Wolff von Amerongen, Otto
- Lebensdaten
- 1918 – 2007
- Geburtsort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Unternehmer
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Wolff Taets von Amerongen, Otto( seit 1935)
- Taets von Amerongen, Hermann Otto( geborener)
- Wolff von Amerongen, Otto
- Wolff Taets von Amerongen, Otto( seit 1935)
- wolff taets von amerongen, otto
- Taets von Amerongen, Hermann Otto( geborener)
- taets von amerongen, hermann otto
Vernetzte Angebote
Verknüpfungen
Personen in der NDB Genealogie
- Bernstein, Michel-André
- Hehemann, Hans
- Mellinghoff
- Oetker, Arend
- Pieper, Martin Hermann Friedrich
- Taets von Amerongen, Else Freifrau/verheiratete
- Taets von Amerongen, Hans Freiherr
- Taets von Amerongen, Karl Wilhelm Gustav Max Freiherr
- Wolff von Amerongen, Eva/verheiratete
- Wolff von Amerongen, Winnie/verheiratete
- Wolff von Amgerongen, Jeanne/geborene
- Wolff, Otto
Personen im NDB Artikel
Orte
Symbole auf der Karte
Geburtsort
Wirkungsort
Sterbeort
Begräbnisort
Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.
-
| Otto W. von Amerongen (1935 Namensänderung zu Otto W. Taets von Amerongen, geborener Hermann Otto Taets von Amerongen)
| Unternehmer, * 6.8.1918 Köln, † 8.3.2007 Köln, ⚰ Köln, Friedhof Melaten. (evangelisch)
-
Genealogie
Natürl. V →Otto W. (s. 1);
M →Else (1887–1968, ⚭ 1918–21 →Hans [Johann] Frhr. Taets v. Amerongen, 1891–1958, aus Riehl b. K., Handelsvertr., S d. →Karl Wilhelm Gustav Max Frhr. Taets v. Amerongen, in Charlottenburg), aus Dresden, Angest. v. Otto Wolff, T d. →Martin Hermann Friedrich Pieper († v. 1918) u. d. Friederike Georgine Maria Kallmeier († v. 1918);
⚭ 1) Berlin-Zehlendorf| 1943 ⚮ →Eva (1923–2016), aus Solingen, T d. →Hans Hehemann (1896–1951), aus Solingen, Dr. iur., Kaufm., Dir., Geschäftsführer d. Fa. Otto Wolf in K. (s. Wi. 1955), u. d. Margarethe Kauffmann, 2) 1966 ⚮ →Winnie v. Greger (1933–2020), Schneidermeisterin, Untern., Inh. e. Boutique in Wien;
3 T aus 1) Claudia (⚭ →Arend Oetker,* 1939, Dr. rer. pol., Chef d. Dr. Arend Oetker Holding GmbH &
Co. KG in Berlin, Ehrenpräs. d. BDI, Kunstsammler, s. NDB 19*), Regine (⚭ →Wolfgang C. Mellinghoff, 1941–2008, Manager, s. Börsen-Ztg. v. 13.5.2008), →Jeanne (⚭ →Michel-André Bernstein, 1947–2011, Prof. f. engl. u. vgl. Lit. in Berkeley), Psychoanalytikerin in Wien u. New York, Präs. d. Psychoanalytic Inst. of Northern California in San Francisco, Lektorin an d. Sigmund Freud Privatuniv. in Wien, Vors. d. Beirats d. Sigmund Freud Mus. -
Biographie
W. besuchte das Realgymnasium Kreuzgasse in Köln und die Karls-Realschule mit Progymnasium in Bad Reichenhall und erlangte 1937 in Köln das Abitur. Nach Reichsarbeitsdienst und Lehrzeit im väterlichen Unternehmen absolvierte er ab 1938 Militär- und Kriegsdienst. Mit dem Tod des →Vaters 1940 wurde er nominell Mitinhaber des Unternehmens, hatte aber keine Entscheidungsbefugnis; sein Berater im Unternehmen war →Erwin Planck (1893–1945). Nach Einsätzen in Rußland und Verwundung wurde er 1942 vom Fronteinsatz beurlaubt und abgeordnet zur „Otto Wolff oHG“, um Lieferverträge für kriegswichtige Produktion zu verhandeln, u. a. für Wolfram. Zeitweise in Portugal tätig, erlebte er hier das Kriegsende und kehrte im März 1946 nach Deutschland zurück. Er wurde in Neuengamme interniert, fünf Monate von der brit. Finanzabteilung Düsseldorf verhört, im März 1947 freigelassen und am 7.11.1947 vom Hauptausschuß Köln als „nicht belastet“ eingestuft.
W. begann mit dem Wiederaufbau der „Otto Wolff oHG“, die bis Mitte 1947 Handel und Produktion in allen Unternehmen in den West-Zonen wieder aufnahm; die Kontrolle der Alliierten Hohen Kommission endete 1953. Nach der Wiederaufnahme der internationalen Verbindungen gehörten 1956 zur Otto-Wolff-Gruppe in der Bundesrepublik 23 Handels- und Produktionsunternehmen, die zwischen 100 % und über 25 % in ihrem Besitz waren, dazu ausländische Niederlassungen. In den 1960er Jahren hatte das Unternehmen über 30 000 Beschäftigte. Mit der August-Thyssen-Hütte begann in dieser Zeit eine enge Zusammenarbeit in Weißblechproduktion und -vertrieb, die über die „Rasselstein AG“ abgewickelt wurde. 1966 wandelten die Eigentümer, neben W. mit 48,6 % weitere Familienmitglieder, die KG in eine AG um. W. blieb Mehrheitsaktionär mit 55,1 % der Anteile und war 1966–86 Vorstandsvorsitzender, anschließend Aufsichtsratsvorsitzender.
In der Stahlkrise der 1970er Jahre strukturierte W. das Unternehmen von der Produktion auf Weiterverarbeitung um und faßte die Aktivitäten in den USA zur „Otto Wolff U.S. Holding Cop.“, Chicago, zusammen. 1979 beschäftigte die Gruppe ca. 15 000 Mitarbeiter.
Die dt. Unternehmen, v. a. Fördertechnik (PHB Weserhütte) und Baumaschinenbau, litten unter Auftragsrückgängen; das Amerika-Engagement beendete W. 1985 wegen hoher Verluste. 1986 wurde die AG zu einer reinen Holding umgewandelt, der Vertrieb der Stahlprodukte in die „Otto Wolff Flachstahl GmbH“ ausgegliedert. Nachfolger W.s im Vorstandsvorsitz der AG wurde 1986 sein Schwiegersohn →Arend Oetker (* 1939), der das Unternehmen durch Reduzierung auf das Kerngeschäft zu sanieren versuchte. Nach kurzfristigem Erfolg führten weitere Verluste 1989 zum Verkauf der Firma an die „Thyssen AG“.
W. gründete danach die Holding „Otto Wolff Industrieberatung und Beteiligungen GmbH“ (Indurat). Nach der dt. Wiedervereinigung beteiligte er sich nicht an den Treuhandaktivitäten in der ehemaligen DDR, sondern gründete mit russ. Partnern ein kurzlebiges Unternehmen zum Verkauf von Material der Sowjetarmee und erwarb in den Folgejahren Beteiligungen im Beratungs- und Personaldienstleistungssektor, in der Logistik, im Marketing, in der Bau- und Immobilienbranche, im IT-Bereich und am Europa-Verlag in Wien. 1990 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender bei der „Deutschen Waggonbau AG“, der Nachfolgerin des „VEB Schienenfahrzeugbau“, die nach gelungener Sanierung 1998 an die Bombardier Inc. verkauft wurde.
W. hatte zahlreiche Aufsichtsratssitze inne, v. a. bei den zu seiner Gruppe gehörenden|Unternehmen; 1949–78 war er Aufsichtsratsvorsitzender des Gerling-Konzerns und gehörte 1971–89 dem Board of Directors der Exxon Corporation, New York, an. 1966–90 war er Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln und 1969–88 Präsident des Dt. Industrie- und Handelstags und übte in diesen Ämtern erheblichen politischen Einfluß aus. 1955–2007 war er Präsidiumsmitglied der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V.“ und gehörte 1955–80 dem Steering Committee der „Bilderberg-Meetings“ an, anschließend als Mitglied des Advisory Boards.
W., Befürworter der sozialliberalen Ostpolitik und Wegbereiter für den Handel mit den kommunistisch geführten Staaten, war 1952 Gründungsmitglied des Ost-Ausschusses der dt. Wirtschaft (Vors. 1955–2000), maßgeblich beteiligt am dt.-sowjet. Handelsvertrag 1958 und am Erdgas-Röhren-Geschäft mit der Sowjetunion Anfang der 1970er Jahre. 1974 errichtete er eine Zweigniederlassung in Moskau. 1995–2003 war er erster Präsident des Verbandes der Dt. Wirtschaft in der Russ. Föderation. 1957 an den Verhandlungen zum dt.-chines. Handelsvertrag beteiligt, galt er seitdem auch als China-Experte in Wirtschaftsfragen. Er unterhielt auch Kontakte zur Staats- und SED-Parteiführung der DDR. 1998 gründete W. eine nach ihm benannte Stiftung mit einem Kapital von 20 Mio. DM, die u. a. Völkerverständigung und Wissenschaft fördert.
-
Auszeichnungen
|zahlr. Orden, u. a. Gr. Goldenes Ehrenzeichen mit Stern f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1975);
Officier de la Légion d’Honneur de la République française (1975);
Commandeur d. Verdienstordens d. Rep. Tunesien (1983);
Sternenbanner mit Goldkranz d. Ungar. Volksrep. (1988);
Gr.kreuz d. BVK am Schulterband (2001);
- Dr. iur. h. c. (Köln 1978, Jena 1985, Dt. Sporthochschule 1993);
Hon.-Prof. d. Brandenburg. TU Cottbus (1996);
Ehrenbürger d. Dt. Sporthochschule Köln (1998);
– Präs. d. Verw.rats d. 1. F. C. Köln (1960–75), d. Dt. Ges. f. Osteuropakde. (1971–99) u. d. Kölner Tennis- u. Hockey-Clubs „Stadion Rot-Weiß“ (1971–1996). -
Werke
|Der Weg n. Osten, Vierzig J. Brückenbau f. d. dt. Wirtsch., 1992;
zahlr. Ztg.art. u. Reden. -
Literatur
|O. W. v. A. dokumentiert, Präs. d. Dt. Ind.- u. Handelstages 1969–1988, 1988;
P. Danylow u. U. S. Soénius, Otto Wolff, Ein Untern. zw. Wirtsch. u. Pol., 2005 (P);
U. S. Soénius, O. W. v. A., Untern. u. Wirtsch.pol., 2018;
- Qu Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Abt. 72 Otto Wolff AG;
– zur Fam.: GHdA 27, Frhrl. Häuser A IV, 1962, S. 381. -
Porträts
|Photogrr. (BA, Bilddatenbank);
Gem. v. F.-J. Blaschke, 1972 u. Büste v. A. Breker (beide Köln, IHK). -
Autor/in
Ulrich S. Soénius -
Zitierweise
Soénius, Ulrich S., " Otto Wolff von Amerongen (1935 Namensänderung zu Otto Wolff Taets von Amerongen, geborener Hermann Otto Taets von Amerongen)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 427-428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142944.html#ndbcontent