Lebensdaten
1864 bis 1943
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler ; Komponist
Konfession
-
Normdaten
GND: 11678041X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sandberger, Adolf Wilhelm August
  • Sandberger, Adolf
  • Sandberger, Adolf Wilhelm August

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Zitierweise

Sandberger, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11678041X.html [18.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fridolin v. S. (1826-98, Personaladel), aus Dillenburg (Westerwald), 1855 o. Prof. f. Mineral. in Karlsruhe, 1863-96 in W., Geh. Rat, Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (s. ADB 53), S d. Johann Philipp (1783–1844), 1817 Prorektor am Pädagogium in Idstein, 1820 Rektor am Pädagogium in Dillenburg, 1827-37 Prof. am Gymn. in Weilburg (beide s. Nassau. Biogr.), u. d. Anna Stein (1790–1864);
    M Mathilde (1838–89), T d. August Hausrath (1806–47), Stadtpfarrer u. Hofdiakon in Karlsruhe (s. Bad. Biogrr. I; NDB VII*), u. d. Julie Weltzien (1805–81);
    Ur-Gvm Justus Weltzien (1772–1846), Kaufm., Zuckerfabr. in Riga;
    Gr-Ov Karl Heinrich (1786–1841), Hptm., Rgt.auditeur in Weilburg (s. Nassau. Biogr.);
    Ov Guido (1821–79), Dr. phil., Geol., Lehrer am Realgymn. in Wiesbaden (s. ADB 30; Pogg. II-IV; Nassau. Biogr.);
    Om Adolf Hausrath (1837–1909), o. Prof. f. KGesch. in Heidelberg (s. NDB VIII; Drüll, Heidelberger Gel.lex. I);
    1896 Elisabeth (1875–1938), T d. Emil Mohr (1843–1910), Holzhändler in W., u. d. Maria Anna Klese (1847–1937), aus Frankfurt/M.;
    S Adolf (1907–79, Gertrud Brück, 1912–2004, Dr. phil., Hist.), Dr. phil., Hist., wiss. Sekr. d. Komm. f. bayer. Landesgesch. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. in M. (s. W, L).

  • Leben

    S. studierte 1881-87 in Würzburg Komposition bei Max Meyer-Olbersleben sowie in München bei Josef Rheinberger (1839–1901), ferner Musikwissenschaft in München und Berlin bei Philipp Spitta (1841–84). 1887 wurde er in Würzburg über „Leben und Werk des Dichtermusikers Peter Cornelius“ promoviert. Nach archivalischen Studien in Italien, England, Krankreich, Rußland und Österreich übernahm er 1889 als Konservator die von Julius Joseph Maier (1821–89) geleitete Musikabteilung der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek (seit 1919: Bayer. Staatsbibliothek) in München. 1894 habilitierte sich S. als erster Musikforscher an der Univ. München überhaupt mit „Beiträgen zur Geschichte der bayer. Hofkapelle unter Orlando di Lasso“ (1. u. 3. Bd. 1894, 2. Bd. nicht ersch.). 1900 wurde er ao. Prof., 1909 o. Prof. für Musikwissenschaft in München, 1910 Vorstand des neu eingerichteten musikwissenschaftlichen Seminars (em. 1930).

    S. gehört zu den Pionieren der modernen Musikwissenschaft, die die Disziplin akademisch verankerten. Mit seiner quellenkritischen, historisch-philologischen, auf biographisch-archivalischen Studien fußenden Methodik kann er als Begründer einer „Münchner“ musikwissenschaftlichen Schule gelten. Als Hochschullehrer regte er eine große Zahl von Dissertationen zur Erforschung der Münchner und bayer. Musikgeschichte an, von denen einige zu Bänden innerhalb der „Denkmäler der Tonkunst in Bayern“ (ersch. als Reihe II d. „Denkmäler Deutscher Tonkunst“) ausgebaut wurden, deren Gründer sowie Editionsleiter er 1900-31 war. Damit erweiterte er durch die Erforschung von sog. „Kleinmeistern“ das bisher einseitig auf die Heroengeschichte ausgerichtete musikhistorische Geschichtsbild; hervorzuheben sind ferner die Bände zur Geschichte der „Mannheimer Schule“. Gemeinsam mit Franz Xaver Haberl (1840–1910) war S. 1894-1927 Herausgeber der – unvollendet gebliebenen – Gesamtausgabe der Werke Orlando di Lassos (ersch. im Leipziger Verlag Breitkopf & Härtel). Seine Forschungen zu Lasso und der Münchner Hofkapelle im 16. Jh. sind bis heute grundlegend.

    Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Musik der Wiener Klassik. Der zweite Band von S.s „Ausgewählten Aufsätzen“ (1924) beinhaltet ausschließlich Beiträge zu Beethoven. 1924 begründete er das „Neue Beethovenjahrbuch“ (10 Bde., bis 1942). Sein breitgefächertes wissenschaftliches Spektrum umfaßte auch Lehrveranstaltungen über musikalische Hermeneutik. Zu S.s Schülern zählten einige der führenden Musikhistoriker ihrer Zeit, u. a. Theodor Kroyer (1873–1945), Ludwig Schiedermair (1876–1957), Otto Ursprung (1879–1960), Alfred Einstein (1880–1952) und Ernst Bücken (1884–1949). Zu seinem Lehrstuhl-Nachfolger wurde 1931 Rudolf v. Ficker (1886–1954) berufen, in der Staatsbibliothek war ihm 1900 Gottfried Schulz gefolgt (bis 1935).

    S. selbst sah sich primär als Komponist. Seine von den zeitgenössischen Strömungen, insbesondere von R. Strauss und M. Reger beeinflußten, heute gänzlich vergessenen Werke kamen v. a. in München zur Aufführung und wurden in ihrer Zeit durchaus rezipiert. Erfolg hatten insbesondere die zu einem eigenen Libretto geschriebene Oper „Ludwig der Springer“ (UA 1885) sowie die symphonische Dichtung „Riccio“ (gedr. 1900).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1902, o. 1912); Geh. Reg.rat (1909).

  • Werke

    Weitere W Schrr. u. a. E. Chabriers Gwendoline, 1898;
    Biogr. Vorbemerkungen, Klavierwerke v. Johann Pachelbel, DTB (Alte Folge) 2, Jg. II, Bd. 1, 1901/02;
    Über e. Messe in C-Moll, angebl. v. W. A. Mozart, SB d. phil.-hist. Kl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1904, S. 297-308;
    Bemerkungen z. Biogr. Hans Leo Hasslers u. seiner Brüder sowie z. Musikgesch. d. Städte Nürnberg u. Augsburg im 16. u. zu Beginn d. 17. Jh., Werke Hans Leo Hasslers, Zweiter T., DTB (Alte Folge) 8/9, Jg. V, 1904/05;
    Ausgew. Aufss. z. Musikgesch. I, 1921 (P), II, 1924;
    Zu d. lit. Quellen v. R. Wagners Tannhäuser, Gedenkboek, angeboden an Dr. D. F. Scheurieer, 1920, S. 267 ff.;
    Orlando di Lasso u. d. geistigen Strömungen seiner Zeit, Festrede z. Feier d. 165. Stiftungstages d. Bayer. Ak. d. Wiss., gehalten am 13. Juni 1924, 1926;
    Haydn u. d. „kl. Quartbuch“, in: Zs. f. Musik 102, 1935, S. 1118, 103, 1936, S. 1104, 104, 1937, S. 38, 534 (ferner in: Acta Musicologica VIII, 1936, S. 18, 139, IX, 1937, S. 31 [Kontroverse mit Jens Peter Larsen]);
    Zu Mozarts Münchener u. Mannheimer Aufenthalten, Neues Mozart-Jb. I, 1941, S. 24-39;
    Weitere Ausgg.:
    E. F. dall'Abaco, Ausgew. Werke, Erster T., DTB (Alte Folge) 1, Jg. I, Bd. 1, 1900, Zweiter Teil, 16, Jg. IX, Bd. 1, 1908;
    J. K. Kerll, Ausgew. Werke, DTB (Alte Folge) 3, Jg. II, Bd. 2, 1901 (mit A. Einstein);
    A. Steffani, Ausgew. Werke, DTB (Alte Folge) 11, Jg. VI, Bd. 2, 1905;
    Joseph Fröhlich, Joseph Haydn, 1936;
    Komp.
    u. a. Lieder;
    Kammer- u. Klaviermusik;
    Chorwerke;
    Sinfon. Gedicht „Viola“, 1915;
    Der Tod d. Kaisers, Oper, 1935 (Text u. Musik v. S.);
    zu Adolf ( 1979):
    Altbayer. Studien z. Gesch. v. Siedlung, Recht u. Landwirtsch., hg. v. P. Fried u. E. Riedenauer, 1985.

  • Literatur

    FS z. 50. Geb.tag, überreicht v. seinen Schülern, 1918;
    O. Ursprung u. Th. Kroyer, in: Neue Musikztg., 1921;
    R. v. Ficker, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1944/48, S. 116 f.;
    A. Elsner, Zur Gesch. d. musikwiss. Lehrstuhls an d. Univ. München v. 19. z. 20. Jh., in: Die Ludwig-Maximilians-Univ. in ihren Fakultäten, II, 1980, S. 281-301;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG (P) mit Suppl.bd.;
    New Grove;
    New Grove;
    BBKL 16;
    zu Adolf ( 1979):
    Kürschner, Gel.-Kal. 1976;
    Im Dienst d. bayer. Gesch., 70 J. Komm. f. bayer. Landesgesch., 50 J. Inst. f. Bayer. Gesch., hg. v. W. Volkert u. W. Ziegler, 1998.

  • Portraits

    Photogr., 1903, Abb. in: Geist u. Gestalt III, Tafel Nr. 198;
    Photogr., 1920er J., Abb. in: MGG.

  • Autor/in

    Stephan Hörner
  • Empfohlene Zitierweise

    Hörner, Stephan, "Sandberger, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 415-416 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11678041X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA