Lebensdaten
1854 - 1944
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur ; Theaterdirektor
Konfession
-
Normdaten
GND: 11875713X | OGND | VIAF: 25398061
Namensvarianten
  • Thimig, August Hugo
  • Thimig, Hugo
  • Thimig, August Hugo

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Zitierweise

Thimig, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875713X.html [09.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich August ( 1884), Handschuhmacher;
    M Pauline Weisse ( 1902);
    1888 Franziska (Fanny) Hummel (1867–1944), aus Stuttgart;
    3 S Hermann (s. 3), Friedrich (Fritz) (1893–1936 Freitod), Landwirt, Hans (s. 4), 1 T Helene (s. 2).

  • Leben

    Nach zweijährigem Aufenthalt in Unkersdorf bei Dresden, wo T. Volksschulunterricht bei einem Pastor erhielt, besuchte er 1866–69 die I. Bürgerschule in Dresden und trat danach eine kaufmännische Lehre an. 1870 besuchte er die „Höhere Abteilung“ der „HandelsLehr-Anstalt der Corporation der Kaufmannschaft zu Dresden“. Inspiriert durch den Besuch eines Marionettentheaters in seiner Kindheit und gefördert durch einen Lehrer der Handelsschule, der seine Theaterbegabung erkannte, gründete T. mit Freunden den Theaterverein „Frohsinn“ und übernahm dabei Organisation und Vorbereitung der Vorstellungen. Seit Mai 1872 nahm er Schauspielunterricht bei dem Dresdner Hofschauspieler Ferdinand Dessoir (1836–92) (36 Lektionen) und erhielt noch im selben Jahr ein sechsmonatiges Engagement für Bautzen (1. Auftritt als Lanzelot Gobbo, in: Shakespeare, Der Kaufmann v. Venedig), Zittau und Freiberg, wo er als jugendlicher Liebhaber und Komiker auf der Bühne stand. 1873/74 war T. am Lobe-Theater in Breslau engagiert und gastierte auf Initiative des Wiener Burgtheaterdirektors Franz Dingelstedt im Juni 1874 am Hofburgtheater in Wien; 1874–77 war er Mitglied dieses Theaters (1. Auftritt als Wilhelm, in: Johann v. Plötz, Der verwunschene Prinz). 1877/78 absolvierte T. den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Dresden, und war seit 1878 (1. Auftritt als Schäfer, in: Shakespeares Wintermärchen) am Wiener Burgtheater engagiert.

    Anfänglich unzufrieden über die Rollenzuteilung, errang T. Berühmtheit u. a. für seine Shakespeare-Rollen sowie für die Interpretationen von Gogols „Revisor“ und Goldonis „Diener zweier Herren“ (Truffaldino). 1897 wurde er zum Regisseur ernannt und war in den Folgejahren für 87 Inszenierungen verantwortlich, beginnend 1898 mit Shakespeares „Komödie der Irrungen“. 1912 übernahm T. die provisorische Leitung des Burgtheaters, 1914 wurde er zum Direktor ernannt, 1917 auf eigenen Wunsch in den dauernden Ruhestand versetzt. Ein Angebot, die Direktion des Dt. Volkstheaters in Wien zu übernehmen, lehnte er 1918 ab. 1919 trat er als Gast am Burgtheater auf und war seit 1920 durch einen Gastspielvertrag wieder an das Haus gebunden (letzter Auftritt 23. 6. 1923).

    1924–33 war T. als Mitbegründer auch Ensemblemitglied des von Max Reinhardt geleiteten Theaters in der Josefstadt, und übernahm eine Reihe neuer Rollen, die er im Stil des modernen Theaters Reinhardtscher Prägung anlegte. An über 1500 Abenden stand er auf der Bühne, darunter auch mehrmals gemeinsam mit seinen Kindern Helene, Hermann und Hans (1. Auftritt 1926); gelegentlich führte er an diesem Theater auch Regie. Seit 1926 wirkte T. bei den Salzburger Festspielen mit (Pantalone, in: Goldoni, Der Diener zweier Herren). Vereinzelt spielte er zudem in Stumm- und Tonfilmen mit. T.s letzter Bühnenauftritt erfolgte 1933 im Rahmen eines Gastspiels im Theater an der Wien in Julius Brammers Operette „Die Dame mit dem Regenbogen“ (Senator).

    T. besaß eine umfangreiche Bibliothek. Zudem führte er Tagebuch mit Berichten über das zeitgenössische Theatergeschehen, schrieb zeitlebens an einer von seiner Mutter begonnenen Familienchronik und legte eine auf das Theater bezogene Sammlung von Autographen, Bildern, Theaterzetteln, Gedenkmünzen und Theaterrequisiten an. Diese, mit ca. 20 000 Druckschriften, 40 000 Autographen und 60 000 Bildobjekten (Zeichnungen, Druckgraphik, Photos) bedeutendste Privatsammlung ihrer Zeit wurde 1922 vertraglich an die Österr. Nationalbibliothek übergeben; sie bildet den Grundstock von deren Theatersammlung (heute Österr. Theatermus. im Wiener Palais Lobkowitz).|

    T., Begründer einer österr. Schauspielerdynastie, stand ca. 7600 mal auf der Bühne. Er verkörperte Charakterrollen, war jugendlicher Komiker, Naturbursche und schüchterner Liebhaber in den bürgerlichen Lustspielen und schrieb mit seiner Darstellungskunst Theatergeschichte. Als Burgtheaterdirektor kompromißlos in seinen Qualitätsmaßstäben trat er auch für zeitgenössische Autoren ein. Als einer der erfolgreichsten Direktoren dieser Institution kämpfte er gegen den Starkult seiner Zeit und setzte sich für die Ensemblepflege ein.

  • Auszeichnungen

    A k. k. Hofschausp. (1881); Franz-Joseph-Orden (1896); HR (1917); Ehrenmitgl. d. Burgtheaters (1922); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1944); Ehrenring d. Stadt Wien (1944); – T.gasse, Wien (seit 1948); – H. T.-Gedenkraum (Österr. Theatermus.).

  • Werke

    Weitere W u. a. Bühnenrollen: Galomir, in: F. Grillparzer, Weh dem, d. lügt;
    Schmock, in: G. Freytag, Die Journalisten;
    Berühmter Mann, in: H. v. Hofmannsthal, Der Schwierige;
    Dorfrichter Adam, in: H. v. Kleist, Der zerbrochne Krug;
    Klosterbruder, in: G. E. Lessing, Nathan d. Weise;
    Orgon, in: J. B. Molière, Tartuffe;
    Miller, in: F. Schiller, Kabale u. Liebe;
    Hans Weiring, in: A. Schnitzler, Liebelei;
    Striese, in: F. u. P. v. Schönthan, Der Raub d. Sabinerinnen;
    Graf v. Kent, in: W. Shakespeare, Kg. Lear;
    Zettel, in: ders., Ein Sommernachtstraum;
    Bleichenwang, Malvolio, in: ders., Was ihr wollt;
    Pastor Samuel Gardner, in: J. B. Shaw, Frau Warrens Gewerbe;
    Filme: u. a. Stummfilme: Das verbotene Land, 1924;
    Das Spielzeug v. Paris, 1925;
    Wie e. Kamel durchs Nadelöhr, 1926;
    Pratermizzi, 1927;
    Tonfilme: Geld auf d. Strasse, 1930;
    Die gr. Liebe, 1931;
    Die grausame Freundin, 1932;
    Buchhalter Schnabel, 1935; – Tondokumente aus d. Phonogrammarchiv d. Österr. Ak. d. Wiss., Wiener Schausp. II, Übertragung v. Phonogrammen mit Stimmportraits v. (…) H. T. (…) aus d. J. 1906–1907, 1987; – Briefwechsel zw. T. u. seinem Sohn Hermann im Österr. Theatermus. (Wien, Palais Lobkowitz).

  • Literatur

    L R. Lothar u. J. Stern, 50 J. Hoftheater, Gesch. d. beiden Wiener Hoftheater, 1900;
    H. T., Verz. d. Rollen (…) am Burgtheater (…), hg. v. A. Bettelheim, 1914;
    J. Bab, Schausp. u. Schausp.kunst, 1926;
    A. Kahane, Die Thimigs, Theater als Schicksal e. Fam., 1930 (P);
    Ansprache Lothar Müthels b. d. Feier im Burgtheater am 16. Juni 1944, in: Jb. d. Ges. f. Wiener Theaterforsch. (Gedenkschr. f. H. T.), 1944, S. 7–12 (P);
    G. Srncik, Die Burgtheaterdirektion H. T.s., Diss. Wien 1949;
    J. Handl, Schausp. d. Burgtheaters, 1955;
    H. T. erzählt v. seinem Leben u. d. Theater seiner Zeit, Briefe u. Tageb.notizen (ausgew. u. eingel. v. F. Hadamowsky), 1962 (P);
    G. Doublier u. F. Fuhrich, Hermann Thimig, Ein Leben in Dok., 1972;
    E. Fuhrich-Leisler u. G. Prossnitz (Hg.), Die Thimigs, Ihr Leben f. d. Theater, Ausst. kat. d. Max Reinhardt Forsch.- u. Gedenkstätte, 1977/78;
    H. Pistorius, Österr. Theatermus., Gedenkräume, 1991;
    F. Hadamowsky, Wien. Theatergesch., Von d. Anfängen bis z. Ende d. Ersten Weltkriegs, 1988, Studienausg. 1994;
    Eisenberg;
    Kürschners biogr. Theater-Hdb., 1956;
    Österr. Personenlex.;
    Hist. Lex. Wien (P);
    P. S. Ulrich, Biogr. Verz. f. Theater, Tanz u. Musik, 1997;
    Kosch, Theaterlex.;
    Kulturlex. Drittes Reich; ÖBL.

  • Portraits

    P Rollenporträt als Truffaldino, Ölgem. v. W. Krausz, 1910 (Wien, Burgtheater, Ehrengal.); Büste v. K. Stemolak, 1914 (ebd.).

  • Autor/in

    Christa Harten
  • Empfohlene Zitierweise

    Harten, Christa, "Thimig, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 146-147 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875713X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA