Lebensdaten
1859 bis 1926
Geburtsort
Graudenz (Westpreußen)
Sterbeort
Bad Gastein
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118790935 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roethe, Gustav
  • Roethe, G.
  • Roethe, Gustav Karl Ludwig
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Zitierweise

Roethe, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790935.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1829–1901), Druckereibes. in G., S d. Karl Gotthilf, aus Nietleben, Druckereibes. in G., u. d. Dorothea Wilhelmine Hutawa, aus G.;
    M Auguste (1825–1904), T d. Ludwig Ernst Wilda, Ger.rat in G., u. d. Johanna Friederike Klusemann;
    Schw Gertrud ( Edward Schröder, 1858–1942, o. Prof. f. Dt. Philol. in Marburg/Lahn, Mitgl. d. Ges. d. Wiss. in Göttingen, korr. Mitgl. Ak. d. Wiss. zu Berlin, München u. Wien, Geh. Reg.rat, s. Kosch, Lit.-Lex.2/3; Killy; Germanistenlex. (in Vorbereitung);
    Göttingen 1888 Dorothea (1868–1954), T d. Adolf v. Koenen (1837–1915), aus Potsdam, o. Prof. d. Geol. in Göttingen, Geh. Bergrat (s. DBJ I, Tl.), u. d. Lavinia Konopacka (1845–97);
    4 S Otfrid (1903–43), Dr. phil., Berging. in Oberhausen, Eberhard (1905–87), Dr. iur., RA in Berlin, Montreal u. Frankfurt/M., Gerwin (1909–45), Dr. phil., Hist. in Berlin, Goetz (1910–79), Bühnenbildner in Berlin, 3 T u. a. Eva v. Danckelman (1899–1988), Annalise Pfäfflin (1912–95); Schwägerinnen Adelheid v. Koenen (1874–1911, Walther Brecht, 1876–1950, Lit.hist., s. NDB II), Johanna v. Koenen (1882–1965, Robert v. Hippel, 1866–1951, o. Prof. f. Strafrecht in Göttingen, s. NDB IX).

  • Leben

    R. studierte 1876-1881 Klassische und Dt. Philologie in Göttingen, Leipzig und Berlin. In Leipzig war er Schüler von Georg Curtius, Otto Ribbeck, Rudolf Hildebrand und Friedrich Zarncke, bei dem er 1881 promoviert wurde (Reinmars v. Zweter Herkunft u. Aufenthalt in Österr. unter Leopold VII., 1883). In Berlin schloß er sich dem Kreis um Wilhelm Scherer und Karl Müllenhoff an. 1886 habilitierte er sich in Göttingen (Die Gedichte Reinmars v. Zweter, 1887, Faks.-Neudr. 1967). 1886-88 wirkte er als Privatdozent für Dt. Philologie in Göttingen, 1888-90 als ao. Professor für Dt. Philologie mit besonderem Lehrauftrag für neuere dt. Literaturgeschichte (Nachfolge Karl Goedekes) und 1890-1902 als o. Professor für Dt. Sprache und Literatur (in Nachfolge Wilhelm Müllers; Prorektor 1901/02). 1902 wurde er Nachfolger von Karl Weinhold in Berlin (Rektor 1923/24). Bis 1921, mit Ausnahme der Zeit seines Kriegsdienstes 1915/16 in Frankreich, vertrat er dort auch den Lehrstuhl des 1913 verstorbenen Erich Schmidt.

    Schon in Göttingen begann R. mit der Inventarisierung mittelniederdt. Handschriften. In Berlin entfaltete er als Vorsitzender der 1903 gegründeten Dt. Kommission der Preuß. Akademie der Wissenschaften eine rege Tätigkeit als Organisator von Projekten wie der Inventarisierung mittelalterl. Handschriften, der Herausgabe ungedruckter mittelalterl. Texte (DTM), des Dt. Wörterbuchs und von Dialektwörterbüchern.

    R., der fachlich die dt. Sprache und Literatur vom Mittelalter bis zum 19. Jh. vertrat, sah sich in der philolog. Textkritik der Schule Karl Lachmanns verpflichtet. In dieser Tradition führte er (mit Edward Schröder) die von Scherer begonnene Neuausgabe vonJacob Grimms„Dt. Grammatik“ (Bde. 3 u. 4, 1890-98) fort. Zusammen mit Schröder gab er seit 1891 die von Moriz Haupt gegründete „Zeitschrift für dt. Altertum und dt. Literatur“ mit dem dazugehörigen „Anzeiger“ heraus. R.s Ausgabe der Gedichte Reinmars von Zweter mit einer umfangreichen historisch-philolog. Einleitung bildete bis zum Erscheinen des „Repertoriums der Sangsprüche und Meisterlieder“ (seit 1986) das wichtigste Werk zur mittelalterl. Sangspruchdichtung.

    Die an der mittelalterl. Literatur erprobten philolog. Methoden wandte R. auch auf die Literatur des 18. und 19. Jh. an, wie seine Mitarbeit an der Weimarer Goethe-Ausgabe, die Neuausgabe des „Volks-Goethe“, die Ausgabe der Briefe des jungen Goethe, seine zahlreichen Goethe-Studien sowie die „Säkularstudie“ über „Brentanos Ponce de Leon“ zeigen.

    Seit Beginn des 1. Weltkriegs trat R. zunehmend mit nationalistischen, monarchistischen Reden hervor.|

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Göttinger Ges. d. Wiss. (1893) u. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1903, ständiger Sekr. 1911), korr. Mitgl. d. Österr. u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1919); Präs. d. Goethe-Ges. (1922); preuß. GR (1909).

  • Werke

    Weitere W Die dramat. Quellen d. Schillerschen Tell, in: Forsch. z. dt. Philol., Festgabe f. Rud. Hildebrand, 1894;
    Jacob Grimms Vorlesungen üb. dt. Lit.gesch., in: Göttinger Nachrr. 1899, S. 508-48;
    Die Reimvorreden d. Sachsenspiegels, in: Abhh. d. Göttinger Ges. d. Wiss N. F. 2/8, 1899;
    Brentanos Ponce de Leon, ebd. N. F. 5/1, 1901;
    Niederrhein. Minnekatechese, in: FS dem Hans. Gesch.ver. u. dem Ver. f. niederdt. Sprachforsch. dargebr., 1900, S. 161-72;
    Götting. Ztgg. v. gel. Sachen, in: FS z. Feier d. 150j. Bestehens d. Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, 1901, S. 567-688;
    Humanist. u. nat. Bildung, 1906, 21913;
    ‚Alt', Btrr. z. Wörterbuch d. dt. Rechtssprache, 1908, Sp. 151-68;
    Nibelungias u. Waltharius, in: SB d. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1909, S. 649-91;
    Zum dramat. Aufbau d. Wagnerschen Meistersinger, ebd. 1919;
    Goethe, hg. v. U. Pretzel, 1932;
    Dt. Reden v. G. R., hg. v. J. Petersen, o. J.;
    – 118 Btrr. in d. ADB;
    Hg.:
    Sebastian Helbers Teutsches Syllabierbüchlein, 1882;
    Palaestra, Unterss. u. Texte aus d. dt. u. engl. Philol., seit 1903 (mit Erich Schmidt u. Alois Brandl).

  • Literatur

    J. Petersen, G. R., Ansprache b. d. Trauerfeier d. Ostbundes am 10. Okt. 1926 in d. neuen Aula d. Univ. Berlin, Mit e. bibliograph. Anhang v. U. Pretzel [1927];
    K. Zwierzina, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien, 1927, S. 313-23;
    E. Schröder, in: Nachrr. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Geschäftl. Mitt. f. d. J. 1926, S. 48-57;
    G. Lohse, Held u. Heldentum, Ein Btr. z. Persönlichkeit u. Wirkungsgesch. d. Berliner Germanisten G. R. (1859-1926), in: Lit. u. Theater im Wilhelmin. Za., hg. v. H.-P. Bayerdörfer, K. O. Conrady, H. Schanze, 1978, S. 399-423;
    J. Judersleben, Philol. als Nat.pädagogik, G. R. zw. Wiss. u. Pol., 2000;
    Kosch, Lit.-Lex.2/3;
    Killy;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Göttinger Gel., S. 284 f. (P);
    Internat. Germanistenlex. (in Vorbereitung);
    Regg. z. Briefwechsel zw. G. R. u. Edward Schröder, bearb. v. D. Ruprecht u. K. Stackmann, 2 Bde., 2000.

  • Portraits

    Phot. u. a. v. P. Matzen, um 1901, in: Niedersächs. Staats- u. Univ.bibl. Göttingen, Abt. f. Hss. u. seltene Drucke, Voit'sche Slg.

  • Autor/in

    Dorothea Ruprecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Ruprecht, Dorothea, "Roethe, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 753-754 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790935.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA