Wolff, Hans
- Lebensdaten
- 1902 – 1983
- Geburtsort
- Berlin
- Sterbeort
- Freiburg (Breisgau)
- Beruf/Funktion
- Rechtshistoriker ; Altertumswissenschaftler ; Papyrologe
- Konfession
- mehrkonfessionell
- Namensvarianten
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- Wolff, Hans Julius
- Wolff, Hans
- Wolff, Hans Julius
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Wolff, Hans Julius
| Rechtshistoriker, Altertumswissenschaftler, Papyrologe, * 27.8.1902 Berlin, † 23.8.1983 Freiburg (Breisgau), ⚰ Friedhof Kirchzarten (Grab aufgelassen). (jüdisch, 1930er Jahre evangelisch, später katholisch)
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Genealogie
V →Bruno (1870–1918), aus B., Facharzt f. Gynäkol. u. a. an d. Charité in B., 1915 Prof. d. Pathol. an d. Univ. Rostock, Vf. v. Tagebb. im 1. Weltkrieg, heute im Jüd. Mus. Frankfurt/M. (s. Cat. Professorum Rostochiensium), S d. →Julius (s. 1);
M Martha Katharina (Käthe) (1877–1960), aus B., T d. →Adolf Pinner (1842–1909), Prof. am Veterinär-Inst. d. Univ. Berlin, Mitgl. d. Leopoldina (s. Pogg. III-V; M. u. B. Engel, Chemie u. Chemiker in Berlin, 1992), u. d. Anna Moritz (1852–1936);
B →Reinhard (1906–41 ermordet), Dr., Kommunist, emigrierte 1933 in d. UdSSR, 1938 inhaftiert;
– ⚭ Ann Arbor (Michigan, USA) 1944 →Sylvia (1910/11–90), aus Fargo (North Dakota, USA), Pianistin, T d. Simon Leonard Plann (1882–1968) u. d. Alvia (Ella) Johnson (1883–1950);
1 T →Katherine (Kathy) (* 1947), Ph. D. theol., Vf. v. „‚Geh in das Land, das ich Dir zeigen werde …‘, Das Land Israel in d. frühen rabbin. Tradition u. im NT“, 1989 Nonne in Rom u. Jerusalem. -
Biographie
Nach dem Besuch der Großen Stadtschule in Rostock 1912–20 (Abitur) studierte W. Klassische Philologie und Alte Geschichte, seit dem vierten Semester Rechtswissenschaften in Berlin und ein Semester in Rostock. Zu seinen akademischen Lehrern zählen neben den Althistorikern und Papyrologen →Eduard Meyer (1855–1930), →Wilhelm Schubart (1873–1960) und →Ulrich Wilcken (1862–1944) insbesondere die Rechtshistoriker →Josef Partsch (1882–1925) und →Ernst Rabel (1874–1955). Dem Referendar- und Assessorexamen 1925 bzw. 1929 folgten Assistentenstellen bei →Wolfgang Kunkel (1902–1981) in Göttingen und Rabel in Berlin, bei dem er 1932 zum Dr. iur. promoviert wurde. Kurzzeitig kommissarischer Richter im Kammergerichtsbezirk Berlin, wurde W. im April 1933 wegen seiner jüd. Abstammung aus dem Dienst entlassen. 1930/31 und 1933–35 arbeitete er am Thesaurus linguae Latinae in München, bevor er 1935 mit Hilfe der Notgemeinschaft dt. Wissenschaftler im Ausland nach Panama emigrierte, wo er an der Universidad Nacional röm. und panamaisches Zivilrecht unterrichtete. 1939 ging W. in die USA, studierte bis 1945 an der Vanderbilt Univ. in Nashville (Tennessee) und in Ann Arbor (Michigan) und forschte ohne akademische Anstellung v. a. zum griech. und röm. Familien- und Erbrecht. 1945/46 lehrte er Geschichte und Deutsch am Oklahoma College for Women, 1946–50 Geschichte und Politische Wissenschaft an der Oklahoma City Univ. und arbeitete 1950–52 an der Univ. of Kansas City als Lecturer of Jurisprudence neben einer Beschäftigung als Law Librarian. 1952 wurde W. auf eine Professur an die Univ. Mainz berufen, seit 1955 war er als o. Professor für Griech., Röm. und Bürgerliches Recht an der Univ. Freiburg (Br.) tätig (em. 1970); einen Ruf nach Graz lehnte er ab. 1971 begründete er die Gesellschaft für griech. und hellenist. Rechtsgeschichte.
W.s wissenschaftliches Œuvre war neben dem röm. Recht – dort v. a. der Textstufenforschung – in erster Linie dem griech. Recht gewidmet, wo Gegenstände seiner Forschung u. a. das Familienrecht, das Prozeßrecht und die Gerichtsverfassung sowie das Vertragsrecht waren, für das er mit der „Zweckverfügung“ ein eigenständiges Verständnismodell entwickelte. Letzteres ist charakteristisch für W.s methodischen Ansatz, den griech. hellenist. Rechtskreis zwar rechtsvergleichend zu betrachten, aber zugleich seine Eigenständigkeit zu betonen, nicht zuletzt in Abgrenzung zu →Leopold Wengers (1874–1953) Konzept einer „Antiken Rechtsgeschichte“. W.s Interesse galt der juristischen Dogmatik in ihrem sozialen und politischen Kontext. Nachhaltig gewirkt hat W. auch im Bereich der Edition von Papyrusurkunden und der darauf basierenden Urkundenlehre im Rahmen seiner Darstellung im „Handbuch der Altertumswissenschaften“. Insoweit fand in ihm „die juristische Gräzistik ihren Pionier und Mentor“ (D. Simon)
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Auszeichnungen
|korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1963), d. Ak. d. Wiss. zu Göttingen (1967) u. d. Ak. v. Athen (1975);
Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1967);
Dr. iur. h. c. (Athen 1972);
Mitgl. d. School of Hist. Science d. Inst. f. Advanced Study Princeton (1974/75). -
Werke
|Zur Stellung d. Frau im klass. röm. Dotalrecht, 1933 (Diss.);
Marriage law and family organization in ancient Athens, 1944;
The origin of judicial litigation among the Greeks, 1946;
Roman Law, A hist. Introduction, 1951, Neudr. 1976;
Das Justizwesen d. Ptolemäer, ²1970;
Btrr. z. Rechtsgesch. Altgriechenlands u. d. hellenist.-röm. Ägypten, 1961;
Die att. Paragraphe, Ein Btr. z. Problem d. Auflockerung archaischer Prozeßformen, 1966;
Selbstdarst., in: Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1966/67, S. 150–53, erneut in: Heidelberger Ak. d. Wiss. Antrittsreden, S. 288-90;
Demosthenes als Advokat, Funktionen u. Methoden d. Prozeßpraktikers im klass. Athen, 1968;
„Normenkontrolle“ u. Gesetzesbegriff in d. att. Demokratie, in: SB d. Heidelberger Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1970, Abh. 2;
Das Problem d. Konkurrenz v. Rechtsordnungen in d. Antike, ebd., 1979, Abh. 5;
Die Bedeutung d. Epigraphik f. d. griech. Rechtsgesch., 1973;
Das Recht d. griech. Papyri Ägyptens in d. Ptolemäer- u. d. Prinzipatszeit, Bd. 2, 1978, Bd. 1, 2002 (postum hg. v. H. A. Rupprecht);
– Mithg.: Symposium, Akten d. Ges. f. griech. u. hellenist. Rechtsgesch., 1975 ff.;
– Qu Nachlaß: Jüd. Mus. Frankfurt/M. (P). -
Literatur
L Nachrufe: D. Nörr, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1984, S. 227–31;
G. Thür, in: ZSRGR 101, 1984, S. 476–91 (W-Verz.);
H.-A. Rupprecht, in: JURA 34, 1983, S. 263–66;
D. V. Simon, in: Gnomon 59, 1987, S. 83 f.;
J. Hengstl, in: Revue Internat. des Droits de l’Antiquité 31, 1984, S. 27–37;
J. Modrzejewski u. D. Liebs (Hg.), Symposium 1977, 1982 (W-Verz.);
|J. G. Wolf, Erinnerungen an H. J. W., in: Rechtshist. Journ. 3, 1984, S. 4–6;
ders., in: Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1984, 1985, S. 117 ff.;
A. Maffi, H. J. W. e gli studi di diritto greco a trent’anni dal I Symposium, in: Dike 4, 2001, S. 269–91;
H. Kupiszewski, The Journ. of Juristic Papyrology 20, 1990, S. 15–18;
A. D’Ors, Studia et Documenta Historiae et Iuris 49, 1983, S. 700–02;
E. C. Stiefel u. F. Mecklenburg, Dt. Jur. im amerik. Exil (1933–1950), 1991, S. 55;
BHdE II;
Baden-Württ. Biogrr. II;
H. Schlange-Schöningen, in: Gesch. Altertumswiss.;
Gutenberg Biographics. -
Porträts
|Photogrr. (Jüd. Mus. Frankfurt/M.;
Ak. d. Wiss. Heidelberg). -
Autor/in
Guido Pfeifer -
Zitierweise
Pfeifer, Guido, "Wolff, Hans Julius" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 423-425 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142943.html#ndbcontent