Lebensdaten
1889 bis 1953
Geburtsort
Gaya (Kyjov, Mähren)
Sterbeort
(Zuchthaus) Mürau (Mı́rov, Tschechoslowakei)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119460416 | OGND | VIAF: 9855435
Namensvarianten
  • Sonka (Pseudonym)
  • Bruder Sonka (Pseudonym)
  • Sonnenschein, Hugo
  • mehr

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Zitierweise

Sonnenschein, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119460416.html [04.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. ( 1892), Händler u. Bauer in G.;
    M N. N.;
    1) 1912 1916 Marie (Maria Anna Josefa) Svobodová (1887–1959) aus Kolin, Musikerin, 2) Prag 1935 Rozsi Wottitz (1899–1943 Auschwitz), aus Budapest, Bankbeamtin;
    1 S aus 1) Ivan Ottokar S. (seit 1945 Sova) (1912–84), Architekt, 2 S aus 2) Ilja Daniel (Ian D. Spenser) (* 1924), D. Sc., emigrierte 1939 nach England, Prof. f. Biochemie an d. McMaster Univ. in Hamilton (Ontario, Kanada), 1957 Mitgl. d. Royal Inst. of Chemistry u. d. Chemical Inst. of Canada, 1980 Mitgl. d. Royal Soc. of Canada u. d. Royal Soc. of Chemistry, Julian Thomas (Tomas Ulian, Tomi Spenser) (1927–2007, Sheine Schwartzberg, Dr. med., am Trinity College, Dublin), Dr. med., emigrierte 1939 nach England, Gynäkol. in d. brit. Armee, seit 1955 in Leigh (Lancashire), Arzt im Kibbuz Sasa in Israel, Fam.med. am Technion in Haifa (s. W).

  • Leben

    S. wuchs im mähr.-slowak. Grenzgebiet auf, wo er aufgrund seiner jüd.-slowak. Abstammung früh antisemitische und ethnische Ausgrenzung erlebte. Er besuchte die dt.sprachige Grundschule und das tschech. Klvaňa-Gymnasium in Gaya, seit 1904 die Höhere Handelsschule in Brünn, die er 1906 ohne Abschluß verließ. 1907 ging er nach Wien, um Literatur und Schauspiel zu studieren, verbrachte aber die Jahre bis zum 1. Weltkrieg, an dem er seit 1914 als Infanterist teilnahm, auf Reisen durch ganz Europa. In dieser Zeit veröffentlichte er Gedichte und Kurzprosa in dt.- und tschech.sprachigen Zeitschriften und trat in regen Kontakt zu anderen österr. und mähr. Autoren. Von seinen Gedichtbänden wurden mehrere als „sittenwidrig“ verboten; S. selbst wurde spätestens seit 1909 polizeilich überwacht und war seit 1912 als „Anarchist“ amtlich registriert.

    1918 gründete er u. a. mit Alfred Adler, Albert Ehrenstein und Franz Werfel in Wien den „Genossenschaftsverlag“, in dessen Periodikum „Der Neue Daimon“ 1919 die „Legende vom weltverkommenen Sonka“ erschien (Buchausg. 1920), mit der S. ein größeres Publikum erreichte. 1919 gehörte er zur österr. „Föderation Revolutionärer Sozialisten ,Internationale` “, war Mitverfasser kommunistischer Manifeste und Teilnehmer sozialistischer Konferenzen sowie 1920 tschechoslowak. Delegierter zum 2. Kongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau, wofür er nach seiner Rückkehr kurzzeitig inhaftiert wurde (Die goldenen Ritter d. Freiheit, Tagebuch meiner Kuttenberger Haft, 1921). In den 1920er Jahren engagierte sich S. in der KPÖ und nahm als deren Delegierter an den Parteitagen der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) teil, wurde aber – vermutlich 1929 wegen seiner Briefkontakte zu Trotzki – ausgeschlossen. Für den „Schutzverband dt. Schriftsteller in Österreich“, in dem er seit Mitte der 1920er Jahre mitwirkte, fungierte S. seit 1928 neben Franz Spunda (1890–1963) als Geschäftsführer. 1931 gründete er in Wien den „Weltbund der Brüder“ und nahm an der Versammlung des „Weltbundes der Vagabunden“ in Paris teil. Einen Eklat bewirkte seine Rede auf dem XI. Kongreß des Internationalen PEN in Dubrovnik im Mai 1933, wo S. im Gegensatz zu der durch Grete v. Urbanitzky (1893–1974) und Felix Salten (1869–1945) vertretenen offiziellen österr. Position die internationale Solidarität mit verfolgten dt. Schriftstellern einforderte. 1934 aus Österreich ausgewiesen, ging er nach Prag und wurde hier seit 1939 durch die Gestapo überwacht und verhört, die ihn als Spitzel anzuwerben versuchte. 1943 tauchte er unter, wurde aber bald darauf gefaßt und in Pankrác inhaftiert. Nach eigener Auskunft wurde S. noch im selben Jahr nach Auschwitz deportiert, 1944 nach Pankrác zurücküberführt, um ihn zur Mitarbeit an einem NS-Tarnsender zu verwenden, nach seiner Weigerung jedoch wieder nach Auschwitz verbracht. Nach der Befreiung war er kurzzeitig in Moskau, bevor er in die Tschechoslowakei zurückging. Zwei an die KSČ gerichtete Briefe, mit denen er sich vom Vorwurf des Trotzkismus und der Kollaboration mit der Gestapo zu befreien versuchte, blieben erfolglos: 1947 wurde S. vom „Außerordentlichen Volksgericht“ zu 20 Jahren schwerer Kerkerhaft verurteilt und in Pilsen, seit 1949 in Mírov inhaftiert.

    S.s vorwiegend lyrisches Werk ist vom Expressionismus und DADA geprägt und anarchistischen, pazifistischen und sozialistischen Zielen verpflichtet. Thematische Schwerpunkte sind die Idealisierung eines freien Vagabundenlebens, die anklagende Darstellung des Leidens und der unerfüllten Hoffnungen sozial Deklassierter sowie Erlösungsvisionen, in denen sich S. nicht selten als Heilsverkünder stilisierte. Charakteristisch für seine Dichtung ist die Verbindung von religiösem und revolutionärem Vokabular zu einer z. T. sehr pathetischen Ausdrucksweise.

  • Werke

    W u. a. ad solem, Eine grelle Jugend, 1907; Närr. Büchel, 1910, Nachdr. 1992; Erde auf Erden, 1915 (Privatdr.), 1920, Nachdr. 1973; Slovak. Lieder, 1919, 21920 u. d. T. Slovak. Heimat; War e. Anarchist, 1921; Schritte d. Todes, Traumgedichte, hg. v. Tomi Spenser, 1964, Nachdr. 1993; Die Fesseln meiner Brüder, Gesammelte Gedichte, Auswahl u. Nachwort v. K.-M. Gauß u. J. Haslinger, 1984 (W, P); Terrhan oder Der Traum v. meiner Erde, hg. u. mit e. Nachwort v. J. Serke, 1988;
    Nachlaß: Österr. Lit.archiv d. Österr. Nat.bibl., Wien.

  • Literatur

    K.-M. Gauß, Karl Kraus u. seine „kosmischen Schlieferln“, Zur Rehabilitation v. Albert Ehrenstein, H. S. u. Georg Kulka, in: Zeitgesch. 2, 1982, S. 43–59;
    ders., Der „weltverkommene Bruder Sonka“, Leben u. Werk d. vergessenen Dichters H. S., in: Österr. in Gesch. u. Lit. 4, 1984, S. 251–63;
    J. Serke, Böhm. Dörfer, 1987, S. 345–75;
    W. Raul, Vorschein u. Nachwehen, H. S., Ein Dichter gerät in d. Pol., in: Archiv f. d. Gesch. d. Widerstandes u. d. Arb. 12, 1992, S. 131–39;
    I. Fiala-Fürst, Der Btr. d. Prager dt. Lit. z. dt. lit. Expressionismus, 1995;
    E. Wichner u. H. Wiesner, „Verraten, verkauft u. geopfert“, in: dies. (Hg.), Prager dt. Lit. v. Expressionismus bis zu Exil u. Verfolgung, 1995, S. 137–58;
    D. Wilde, Der Aspekt d. Polit. in d. frühen Lyrik H. S.s, 2002 (W, L, P);
    BHdE II;
    Metzler Lex. dt.-jüd. Lit. (P);
    Lex. dt.mähr. Autoren (W, L, P);
    Český biografický slovnik;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Sonnenschein, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 578-579 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119460416.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA