Weyrauch, Wolfgang

Lebensdaten
1904 – 1980
Geburtsort
Königsberg (Ostpreußen)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Publizist
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Weyrauch, Wolfgang Karl Joseph
  • Scherer, Joseph (Pseudonym)
  • Weyrauch, Wolfgang
  • Weyrauch, Wolfgang Karl Joseph
  • Scherer, Joseph (Pseudonym)
  • scherer, joseph
  • Weyrauch, Wolfgang Karl Josef
  • scherer, josef

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Zitierweise

Weyrauch, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142101.html [13.01.2026].

CC0

  • Weyrauch, Wolfgang Karl Joseph (Pseudonym Joseph Scherer)

    | Schriftsteller, Publizist, * 15.10.1904 Königsberg (Ostpreußen), † 7.11.1980 Darmstadt, Hamburg-Volksdorf, Waldfriedhof. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Friedrich Gustav (1873–1955), Reichsbahnvermessungsrat in K. u. Frankfurt/M., S d. Peter u. d. Karoline Zwetsch, beide in Idar-Oberstein;
    M Anna Maria Viktoria Franziska (1877–1952, kath.), T d. Johann(es) Scherer, Apotheker in Hofheim u. Flörsheim, u. d. Wilhelmine Friederike Lometsch (ev.);
    1) Frankfurt 1930 1935 Gerti Geis (1911–2011), Journ., emigrierte 1939 n. Santiago (Chile), 2) Berlin 1936 1946 Inge (eigtl. Ingeborg Hannah) Conradi (1907–1990), aus Köln, Schausp. (s. Kürschner, Theater-Hdb. 1956), 3) Berlin 1946 Margot (1921–2011), T d. Ernst v. Kurnatowski (1880–1948), Gen.major, u. d. Margot Freiin v. Langermann u. Erlencamp (1886–1956);
    1 S aus 1) Michael (* 1933), 1 S aus 3) Tobias (* 1958), 2 T aus 3) Ulrike (* 1945), Babette (* 1948).

  • Biographie

    W. wuchs seit 1907 in Frankfurt/M. auf, wo er nach der Volksschule das Ks.-Wilhelms-Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur 1924, Schauspielausbildung in Frankfurt/M. und Engagements in Münster, Bochum und am Harztheater in Thale sowie einem abgebrochenen Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte an der Univ. Frankfurt/M. 1927–29 begann er Ende der 1920er Jahre im Umfeld der „Frankfurter Zeitung“ mit dem Schreiben, arbeitete für den Rundfunk und trat seit 1934 mit Buchpublikationen hervor. In zahlreichen Beiträgen für Zeitungen (Berliner Tagebl., Voss. Ztg., Köln. Ztg., Das Reich, Völk. Beobachter) und Zeitschriften (Rufer u. Hörer, Der Querschnitt, Uhu, Der Silberspiegel, Dt. Zukunft) finden sich Anzeichen für eine Distanz zum NS-System, aber auch Anpassungsleistungen. Damit weist sein Werdegang Gemeinsamkeiten auf mit der Entwicklung einer Reihe von Autoren (Alfred Andersch, Günter Eich, Peter Huchel, Marie Luise Kaschnitz, Wolfgang|Koeppen, Ernst Kreuder, Karl Krolow, Hans Erich Nossack, Luise Rinser), die als Verfasser nicht-nationalsozialistischer Literatur ihr Schreiben im „Dritten Reich“ fortsetzen konnten, den Umfang ihrer literarischen Produktion aber nach 1945 verschwiegen.

    1940 wurde W. zum Luftnachrichtendienst einberufen und geriet als Obergefreiter nach Kriegsende in sowjet. Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Aug. 1945 war W. als Redakteur für die satirische Zeitschrift „Ulenspiegel“ (Günther Weisenborn, 1902–69, Herbert Sandberg, 1908–91) sowie für die Zeitschrift „Ost und West“ tätig und trat dem „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ (1946/47) bei. W. fälschte sein Geburtsdatum auf das Jahr 1907, um sich einer „jungen Generation“ zuzuordnen, der er sich in seinem Wunsch nach einem politischen wie literarischen Neubeginn zugehörig fühlte. 1951–65 nahm er an den Treffen der „Gruppe 47“ teil. W. hatte seine eigene literarische Entwicklung stets in Abhängigkeit von Wegbegleitern (Siegfried Kracauer, 1889–1966, Paul Scheffer, 1883–1963, Paul Fechter, 1880–1958) gesehen und übernahm nun selbst die Rolle des Mentors einer nachfolgenden jungen Schriftstellergeneration. Er gab viel zitierte Empfehlungen, wie nach 1945 zu schreiben sei, v. a. mit seinem als „Manifest vom Kahlschlag“ verstandenen Nachwort (in: Tausend Gramm, Ein dt. Bekenntnis in 30 Geschichten aus d. J. 1949, hg. v. W. W., 1949, Neuausg. 1989, S. 175–83).

    Als Lektor des Rowohlt Verlags 1950–58 förderte er Autoren wie Arno Schmidt, Helmut Heißenbüttel und Peter Härtling und übte als Initiator des „Leonce-und-Lena-Preises“ (1968, Juror 1968–79) und als Jurymitglied für den „Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik“ (1976) Einfluß auf die Gegenwartsliteratur aus. Seine programmatischen Texte sind geprägt von Selbstrechtfertigungen und moralisierenden Appellen an seine Schriftstellerkollegen, enthalten jedoch weder eine kritische Reflexion noch ein klares Schuldeingeständnis. Auch als er in seinen Texten gesellschaftspolitisch relevante Themen aufgriff (Pläne zur atomaren Bewaffnung der Bundesrepublik, Atomversuche, Studentenbewegung und außerparlamentarische Opposition), konnte er kein breites Lesepublikum mehr gewinnen. In der Literaturgeschichtsschreibung erscheint W., der 1950–52 in Worpswede, 1952–58 in Hamburg, 1959–67 in Gauting bei München und danach in Darmstadt lebte, als einflußreicher Vertreter der (west-)dt. Nachkriegsliteratur, während sein literarisches Werk weitgehend in Vergessenheit geriet.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. PEN-Zentrums d. Bundesrep. Dtld. (1957) u. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung in Darmstadt (1967, Vizepräs. 1972);
    – Ehrende Erwähnung b. Kleistpreis (1928);
    Erzählerpreis d. Zs. „die neue linie“ (1943);
    Hörspielpreis d. Kriegsblinden f. d. J. 1961 (1962);
    Stereo-Hörspielpreis d. ARD (1967);
    Johann-Heinrich-Merck-Ehrung d. Stadt Darmstadt (1972);
    Andreas-Gryphius-Preis (1973);
    Ehrengabe d. Kulturkreises im BDI (1979);
    – W.-W.-Förderpreis d. Stadt Darmstadt (zweijährig seit 1979).

  • Werke

    Weitere W Der Main, Eine Legende, 1934, ²1947;
    Strudel u. Quell, Roman, 1938;
    Ein Band f. d. Nacht, Novellen 1939;
    Eine Inselgesch., 1939;
    Das Liebespaar, Eine Erz. u. e. Zwiegespräch, 1943;
    Auf d. bewegten Erde, Prosa, 1946;
    Von d. Glücks Barmherzigkeit, Gedichte, 1946;
    Die Liebenden, Erz., 1947;
    Die Davidsbündler, Prosa, 1948;
    Lerche u. Sperber, Gedichte, 1948;
    An die Wand geschrieben, Gedichte, 1950;
    Bitte meiner älteren Tochter, Lyrik, 1952;
    die feuersbrunst, Prosa, 1952;
    ber. an d. reg., Prosa, 1953, Neuaufll. 1957, 1983;
    die minute d. negers, Lyrik, 1953;
    Gesang um nicht zu sterben, Neue Gedichte, 1956;
    Nie trifft d. Finsternis, Gedichte, 1956;
    Anabasis, Hörspiel, 1959;
    Mein Schiff, d. heißt Taifun, Erzz., 1959, Neuaufl. 1964;
    Dialog mit dem Unsichtbaren, Sieben Hörspiele, 1962;
    Die Spur, Lyrik, 1963;
    Unterhaltungen v. Fußgängern, Erzz., 1966;
    Etwas geschieht, Prosa, 1966;
    Geschichten z. Weiterschreiben, 1969;
    Wie geht es Ihnen?, Prosa, 1971;
    Ein Clown sagt: Ich bin e. Zweifler, Denktexte f. junge Leser, 1971;
    Mit d. Kopf durch d. Wand, Geschichten, Gedichte, Essays u. e. Hörspiel, 1972, erw. Sonderausg. 1977;
    Beinahe tägl., Geschichten, 1975;
    Das Komma danach, Gedichte, 1977;
    Ein Schluck v. Vernunft, Essay, 1978;
    Fußgänger, B-Ebene, Hauptwache, Rolltreppe, hinauf, hinab, Lyrik, 1978;
    Hans Dumm, 111 Geschichten, 1978;
    Anders wär’s besser, Jugendbuch, 1982;
    Dreimal geköpft, Unbek. Gedichte, 1983;
    Proust beginnt zu brennen, Erzz., 1985;
    Atom u. Aloe, Ges. Gedichte, 1987, 1991;
    Das war überall, Erzz., 1998;
    Hg. u. a.: 1940, Junge dt. Prosa, 1940;
    Das Berlin-Buch, 1941;
    Die Pflugschar, 1947;
    Expeditionen, Dt. Lyrik seit 1945, 1959;
    Ich lebe in d. Bundesrep., 1960;
    Lyrik aus dieser Zeit 1965/66, 1965;
    Federlese, Ein Alm. d. Dt. PEN-Zentrums d. Bundesrep., 1967 (mit B. Reifenberg);
    Lyrik aus dieser Zeit 1967/68, 1967;
    War ich e. Nazi?, 1968;
    Fazit 60er J., 1970;
    Neue Expeditionen, Dt. Lyrik v. 1960–1975, 1975;
    Literar. März, 1979;
    Mein Gedicht ist d. Welt, 2 Bde., 1982;
    Bibliogr.: U. Landzettel, W. W., Eine Bibliogr., 2003;
    Nachlaß: DLA Marbach/Neckar.

  • Literatur

    |R. Drews, Ein Dichter stellt sich seiner Zeit, in: Aufbau 4, 1948, H. 9, S. 810–12;
    M. Walser, Regie-Erfahrungen mit W.s Hörspielen, in: W. W., Dialog mit dem Unsichtbaren, 1962, S. 245–48;
    D. Hasselblatt, W. W., Dialog mit dem Unsichtbaren, in: Neue dt. Hh. 10, 1963, H. 92, S. 124 f.;
    M. Durzak, Versuch über W. W., in: Akzente 24, 1977, H. 5, S. 476–79;
    R. Döhl u. a., Zu d. Hörspielen W. W.s, 1981;
    H. Vormweg, in: P.E.N.-Schriftst.lex. Bundesrep. Dtld., hg. v. M. Gregor-Dellin u. E. Endres, 1982, S. 217 f.;
    U. Landzettel, Identifikationen e. Eckenstehers, Der Schriftst. W. W. (1904–1980), 2003;
    DBE;
    Killy1+2;
    KLG;
    KLL;
    Kosch, Lit.-Lex³ (W, L);
    Kunisch;
    Lit. Nazi-Dtld.;
    Munzinger.

  • Porträts

    |Photogrr. v. B. Friedrich, 1969, 1979 (München, Archiv SZ), u. v. T. Richter, Abb. in: dies., Die Gruppe 47 in Texten u. Bildern, 1997 u. v. I. Ohlbaum.

  • Autor/in

    Ulrike Landzettel
  • Zitierweise

    Landzettel, Ulrike, "Weyrauch, Wolfgang Karl Joseph (Pseudonym Joseph Scherer)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 16-18 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142101.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA