Lebensdaten
1878 bis 1941
Geburtsort
Straßburg
Sterbeort
Murnau (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118790544 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Petersen, Julius
  • Petersen, J.
  • Petersen, Jul.

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Petersen, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790544.html [18.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1835–1909), aus Landau (Pfalz), Dr. iur., Reichsger.rat (s. BJ 14, Tl.);
    M Mathilde Trapp;
    Schw Melanie (1865–1953, Julius Friedrich Lehmann, 1864–1935, Verleger, s. NDB 14); Verwandte (?) Carl Richard (s. 1), Otto (s. 2).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Leipziger Nikolai-Gymnasium studierte P. seit 1897 Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Philosophie in Lausanne, München, Leipzig und Berlin. 1903 wurde er in Berlin bei Erich Schmidt (1853–1913) mit einer Arbeit über „Schiller und die Bühne“ promoviert. Anschließend arbeitete er drei Jahre in der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. 1906-07 war er Herausgeber der wissenschaftlichen Beilage zur Allgemeinen Zeitung in München. An der Univ. München habilitierte sich P. 1909 mit der Arbeit „Das Rittertum in der Darstellung des Johannes Rothe“ und hielt als Privatdozent, seit 1911 als ao. Professor Vorlesungen zur neueren deutschen Literatur; 1912/13 lehrte er an der Yale-University in New Haven und an der Univ. Basel. 1914 wurde P. o. Professor an der Univ. Frankfurt/M.; 1915 leistete er für ein Jahr Garnisonsdienst.

    Seine Antrittsvorlesung „Literaturgeschichte als Wissenschaft“ (1914), in der er die philologischen und philosophischen Positionen seiner Lehrer Wilhelm Scherer, Erich Schmidt und Wilhelm Dilthey verknüpfte, gilt als P.s Programmschrift und als vielbeachteter Vermittlungsversuch im Streit zwischen Philologie und Geistesgeschichte. Seinem Bemühen um Synthese zwischen Tradition und Moderne im Methodischen verdankte er den Ruf auf den seit 1913 vakanten Berliner Lehrstuhl als Nachfolger Erich Schmidts, wo er von 1920 bis zu seinem Tod lehrte. Mit P.s Unterstützung gelang 1923 die Gründung des Theaterwissenschaftlichen Instituts an der Univ. Berlin, das er bis 1933 gemeinsam mit Max Herrmann (1865–1942), seit 1933 allein leitete. Durch sein Bemühen um die Archivierung und wissenschaftliche Aufarbeitung des Fontane-Nachlasses hat P. sich bleibende Verdienste um die Fontane-Philologie erworben. Aus seinen Fontane- und Barockseminaren sind viele namhafte Literaturwissenschaftler hervorgegangen (R. Alewyn, Ch. Jolles, W. Kayser, F. Martini, E. Trunz). Obwohl P. als Verfechter des Kompromisses im Methodenstreit der 20er Jahre konzeptionell nicht innovativ war, galt er bald, v. a. durch die zahlreichen repräsentativen Ämter und von ihm betreuten Werkausgaben (z. B. Jean Paul, Lessing, Schiller, Goethe), als der einflußreichste Neugermanist in Deutschland. In dieser Rolle hat er dem NS-Regime in öffentlichen Ansprachen und v. a. in „Die Sehnsucht nach dem Dritten Reich in deutscher Sage und Dichtung“ (1934) wiederholt seine Zustimmung bekundet. Mit P. verbindet sich ein philologischer Ansatz, der als „Berliner Schule“ auch nach 1945 vertreten wurde.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. (1921), Bayer. (1927), Ungar. (1932) u. Österr. Ak. d. Wiss. (1941); Senator d. Preuß. Ak. d. Künste (1927); Präs. d. Goethe-Ges. (1927–37); Vorstandsmitgl. mehrerer lit. Ges. (u. a. Jean Paul, Shakespeare, Kleist, Schiller) u. d. Notgemeinschaft d. Dt. Wiss. (1922).

  • Werke

    Weitere W Die Wesensbestimmung d. dt. Romantik, 1926;
    Fontanes erster Berliner Ges.roman, 1929;
    Die lit. Generationen, 1930;
    Die Wiss. v. d. Dichtung, 1939, 21944 (mit Btrr. aus d. Nachlaß u. e. Vorwort hg. v. E. Trunz). – Hg. u. a. Schillers Sämtl. Werke, Säkular-Ausg. in 16 Bdn., 1904 (mit R. Fester u. a.);
    Lessing, Werke, Vollst. Ausg. in 25 T., 1925 (mit W. v. Olshausen);
    Jean Pauls Sämtl. Werke, Hist.-krit. Ausg., 1927 ff. (hg. v. d. Preuß. Ak. d. Wiss. in Verbindung mit d. Ak. z. wiss. Erforsch. u. z. Pflege d. Dt.tums (Dt. Ak.) u. d. Jean Paul-Ges.);
    Schillers Werke, Nat.ausg., 1943 ff. (mit G. Fricke);
    Euphorion, Zs. f. Lit.gesch., 1928-33;
    Dichtung u. Volkstum, NF d. Euphorion, Zs. f. Lit.gesch., 1934-38;
    Goethe. Vj.schr. d. Goethe-Ges., 1936–37, 1940 (mit anderen). |

  • Quellen

    Qu Dt. Lit.archiv Marbach (Nachlaß); Archiv d. Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss, Archiv d. Humboldt-Univ. zu Berlin, Goethe- u. Schiller-Archiv Weimar (Dok. z. Wirkung).

  • Literatur

    J. Fränkl. Verratene Wiss., Ein nichtgedr. Nekr. (1941), in: ders., Dichtung u. Wiss., 1954, S. 256-64;
    H. Knudsen, Begründung u. Entwicklung d. Theaterwiss. an d. Friedrich-Wilhelms-Univ., in: Studium Berolinense, hg. v. H. Leussink u. a., II, 1960, S. 738-54;
    W. Richter, Berliner Germanistik vor u. nach d. hundertj. Jubiläum d. Friedrich-Wilhelms-Univ., ebd., S. 490-506;
    E. Trunz, Erinnerungen an J. P.s Berliner Seminar, Dt. Barocklyrik' im WS 1927/28 an d. Univ. Berlin, in: Wolfenbütteler Barock-Nachrr. 5, 1978, S. 123-31;
    H. Kunisch, J. P.s Fontane-Nachlaß, Ber. u. Ed., in: Jb. Preuß. Kulturbes. 20, 1983, S. 267-325;
    N. Oellers, Dichtung u. Volkstum, Der Fall d. Lit.wiss., in: Lit.|u. Germanistik nach d. „Machtübernahme“, hg. v. B. Alleman, 1983, S. 232-54;
    W. Höppner, Eine Institution wehrt sich, Das Berliner Germanist. Seminar u. d. dt. Geistesgesch., in: Lit.wiss. u. Geistesgesch., hg. v. Ch. König u. E. Lämmert, 1993, S. 362-80;
    P. Boden, J. P., Ein Btr. z. Gesch. d. Berliner Germanistik, 1984 (Diss. phil., ungedr.);
    dies., J. P., Ein Wiss.manager auf d. Philologenthron, in: Euphorion 88, 1994, H. 1, S. 82-102;
    dies. u. B. Fischer, Der Germanist J. P. (1878-1941), Bibliogr., systemat. Nachlaßverz. u. Dok., 1994;
    A. Honold, J. P.s Berliner Barock-Seminar 1927/28 zw. d. Schulen u. Zeiten, in: Berliner Univ. u. dt. Lit.gesch., Stud. im Dreiländereck v. Wiss., Lit. u. Publizistik, hg. v. G. Bey, 1998, S. 89-104;
    Rhdb.;
    Kosch, Lit-Lex3;
    Killy;
    Internat. Germanistenlex. (in Vorbereitung).

  • Autor/in

    Petra Boden
  • Empfohlene Zitierweise

    Boden, Petra, "Petersen, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 252-253 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118790544.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA