Lebensdaten
1890 - 1982
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur
Konfession
-
Normdaten
GND: 118757121 | OGND | VIAF: 5726568
Namensvarianten
  • Thimig, Hermann Friedrich August
  • Thimig, Hermann
  • Thimig, Hermann Friedrich August
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Thimig, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757121.html [09.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Hugo (s. 1);
    M Franziska Hummel;
    Schw Helene (s. 2), B Hans (s. 4);
    1) Berlin 1919 1927 Hanna Augusta (1894–1989, 1] N. N. Richter), Schausp., T d. Wilhelm Wisser (1843–1935), Dr. phil., Gymn.prof. f. Alte Sprachen in Eutin, 1902 in Oldenburg (s. Biogr. Hdb. Oldenburg), u. d. Anna Florkowski (* 1859), aus Schwerin, 2) Wien 1939 Vilma (eigtl. Wilhelmine Anna Maria) (1911–92), aus W., Schausp., Österr. Ehrenkreuz f. Wiss. u. Kunst, 1959, Kammerschausp., Kainz-Medaille, 1973 (s. Teichl; Kürschners biogr. Theater-Hdb., 1956; Hist. Lex. Wien), T d. Wilhelm Degischer (1871–1936), Dr. iur., k. u. k. Sektionschef, HR (s. Biogr. Hdb. Sektionschefs), u. d. Anna v. Maistrelli-Sonnenhof (um 1883–1934);
    1 T aus 1) Christine (* 1923, Robert Pilchowski, 1909–90, aus Luzern, Schriftst., s. Kosch, Lit.-Lex.3), 2 T aus 2) Hedwig D. (* 1939), Übers., Johanna (1943–2014), Schausp.;
    E Andreas Pilchowski, Schausp.

  • Leben

    T. besuchte zunächst Volksschule und Gymnasium in Wien, danach 1902–08 die Landeserziehungsheime Ilsenburg im Harz, Haubinda und Wickersdorf in Thüringen; hier trat er regelmäßig bei Schüleraufführungen auf. Nachdem er als Mitwirkender einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Wien 1910 (Fabrice, in: Goethe, Die Geschwister) dem Meininger Theaterdirektor Max Grube (1854–1934) aufgefallen war, wurde T., ohne Schauspielunterricht erhalten zu haben, nach dem einjährigen Freiwilligenjahr 1910–14 als jugendlicher Komiker an das Hoftheater in Meiningen engagiert (Debüt als Gf. Ratzeburg, in: W. Bloem, Heinrich d. Löwe). 1911 wirkte er, gemeinsam mit seiner Schwester Helene, bei den Goethe-Festspielen in Lauchstedt (heute Bad Lauchstädt) mit, 1912 führten ihn kurze Gastspiele nach Düsseldorf sowie in kleinere niederl. Provinzstädte. 1914–16 wurde T. zum Kriegsdienst eingezogen, jedoch bald wegen Krankheit für frontuntauglich erklärt. 1915 gastierte er am Schauspielhaus in Berlin (Bellmaus, in: G. Freytag, Die Journalisten), 1916–32 gehörte er dem Max-Reinhardt-Ensemble am Dt. Theater Berlin an, wo er als Charakterdarsteller und jugendlicher Liebhaber große Erfolge feierte. 1918 debütierte T. als Regisseur im Theater des Westens in Berlin. 1922 wirkte er in Reinhardt-Inszenierungen im Wiener Redoutensaal mit (Cosme, in: Hofmannsthal/Calderón, Dame Kobold; François, in: E. Rey, Schöne Frauen). Mit Max Reinhardt, seinem Vater Hugo und seiner Schwester Helene gehörte T. zu den Mitbegründern des Theaters in der Josefstadt in Wien. Dort war er 1924–32 unter Reinhardts Leitung engagiert, und spielte in der Eröffnungsvorstellung nach dem Umbau am 1. 4. 1924 in Goldonis „Der Diener zweier Herren“ den Truffaldino. Diese Produktion wurde weltweit 400mal gespielt und war Vorbild für Giorgio Strehlers Inszenierung nach dem 2. Weltkrieg. 1926 inszenierte T. in diesem Theater Iwan Turgenjews „Ein Monat auf dem Lande“ unter dem Titel „Natalie“ und 1927 Sacha Guitrys „Schwarz auf weiß“. Während seiner Berliner Jahre unternahm er Gastspielreisen durch Deutschland, in die Schweiz, nach Belgien, in die Niederlande, nach Italien und in die Tschechoslowakei. 1927/28 führte ihn ein Gastspiel der Wiener und Berliner Reinhardt-Bühnen nach New York.

    Bereits 1916 hatte sich T. dem Stummfilm zugewandt (Die Gfn. Heyers, Produzent W. Wauer). Er verkörperte schüchterne bzw. verträumte Charaktere, war Partner von Henny Porten und Ossi Oswalda und spielte u. a. unter der Regie von Ernst Lubitsch (Die Puppe, 1919; Die Bergkatze, 1921; Die Flamme, 1922). 1925 trat T. erstmals bei den Salzburger Festspielen auf (Spielmann, in K. Vollmoeller, Das Mirakel), wo er in späteren Jahren noch mit seinen Paraderollen als Weinberl (Einen Jux will er sich machen, 1942) und Truffaldino (Der Diener zweier Herren, 1946, in e. Wiederaufnahme d. Inszenierung v. M. Reinhardt, Regie Hermann T.) das Publikum begeisterte. Mit dem Beginn des Tonfilms (1931) verlegte T. den Schwerpunkt vom Theater auf Filmoperetten und Filmkomödien, und spielte in über 40 Filmen vorwiegend Hauptrollen, ehe er sich Mitte der 1930er Jahre wieder dem Theater zuwandte. 1934 debütierte er am Wiener Burgtheater (Leon, in: Grillparzer, Weh dem, der lügt), wo er bis 1968 v. a. in Werken von F. Raimund und J. Nestroy große Triumphe feierte. Im Film der 1940er und 1950er Jahre verkörperte er vorwiegend Rollen älterer Herren, wobei er nach dem 2. Weltkrieg meist österr. Produktionen bevorzugte. Gelegentlich führte er auch Regie. Nach seinem letzten Bühnenauftritt im Wiener Akademietheater (Ernest, in: A. Roussin, Die Lokomotive) 1968 zog er sich ins Privatleben zurück. Seine Komikerrollen in den klassischen Lustspielen waren prägend für das Burgtheater seiner Zeit. T. zählte zu den besten und beliebtesten Lustspieldarstellern der dt. Bühne und des dt. Films, in dessen Darstellung sich entfesselter Humor mit dezenter Charakterzeichnung verbanden.

  • Auszeichnungen

    A österr. Kammerschausp. (1936); Cavaliere u. Orden d. Krone v. Italien f. d. Darst. d. „Truffaldino“ (1937); Staatsschausp. (1939); Aufnahme in d. „Gottbegnadeten-Liste“ (1944); Gr. Goldenes Ehrenzeichen d. Rep. Österr. (1956); Kammerschausp. (1957); Ehrenmitgl. d. Raimundges. (1958) u. d. Burgtheaters (1965); Ehrenmedaille d. Stadt Wien in Gold (1960); Filmband in Gold (1969); Gr. Silbernes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Stadt Wien (1970); Ehrenkreuz f. Wiss. u. Kunst 1. Kl. (1971); Raimund-Ring (1980); Ehrenring d. Stadt Wien (1981).

  • Werke

    W u. a. Bühnenrollen: Lelio, in: C. Goldoni, Der Lügner;
    Leon, in: F. Grillparzer, Weh dem, der lügt;
    Argan, in: J. B. Molière, Der eingebildet(e) Kranke;
    Cléanthe, in: ders., Der Geizige;
    Oronte, in: ders., Misanthrop;
    Weinberl, in: J. Nestroy, Einen Jux will er sich machen;
    Zwirn, in: ders., Lumpazivagabundus;
    Titus Feuerfuchs, in: ders., Talisman;
    Rappelkopf, in: F. Raimund, Der Alpenkg. u. Menschenfeind;
    Fortunatus Wurzel, in: ders., Der Bauer als Millionär;
    Nachtigall, in: ders., Die gefesselte Phantasie;
    Valentin, in: ders., Der Verschwender;
    Zettel, in: W. Shakespeare, Ein Sommernachtstraum;
    Lanzelot, Alter Gobbo, in: ders., Kaufmann v. Venedig;
    Narr, in: ders., Kg. Lear;
    Malvolio, Bleichenwang, in: ders., Was ihr wollt;
    Filme: u. a. Stummfilme: Ossis Tageb., 1917;
    Moral u. Sinnlichkeit, 1919;
    Die goldene Krone, 1920;
    Die Brüder Karamasoff, 1921;
    Das Mädel mit d. Maske, 1922;
    Du sollst nicht töten, 1923;
    Der ungebetene Gast, 1925;
    Die Familie ohne Moral, 1927;
    Napoleon auf St. Helena, 1929;
    Tonfilme: Die Dreigroschenoper, 1931;
    Der kl. Seitensprung, 1931;
    Eine Nacht im Paradies, 1932;
    Kiki, 1932;
    Eine Stadt steht Kopf, 1932/33; Kleiner Mann – was nun, 1933; Viktor u. Viktoria, 1933; Liebe dumme Mama, 1934; Der Himmel auf Erden, 1935; Im Weißen Rößl, 1935; Der geheimnisvolle Mister X, 1936; Die Austernlilli, 1937; Die kluge Marianne, 1943; Der Prozess, 1948; Eine Nacht in Venedig, 1953; Ewiger Walzer, 1954; Der Verschwender, 1956; Eine Reise ins Glück, 1958; Wenn d. Glocken hell erklingen, 1959; Romanze in Venedig, 1962; Der Arzt wider Willen, 1967.

  • Literatur

    L A. Kahane, Die Thimigs, Theater als Schicksal e. Fam., 1930 (P);
    O. M. Fontana, Wiener Schausp., 1948;
    E. Pospischill, H. T., Eine Schausp.biogr., Diss. Wien 1951 (Bühnen- u. Filmrollen);
    G. Doublier u. F. Fuhrich, H. T., Ein Leben in Dok., 1972 (P, Bühnen- u. Filmrollen);
    E. Fuhrich-Leisler u. G. Prossnitz (Hg.), Die Thimigs, Ihr Leben f. d. Theater, Ausst.kat. d. Max-Reinhardt-Forsch.- u. Gedenkstätte Salzburg, 1977/78 (P);
    L. Knessel, Ausst. H. T. u. d. Burgtheater, Zum 90. Geb.tag d. Künstlers, 1980;
    Teichl;
    Kürschners biogr. Theater-Hdb., 1956;
    Österr. Personenlex.;
    Hist. Lex. Wien;
    P. S. Ulrich, Biogr. Verz. f. Theater, Tanz u. Musik, 1997;
    Kosch, Theaterlex.;
    A. Heinzlmeier u. B. Schulz, Lex. d. dt. Film- u. TV-Stars, 2000;
    CineGraph; Kulturlex. Drittes Reich.

  • Portraits

    P Rollenporträt, H. T. als Klosterbruder (in: Lessing, Nathan d. Weise), Ölgem. v. S. Pauser, 1962 (Wien, Burgtheater, Ehrengal.).

  • Autor/in

    Christa Harten
  • Empfohlene Zitierweise

    Harten, Christa, "Thimig, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 149-150 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757121.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA