Lebensdaten
1842 bis 1922
Geburtsort
Putbus (Rügen)
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Indogermanist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118671324 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Delbrück, Berthold Gustav Gottlieb
  • Delbrueck, Berthold
  • Delbrück, B.
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Delbrück, Berthold, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118671324.html [04.12.2016].

CC0

Delbrück, Berthold Gustav Gottlieb

Indogermanist, * 26.7.1842 Putbus (Rügen), 3.1.1922 Jena.

  • Genealogie

    V Felix (1811–52), Kreisrichter in Stralsund, S des Gottlieb (s. Genealogie 3) u. der Charlotte (1780–1818, T des Ernst Ferd. Klein [1743–1810), GJR u. Geheimer Obertribunalrat in Breslau, u. der Juliane Dor. Förster); M Wilhelmine (1815–72), T des Gustav Böhmer, JR, Rechtsanwalt in Stettin, u. der Dorothea Schallehn; Ov Adelbert s. (3), Rudolph s. (6); Vt Clemens s. (2), Hans s. (4), Max s. (7), Heinrich s. (5); Marienwerder 1865 Constance (1845–1934), T des Ludw. Frdr. Kämtz (1801–77), Prof. der Physik in Dorpat u. St. Petersburg (s. ADB XV), u. der Emilie v. Huene; 1 S, 2 T, u. a. Richard (1875-1957), Prof. der Archäologie in Jena u. Bonn.

  • Leben

    Nach Gymnasialunterricht in Stralsund und in Halle auf dem Pädagogium der Franckeschen Stiftungen (bis 1859) sowie nach glänzend bestandenem Absolutorialexamen führte D. seinen schon vorher gefaßlen Entschluß aus und widmete sich, neben dem durch den frühen Tod des Vaters bedingten Brotstudium (in der klassischen Philologie, Germanistik, Geschichte, Geographie und Französisch), der Vergleichenden Sprachwissenschaft. In Halle waren August Friedrich Pott und der Philosoph R. Haym, in Berlin Fr. Bopp, der Sanskritist A. Weber und der Sprachtheoretiker H. Steinthal seine Lehrer. Auf die Promotion in Halle und das Staatsexamen (1863) folgten Betätigung als Hauslehrer in Livland, als Gymnasiallehrer in Marienwerder (1864–66) und ein längerer, der Habilitationsvorbereitung

    dienender Aufenthalt in Sankt Petersburg bei seinem Schwiegervater. D. gewann dort die Bekanntschaft und lebenslange Freundschaft des Sanskritisten O. von Böhtlingk, dazu die des Kulturhistorikers V. Hehn und des Orientalisten A. Schiefner. Bald nach der Habilitation in Halle (1867) und der Aufnahme der Vorlesungstätigkeit erfolgte der Ruf auf eine außerordentliche Professur der Universität Jena als Nachfolger A. Leskiens (1870), zum 1.12.1873 die Ernennung zum ordentlichen Professor des Sanskrit und der Vergleichenden Sprachforschung. Mit E. Haeckel und R. Eucken angesehenstes Mitglied dieser Alma Mater, hielt er ihr die Treue bis an sein Lebensende, indem er ehrenvolle Rufe nach Heidelberg (1875), Berlin (1876) und Straßburg (1877) ausschlug. 1908/09 war D. aus Anlaß des 350jährigen Gründungsfestes der Universität Jena deren (Pro-)Rektor. Eine Titel-Auszeichnung hat D. grundsätzlich nie angenommen. Ordentliches Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Leipzig (1885) und in Göttingen (1912), der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1890); Doctor legum honoris causa (Chicago 1904), Ehrenmitglied der Universität Kiew (1906), Dr. jur. honoris causa (Jena 1908), Dr. phil. honoris causa (Athen 1912). Auf politischem Gebiet seien seine langjährige, tätige Mitgliedschaft bei der Nationalliberalen Partei und seine Bismarck-Verehrung erwähnt.

    In seiner Wissenschaft hat D. Epoche gemacht, indem er fast sechs volle Jahrzehnte hindurch seine Forschungen einheitlich und unbeirrt einem bis zu ihm so gut wie unbebauten Arbeitsgebiet zuwandte, der vergleichenden und historischen Syntax der indogermanischen Sprachen. Als ihr eigentlicher Schöpfer hat er die Syntax gleichberechtigt mit Laut-, Formen- und Wortbildungslehre dargetan und sie diesen schon früher begründeten Gliedern im Gesamtgefüge der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft hinzugesellt. Im Rahmen dieser Leistung hat D. für die Einzelstücke der Satzlehre - Kasus, Modus, Tempus, Nebensatz, Wortfolge - im Anschluß an Steinthals Sprachpsychologie auch eine eigene Betrachtungsweise entwickelt, deren letztes Ziel jeweils war, „den aus dem Vergleich der historischen Quellen nachweisbaren ältesten Gebrauch“ festzustellen. Im Ansatz ist all dies bereits in seiner Dissertation wahrzunehmen, der einheitliche Plan mit seiner Habilitationsschrift gegeben. Er hat ihn durch eine Reihe von Werken hindurch folgerichtig festgehalten und verwirklicht, wobei als Krönung auf einzelsprachlichem Gebiet seine „Altindische Syntax“ (Syntaktische Forschungen V, 1888) gilt, auf vergleichend-indogermanistischem aber seine dreiteilige „Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen“ (in Brugmann-Delbrücks „Grundriß der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen“, 3.-5. Band, Straßburg 1893, 1897, 1900). In diesem Werk-Zusammenhang hat D. durch gehaltvolle Veröffentlichungen auch noch die griechische und im letzten Abschnitt seines Lebens namentlich die germanische Syntax gefördert. Daneben verdienen Erwähnung seine „Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen“ (1880, 61919, englische, italienische, russische Übersetzungen), ferner seine „Grundfragen der Sprachforschung, mit Rücksicht auf W. Wundts Sprachpsychologie erörtert“ (Straßburg 1901) sowie „Die indogermanischen Verwandtschaftsnamen, ein Beitrag zur vergleichenden Altertumskunde“ (1889).

  • Literatur

    Festschr. z. 70. Geburtstag, hrsg. v. E. A. Kuhn u. W. Streitberg, = Indogerman. F 31, 1912 (W); E. Windisch, Gesch. d. Sanskrit-Philol. u. indischen Altertumskde. II, 1920, S. 414-21; E. Hermann, Indogerman. Jb. 8, 1922, S. 259-66; ders., B. D., ein Gelehrtenleben aus Dtld.s großer Zeit, 1923 (W-Verz., P); ders., Nachträge zu meiner D.-Biogr., in: Indogerman. F 43, 3, 1925/26; ders., in: DBJ IV, S. 25-29 (W, L u. Tl. 1922).

  • Autor

    Walther Wüst
  • Empfohlene Zitierweise

    Wüst, Walther, "Delbrück, Berthold" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 574-575 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118671324.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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