Lebensdaten
1867 bis 1918
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Malang (Java)
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118678973 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dauthendey, Maximilian Albert
  • Dauthendey, Max
  • Dauthendey, Maximilian Albert

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Zitierweise

Dauthendey, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678973.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt wahrscheinlich aus Friedrichsroda (Thür.); Vater Carl Albr. (1819–96), Mechaniker u. Optiker, Photograph, führte die Daguerreotypie in Deutschland u. Rußland ein, S des Heinr. Salomon Leberecht (1776–1839), preußischer Gerichtsaktuar (Urenkel des Caspar [ 1639/44], Mathematiker, Astrologe u. Kartograph am Hof des Hzg. Ulrichs v. Braunschweig-Wolfenbüttel), u. der Johanna Dor. Wilh. Happach (1785–1848), aus anhaltischer Predigerfamilie;
    M Charl. Karol. Friedrich (1837–73) aus dt. Kolonistenfamilie, die z. Zeit Peters d. Gr. nach Rußland eingewandert war u. deren Mitglieder (Wollweber, Orgelbauer, Klavierfabrikanten u. Instrumentenmacher) alle der Herrnhuter Brüdergemeine angehörten; Stiefschwester Elis. D. (1854–1943), Erzählerin u. Schriftstellerin;
    St. Hélier (Jersey) 1896 Anna (1870–1945), T des Kaufm. Carl Emil Johanson in Stockholm; kinderlos.

  • Leben

    D. kam in seinem öffentlichen Bildungsgang über das 1886 bestandene Einjährigen-Examen nicht hinaus. Für den Reichtum seiner inneren Bildung war die Persönlichkeit seines Vaters, eines bürgerlichen Tatmenschen des positivistischen Zeitalters, und die Freundschaft mit dem Würzburger Medizinstudenten und späteren Schiffsarzt Arnold Villinger von großer Bedeutung. Diesem dankt der Dichter Anstoß und dauernde Anregung zur Weltanschauung des Panpsychismus, die er um den Ideenkreis der „Weltfestlichkeitslehre“ erweiterte und mit dieser die gehaltliche Grundlage seiner gesamten Dichtung schuf. Schon in seinem ersten|Roman „Josa Gerth“ (1893), der in der Nachfolge des Romans „Niels Lyhne“ von J. P. Jacobsen steht, reifte sein Weltgefühl der Allbeseelung zu einem festen Standpunkt gegenüber den modernen Kunstrichtungen des Naturalismus und Impressionismus, die er nicht allein während seiner Wanderjahre in München und Berlin - seit 1893 -, sondern besonders auch in der Begegnung mit der nordisch-skandinavischen Moderne erlebte. Er formulierte ihn und damit erstmalig auch seine neue Weltanschauung in einer kleinen, nur in dänischer Übersetzung vorliegenden Schrift „Verdensaltet. Det nye sublime i kunsten“ (Kopenhagen 1893) mit Hilfe eines neu gewonnenen Freundes, des schwedischen Schriftstellers Gustav Uddgren, als dessen Gast seit dem Frühjahr 1893 in Quille an der Westküste Schwedens ihm die nordisch-skandinavische Urlandschaft zum schicksalhaften Erlebnis wurde. Zu der Kunst der Allbeseelung der Dingwelt - der „Kunst des Intimen“ - tritt als Postulat die Kunst der Offenbarung der ewigen Lebenskraft als „Kunst des Erhabenen“, die wir uns schon als eine Kunst kosmischer Expression vorzustellen haben. Die Prosagedichtsammlung „Ultra-Violett“, 1893, mit ihren synästhetischen Orgien mag als ein Beispiel für jene intime, das Drama „Sehnsucht“, 1895, als ein solches für diese erhabene Kunst stehen. - Des Dichters Anschauung von der Weltfestlichkeit erweiterte sich mit der Erfüllung seines Liebeserlebens in der Ehe um ein weiteres kosmogonisches Prinzip, dessen Wachstum sich in den Liebesliedersammlungen „Der brennende Kalender“, „Die ewige Hochzeit“, beide 1905, gut verfolgen läßt. - Der Plan, eine internationale Künstlerkolonie als ein sich selber erhaltendes Gemeinwesen zu gründen, ließ D. ausgedehnte Reisen - nach Italien und Sizilien, Herbst 1896, nach Mexiko, Mai bis Februar 1897/98, nach Griechenland (mit Vollmoeller), Frühjahr 1898 - unternehmen. Doch auch als er diesen Gedanken aufgab, trieb sein Leben rastlos zwischen Würzburg, wo er 1898 festen Wohnsitz genommen, Berlin, München, Paris und der skandinavischen Heimat seiner Frau dahin. Aus dieser Unruhe erlöste ihn erst das Ur- und Bildungserlebnis seiner Weltreise vom Dezember 1905 bis August 1906, die ihm die Erfüllung seiner Sehnsucht nach dem alten Kontinent Asien brachte. Dieses Erlebnis weckte eine Fruchtbarkeit der künstlerischen Produktion, die bis etwa 1912 währte, den Lyriker mit vier Gedichtsammlungen die volle Reife gewinnen ließ, dem Dramatiker mit den „Spielereien einer Kaiserin“, 1910, einen bis in die 30er Jahre nachwirkenden Bühnenerfolg bescherte. In der Gestaltung der Urbilder seines geistigen Welterlebens, wie sie ihm Asien schenkte, vollendete sich aber seine Kunst und schuf ihr immer Bleibendes und bis heute Nachwirkendes: das lyrische Reisetagebuch „Die geflügelte Erde“, 1910, seine Reisebriefe, die Sammlungen erzählender Prosa „Lingam“, 1909, „Die acht Gesichter am Biwasee“, 1911, „Geschichten aus den vier Winden“, 1915, und den Roman „Raubmenschen“, 1911, eine späte Frucht des Erlebnisses Mexiko. Erinnerungsbücher autobiographischer Natur: „Der Geist meines Vaters“, 1912, „Gedankengut aus meinen Wanderjahren“, 1913, - darin zum erstenmal seit der „Kunst des Intimen“ die geschlossene Darstellung seiner nun gereiften Weltanschauung - beschlossen diese so fruchtbare Schaffensperiode. Die nun folgende Zeit der Abspannung und neuerlicher innerer Unrast, wider die weder das neuerbaute eigene kleine Haus im Guckelesgraben bei Würzburg, noch eine Italienreise, Herbst 1913, helfen mochten, leitete über zu D.s Reise nach Sumatra, Java und dem damaligen Deutsch-Neu-Guinea, die er am 26. April 1914 von Bremen aus antrat. Auf der Rückreise von Neu-Guinea überraschte ihn der Ausbruch des Weltkrieges, der trotz vieler Bemühungen des Dichters, seiner Gattin, des Schriftstellervereins, des englischen Gesandten in Bern und der Vermittlung Romain Rollands in Genf ihn die Heimat nicht mehr erreichen ließ. Medan auf Sumatra, Garoet, Soerabaja, Malang und schließlich das Bergsanatorium Tosari auf Java waren die wechselnden Orte seines unfreiwilligen Aufenthaltes in der seit seinen Knabenjahren für ihn so bedeutsamen Welt Indonesiens. - Der 1925 erschienene Band „Letzte Reise. Aus Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen Mai 1914 - Juli 1918“ gestattet uns nur auszugsweise Einblick in das reiche und zum Teil freilich auch sehr qualvolle Erleben dieser Zeit, das der Dichter in 27 Kriegstagebüchern und vielen Briefen aufzeichnete. Ebenso unvollkommen ist bis heute der dichterische Ertrag dieser Jahre überschaubar, so in der lyrischen Sammlung „Des großen Krieges Not. Lieder“ (1915), wie auch in einigen, in den Band „Letzte Reise“ eingestreuten Gedichten. Seiner Lehre von der festlichen Allbeseelung die letzte dichterische Fassung zu verleihen, hielt D. für den Gipfel und den Abschluß seines Lebenswerkes. Er gab ihn mit dem „Lied der Weltfestlichkeit“ (1. Teil 1917, 2. Teil abgeschlossen am 6.7.1918) und gewann fast zugleich damit - am 30.6.1917 - merkwürdigerweise|konfliktlos in einer Art Durchbrucherlebnis den Glauben an einen persönlichen Gott wieder zurück.

    Die Sehnsucht nach der Heimat und der geliebten Frau, die mit den Jahren wachsende Anfälligkeit gegenüber dem Tropenklima ließen, als sich der Dichter zur seelischen Leidensfähigkeit durchgerungen hatte, die Widerstandskraft seines Leibes schließlich erlahmen. Es wäre heute wohl an der Zeit, sich nicht nur seiner Kunst als exotischer Erzähler, sondern auch seiner Leistung als Lyriker und Dramatiker zu erinnern. Als einer der ersten modernen deutschen Dichter verlieh D. nach impressionistisch-synästhetischen Anfängen der Beseelung der Dingwelt wie des Alls seiner Dichtung eine seinsträchtige lyrisch-expressive Sprache sowie eine großlinige, elementare Symbolik, die ihn zu einem frühen Wegbereiter moderner Ausdruckskunst machen und ihn den Platz mitteninne zwischen der Hörfähigkeit Rilkes für die orphische Seinsstille und der Schau- und Ballungskraft der „Nordlicht“-Visionen Th. Däublers einnehmen lassen.

  • Werke

    Weitere W Verz. mit Angaben üb. Entstehen u. Erscheinen, Ausgg. u. Überss. b. H. G. Wendt, M. D., Poet-Philosopher, New York 1936, Appendix C., S. 147 ff., = Columbia Univ. Germanic Studies Nr. 2;
    Ges. Werke, 6 Bde., 1925 (P);
    Gedichte u. Briefe, d. in keiner d. Ausgg. enthalten sind, s. H. G. Wendt, a. a. O., S. 154-57 u. 162, Anm. 16.

  • Literatur

    s. H. G. Wendt, a. a. O., S. 167-72 u. (bis 1949) Kosch, Lit.-Lex. u. Körner. - H. Eßwein, M. D. als Maler, in: Frankfurter Ztg. v. 31.1.1927, Abendbl.;
    F. Stanies, M. D., Leben u. Werk, Diss. Wien 1935 (ungedr.);
    W. Kraemer, M. D., Mensch u. Werk, Diss. Gießen 1937;
    K. Matthies, Nachgedanken z. Dichtung M. D.s, in: Das innere Reich IV/1, 1937, S. 745-49;
    K. Holm, M. D.s Schicksalshaus, ebd., S. 613 ff.;
    ders., Farbiger Abglanz, Erinnerungen an L. Thoma, M. D. u. A. Langen, 1940;
    R. Magerl, M. D.s Novellen, Diss. Wien 1939 (ungedr.);
    E. V. Stieber, M. D.s Andacht vor d. Leben, Diss. Wien 1941 (ungedr.).

  • Portraits

    Gem. v. O. v. Bosnainska, Paris 1903 (im Nachlaß b. Joh. Wolfg. Langguth in Traben/Mosel), v. G. Rostosky, 1905 (Mainfränk. Gal. Würzburg).

  • Autor/in

    Wilhelm Bietak
  • Empfohlene Zitierweise

    Bietak, Wilhelm, "Dauthendey, Max" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 531-533 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118678973.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA