Lebensdaten
1886 bis 1961
Geburtsort
Zweibrücken (Pfalz)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Professor der Germanistik in Tübingen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118795260 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schneider, Hermann

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Zitierweise

Schneider, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795260.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Rr. v. S. (1851-1914), aus Landau, Dr. iur., Präs. d. Oberlandesger. Nürnberg, seit 1905 Vertr. Bayerns im BR in Berlin (s. Schärl), S d. Georg Friedrich, Gastwirt in Landau;
    M Auguste, T d. Friedrich August Mahla (1829–1913), Untern.;
    1914 Johanna (* 1890), T d. Friedrich Küstner (1856–1936), o. Prof. d. Astronomie in Bonn, Entdecker d. Polhöhenschwankung (s. NDB 13), u. d. Else Börner;
    1 S Wolfdietrich (* 1923).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Maximiliansgymnasiums in München 1895-1904 studierte S. seit 1905 German. u. Roman. Philologie in Berlin, wo er 1909 mit einer Arbeit über „Friedrich Halm und das span. Drama“ (gedr. 1909) bei Erich Schmidt (1853–1913) zum Dr. phil. promoviert wurde. Im Anschluß an die Habilitation 1912 (Die Gedichte u. d. Sage v. Wolfdietrich, 1913) wurde er Privatdozent, 1914 ao. Professor in Bonn und 1915 in Berlin. 1921 übernahm er die o. Professur für Dt. Sprache und Literatur in Tübingen (erster Nachkriegsrektor 1945, em. 1954); daneben war er 1943/44 Professor an der Univ. Bukarest. S.s Einbindung in die großbürgerliche, großstädtische Bildungswelt von frühester Kindheit an begründete die außerordentliche Vielseitigkeit der wissenschaftlichen Interessen, aber auch deren zeitgebundene Begrenztheit. Schon auf die Münchner Schulzeit gehen S.s Vorliebe für Theater und Musik und seine Verehrung Richard Wagners zurück. Dem bildungsbürgerlichen Erbe zuzurechnen ist seine Vorstellung, daß Dichtung vornehmlich individuell gestaltete, geformte Dichtung sei – eine Vorstellung, in der er sich mit Andreas Heusler (1865–1940) traf, der in Berlin neben Gustav Roethe (1859–1926) und Erich Schmidt einer seiner Lehrer war. Dessen Formel „Heldensage ist Heldendichtung“ machte S. zur Grundlage seiner „German. Heldensage“ (3 Bde., 1928–34, Bd. 1: 21962). S. berücksichtigte zwar die sozialen Hintergründe – so schon im Titel seiner alt- und mittelhochdt. Literaturgeschichte „Heldendichtung, Geistlichendichtung, Ritterdichtung“ (1925, 21943) -, bestand aber auf der Eigengesetzlichkeit der literarischen Entwicklung und bezog dazu aus der Berliner Wilhelm-Scherer-Tradition die These von den periodisch wiederkehrenden „Blütezeiten“: Heldenlied um 600, mittelhochdt. Dichtung um 1200, Klassik um 1800. Diese biologistische Betrachtungsweise vom Blühen und Altern der Literatur brachte ihn in die Nähe der „Bauhüttenphilosophie“ Erwin Guido Kolbenheyers (1878–1962), zu der er sich noch in seiner Rektoratsrede 1946 bekannte.

    S. gilt als einer der letzten, die „Hausrecht“ im gesamten Fach der Germanistik hatten: Seine Themen reichen vom german. Mythos über Eddalieder, Wolframs Parzival und Gottfrieds Tristan, Schiller und Uhland bis hin zu Ibsen und Hamsun. In alledem war S. allerdings weniger ein Neuerer als ein Fortsetzer. Auch der Versuch 1955, das „Heldensagen“-Konzept auf neue Grundlagen zu stellen und die ungeformte Volksüberlieferung|einzubeziehen, war nicht mehr als der Anschluß an eine seinerzeit populäre Forschungstendenz.

    S. wird als akademischer Lehrer von faszinierender Brillanz beschrieben. Das prädestinierte ihn zum öffentlichen Wirken. Trotz seiner kulturpolitischen Aktivitäten durch Vortragsreisen ins Ausland und durch die Bukarester Professur stand S. allerdings dem NS-Regime reservierter gegenüber, als es den Anschein hat. Der Vorwurf, S. habe den Wahlaufruf „Bekenntnis der Professoren […] zu Adolf Hitler“ 1933 unterzeichnet, ist falsch. Die von S. 1938 herausgegebene „German. Altertumskunde“ konnte 1951 unverändert nachgedruckt werden. Unter S.s Schülern sind zu nennen Heinz Otto Burger, Hugo Kuhn, Lutz Röhrich und sein Lehrstuhlnachfolger Wolfgang Mohr.

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Bayer. Ak d. Wiss. (1936, zugleich Leiter d. Abt. Ältere dt. Sprache u. Lit.), d. Kgl. Wiss.- u. Lit.gemeinschaft, Göteborg (1949) u. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit., Mainz (1949); Ehrenmitgl. d. Modern Language Association (seit 1952).

  • Werke

    Weitere W Stud. zu Heinrich v. Kleist, 1915;
    Uhland, Leben, Dichtung, Forsch., 1920 (Nachdr. 1967);
    Schiller, Werk u. Erbe, 1934;
    Das german. Epos, 1936;
    Über d. ältesten Götterlieder d. Germanen, 1936;
    Die Götter d. Germanen, 1938;
    Epochen d. dt. Lit., 1946, 21949;
    Gesch. d. norweg. u. Isländ. Lit., 1948;
    Eine Uredda, 1948;
    Urfaust?, Eine Stud., 1949;
    Gesch. d. dt. Dichtung, 2 Bde., 1949/50;
    Kleinere Schrr. z. german. Heldensage u. Lit. d. MA, hg. v. K. H. Halbach u. W. Mohr, 1962 (Biogr. v. W. Mohr, S. 271-76; Bibliogr.
    v. G. Schweikle, S. 277-91);
    Hg.:
    Bibl. d. Lit. Ver. in Stuttgart (seit 1922);
    Tübinger Germanist. Arbb. (1926–34); Schiller-Nat.ausg. (1943–58, Mithg.);|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.-archiv Tübingen; Internat. Germanistenlex. (Qu. L).

  • Literatur

    FS f. Paul Kluckhohn u. H. S., hg. v. ihren Tübinger Schülern, 1948;
    W J. Siedler, in: FAZ v. 12.4.1961;
    H. Kuhn, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1961. S. 182-87 (P);
    H. Moser, in: ZDP 80, 1961, S. 425-28;
    K. Wagner, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. 1961, S. 59-63 (P);
    K. v. See. H. S. u. d. NS, Mit e. Anhang: H. S. im Briefwechsel mit Andreas Heusler, in: ders. u. J. Zernack, Germanistik u. Pol. in d. Zeit d. NS, 2004, S. 9-106 (P);
    Lex. Pfälzer;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Munzinger;
    Internat. Germanistenlex. (W, L).

  • Autor/in

    Klaus von See
  • Empfohlene Zitierweise

    See, Klaus von, "Schneider, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 298-299 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118795260.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA