Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Nürnberger Patrizierfamilie
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118720058 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haller von Hallerstein

Orte

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Zitierweise

Haller von Hallerstein, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118720058.html [20.09.2019].

CC0

  • Leben

    Das ursprünglich in Tirol als Ministeriale der Herzöge von Andechs-Meranien und der Grafen von Tirol ansässig gewesene und in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts nach Franken übergesiedelte Geschlecht gehört zu den ersten|Familien der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg. Als Finanziers, im Fernhandel und Montanwesen einerseits, im Dienst an Fürsten- und Kaiserhöfen andererseits tätig, wurden die H. in vielen Ländern ansässig. Der Gründer der zwei heute noch blühenden Linien, Peter (circa 1348–1425), war ein angesehener Politiker und gleichzeitig erfolgreicher Großkaufmann und Montanindustrieller mit engen Beziehungen zum Kaiserhof und zu den Fürstenhöfen sowie weitreichenden Handelsbeziehungen nach Böhmen, Italien und so weiter – Bedeutendere Mitglieder ausgestorbener Linien waren: Bertold ( 1379), Begründer einer bedeutenden Sozialstiftung (1945 erloschen) und Großfinanzier für Kaiser Karl IV. (s. Literatur), Conrad (1464–1545), der das durch seine Wappen- und andere Malereien berühmte Hallerbuch (Staatsarchiv Nürnberg) verfaßte (s. Literatur), dessen Sohn Conrad (1490–1562), Dr. iur., Rat Karls V. und Ferdinands I., Beisitzer am Kammergericht zu Speyer und Obervogt von Ettlingen, Wolf ( 1523), Rat und Hauskämmerer Kaiser Maximilians zu Innsbruck, Wilhelm (1478–1534), der sich in Astronomie und anderen Wissenschaften betätigte und mit Albrecht Dürer in engerem Kontakt stand, auf dessen Allerheiligenbild er in voller Rüstung dargestellt ist (s. Literatur), Sebald (1500–78), lange Jahre Rat und Sekretär Karls V. in Spanien und dessen Begleiter in England, Frankreich und Deutschland, dann erster Diplomat und Politiker der Reichsstadt Nürnberg (Porträt von H. Brosamer). – Im Ausland und vor allem im oberdeutschen Raum erwarb die Familie zahlreiche Besitzungen. Mitte des 16. Jahrhunderts zogen sich die Familienmitglieder völlig vom Handel zurück auf ihre Güter, in Stadt- und Staatsstellungen. Mehrere höhere Offiziere und Beamte gingen aus der Familie hervor, unter anderem: Martin (1551–1617), Reichsschultheiß zu Nürnberg und Verfasser gelehrter Schriften (s. Werke), Johann Sebastian (1684–1745), Generalfeldmarschall-Leutnant des fränkischen Kreises, Johann Sigmund (1723–1805), Kriegsrat und letzter Reichsschultheiß zu Nürnberg, insbesondere in der schwierigen Zeit der preußischen Besetzung, Johann Georg (1773–1852), kaiserlich-königlicher Kammerherr und Generalfeldmarschall-Leutnant, Georg (1786–1854), bayerischer Generalmajor und Brigadier. – Hieronymus ( 1519, Porträt von B. Striegel), Freund der Humanisten und Gönner des Conrad Celtis, Rat und Zahlmeister Kaiser Maximilians, gründete eine Nebenlinie, die mehr die Gelehrtenrichtung einschlug (s. Literatur): so vor allem Christoph Joachim (1723–92), Scholarch und Kurator der Universität Altdorf, bayerischer Geheimer Rat, der einen umfangreichen Briefwechsel, unter anderem mit Herzog Carl von Braunschweig, Markgräfin Sophie Caroline von Brandenburg sowie eine große Bibliothek mit kostbaren Werken und Handschriften hinterließ (s. Werke, Literatur). Seine Neffen waren die Brüder Christoph (siehe Genealogie 5) und Carl (s. 5). – In der Zeit Karls V. hervorragende Familienmitglieder waren außerdem die Brüder Bartholomäus (s. 2) und Wolf (s. 8) sowie Peter (s. 6). Dieser begründete die Siebenbürgische Linie, die von Gabriel (1558–1608), Obergespan des Komitats Kokelburg, Kammergraf und Kapitän von Fogaras sowie Schatzmeister in Siebenbürgen, fortgesetzt wurde. Dessen von den Türken ermordeter Enkel Gabriel (1614–63), Siebenbürger Rat, Obergespan des Komitats Zaránd und Kapitän von Borosjenö und Großwardein, hinterließ ein zeitgeschichtlich interessantes Tagebuch (s. Werke). Weitere Nachkommen: Ladislaus (1717–51), literarisch mit einer Übersetzung des „Telemach“ in das Ungarische hervortretend; dessen Bruder Gabriel (1717–84), General, Obrist-Truchseß und Gouverneur von Siebenbürgen; Franz (1796–1875), kaiserlich-königlicher General der Kavallerie, Kommandeur der ungarischen Leibgarde und Ban von Kroatien. Adalbert (1854–1914) wanderte zurück nach Deutschland, wurde Professor in Göttingen und Heidelberg und verfaßte verschiedene zoologische Abhandlungen, insbesondere über die Anatomie der Weichtiere (s. Werke). – Einem anderen Zweig entstammte Samuel ( 1777), der als Generalfeldzeugmeister das Hallersche Infanterieregiment gründete; ferner Ladislaus ( 1842), General über ein Hallersches Husarenregiment. – Der ausgestorbene Zweig der H. von H. in Krain, Kärnten und Steiermark trat erstmals in Laibach auf mit Georg ( circa 1585), Förderer des Protestantismus und der Bibelübersetzung des Dalmatin. Ein Nachkomme von ihm war der Missionar Augustin (s. 1).

  • Werke

    zu Martin: Fundamenta simplicis jurisdictionis, Nürnberg 1609;
    zu Christoph Joachim: De judiciis communitatem, Altdorf 1745;
    zu Gabriel: Haller Gabor naplója 1630-44, in: Erdély Történelmi Adatok IV, 1862;
    zu Adalbert: Die Organisation d. Chitonen d. Adria, in: Arbb. aus d. zoolog. Inst. d. Univ. Wien 4, 1882;
    Die Morphol. d. Prosobranchier, in: Morpholog. Jb. 14, 1888.

  • Literatur

    L zur Gesamtfam.: J. Bedeus v. Scharberg, Die Fam. d. Herren u. Grafen v. H., in: Archiv f. Siebenbürg. Landeskde. NF 3, 1858;
    L. Szádeczky, A gróf H.-család nemzetségkönyve, in: Turul 4, Budapest 1886;
    G. Frhr. v. Pölnitz, Jacob Fugger, 2 Bde., 1955/57;
    ders., Anton Fugger, 2 Bde., 1958/63;
    Helmut Frhr. Haller v. Hallerstein, Die H. zu Bamberg u. zu Nürnberg, in: 96. Jb. d. Hist. Ver. Bamberg, 1959;
    ders., Die H. v. H., Eine Nürnberger Patrizierfam. im europ. Raum, in: Mitt. Stadtbibl. Nürnberg 10, 1961;
    ders., Die Fam. H. v. H., in: Porträts dt. Montanunternehmer, Röchling-Festschr., 1963;
    A. Kubinyi u. ders., Die Nürnberger H. in Ofen, in: Nürnberger Mitt. 52, 1963/64;
    Die H. v. H., in: Ausstellungskat. d. Stadtbibl. Nürnberg 21, 1962;
    Wurzbach VII. - Zu Bertold: H. Frhr. Haller v. Hallerstein, Das H.sche Pilgrimspital z. Hl. Kreuz vor Nürnberg, 1965;
    - zu Conrad
    ( 1545): A. Gümbel, Georg Pentz u. d. Nürnberger Hallerbuch, in: Neue archival. Btrr. z. Nürnberger Kunstgesch., 1919;
    - zu Wilhelm:
    ders., Dorothea Hallerin, 1925;
    O. Mitius, Mit Albrecht Dürer nach Heroldsberg und Kalchreuth, 1924; zu Hieronymus:
    H. Rupprich, Konrad Celtis u. d. Nürnberger Ratsherr H. H., in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 32, 1934;
    P. Strieder, Bernhard Striegels Bildnis d. H. H., in: Die 7 Schwaben, 1952; zu Christoph Joachim:
    Bibl. Ch. J. H. de H., 3 Bde., Nürnberg 1798;
    Reichold, Sophie Caroline Marie von Brandenburg-Bayreuth, in: 77. Jb. d. Hist. Ver. Mittelfranken, 1957; zu Franz:
    Enc. Jugoslavije III, Zagreb 1958. |

  • Quellen

    Qu.: Archiv d. H. v. H., Schloß Gründlach/Mfr. (vgl. Bayer. Archivinventare 26, 1964).

  • Autor/in

    Helmut Freiherr Haller von Hallerstein
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Haller von Hallerstein, Helmut Freiherr, "Haller von Hallerstein" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 555-557 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118720058.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA