Bearbeitung der Mainzer Geschichte, wobei er zunächst die Herausgabe eines Commentars und einer Fortsetzung zu des Serarius fünf Büchern Mainzer Geschichte im Auge hatte. Kaum hatte Gudenus durch eine buchhändlerische Anzeige im J. 1716 Kenntniß von dem Vorhaben des J. erhalten, als er sich mit demselben in Verbindung setzte, zur Förderung des Unternehmens das bereits durch ihn gesammelte Material dem J. zuschickte und für ihn die Archive durchsuchte. Gudenus hat in der Vorrede zum ersten Bande seines Codex diplomaticus (Göttingen 1743) das Verhältniß zu J. ausführlich dargelegt. Aus der gemeinsamen Arbeit gingen die beiden ersten, dem Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn gewidmeten Bände des Werkes von J. „Volumen I et II Rerum Moguntiacarum“ (Frankfurt a./M. bei J. M. v. Sande, 1722) hervor; die Vorrede zum ersten Bande gibt Auskunft über die benutzten Quellen (— gute Notizen hierzu enthält das auf der Stadtbibliothek zu Mainz befindliche Exemplar Bodmann's —) und gedenkt der Beihülfe des Gudenus. Nach dem Erscheinen der beiden ersten Bände erkalteten die Beziehungen der beiden Gelehrten zu einander zum Nachtheil des Unternehmens, so daß der dritte Band ("Scriptorum Historiae mogunt. tomus novus") gegen die vorhergehenden Bände zurücksteht. Zwischen die Herausgabe der ersten Bände und das Erscheinen des letzten Bandes (1727)|fallen folgende Arbeiten des J.: „Tabularum literarumque veterum spicilegium primum“ (1724); „Miscellanea hist. Palatinae maxime vero Bipont. inserv.“ (1725) und die neue Bearbeitung von Reuber's Sammlung „Veterum scriptorum“ (1726). Das Lob, welches Gudenus dem umfassenden Wissen des J. zu Theil werden läßt (doctissimus et polyhistor nulli secundus inclarescebat et huic commensurata rei historicae ac litterariae profunda scientia et penetratio in circulos se diffundebat amplissimos), ist wohl verdient. Daneben ist namentlich die vorurtheilsfreie Darstellung der Mainzer Geschichte zu rühmen.

  • Author

    Bockenheimer.
  • Citation

    Bockenheimer, "Joannis, Georg Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 97-98 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118712195.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA