Lebensdaten
1871 bis 1952
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Erlangen
Beruf/Funktion
Paläontologe
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 107548739 | OGND | VIAF: 66985679
Namensvarianten
  • Stromer von Reichenbach, Ernst Freiherr
  • Stromer, Karl Heinrich Ernst Wolfgang Freiherr von
  • Stromer, Ernst Freiherr von
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Zitierweise

Stromer, Ernst Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd107548739.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1831–91, Jur., 1. rechtskundiger Bgm. v. N. (s. Fam.art.), S d. Friedrich (1789–1842, bayer. Hptm. à la suite, u. d. Karoline Moellenthiel (1793–1863);
    M Bertha (1842–1916, T d. Joachim Ottomar Frhr. v. Beust (1810–86, sachsen-altenburg. Kammerherr, Major, u. d. Karoline Edle v. Braun (1816–45;
    München 1920 Elisabeth (Elise) (1886– 1977), aus Kairo, T d. Johann Rennebaum (1858–1937), Dipl.-Ing., Architekt, konservierte u. restaurierte islam. Kulturdenkmäler in Kairo, errichtete u. a. d. Shepheard`s Hotel ebd. (s. Berühmte Nürnberger), u. d. Luise Ried;
    3 S (2 ⚔) Wolfgang (1922–99, Prof. d. Wirtsch.gesch. in N. (s. Fam.art.).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Gymnasium in Nürnberg studierte S. Medizin in München bis zum Physikum (1880–92) und Straßburg (1893). Ab 1893 erweiterte er sein Studiengebiet auf Naturwissenschaften an der TH und an der Univ. München, hörte Zoologie bei Richard Hertwig (1850–1937), Paläontologie bei Karl Alfred v. Zittel (1839–1904) sowie ab 1896 Geographie bei Ferdinand v. Richthofen (1833–1906) in Berlin. Bei v. Zittel wurde S. 1895 mit der Literaturarbeit „Die Geologie der deutschen Schutzgebiete in Afrika“ zum Dr. phil. promoviert. Von Berlin ging S. 1897 als Konservator an das geologisch-mineralogische Reichsmuseum in Leiden, mußte diese Tätigkeit aber krankheitsbedingt aufgeben. Erst 1899 konnte er in München und Berlin seine Studien wieder aufnehmen. Gleichzeitig entstand seine erste paläontologische Studie über Rhinozerosreste aus den Leidener Museumsbeständen. 1901 habilitierte er sich an der Univ. München bei v. Zittel mit einer Arbeit über „Die Wirbel der Landraubtiere“. Angeregt durch die Afrikaexpeditionen von Gerhard Rohlfs (1831–96), Georg Schweinfurth (1836–1925) und Max Blanckenhorn (1861–1947) befaßte sich S. mit fossilen Wirbeltieren Afrikas. Er erforschte in den Wintern 1901/02, 1903/04 und 1910/11 auf der Grundlage früherer Expeditionen das ägypt. Tertiär. S.s sensationelle Fossilfunde in der Oase Baharia (Bahariya, Barharije), wie Aegyptosaurus baharijensis (1932), Bahariasaurus (1934), Carcharodontosaurus (1931) oder Spinosaurus aegypticus (1915), gelangten kriegsbedingt erst 1922 schwer beschädigt in die paläontologische Staatssammlung nach München und gingen 1944 durch Bombardement verloren. Seine wissenschaftlichen Ergebnisse über die tertiären und kreidezeitlichen Wirbeltierfaunen veröffentlichten S. und seine Mitarbeiter Othenio Abel (1875–1946), Tilly Edinger (1897–1967), Max Hirmer (1893–1981), Richard Markgraf (1869–1916) und Bernhard Peyer (1885–1963) in den Abhandlungen und Sitzungsberichten der Bayer. Akademie der Wissenschaften, welche die Expeditionen mitfinanziert hatte.

    1908 wurde S. ao. Professor an der Univ. München, 1910 erhielt er einen Lehrauftrag für systematische Paläontologie. Während des 1. Weltkriegs arbeitete er als Wehrgeologe an der geolog. Landesanstalt in Straßburg.|Mit seinem Einkommen gründete er 1917 eine Stiftung zur Förderung der Paläozoologie mit Auslobung eines Preises (1920) für die chemische Präparation von Fossilien. Sein Lehrbuch „Lehrbuch der Paläozoologie“ (2 Bde., 1909/12) (Wirbellose/Wirbeltiere) mit grundlegenden Darstellungen zur Paläoökologie und Paläobiogeographie der Säugetiere sowie mit Theorien zu deren Entwicklung und Aussterben erlangte jedoch nicht die Verbreitung von Zittels „Lehrbuch der Paläozoologie“ (2 Bde., 1895).

    An der Bayer. Staatssammlung für Paläontologie arbeitete S. 1919 als Assistent und ab 1920 als Hauptkonservator. 1921 erfolgte seine Ernennung zum Honorarprofessor für Paläontologie an der Univ. München. 1930–37 war er unter Ferdinand Broili (1874–1946) Abteilungsdirektor der Staatssammlung für Paläontologie. Im Ruhestand lebte S. bis 1943 in München und übersiedelte kriegsbedingt auf den Familienstammsitz Grünsberg bei Altdorf.

    Das bei den Expeditionen v. a. von Richard Markgraf geborgene Material bearbeitete er z. T. selbst oder überließ es Spezialisten wie den Paläobotanikern Richard Kräusel (1890–1966) und Walther Gothan (1879–1954). Neben seinen Arbeiten zu jungtertiären Fischen, Reptilien und Säugern stellte S. seine Forschungsergebnisse auch populärwissenschaftlich in Beiträgen zur Geographie der bereisten Gegenden sowie in zahlreichen Artikeln in Tageszeitungen, Fachzeitschriften und illustrierten Wochenblättern vor.

    Als S. nach dem 1. Weltkrieg nicht mehr in Afrika weiterforschen konnte, wandte er sich bayer. Fundstellen zu. Beim Bau des Isarkanals in München entdeckte er 12 m unter der Flußsohle im sog. Münchener Flinz Wirbeltierfaunen der Oberen Süßwassermolasse. Dort fand er die neue Antilopengattung Miotragocerus mit der neuen Art Miotragocerus monacensis. Größere Aufmerksamkeit in den Medien erregte der Fund von Kopfteilen eines Dinotherium gigantheum, Unterkieferresten vom Mastodon und Backenzähnen eines Rhinocerotiden. Diese trugen wesentlich zur Klärung der voreiszeitlichen Fauna und des Paläoklimas in Bayern bei.

    S.s Fossilfunde in der Oase Baharia wurden 2001 von einer US-amerik. Expedition unter Joshua Smith auf seinen Spuren bestätigt und erweitert. In Anerkennung von S.s Leistungen wurde ein dort aufgefundener Sauropode „Paralititan stromeri“ benannt.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Senckenberg. Naturforsch. Ges. (korr. 1908), d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1916, o. 1921) u. d. Inst. d`Egypte (1938);
    Ehrenmitgl.

    d. Paläontol. Ges. (1942) u. d. Naturhist. Ges. Nürnberg.

  • Werke

    mehr als 200 Aufss. u. Bücher, u. a. Ist der Tanganyika e. Reliktensee?, in: Petermanns Geogr. Mitt. 47, 1901, S. 275–78;
    Ueber d. Bedeutung d. fossilen Wirbeltiere Afrikas f. d. Tiergeogr., in: Verh. d. Dt. Zool. Ges. 16, 1906, S. 204–18;
    Das Original d. Theropoden Spinosaurus aegyptiacus, in: Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 28/3, 1915;
    Stomatosuchus inermis Stromer, ein schwach bezahnter Krokodilier, ebd. 30/6, 1925;
    Ein Skelett v. Carcharodontosaurus nov. gen., ebd. NF 9, 1931;
    Sauropoda, ebd. 10, 1932;
    Baharije-Kessel u. -Stufe mit deren Fauna u. Flora, Eine erg. Zus.fassung, ebd. 33, 1936;
    Die jungtertiäre Fauna d. Flinzes u. d. Schweiss-Sandes v. München, ebd. 48, 1940;
    Nachruf Ferdinand Broili, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944 /48, 1948, S. 219–21;
    Unsere Ahnen in d. Reichsstadt Nürnberg 1250–1806, 1951.

  • Literatur

    R. Richter, in: Natur u. Volk 83, 1953, S. 136 (P);
    R. Dehm, in: Paläontol. Zs. 30, 1956, S. 218–20 (P);
    A. Wurm, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1953, S. 181–85 (P);
    W. Nothdurft, J. Smith u. a., The lost Dinosaurs of Egypt, 2002, bes. S. 3–46 u. 201–07;
    J. Smith u. a., A Giant Sauropod Dinosaur from an Upper Cretaceous Mangrove Deposit in Egypt, in: Science 292, 2001, S. 1704–06;
    J. B. Smith, New Information regarding the Holotype of spinosaurus aegyptiacus stromer, 1915, in: Journal of Paleontology 80, 2006, S. 400–06;
    Rhdb. (P);
    Munzinger;
    Bayer. Biogr. Enz.;
    Qu:
    Archiv d. Bayer. Staatsslg. f. Paläontol. u. Geol., München (W-Verz.);
    Archiv d. Stromerschen Kulturgut-, Denkmal- u. Naturstiftung, Burg Grünsberg b. Altdorf.

  • Autor/in

    Barbara Sperling
  • Empfohlene Zitierweise

    Sperling, Barbara, "Stromer, Ernst Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 577-578 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd107548739.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA