Lebensdaten
1869 bis 1945
Geburtsort
Pest (Ungarn)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Feuilletonist ; Kritiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118840819 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Salzmann, Siegmund (eigentlich)
  • Salzmann, Sigmund
  • Albrecht, Karl (Pseudonym)
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Zitierweise

Salten, Felix, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118840819.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp Salzmann (1830–1905), Ing. in P.;
    M Marie Singer (oder Moskovic ?);
    Wien 1902 Ottilie Metzeles (Ps. Metzl) (1868–1942), Schausp. (s. Eisenberg; Kosch, Theater-Lex.);
    1 S Paul Jakob (1903–37), Schausp., Cutter, Stuntman in Wien, 1 T Anna Katharina (Katja) (1904–77, 1] Hans Rehmann, 1900–39, Schausp. in Berlin, 2] Veit Wyler, 1908–2002, RA in Z.), Schausp., Übersetzerin in Z.

  • Leben

    S. besuchte das Hernalser Gymnasium in Wien, mußte aber früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen und wurde 1885 kurzzeitig Angestellter bei der Versicherungsgesellschaft Phönix. Daneben schrieb er für kleine Kunstzeitschriften. Ende der 80er Jahre wurde er Mitarbeiter der Zeitschrift „An der schönen blauen Donau“, 1890 der „Allgemeinen Kunst-Chronik“. Seit Anfang der 90er Jahre verkehrte S. im Café Griensteidl und gehörte neben Peter Altenberg, Richard Beer-Hoffmann, Hugo v. Hofmannsthal, Richard v. Schaukal und Arthur Schnitzler zum Kreis „Jung Wien“, der sich um Hermann Bahr gruppierte. Ebenfalls um 1890 stieß S. zum Literaturverein „Freie Bühne“ und veröffentlichte in Wiener Periodika der literarischen Moderne (z. B. „Moderne Rdsch."). Seit Mitte der 90er Jahre war er Burgtheaterreferent und Feuilletonist bei der „Wiener Allgemeinen Zeitung“, wechselte 1902 zum „Wiener Journal“ und arbeitete bald darauf sowohl für die Wochenschrift als auch für die Tageszeitung „Die Zeit“.

    Das 1901 von S. mit dem „Jung-Wiener Theater zum Lieben Augustin“ im Theater an der Wien gegründete erste Wiener Kabarett knüpfte an Ernst v. Wolzogens Berliner „Überbrettl“ an, verzichtete jedoch gänzlich auf zeitkritische Beiträge und erzielte nur geringen Erfolg. S. ging 1906 als Chefredakteur der „Morgenpost“ nach Berlin; das Angebot einer leitenden Stellung für „Die Zeit“ führte ihn um 1906/07 nach Wien zurück. 1914 wurde er Chefredakteur des „Fremden-Blatts“ und Mitarbeiter der „Neuen Freie Presse“, wo er zum Sonntagsfeuilletonisten avancierte und großen Einfluß auf das kulturelle Leben Wiens ausübte. Während des 1. Weltkriegs war er – freiwillig gemeldet – im Kriegsarchiv in der „Literarischen Gruppe“ tätig. Beeinflußt von Theodor Herzl, dessen Zionismus er auch publizistisch unterstützte, unternahm S. 1924 eine Reise nach Palästina (Neue Menschen auf alter Erde, Eine Palästinafahrt, 1925, Neuausg. 1986).

    Neben journalistischen Arbeiten verfaßte S. zahlreiche Novellen, Romane, Theaterstücke sowie kulturgeschichtliche und politische Essays. Sein populärer Tierroman „Bambi“ (1923, Fortsetzung u. d. T. „Bambis Kinder“, 1940) errang durch Walt Disneys Zeichentrickverfilmung (1942) auch internationale Bedeutung. Als Präsident des Österr. P.E.N.-Clubs (1927-33, Austritt 1934) agierte S. 1933 auf dem XI. Kongreß des Internationalen P.E.N in Ragusa (Kroatien) höchst umstritten, als er sich mit Grete v. Urbanitzky (1893–1974) nicht dem Protest gegen die Bücherverbrennungen im Dt. Reich anschloß. In der Folge trat er 1934 aus dem P.E.N.-Club aus. 1938 verlor S. seine Stelle bei der „Neuen Freien Presse“, emigrierte 1939 in die Schweiz und lebte in Zürich.

    Durch seinen publizistischen Einsatz für die Literatur und Kunst der Moderne trug S. wesentlich zum Durchbruch des „Jungen Wien“ bei. Als Mitglied des Bahr-Kreises war er heftigen Angriffen von Karl Kraus ausgesetzt, hatte jedoch mit seinen thematisch breit gestreuten Feuilletons selbst entscheidenden Anteil an der Herausbildung der modernen Literaturkritik (Schauen u. Spielen, Stud. z. Kritik d. modernen Theaters, 2 Bde., 1921). Seine literarischen Texte erscheinen im zeitgenössischen Vergleich eher traditionell, doch leisteten seine Tiererzählungen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Genres im 20. Jh. Die Vermutung, S. habe den pornographischen Roman „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt“ (1906) verfaßt, ist trotz ihrer Plausibilität unbewiesen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. Stadt Wien (1930).

  • Werke

    Weitere W Der Hund v. Florenz, 1923, Neuausg. 1985;
    Geister d. Zeit, Erlebnisse, 1924;
    Ges. Werke in Einzelausgg., 6 Bde., 1929;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Privatbes., Zürich; s. Hall-Renner2; Personalbibliogrr. österr. Dichter.

  • Literatur

    K. Riedmüller, F. S. als Mensch, Dichter u. Kritiker, Diss. Wien 1949;
    G. Zambrini, F. S. als Kritiker u. Jugendschriftst., Diss. Mailand 1957;
    U. Weinzierl, Typische Wiener Feuilletonisten?, Am Bsp. S., Blei, Friedell, Polgar u. Kuh, in: Lit. u. Kritik 20, 1985, S. 72-86;
    L. Moser, F. S., Feuillotonist d. Jh.wende, Dipl.-Arb. Graz 1986, G. M. Reinharter, F. S., Schriftst., Der österr. Schriftst. F. S. im Schweizer Exil, Dipl.-Arb. Graz 1992 (P);
    D. Schmidt u. C. Öhlschläger, „Weibsfauna“, Zur Koinzidenz v. Tiergesch. u. Pornogr. am Bsp. v. „Bambi“ u. „Josefine Mutzenbacher“, in: Hofmannsthal Jb. 2, 1994, S. 237-86;
    L. Pouh, Wiener Lit. u. Psychoanalyse, Felix Dörmann, Jakob Julius David u. F. S., 1997 (engl. 2000);
    I. Fink u. H. Veigl, Des Sängers Fluch, Vor hundert J. schlug d. Geb.stunde d. österr. Kabaretts, 2001;
    B. Weyss, F. S. als Burgtheaterkritiker d. Direktion Paul Schlenther 1898-1910, Dipl.-Arb. Wien 2001;
    J. Ehneß, F. S.s erzählen Werk, Beschreibung u. Deutung, 2002;
    Enc. Jud. 1971 (P);
    BHdE II;
    Killy;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Sucher, Theaterlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Lex. d. österr. Exillit.;
    Metzler Lex. d. dt. jüd. Lit. (P);
    Schweizer Lex.;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    Hist. Lex. Wien;
    ÖBL;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Andreas Brandtner
  • Empfohlene Zitierweise

    Brandtner, Andreas, "Salten, Felix" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 396-397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118840819.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA