Lebensdaten
1887 bis 1960
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Germanist ; Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132563894 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richter, Werner

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Zitierweise

Richter, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132563894.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ehemals jüd. Fam.;
    V N. N.;
    M N. N.;
    1) Hilde ( 1919, ev.), T d. Erich Schmidt (1853–1913), o. Prof. d. Germanistik in Berlin, 1909 Rektor, 1906 Präs. d. Goethe-Ges., Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (s. Killy; Kussmaul; W. Höppner, in: Wiss.gesch. d. Germanistik in Portraits, hg. v. Ch. König u. a., 2000, S. 107-14), u. d. Wally Walburg (* um 1858), 2) 1922 Ursula Meyer (1891–1978, ev.), aus Merseburg, emigrierte 1939 mit R. in d. USA, kehrte 1950 in d. BRD zurück;
    1 S aus 1) Erich G. (1913–74), emigrierte 1935 nach Braz, kehrte 1957 in d. BRD zurück, im ev. Kirchendienst tätig, 1 T aus 1) Kathy Valborg G. E. Boyd (* 1915), emigrierte 1939 mit R. in d. USA, 2 S aus 2) Goetz Wilfried Gert (* 1922), B. A., emigrierte 1939 in d. USA, Dr. med., Prof. f. Pathol. in d. USA, Eckhart H. (* 1926), Ph. D., Prof. f. Musik an d. Georgia State Univ., 1 T aus 2) Gisela M. Vokes (* 1929), Bakkalaureat in Musik, Konzertpianistin.

  • Leben

    R. studierte Germanistik in Berlin, Marburg und Basel. In Berlin war er Schüler von Erich Schmidt (1853–1913) und Gustav Roethe (1859–1926), die zur positivistischen Schule um Wilhelm Scherer (1841–86) gehörten. Nach der Promotion 1910 in Berlin und der Habilitation 1913 in Greifswald lehrte er hier als Privatdozent, wobei er sich auf Quellenstudien und die Wirkungsgeschichte der Werke (Dichtungssoziologie) konzentrierte. 1915/16 leistete er Kriegsdienst und ging 1916 auf Wunsch des Auswärtigen Amtes als Gastprofessor nach Istanbul. 1917 kehrte er nach Greifswald zurück (Tit.-, 1919 ao., 1920 o. Prof. f. neuere dt. Lit.gesch.).

    Im Dez. 1920 wurde R. als Ministerialrat in das Personalreferat der Hochschulabteilung des Preuß. Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung berufen; 1925 stieg er als Ministerialdirektor zum Leiter der Hochschulabteilung auf. Durch die Initiative des Kultusministers Carl Heinrich Becker|(1876-1933), der 1919 seine „Gedanken einer Hochschulreform“ formuliert hatte, kam es unter R.s Federführung zu bedeutsamen Reformen, von denen die Vereinheitlichung und Neufassung der Universitätssatzungen (1929) die wichtigste war. Im Zentrum stand die Gleichberechtigung aller wissenschaftlichen Arbeit, der Fakultäten und der Professoren. R. hielt an der Humboldtschen Einheit von Forschung und Lehre und dem universitären Selbstverwaltungsprinzip, auch der studentischen Selbstverwaltung, fest. Die Radikalisierung der Studentenorganisationen Ende der 20er Jahre und die damit verbundenen Angriffe in Presse und Öffentlichkeit erschwerten seine Arbeit erheblich. Als die Reichsregierung unter Franz v. Papen 1932 in die Rechte der Hochschulen eingriff, verließ R. das Ministerium und ging als Ordinarius für Germanistik an die Univ. Berlin. Im Nov. 1933 wurde er wegen seiner jüd. Abstammung in den Ruhestand versetzt. In der Folge wandte sich R. zunehmend der Theologie zu, die er 1936 in Basel auch studierte. 1939 emigrierte er in die USA, nachdem er einen Ruf an das Elmhurst College in Illinois erhalten hatte, wo seine theol. Kenntnisse stärker gefragt waren als seine germanistischen. Er hielt Vorlesungen an den Universitäten Yale, Madison, Berkeley und an theol. Institutionen; 1948 wurde er Professor am Muhlenberg College, Allentown, Pennsylvania. 1947/48 war R. Vizepräsident der American Theological Society (MidWest Branch) in Chicago. Hatte er 1947 noch einen Ruf an die Humboldt-Universität in Berlin abgelehnt, nahm er 1948/49 Gastprofessuren an den Universitäten Marburg und München an.

    1949 kehrte R. endgültig nach Westdeutschland zurück, und zwar als o. Professor für ältere Germanistik an der Univ. Bonn (1951–53 Rektor). 1954-59 war er Präsident des „Dt. Akademischen Austauschdienstes“ (DAAD), wobei ihm v. a. seine guten Auslandskontakte seit dem Exil zugutekamen. Die Auslandsarbeit des DAAD konnte während seiner Amtszeit stark erweitert werden, wodurch die Stipendiatenzahl der Vorkriegszeit überschritten wurde. R. setzte sich besonders für die Förderung des Austauschs mit Entwicklungsländern und für die Verbesserung der Auswahlmethode und der Betreuung der DAAD-Stipendiaten ein. – sechsfacher Ehrendoktor (D., Dr. iur. h. c., Dr. med. h. c., Dr. rer. pol. h. c., Dr.-Ing. E. h.); Ehrensenator d. TU Berlin (1951); Ehrenmitgl. im Österr. College (1957); Gr. BVK mit Stern (1957); Großoffz. d. ital. Verdienstordens (1957); peruan. Orden Al Merito por Servicios Distinguidos (1958).

  • Werke

    ‚Liebeskampf' 1630 u. ‚Schaubühne' 1670, Diss. Berlin 1910;
    Die Statuten d. preuß. Universitäten u. Techn. Hochschulen, 1929 (hg. mit Hans Peters);
    Zu Goethes hundertj. Todestag, 1932;
    Goethe u. d. Staat, 1932;
    Der Lanzelet d. Ulrich v. Zatzikhoven, 1934;
    Btrr. z. Deutung d. Mittelteils d. Nibelungenliedes, in: ZDA 72, 1935, S. 9-47;
    Der Kg. v. Thule u. seine Buhle, in: Mhh. f. dt. Unterr. 36, 1944, S. 3-129;
    Urfaust oder Ururfaust?, ebd. 40, 1949, S. 329-49, 47, 1956, S. 166-77;
    Re-educating Germany, 31945;
    Schiller u. d. Nachwelt, in: Dt. Btrr. z. geistigen Überlfg., 1947, S. 168-202;
    Die Zukunft d. dt. Univ., 1949;
    Bekenntnis zu Beethoven, 1952;
    Von d. Bedeutung d. Geisteswiss. f. d. Bildung unserer Zeit, 1952;
    Dt. u. angelsächs. Univ.ideale, 1953;
    Wolfram v. Eschenbach u. d. blutende Lanze, in: Euphorion 53, 1953, S. 360 ff.;
    August Wilhelm Schlegel, Wanderer zw. Weltpoesie u. altdt. Dichtung, 1954;
    Friedrich Schiller, Festrede gehalten b. d. Schillerfeier d. Rhein. Friedr.-Wilh.-Univ. in Bonn, 1955;
    Was heißt u. zu welchem Ende treibt man Kulturpol.?, 1955;
    Wiss. u. Geist in d. Weimarer Rep., 1958;
    Lehrhafte Dichtung, in: Reallex. d. Dt. Lit.gesch., II, 21959, S. 31-39.

  • Literatur

    In Memoriam W. R., Reden, gehalten am 27. Nov. 1961 b. d. Gedenkfeier d. Rhein. Friedr.-Wilh.-Univ. Bonn, 1962 (P);
    V. Laitenberger, Akad. Austausch u. auswärtige Kulturpol., Der Dt. Akad. Austauschdienst (DAAD) 1923-1945, 1976;
    P. Alter, Der DAAD seit seiner Wiederbegründung 1950, in: ders. (Hg.), Der DAAD in d. Zeit, I, 2000, S. 50-105 (P);
    Köpfe d. Forsch. an Rhein u. Ruhr, Die Mitgll. d. Arbeitsgemeinschaft f. Forsch. d. Landes NRW, 1958 (P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1950;
    Wi. 1958;
    Munzinger;
    BHdE II;
    Internat. Germanistenlex. (in Vorbereitung).|

  • Quellen

    Qu Univ.archiv Bonn.

  • Autor/in

    Lothar Reinermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Reinermann, Lothar, "Richter, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 539-540 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132563894.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA