Lebensdaten
1907 - 1983
Geburtsort
Nordhausen (Harz)
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Leibniz-Forscher ; Philologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132229986 | OGND | VIAF: 24727863
Namensvarianten
  • Müller, Curt
  • Müller, Kurt
  • Müller, Curt
  • mehr

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Zitierweise

Müller, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132229986.html [07.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Kurt (1873–1959), Kaufm. in N.;
    M Margarete (1882–1972) T d. Friedrich Jericho (1853–1912) u. d. Ida Weber (1855–1929); Lebensgefährtin Marieluise Steinhauer-Beuthner (1906–92), Filmdramaturgin.

  • Leben

    M. besuchte bis 1927 das Gymnasium in Nordhausen und studierte danach in München, Königsberg und Berlin Deutsche Philologie, Geschichte und Philosophie. 1936 promovierte er an der Berliner Universität bei Julius Petersen mit einer Dissertation über „Die geschichtlichen Voraussetzungen des Symbolbegriffs bei Winckelmann“ und war dann bis 1939 am Ausländerinstitut der Universität Dozent für deutsche Sprache. 1936 begann auch seine Mitarbeit in der Arbeitsstelle für die Veröffentlichung von Leibniz' „Sämtlichen Schriften und Briefen“ bei der Preuß. Akademie der Wissenschaften, die für sein Lebenswerk bestimmend wurde. Eine politisch gesteuerte Umbesetzung in der Leitung und die mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs drastisch gekürzte Finanzierung bewirkten, daß M. zusammen mit allen früheren Herausgebern entlassen wurde. Als Lektor für deutsche Sprache und Literatur war er 1939-44 an der Univ. Amsterdam tätig (Prof. 1943), bis auch er (dessen drei Brüder im Kriege fielen) zum Militär eingezogen wurde.

    Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, erhielt er den Ruf der Berliner Akademie, die Arbeitsstelle wieder aufzubauen und die Publikation des größtenteils noch unveröffentlichten Leibniz-Nachlasses weiterzuführen. 1946-65 war der 1950 von der Akademie zum Professor ernannte M. Leiter der Leibniz-Ausgabe und brachte in dieser Zeit mit neuen Mitarbeitern die editorische Arbeit wieder in Gang. Er entwickelte die Form der philologischen Apparate, die den einzelnen Bänden der historisch-kritischen Ausgabe von nun an beigefügt wurden. 1961 machten politische Ereignisse nochmals eine Neuorganisation nötig: Der Bau der Berliner Mauer erschwerte die Arbeit an dem in Hannover liegenden handschriftlichen Nachlaß, und die Westberliner Mitarbeiter sahen sich gezwungen, ihren Arbeitsplatz bei der in Ostberlin gelegenen Akademie aufzugeben. Es gelang M., an der Niedersächs. Landesbibliothek in Hannover das Leibniz-Archiv einzurichten, in dem seither der größte Teil der Edition, der allgemeine und der mathematische Briefwechsel sowie die mathematischen Schriften, bearbeitet werden. 1963-74 war M. Leiter dieser zur Zentrale der Leibniz-Forschung ausgebauten Arbeitsstelle, die neben der Edition seit 1967 auch die „Veröffentlichungen des Leibniz-Archivs“ herausgibt. In Zusammenarbeit mit dem Direktor der Niedersächs. Landesbibliothek, Wilhelm Totok, und M. wurde hier 1966 die Leibniz-Gesellschaft gegründet, die seit 1969 die „Studia Leibnitiana“ publiziert und internationale Kongresse veranstaltet.

    M.s intensivem philologischem Bemühen und seinem organisatorischen Einsatz ist es zu danken, daß das 1901 von der Internationalen Vereinigung der Akademien beschlossene und infolge des 1. Weltkriegs zunächst nur in Berlin fortgesetzte Unternehmen einer definitiven Ausgabe des Wissenschafts- und kulturhistorisch hochbedeutenden, außerordentlich umfangreichen Leibniz-Nachlasses durch die politischen Wirren des Jahrhunderts gerettet und fortgeführt werden konnte. Neben Beiträgen in Sammelwerken und Zeitschriften hat M. mit seiner detaillierten annalistischen Leibniz-Biographie und der ersten bibliographischen Zusammenfassung der in die Tausende gehenden Schriften über Leibniz die Forschung durch weitere grundlegende und unentbehrliche Instrumentarien bereichert.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die geschichtl. Voraussetzungen d. Symbolbegriffs in Goethes Kunstanschauung, 1937, Neudr. 1967;
    Leibniz-Bibliogr., 1967;
    Leben u. Werk v. G. W. Leibniz, Eine Chron., 1969 (mit G. Krönert). – Aufsätze: Der Symbolbegriff in Goethes Kunstanschauung, in: Goethe, Vjschr. d. Goethe-Ges. NF 8, 1943, S. 269-80;
    G. W. Leibniz u. Nicolas Witsen, in: SB d. Dt. Ak. d. Wiss., Kl. f. Philos. 1, 1955, S. 1-45;
    G. W. Leibniz u. Hugo Grotius, in: Forschungen z. Staat u. Ges., Festgabe f. F. Hartung, hrsg. v. R. Dietrich u. G. Oestreich, 1958, S. 187-203;
    Belgien, Niederlande, Luxemburg, in: Goedeke NF XV, 1964, S. 499-517;
    G. W. Leibniz, Sein Leben u. Wirken, in: W. Totok u. C. Haase (Hrsg.), Leibniz, 1966, S. 1-64;
    Cristobal de Rojas y Spinola, in: Studia Leibnitiana 2, 1970, S. 284-97;
    Ber. üb. d. Arbb. d. Leibniz-Archivs d. Niedersächs. Landesbibl. Hannover, ebd. Suppl. 3, 1969, S. 217-29;
    Zur Entstehung u. Wirkung d. wiss. Akademien u. gel. Gesellschaften d. 17. Jh., in: Univ. u. Gelehrtenstand 1400-1800, hrsg. v. H. Rössler u. G. Franz, 1970, S. 127-44;
    Das Leibniz-Archiv d. Niedersächs. Landesbibl. in Hannover, Entwicklung u. Aufgaben, in: W. Totok u. K. H. Weimann (Hrsg.), Die Niedersächs. Landesbibl. in Hannover, 1976, S. 137-49. – Hrsg.: Leibniz, Sämtl. Schrr. u. Briefe, R. I, Bd. 4-10, 1950-79;
    S. v. d. Schulenburg, Leibniz als Sprachforscher, 1973.

  • Literatur

    A. Heinekamp, in: Studia Leibnitiana 16, 1984, S. 129-42 (P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1983.

  • Autor/in

    Gerda Utermöhlen
  • Empfohlene Zitierweise

    Utermöhlen, Gerda, "Müller, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 451-452 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132229986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA