Lebensdaten
1850 bis 1937
Geburtsort
Friedberg (Hessen)
Sterbeort
Schlederlohe im Isartal
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118774255 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hertwig, Richard Carl Wilhelm Theodor Ritter von
  • Hertwig, Richard (bis 1909)
  • Hertwig, Richard Carl Wilhelm Theodor (bis 1909)
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Zitierweise

Hertwig, Richard Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774255.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Oscar (s. 2);
    Vt August (s. 1);
    - München 1887 Julia (1866–1942), T d. Julius Braun (1825–69), Prof. d. Kunstgesch., Literarhistoriker (s. ADB III), u. d. Rosalia Artaria (1840–1918), Schriftstellerin (s. Brümmer; Kosch3 [unter Braun]);
    2 S, 1 T, u. a. Otto (* 1899), Baudir. d. Bayer. Verw. d. Staatl. Schlösser, Marianne (* 1896), Malerin.

  • Leben

    H. begann sein Studium der Naturwissenschaften in Jena. Durch die Vorlesung und den persönlichen Einfluß Ernst Haeckels wurde er für die Zoologie gewonnen. Auch C. Gegenbaur gehörte dort zu seinen Lehrern. 1872-74 war H. Assistent bei →Max Schultze in Bonn, 1875 habilitierte er sich in Jena für Zoologie, 1881 wurde er als ordentlich Professor nach Königsberg berufen, 1883 nach Bonn und 1885 als Nachfolger C. Th. von Siebolds nach München, wo er durch 40 Jahre die zoologische Staatssammlung und das zoologische Institut leitete. Das letztere wuchs erst unter seinen Händen aus dem Museum heraus und wurde bald zu einem internationalen Zentrum der biologischen Wissenschaft. H. war ein hervorragender Lehrmeister. Sein unübertroffenes „Lehrbuch der Zoologie“ hielt er durch 15 Auflagen stets auf dem neuesten Stand (1891/92-1931). Seine Schüler wußte er vielseitig anzuregen. Dabei nahm er ihnen nie die Freiheit, eigene Wege zu gehen.

    H.s Jugendarbeiten – meist Gemeinschaftsarbeiten mit seinem älteren Bruder Oscar – waren anatomisch-histologische Untersuchungen alter Schule, wie etwa das klassische Werk über „Die Actinien“ (Seerosen, 1879) oder das über „Das Nervensystem und die Sinnesorgane der Medusen“ (1878). Unter dem Einfluß von Darwins Lehre lag ihnen der Leitgedanke zugrunde, der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Organe nachzuspüren. Weitere Untersuchungen über die Befruchtung und Entwicklung der Seeigel-Eier führten zu kausalen Fragestellungen und hiermit zum Experiment. Hierdurch, und noch mehr auf seinem späteren eigensten Arbeitsgebiete, der Protozoenkunde (Lehre von den einzelligen Tieren), wurde H. zu einem der Begründer der experimentellen Zoologie. Auch Fragen der Vererbungslehre und Geschlechtsbestimmung suchte er experimentell anzugreifen. Einsetzend an der Wegscheide zwischen dem alten, beschreibenden und dem jungen, experimentierenden Zeitalter der Zoologie, hat er zu beiden Epochen grundlegende Beiträge geliefert.

    H. hat große Verdienste um die Förderung des biologischen Unterrichts an den höheren Schulen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. zahlr. Ak., u. a. Berlin, Wien, München, Göttingen, Dr. phil. h. c, Maximiliansorden f. Kunst u. Wiss., Friedensklasse d. Ordens pour le mérite (1933), Helmholtz-Medaille (1917).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Organismus d. Radiolarien, 1879 (mit Oscar Hertwig);
    Experimentelle Unterss. üb. d. Bedingungen d. Bastardbefruchtung, in: Jena. Zs. f. Naturwiss. 19, 1886, S. 121-65 (mit dems.);
    Über d. Befruchtungs- u. Teilungsvorgang d. tier. Eies unter d. Einfluß äußerer Agenden, ebd. 20, 1887, S. 120-41, 477-510;
    Über d. Konjugation d. Infusorien, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., II. Cl., 17. Bd., 1. Abt., 1889;
    Über Kernteilung, Richtungskörperbildung u. Befruchtung v. Actinosphärium Eichhorni, ebd. 19, 3. Abt., 1889;
    A Manual of Zoology, New York 1902;
    Über Parthenogenesis bei Infusorien u. d. Depressionszustände d. Protozoen, in: Biolog. Zbl. 34, 1914;
    Über d. Einfluß d. Überreife d. Eier auf d. Geschlechtsverhältnis v. Fröschen u. Schmetterlingen, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss.,|math.-physikal. Kl., 1921;
    Abstammungslehre u. neuere Biol., 1927.

  • Literatur

    Erinnerungen an d. Feier d. 60. Geb.tages v. Prof. Dr. R. H., 1910 (P);
    O. Koehler, in: Dt. Med. Wschr., 1935, S. 1819 (P);
    K. v. Frisch, R. v. H., Gedächtnisrede in d. öff. Sitzung d. Bayer. Ak. d. Wiss. am 15.6.1938, 1938 (W-Verz.);
    J. Seiler, in: Verhh. d. Schweizer. Naturforsch. Ges., 1938, S. 442 f. (P);
    K. Grobben, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 88, 1938, S. 247-51 (P);
    Max Hartmann, in: Naturwiss. 26, 1938, S. 65-67 (P);
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    Phot. in: Geist u. Gestalt, Biogr. Btrr. z. Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., III, 1959, Nr. 161.

  • Autor/in

    Karl von Frisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Frisch, Karl von, "Hertwig, Richard Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 707-708 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118774255.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA