Lebensdaten
1882 bis 1963
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118755951 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strich, Fritz

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Zitierweise

Strich, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755951.html [20.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Kaufmannsfam.;
    V Julius, Kaufm.;
    M Hedwig Bernstein;
    B Walter (* 1885), Dr. phil., Psychol., Kulturphilos. in München;
    1946 Gertrud Sattler (1905–65, Dr. phil., Romanistin (s. W).

  • Leben

    S. wuchs zunächst in Königsberg, dann in Berlin auf, wo er 1900 am Friedrichwerderschen Gymnasium sein Abitur erhielt. Anschließend studierte er Dt. Literaturgeschichte, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin, u. a. bei Gustav Roethe (1859–1926) und Heinrich Wölfflin (1864–1945), 1902/03 in Freiburg (Br.), u. a. bei Friedrich Panzer (1870–1956), 1903 in Bonn und danach in München. Hier schloß er sein Studium 1905 bei Franz Muncker (1855–1926) mit der Dissertation „Franz Grillparzers Ästhetik“ (gedr. 1905) ab. In den folgenden fünf Jahren leistete S. Militärdienst und unternahm Reisen nach Ägypten, Italien und Frankreich. Zurück in München, habilitierte er sich bei Muncker mit einer Arbeit zur „Mythologie in der dt. Literatur von Klopstock bis Richard Wagner“ (1910, 21970) und wirkte hier 1910–15 – unterbrochen von Kriegsdienst 1914/15 – als Privatdozent sowie 1916–29 als ao. Professor. 1929 wurde er als o. Professor an die Univ. Bern berufen (mehrfach Dekan, em. 1953, Schweizer Staatsbürger seit 1941). Eine Gastprofessur führte ihn 1933 an die Columbia Univ. (New York). Zu S.s Lehrund Forschungsschwerpunkten gehörten die Dt. Literatur des 17. bis 19. Jh., v. a. die Klassik und Romantik, sowie die Dichtungstheorie. Zu seinen Schülern zählen Margarete Noeggerath-Bauer, Wilhelm Krämer, Hans Jürg Lüthi und Wolfgang Paulsen.

    S. gehört zu den frühen namhaften Vertretern einer ideengeschichtlich ausgerichteten, sich von dem Positivismus des 19. und frühen 20. Jh. abwendenden Literaturgeschichtsschreibung. Geschichte und Literatur werden als Ausdruck eines überzeitlichen Geistes verstanden, zugleich spiegelt die Dichtung jedoch in ihrem „Zeitstil“ das Individuelle, zeitlich Bedingte ihrer Entstehungsumstände. S. verband Geistesgeschichte und Literaturwissenschaft eindrücklich bereits in seiner bis heute diskutierten Studie „Deutsche Klassik und Romantik oder Vollendung und Unendlichkeit, Ein Vergleich“ (1922, 51962), in der er die stiltypologischen Grundbegriffe Wölfflins aus der Kunstgeschichte auf die Literaturwissenschaft übertrug. Ein zweiter zentraler Themenkreis S.s war das Konzept der „Weltliteratur“ (in Anlehnung an Goethe), eines geistig-kulturellen übernationalen Raums und seiner Manifestation in literarischen Werken (Goethe u. d. Weltlit., 1946, 21957). Auch hieraus sprach S.s vom Idealismus geprägter Glaube an die Wirkungsmacht der Dichtung, nicht zuletzt im Dienste der Völkerverständigung nach den Kriegen des 20. Jh.

  • Auszeichnungen

    A Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1932); Goetheplakette d. Stadt Frankfurt/M. (1953); Lit.preis d. Stadt Bern (1962); korr. Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1950); Mitgl. d. Goethe-Ak., São Paulo (Brasilien).

  • Werke

    Weitere W Schiller, Sein Leben u. sein Werk, 1912, 31928;
    Dichtung u. Zivilisation,

    1928; Der Dichter u. d. Zeit, Eine Slg. v. Reden u. Vortrr., 1947; Kunst u. Leben, Vortrr. u. Abhh. z. dt. Lit., 1960; Goethes Faust, Aus d. Nachlass, hg. v. Gertrud Strich-Sattler, 1964;
    Hg.: F. Wedekind, Ausgew. Werke in fünf Bdn., 1924; F. Wedekind, Gesammelte Briefe in zwei Bdn., 1924; Dt. Ak.reden, 1924; H. Heine, Sämtl. Werke in elf Bdn., 1925–30; Schweizer. Ak.reden, 1945; J. W. v. Goethe, Schrr. z. Lit., 1950; A. Schirokauer, Germanist. Stud., 1957;
    Bibliogr.: Gertrud Strich-Sattler, in: Weltlit., 1952 (s. L), S. 177–83;
    Nachlaß: Burgerbibl. Bern; Korr. auch im DLA Marbach; Akten im Bayer. HStA u. Univ.archiv München;
    zu Gertrud (Strich-)Sattler: Das dt. Lied in d. franz. Romantik, 1932 (Diss.)

  • Literatur

    | W. Muschg u. E. Staiger (Hg.), Weltlit., Festgabe f. F. S. z. 70. Geb.tag, 1952 (P);
    E. Staiger, in: Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Jb. 1963, S. 169–71;
    M. Jurgensen, Dt. Lit.theorie d. Gegenwart, Georg Lukács, Hans Mayer, Emil Staiger, F. S., 1973;
    H. Dilly, Heinrich Wölfflin u. F. S., in: Ch. König u. E. Lämmert (Hg.), Lit.wiss. u. Geistesgesch. 1910 bis 1925, 1993, S. 265–85;
    M. Espagne, Kunstgesch. als europ. Wahrnehmungsgesch., Zum Btr. v. Heinrich Dilly, ebd., S. 286–90;
    M. Bonk, Dt. Philologie in München, 1995, S. 461;
    T. Breisach, Jüd. Univ.professoren im Kgr. Bayern, 2000, S. 298–300;
    J. Schütt, Das alte u. d. neue Weimar, F. S.s Stiltypol., Kultur u. Zivilisation, in: ders., Germanistik u. Pol., Schweizer Lit.wiss. in d. Zeit d. NS, 1996, S. 39–44 (P);
    P. P. Riedl, Renaissance oder Ref., Ernst Troeltsch u. F. S., in: ders., Epochenbilder, Künstlertypol., 2005, S. 112–15;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Ostdt. Gedenktage 1982;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Internat. Germanistenlex. (W, L);
    Munzinger;
    Lex. dt.-jüd. Autoren (W, L, Qu);
    Heuer.

  • Autor/in

    Ruth Doersing
  • Empfohlene Zitierweise

    Doersing, Ruth, "Strich, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 548-549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755951.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA