Lebensdaten
1873 bis 1931
Geburtsort
Homburg vor der Höhe
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Essayist ; Kulturpsychologe
Konfession
freireligiös
Normdaten
GND: 119328267 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmitz, Oscar Adolf Hermann
  • Schmitz, Oskar
  • Schmitz, Oscar A. H.
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Zitierweise

Schmitz, Oscar A. H., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119328267.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Oscar (* 1841), Eisenbahndir. in F.;
    M Gabriele ( 1897), T d. David Schwarzschild, aus alteingesessener jüd. Fam. im Rheinland;
    B Richard (1876- 1950), Landschaftsmaler in München (s. ThB; Vollmer); Shw Hedwig (1874–1948, 1) N. N. Gründler, Beamter, 2) Alfred Kubin, 1877–1959, Zeichner, Graphiker, Schriftst., s. NDB 13);
    1) Hermine Burk (* 1879), aus F., seit 1906 in Brannenburg, 2) 1905 Luise Hoby (* 1881), aus Darmstadt, 3) Emmy, T d. Paul Primex, Dr., Studienrat in F.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Frankfurt/M. und Weilburg studierte S. seit 1892 Jura, Nationalökonomie und Geisteswissenschaften in Heidelberg und Leipzig. Im selben Jahr reiste er in die Toskana, wo er Karl Wolfskehl (1869–1948) kennenlernte, der S. Zugang zum George-Kreis verschaffte und ihm seit 1896 die Veröffentlichung von Gedichten in den „Blättern für die Kunst“ ermöglichte. 1894 unternahm S. ausgedehnte Reisen durch ganz Italien sowie nach Budapest, Wien und Prag. 1895 bereiste er Holland und Belgien, in späteren Jahren England, Irland und Skandinavien. Auf allen Reisen fand er Kontakte zu Künstlern und Schriftstellern. 1895 ging S. nach München, um sein Studium zu beenden, brach es jedoch nach einem zweiten vergeblichen Promotionsversuch ab und verkehrte, durch väterliches Vermögen abgesichert, in Kreisen der Bohème und bürgerlichen Kulturprominenz; zeitweise lebte er mit Franz Hessel (1880–1941) und Franziska zu Reventlow (1871–1918) in einer Wohngemeinschaft. Sein Schlüsselroman „Wenn wir Frauen erwachen“ (1913; seit 71918 u. d. T. Bürgerl. Bohème, Nachdr. 1998) ergänzte Reventlows Roman „Herrn Dames Aufzeichnungen“ (1913), der das Treiben der „Kosmiker“ um Stefan George (1868–1933) karikierte.

    S., der 1904 den George-Kreis menschlich und künstlerisch enttäuscht verlassen hatte, lebte seit 1907 vorwiegend in Berlin, 1915-31 in Salzburg, wo er zeitweise als Psychoanalytiker praktizierte und die Tiefenpsychologie C. G. Jungs (1875–1962) zu popularisieren half (Psychoanalyse u. Yoga, 1923; Psychol. d. Geschlechtscharaktere, 1929). 1931 übersiedelte er nach Frankfurt/M.

    Zeitgleich mit ersten Erfolgen als Schriftsteller – wegen seines Bandes „Haschisch“ (1902, 41913, Nachdr. 2002) gilt S. als Mitbegründer moderner phantastischer Novellenliteratur – trat er als Journalist mit vielgelesenen Essays über Fragen der Politik und Gesellschaft hervor (Franz. Ges.probleme, 1907, 51914 u. d. T. Was uns Frankreich war; Brevier f. Weltleute, 1911, 21955; Kunst d. Pol., 1911, 31916 u. d. T. Englands pol. Vermächtnis an Dtld.). In anderen Schriften plädierte er für einen radikalen Individualismus, den er in seinem Privatleben praktizierte (Brevier f. Unpolitische, 1920; Brevier f. Einsame, 1921). Als überzeugter Irrealist und Sinnsucher beschäftigte er sich intensiv mit Astrologie (Der Geist d. Astrol., 1922) und den Weisheitslehren des Hermann Gf. Keyserling (1880–1946). Politisch stand er zuletzt der Paneuropa-Bewegung Karl Anton Prinz Rohans (1898–1975) nahe. S. pflegte intensive Kontakte zu Künstlern wie Frank Wedekind, Max Dauthendey, Alfred Jarry, Oskar Wilde, William Butler Yeats, Hugo v. Hofmannsthal, Gustav Meyrink, Peter Altenberg, Egon Friedell, Sigmund Freud oder C. G. Jung. Besonders eng war das Verhältnis zu seinem Schwager Alfred Kubin, den er bei seinen Arbeiten zum Roman „Die andere Seite“ (1909) unterstützte.

  • Werke

    Weitere W Orpheus, Lieder des Fahrenden, De profundis, Katafalke, 1898;
    Fahrten ins Blaue, Ein Mittelmeerbuch, 1912;
    Herr v. Pepinster u. sein Popanz, Gesch. v. Doppelleben, 1915;
    Wespennester, 2 Bde., 1928/29;
    Märchen aus d. Unbewußten, 1932;
    Sinnsuche oder Psychoanalyse, Briefwechsel Gf. Hermann Keyserling – O. A. H. S. aus d. Tagen d. Schule d. Weisheit, Mit e. Nachwort v. Gf. Keyserling, 1970;
    Autobiogr.:
    Die Geister d. Hauses, 1925;
    Dämon Welt, 1926;
    Ergo Sum, 1927;
    |

  • Quellen

    Qu: F. zu Reventlow, Tagebücher 1895-1910, hg. v. E. Reventlow, 1971; dies., Briefe 1890-1917, hg. v. E. Reventlow, 1975.

  • Literatur

    H. Kreuzer, Die Bohème, Btrr. zu ihrer Beschreibung, 1968;
    R. v. Hoerschelmann, Leben ohne Alltag, 1947;
    ders. (Hg.), Der Schwabinger Beobachter, o. J. [1950], S. 22;
    R. Huch, Erinnerungen an Kreise u. Krisen d. Jh.wende in München-Schwabing, in: Castrum Peregrini CX, 1973, S. 5-49;
    W. Hemecker, O. A. H. S. u. d. Bll. f. d. Kunst, ebd. CCXXV, 1996, S. 62;
    C. Kohlmann, in: 25 J. Georg Müller Verlag, 1928, S. 41;
    O. A. H. S. z. 50. Geb.tage, 1926 (mit Btrr. v. O. A. H. S., F. Glahn, H. Bahr, H. v. Hofmannsthal, St. Zweig, Th. Mann, H. Gf. Keyserling);
    K. Bohdal, O. A. H. S., Diss. Graz 1969;
    Killy;
    Kosch, Lit-Lex.3 (W);
    Rhdb. (P);
    ÖBL;
    .Salzburger Kulturlex.;
    Nassau. Biogr.

  • Autor/in

    Carl-Ludwig Reichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichert, Carl-Ludwig, "Schmitz, Oscar A. H." in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 254-255 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119328267.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA