Lebensdaten
1846 bis 1926
Geburtsort
Aurich (Ostfriesland)
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Philosoph ; Nobelpreisträger für Literatur (1908)
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118682555 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eucken, Rudolf Christoph
  • Eucken, Rudolf
  • Eucken, Rudolf Christoph
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Zitierweise

Eucken, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118682555.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ammo Becker E. (1792–1851), Postmeister in Aurich, S des Kaufm. Heike Heeren E., aus ostfriesischem Bauerngeschlecht;
    M Ida Maria (1814–72), T des Rudolf Christoph Gittermann (1776–1848), Dr. phil., Pastor in Eggelingen, Schriftsteller (s. Kosch, Lit.-Lex.), u. der Pastorentochter El. Charl. Biermann; Großonkel mütterlicherseits Herm. Gittermann (1768–1834), Theologe, Schriftsteller, Kirchenlieddichter (s. ADB IX);
    1882 Irene (1863–1941), T des Dr. Arnold Passow (1829–70), Gymnasialdirektor in Lingen, aus meckl. Gelehrtenfamilie, u. der Athenäa Ulrichs (1839–1913), Schriftstellerin (s. Kosch, Lit.-Lex., unter Passow), aus Bremer Kaufm.- u. Senatorenfamilie; Schwäger Adolf Passow (1859–1926), Prof. der Ohrenheilkunde in Berlin (s. Fischer), Hermann Passow (1865–1919), Chemiker (Portlandzement) (s. DBJ II, Tl. 1919, L);
    2 S, 1 T, u. a. Arnold s. (1), Walter s. (3).

  • Leben

    Über sein Leben berichtet E. in seinen „Lebenserinnerungen“ (1920, 21922, Werk(e), Werkverzeichnis). Er wuchs auf in Aurich, wo er das Gymnasium besuchte, studierte ab 1863 in Göttingen Philosophie (bei R. H. Lotze und G. Teichmüller, der E. besonders gefördert hat) und Altphilologie und promovierte dort 1866 mit einer Arbeit über die Sprache des →Aristoteles Er kommt in Berlin in Kontakt mit F. A. Trendelenburg, dem er verbunden bleibt. 1867-71 war er Gymnasiallehrer in Husum, Berlin und Frankfurt/Main, 1871/74 als Nachfolger Teichmüllers Ordinarius der Philosophie und Pädagogik in Basel, dann bis zu seiner Emeritierung 1920 Ordinarius der Philosophie in Jena. 1908 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

    E.s erste Arbeiten sind Forschungen zu Aristoteles. Von seinen historischen Werken seien hier noch die „Lebensanschauungen der großen Denker“ (1890, 17/181922) und die „Geschichte der philosophischen Terminologie“ (1879) genannt. – Die Hauptabsicht und Hauptarbeit E.s gilt der Aufrüttelung der Menschen seiner Zeit, die er in Gefahr glaubt. Dabei will er auf die ganze Menschheit wirken, aber als Deutscher in erster Linie auf die Deutschen. – E. geht aus vom Begriff eines Allebens, das in einem alle menschlichen Bereiche umfassenden Leben von uns jeweils verwirklicht wird. Menschliches Leben als so ungespaltenes Gesamtleben glaubt E. im Rückblick auf die Geschichte vor allem zu sehen 1. in der antiken Klassik, die ihm nachgestaltende Beziehung zu einer Welt ohne Transzendenz ist; 2. im Weltverhältnis des Mittelalters, wo er die Wirklichkeit von Gott her aufgefaßt und Seele und Innerlichkeit in Übereinstimmung damit verwirklicht sieht; 3. in der Neuzeit, die ihm durch ein aktiv-produktives Verhältnis des aus der Welt herausgelösten Menschen zu dieser Welt bestimmt ist. Diese Gesamtheiten sind in ihrer Ungespaltenheit ewig wahr, aber nicht mehr die unsrigen. Die letzte ließ uns zurück zwischen intellektualistischem Idealismus und seelenlosem Technizismus, zwischen Unsicherheit und Leere im Inneren des Menschen und fruchtbarer, aber ganz nach außen gerichteter Arbeitskultur. Keine der E. zeitgenössischen Weltauffassungen kommt dieser Gespaltenheit bei: alle sind einseitig und inkonsequent. Es muß eine neue Einheit in neuem Dringen in die Tiefe des Lebens gefunden werden, um der Gefahr zu entgehen, in die Unwahrheit zu sinken.

    Dies Eindringen geschieht in radikaler Abkehr vom Dasein (in Natur, durchschnittlich Menschlichem und Zerspaltenheit der Kultur), wo es nur das Nebeneinander und die Wechselbeziehung gibt. Diese Abkehr folgt unserer unabweisbaren Tendenz zu ansich-seienden Inhalten, zur vollen Selbsttätigkeit, zum absoluten Beisichselbstsein des Seins, und führt uns zum ewigen geistigen Alleben. Zu ihm aufgestiegen, nehmen wir Teil an ihm und werden von ihm getragen. Wir haben das Dasein, das Äußere der Wirklichkeit, verlassen, sind eingetreten in ihr Inneres, welches zugleich dasjenige des Alls und unserer selbst ist. Teilnahme am Alleben ist aber Leben, das alles umfassen will. So werden wir zurückgeführt ins Dasein, das wir in steter Auseinandersetzung mit ihm jeweils zu gestalten haben, indem wir den einen Geist in es hineinbilden. Das ist ein harter Kampf, ohne äußere Garantie des Sieges. Nur die Teilnahme am Alleben gibt uns Gewißheit, damit dem Leben Sinn, der Theorie und Praxis einen gültigen Standpunkt. – E.s „aktivistischer Idealismus“ ist wohl am ehesten Platon, dem antiken Neuplatonismus und Fichte verpflichtet. Er will besonders auch im sittlichen und religiösen Bereiche (unter Beibehaltung eines gereinigten Christentums) gelten. – E. will kein fertiges System geben, auch nicht Feststellungen machen, sondern zu aus geistiger Tiefe einheitlichem Leben aufrufen. Seine Überzeugungen lassen sich schwer begründen. Auf begriffliche Klarheit und sorgfältige Lösung schwieriger Probleme legt er nicht viel Wert. So bleiben grundlegende Unklarheiten, wie diese: Der Begriff des Lebens als eines allumfassenden Vorganges soll über alle Gegensätze hinausdringen, beim Ganzen, nicht bei Einzelnem einsetzen lassen. Warum aber wird dies Leben dann wieder eingeschränkt auf den Geist? – E.s Werke sind wertvoll im Aufzeigen von Argumenten für das Bestehen eines objektiven (übermenschlichen) Geistes, anregend in historischen Überblicken und lehrreich in bezug auf die geistige Situation der Zeit um den 1. Weltkrieg. E.s Aktivität und Wirkung gingen weit über die Universität hinaus. Bei den deutschen Philosophen und Gelehrten überhaupt fand er nicht großen Anklang, hatte aber auf viele seiner Schüler verschiedener Nationalität dauernden Einfluß. Zu nennen sind besonders Max Scheler, Leopold Ziegler und Fritz Medicus. Durch Teilnahme an der Bildung der Volksschullehrer (vor allem in Thüringen) wirkte er in weite Kreise, ebenso durch eine ausgedehnte Vortragstätigkeit und durch Schriften zu aktuellen Fragen, besonders auch während des 1. Weltkrieges, wo er für die Vertiefung und Stärkung der nationalen Anliegen sich einsetzte. 1920 entschloß er sich zur Emeritierung, um sich ganz der Arbeit für die durch die Katastrophe des Krieges noch mehr gefährdete Menschheit zu widmen. Im selben Jahre gründeten seine Freunde den Eucken-Bund, der sich der Verbreitung seiner Gedanken annahm. – Besonders lebhafte Beziehungen unterhielt E. mit|Skandinavien, Großbritannien, den USA (wo er 1912/13 war) und Japan, fand Anerkennung aber auch in Bulgarien, China, Indien, Australien; Übersetzungen seiner Werke gibt es zudem in fast allen wichtigen Weltsprachen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gesch. u. Kritik d. Grundbegriffe d. Gegenwart, 1878, ab 3. Aufl. u. d. T. Geistige Strömungen d. Gegenwart, 61920; Grundlinien e. neuen Lebensanschauung, 1907;
    Einführung in e. Philos. d. Geisteslebens, 1908;
    Mensch u. Welt, 1918, 21920; Geistesprobleme u. Lebensfragen, hrsg. u. eingel. v. O. Braun, 1918.

  • Literatur

    O. Siebert, R. E.s Welt- u. Lebensanschauung u. d. Hauptprobleme d. Gegenwart, 31921 (L);
    Ueberweg;
    Enc. Universal Illustrada Europeo-Americana 22, Barcelona 1924, S. 1276 ff. (W, L);
    Ziegenfuß;
    Bibliogr. Philosophica 1934-45, II, Brüssel 1954, S. 711. – Zu Groß-Om H. Gittermann: H. Reimers, in: Jb. d. Ges. f. bildende Kunst u. vaterländ. Altertümer zu Emden 17, 1930, S. 378-93.

  • Autor/in

    Thomas Raeber
  • Empfohlene Zitierweise

    Raeber, Thomas, "Eucken, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 670-672 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118682555.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA