Wolff, Otto
- Lebensdaten
- 1881 – 1940
- Geburtsort
- Bonn
- Sterbeort
- Berlin-Grunewald
- Beruf/Funktion
- Unternehmer
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118975331 | OGND | VIAF: 91363659
- Namensvarianten
-
- Wolff, Johann Friedrich Otto
- Wolff, Otto
- Wolff, Johann Friedrich Otto
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- NDB 28 (2024), S. 427* ( Otto Wolff von Amerongen (1935 Namensänderung zu Otto Wolff Taets von Amerongen, geborener Hermann Otto Taets von Amerongen))
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Wolff, Johann Friedrich Otto
| Unternehmer, * 8.4.1881 Bonn, † 22.1.1940 Berlin-Grunewald, ⚰ Friedhof Köln-Melaten. (evangelisch)
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Genealogie
V →Johann Peter (1845–1892, kath.), aus rhein. Ackerbauer- u. Weberfam., Kantor, Organist an d. Stiftskirche in Bonn, Klavierlehrer, S d. →Johann Peter (1808–1890), aus Elberfeld, Organist an d. Stiftskirche in Bonn, Dirigent, Musiklehrer, u. d. Anna Maria Henseler (1809–1861), aus Ramersdorf b. Bad Godesberg;
M Albertine (1856–1916, ev.), aus thür. Bergmannsfam., T d. →Johann Friedrich Kalthoff, Grubendir., Maschinenfabr. b. Aachen;
Ov →Peter Wilhelm (1853–1918, ⚭ Marie Geiger, 1857–1920), Organist in Tilsit, Musiklehrer, 1910 preuß. Musikdir. (s. Altpreuß. Biogr. IV/2);
1 Schw Caroline Elisabeth (Betty) (* 1876), in Paris;
– ⚭ 1905 o/o 1925 Anna Maria Sieberg (* 1876);
2 Adoptiv-S →Otto (bis 1915 Kurt Weisse) (1909–1958, jüd.), Ing., →Hans (bis 1916/17 Erwin Frank) (1911–1979), Drehbuchautor, Schausp., Filmregisseur (s. Personenlex. Film);
aus Verbindung mit Else Pieper (1887–1968) 1 S →Otto W. v. Amerongen (s. 2);
Schwager →Carl Sieberg, Prokurist. -
Biographie
Nach dem Schulbesuch in Bonn und am Oberrealgymnasium in Mülheim/Rhein, das er 1895 mit dem „Einjährigen“ verließ, absolvierte W. bis 1899 eine kaufmännische Lehre in einem Bonner Lampengeschäft und in der Westdt. Jutespinnerei in Beuel und arbeitete als Handelsvertreter für die „Deutsche Rettungsfenster AG“, u. a. in Frankreich. Nach der Militärzeit 1901/02 war er als Handlungsreisender tätig bei dem Fensterrahmenund Leiterhersteller „Schmidt & Bietzsch“ in Beuel und der Schrott- und Eisenhandlung „Nathan Pelzer Wwe.“ in Köln-Bayenthal.
Mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter gründete W. 1904 das Alteisenhandelsunternehmen „Otto Wolff“, nach einigen Monaten trat →Ottmar Strauss (1878–1941) als Gesellschafter mit 42,5 % der Anteile ein. W. und Strauss führten das Unternehmen „Otto Wolff“ gemeinsam als oHG, W. strategisch, Strauss im Vertrieb. W. erweiterte das Geschäft auf den Handel mit Walzwerkerzeugnissen, beteiligte sich 1908 an dem Eisen- und Stahlhandelsunternehmen „Banzhaf GmbH“ in Köln, 1910 an der Eisengießerei „Felix Fiand“ in Hagen-Haspe und eröffnete 1911/12 Niederlassungen in Leipzig und Berlin. 1912 übernahm er die dortige Feinblechfiliale des Londoner Unternehmens „Lewis, Lazarus & Sons“ und führte diese als Zweigniederlassung des eigenen Unternehmens fort. W. steigerte seinen Umsatz auf über 1 Mio. Mark, u. a. durch Verkäufe für die „Fried. Krupp AG“, und erwarb vor 1914 Beteiligungen in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Schweden, Italien, Brasilien und Frankreich. Im 1. Weltkrieg verschaffte Strauss der Firma zahlreiche Aufträge, z. B. Eisen- und Stahllieferungen an das Osman. Reich. 1916 übernahm W. den Alleinvertrieb der Bleche der „Vereinigten Stahlwerke van der Zypen“ und „Wissener Eisenhüttenwerke AG“ sowie von der „Rasselsteiner Eisenwerksgesellschaft“ in Neuwied. 1917 gründete er in Amsterdam die „Nederlandsche Exporten Import-Maatschappij“ (Nedeximpo), die das Import- und Exportgeschäft der „Otto Wolff oHG“ führte.
Nach 1918 kaufte W. Aktienbeteiligungen an den produzierenden Unternehmen, mit denen seine Firma in Verbindung stand: U. a. wurde er Großaktionär bei der „Rheinische Stahlwerke AG“, Duisburg, und bei der „Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb“, Köln. 1920 war er beteiligt an der Fusion von mehreren Bandeisenunternehmen zur „Remy, van der Zypen & Co.“ in Andernach und gründete in den Niederlanden die Holdinggesellschaft „N. V. Delfstoffen Maatschappij Hollandia“ (Delfo), deren Hauptaktionär er seit 1925 war. 1922 folgte die Gründung der „Eisenausfuhr Otto Wolff & Co. KG“.
Seit 1921 erwarb W. Beteiligungen im Bergbau, in der Elektrotechnischen Industrie und im Maschinenbau, an Werften sowie an Lokomotiv- und Waggonbauunternehmen; in dieser Zeit entstand die Konzernstruktur mit zwei getrennten Bereichen: Produktion und Großhandel. 1921 lieferte er erstmals Schienen und Lokomotiv-Siederohre in die UdSSR, 1922 war er Mitgründer der „Deutsch-Russischen Handels-Aktiengesellschaft“ (Russgertorg). W. engagierte sich für den Ausbau der dt.-russ. Handelsbeziehungen, trat jedoch 1924 wegen zu hoher Kreditforderungen Rußlands aus der Handelsgesellschaft wieder aus. Bis 1933 war W. Hauptlieferant von Rohren nach Rußland und holte Großaufträge für die dt. Stahlindustrie aus der Sowjetunion ein. Er war stellv. Vorsitzender des Rußland-Ausschusses der Dt. Wirtschaft (gegr. 1928).
Politisch engagierte sich W. nach 1918 für die dt.-franz. wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Erfüllung der franz. und belg. Reparationsforderungen, was ihm als „nationaler Verrat“ vorgeworfen wurde. Er förderte den Europ. Kulturbund →Karl Anton Prinz Rohans (1898–1975), stand der DVP nahe, unterstützte →Gustav Stresemann (1878–1929) und beteiligte sich finanziell an der Zeitung „Die Zeit“ und am kath. Zentralorgan „Kölnische Volkszeitung“. Später unterstützte W. die Regierung →Heinrich Brünings (1885–1970), dann →Kurt v. Schleicher (1882–1934), auch als Mitglied in einem Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts.
In den 1920er Jahren erweiterte W. sein Geschäft durch umfangreiche Unternehmensbeteiligungen (1926 Erwerb d. Aktienmehrheit am Neunkircher Eisenwerk vorm. Gebr. Stumm), engagierte sich als Aufsichtsrat bei Phoenix und betrieb die Gründung der „Vereinigte Stahlwerke AG“ (VSt), deren Aufsichtsrat er angehörte und mit der er Exklusivvertriebsverträge schloß. Er beteiligte sich 1927 an der Rettung der angeschlagenen „Universum-Film AG“ (UFA), in deren Aufsichtsrat er eintrat. 1929 führte W. den Vertrieb mehrerer Feinblechproduzenten in der „Feinblechkontor GmbH“ in Köln zusammen und gewährte der Reichsregierung einen Kredit, der ihm einen Gewinn von über 1,5 Mio. RM jährlich erbrachte.
In der Endphase der Weimarer Republik geriet W.s Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, auch durch den verschwenderischen Lebensstil der Inhaber, v. a. aber wegen ausbleibender Zahlungen aus dem Auslandsgeschäft. 1931 erfolgte die vertragliche Trennung von Strauss, der in Folgeverträgen 1933 und 1934 auf Teile seines Privatvermögens verzichten mußte, um Schulden bei dem Unternehmen zu begleichen. Strauss, antisemitischer Hetze ausgesetzt, emigrierte 1936 in die Schweiz und verlor durch Beschlagnahmung weitere Vermögenswerte. 1953 einigten sich die Erben der beiden Firmengründer auf eine Ausgleichszahlung von 7 Mio. DM.
Ab 1933 betrieb W. in erheblichem Umfang Geschäfte mit China, gründete 1934 die „Otto Wolff Far Eastern Branch“ in Shanghai und reiste 1934 und 1937 nach China, wo er auch von Chiang Kai-shek empfangen wurde. 1936 stellte W. den ehemaligen Staatssekretär und späteren Widerstandskämpfer →Erwin Planck (1893–1945) wegen dessen China-Erfahrungen als Direktor ein.
Nach 1933 geriet W. trotz einer 1932 geleisteten Spende an die NSDAP mehrfach in das Visier des NS-Regimes wegen seiner Unterstützung →Paul v. Hindenburgs (1847–1934) bei der Reichspräsidentenwahl 1932 sowie der Regierung →Franz v. Papens (1879–1969) und v. Schleichers, der 1934 in einem von W. zur Verfügung gestellten Haus ermordet wurde. 1933 wurde ein Steuerstrafverfahren gegen W. eingeleitet, das aber ergebnislos eingestellt wurde. Die Finanzprobleme der „Gruppe Otto Wolff“ veranlaßten 1934 die NS-Regierung, →Rudolf Siedersleben (1894–1946) als Generalbevollmächtigten einzusetzen, dem die Konsolidierung gelang und der 1935 Teilhaber wurde. 1937 hatte das Unternehmen 33000 Mitarbeiter, die Rohstahlerzeugung betrug 1,1 Mio. Tonnen jährlich. An den „Reichswerken Hermann Göring AG“ beteiligte sich W. mit 2,5 Mio. RM; 1938 expandierte er auch in Österreich und fusionierte 1940 mehrere Eisenwerke zur „Eisen- und Hüttenwerke AG“. Im Handelsbereich war W.s Unternehmen in 20 europ. Ländern und in Asien tätig.
Nach W.s Tod wurde das Unternehmen in eine KG umgewandelt, während des 2. Weltkriegs blieb Siedersleben der bestimmende Mann an der Spitze: Er übernahm für den Vierjahresplan Devisen- und Wertpapiergeschäfte, wobei es sich auch um Raubgut aus jüd. Eigentum handelte, darunter Edelsteine und wertvolle Briefmarkensammlungen, die in Devisen umgetauscht wurden; die Geschäfte liefen über Schweden und die Schweiz. Als Stahlproduzent und Großhändler für Eisen und Stahl sowie für daraus hergestellte Produkte war die „Otto Wolff oHG“ in den Folgejahren „kriegswichtig“. Versuche, in den besetzten Gebieten Firmen zu übernehmen oder sich an dt. Gründungen zu beteiligen, scheiterten. Das international vernetzte Handelshaus beschaffte Rohstoffe zur Rüstungsproduktion, u. a. Wolfram in Portugal.
W.s historische Bibliothek mit über 13000 Bänden, hauptsächlich zu Preußen unter →Friedrich dem Großen, zu →Napoleon und zur europ. Revolutionsgeschichte, befindet sich seit 1940 in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.
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Auszeichnungen
|Ehrensenator d. Univ. zu Köln (1938);
Wehrwirtsch.führer (1938). -
Werke
|Die Geschäfte d. Herrn Ouvrard, 1932, weitere Aufll. 1960–2013, engl. 1962.
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Literatur
L W. Herrmann, in Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. VIII, 1962, S. 123–56;
G. Quarg, Hss. u. Autographen aus d. Slg. O. W. (1881–1940), 1990;
P. Danylow u. U. S. Soénius (Hg.), O. W., Ein Untern. zw. Wirtsch. u. Pol., 2005;
G. Lange, Lit. z. Untern.gesch. aus d. Slg. O. W., 2014;
Rhein. Gesch. (L, P);
– Qu Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Abt. 72 Otto Wolff AG. -
Porträts
|Öl/Lwd. v. M. Liebermann, 1917, Abb. in: Rhein. Gesch.
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Autor/in
, Ulrich S. Soénius -
Zitierweise
Soénius, Ulrich S., "Wolff, Johann Friedrich Otto" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 425-427 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118975331.html#ndbcontent