Lebensdaten
1862 bis 1940
Geburtsort
Herbitzheim (Unterelsaß)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
katholischer Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118529315 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ehrhard, Maria Joseph Albert
  • Ehrhard, Albert
  • Ehrhard, Maria Joseph Albert
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Zitierweise

Ehrhard, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529315.html [16.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Anton, Lehrer;
    M Maria Ludovica Frey.

  • Leben

    E. machte den damals für den katholischen Klerus im Elsaß vorgeschriebenen Bildungsgang (zum Teil noch in Frankreich) durch und wurde 1889 zum Professor am Priesterseminar in Straßburg ernannt. 1892 erhielt er den Ruf als ordentlicher Professor der Kirchengeschichte an die Universität Würzburg. In gleicher Eigenschaft wirkte er seit 1898 in Wien und seit 1902 in Freiburg (Breisgau) (Nachfolge von F. X. Kraus). 1903 wurde er an die damals neu errichtete katholisch-theologische Fakultät der Universität Straßburg berufen. Von dort 1918 wegen seines entschiedenen Bekenntnisses zur deutschen Eigenart seiner Heimat und zu Deutschland vertrieben, lebte er zunächst in München und vertrat dann ab 1920 bis an sein Lebensende die Kirchengeschichte an der Universität Bonn.

    E.s Kennerschaft umfaßte die gesamte Kirchengeschichte; welches Thema er auch literarisch anpackte, immer hat er dank einer festgefügten Methodik über sämtliche Quellen und Hilfsmittel verfügt. Vorwiegend aber galt sein Interesse dem griechischen Osten in früh-christlicher und byzantinischer Zeit. Mit dem kritisch sichtenden Werk „Die altchristliche Litteratur und ihre Erforschung seit 1880“ (2 Teile, = Straßburger theologische Studien, 1894 und 1900) ist E. mit einem Schlag berühmt geworden. Als zweites Hauptwerk hat wohl die vorwiegend aus den Quellen schöpfende Bearbeitung der „Theologie“ in K. Krumbachers „Geschichte der Byzantinischen Litteratur von Justinian bis zum Ende des oströmischen Reiches“ (21897) zu gelten. Von der Preußischen Akademie mit der Herausgabe der Märtyrerakten im Rahmen der „Griechischen Christlichen Schriftsteller“ beauftragt, hat alsdann E. Jahrzehnte hindurch seine enorme Arbeitskraft überlieferungsgeschichtlichen Untersuchungen gewidmet. Daraus entstand das circa 2750 Handschriften klassifizierende Werk „Überlieferung und Bestand der hagiographischen und homiletischen Literatur der griechischen Kirche“(= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur 50-52, 1936-43). Zwei weitere Bände harren noch der postumen Herausgabe. – Außerdem hat E. seine an französischem Vorbild geschulte Vortragskunst und seine gewandte Feder immer wieder in den Dienst des gebildeten Laientums gestellt. Nicht unerwähnt kann ferner die Anteilnahme bleiben, die er an den kirchenpolitischen Kämpfen um die Jahrhundertwende im sogenannten Modernistenstreit genommen hat. Keinen Augenblick an seiner Kirche zweifelnd, hat er doch gegen die Angst vor den Ergebnissen einer freien Forschung seine Stimme erhoben und ist insbesondere als Verteidiger der katholischen Fakultäten an den deutschen und österreichischen Universitäten aufgetreten. Namentlich während seiner Wiener Tätigkeit war er das Ziel heftigster Anfeindungen. Seine kämpferische Gestalt ist aus der Geschichte des deutschen Katholizismus nicht wegzudenken. – Mitglied der Akademie der Wissenschaften von Wien, München, Berlin, Ehrendoktor von Saint Andrews, Athen und Frankfurt/Main, päpstlicher Hausprälat.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gelehrte Schrr.: Die Cyrill v. Alexandrien zugeschriebene Schrift Περὶ τῆς τοῦ Κυρίου ἐνανϑρωτήσεως ein Werk Theodorets v. Cyrus, Diss. Tübingen 1888;
    4 bibliotheksgeschichtl. Unterss. anläßlich e. Reise nach Palästina, in: Röm. Quartalschr. 1891, 1892, 1893 u. HJb. 1892;
    Die Legendenslg. d. Symeon Metaphrastes u. ihr urspr. Bestand, in: Festschr. z. Jubiläum d. dt. Campo Santo in Rom, 1897;
    F z. Hagiographie d. griech. Kirche, in: Röm. Quartalschr. 1897, S. 67-205;
    Beitrag, in: W. E. Crum, Der Papyruscodex… in Cheltenham, Koptische theol. Schrr., 1915;
    Die Stellung d. Slaven in d. Gesch. d. Christentums, 1918. – Populärwiss. W: Die Kirche d. Märtyrer, ihre Aufgaben u. ihre Leistungen, 1932;
    Das Christentum im Röm. Reich bis Konstantin, 1932;
    Urkirche u. Frühkatholizismus, I. Die kath. Kirche im Wandel d. Zeiten u. d. Völker, II. Die altchristl. Kirchen im Westen u. Osten, 1935/37, Neuausg. u. d. T. Die Kirche im Bereich d. alten Völker, 1951. – Aktuelles u. Polemisches: Gedenkbll. zu Ehren Jos. Grimm, 1897 (mit H. Schell);
    Stellung u. Aufgabe d. KG in d. Gegenwart, Ak. Antrittsrede, Wien 1898;
    Der Katholizismus u. d. 20. Jh. im Lichte d. kirchl. Entwicklung d. Neuzeit, 1902;
    Liberaler Katholizismus?, 1902;
    Kath. Kirche u. theol. Fak., Festpredigt Straßburg 1903;
    Kath. Christentum u. moderne Kultur, 1907;
    Die neue Lage d. kath. Theol., 1908. – Hrsg.: K. Krumbacher, Der hl. Georg in d. griech. Überlieferung, 1911;
    Corp. Cath., seit 1922; Reformationsgeschichtl. Stud. u. Texte, seit 1926.

  • Literatur

    M. Grabmann, in: SB d. Bayer.Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Abt., 1940, H. 10; B. Altaner, in: HJb. 61, 1941, S. 459-64 (W); L. Radermacher, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien, 1941, S. 245-50 (W, P).

  • Autor/in

    Wilhelm Hengstenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Hengstenberg, Wilhelm, "Ehrhard, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 357 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529315.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA