Wolf, Konrad
- Dates of Life
- 1925 – 1982
- Place of birth
- Hechingen (Kreis Sigmaringen)
- Place of death
- Berlin (Ost)
- Occupation
- Filmregisseur ; Regisseur ; Drehbuchautor ; Schauspieler ; Schriftsteller
- Religious Denomination
- -
- Authority Data
- GND: 118634739 | OGND | VIAF: 66758197
- Alternate Names
-
- Wolf, Konrad
- Вольф, Конрад
- Wolf, Conrad
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- NDB 27 (2020), S. 434 (Warneke, Lothar)
- NDB 27 (2020), S. 674 (Weiskopf, F C)
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- NDB 28 (2024), S. 398* (Wolf, Markus Johannes (Mischa, Pseudonym Michael Storm))
- NDB 28 (2024), S. 402 in Artikel Wolf (Wolf, Christa, geborene Ihlenfeld)
Places
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Place of activity
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Wolf, Konrad
| Filmregisseur, * 20.10.1925 Hechingen (Kreis Sigmaringen), † 7.3.1982 Berlin (Ost), ⚰ Berlin-Friedrichsfelde, Zentralfriedhof.
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Genealogy
V →Friedrich (s. 1);
M →Else Dreibholz;
B →Markus (s. 2;
L);
– ⚭ 1) 1955 ⚮ 1960 →Annegret Reuter (* 1931), Kostümbildnerin, T e. Kaufm. auf d. Philippinen, seit etwa 1935 in Hamburg, 2) Berlin 1960 ⚮ 1978 →Christel (Christa) Bodenstein (* 1938, ⚭ 2] →Hasso v. Lenski,* 1942, Schausp., Dramaturg, S d. →Arno v. Lenski, 1893–1986, Gen.major), aus München, seit 1949 in Leipzig, Schausp., Chansonsängerin, Theaterregisseurin (s. Wer war wer DDR), ⚯ 1978 →Inge-Lore Kindt, aus Warnow b. Rostock, Kosmetikerin, Maskenbildnerin;
1 S aus 1) Oleg (* 1958), 1 T aus 1) Judith-Katharina (Catherine) (* 1956), 1 S aus 2) →Mirko (* 1961), Trickfilmzeichner. -
Biography
W.s Familie zog 1927 nach Stuttgart, wo der →Vater eine Arztpraxis betrieb, und emigrierte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Juli 1933 nach Frankreich und im Nov. 1933 in die Schweiz. Ab März 1934 lebte sie in Moskau und erhielt 1936 die sowjet. Staatsbürgerschaft. Wie sein →Bruder besuchte W. zunächst die dt. Karl-Liebknecht-Schule, danach 1937–41 eine russ. Mittelschule. Schon in Stuttgart Mitglied der kommunistischen Jungpioniere, wurde er jetzt Mitglied der sowjet. Pionierorganisation und wuchs zweisprachig auf. In diese Zeit fiel auch W.s erste Arbeit beim Film: 1936 spielte er in →Gustav v. Wangenheims (1895–1975) Exilfilm „Borzy“ („Kämpfer“) ein Kind antifaschistischer Eltern.
Nach kurzzeitiger Evakuierung infolge des dt. Angriffs auf die Sowjetunion beendete W. im Dez. 1942 die 9. Klasse. Unmittelbar nach Abschluß der Schule meldete er sich freiwillig zur Roten Armee. Als Dolmetscher in der Politabteilung der 47. Armee führte er Verhöre mit dt. Kriegsgefangenen. Über Polen, wo er 1944 an den Kämpfen um Warschau beteiligt war, kam er im April 1945 nach Deutschland, war für einen Tag als sowjet. Stadtkommandant von Bernau bei Berlin eingesetzt und nahm an der Befreiung des KZ Sachsenhausen teil.
Nach Kriegsende arbeitete W. als Korrespondent für die Lokalnachrichten beim Aufbau der „Berliner Zeitung“ mit. 1946 wurde er Kulturreferent der Sowjet. Militäradministration (SMAD) Sachsen-Anhalts für die darstellende Kunst, u. a. Zensor für das Kino- und Theaterrepertoire, danach zwei Jahre lang Mitarbeiter des „Hauses der Kultur der Sowjetunion“, einer Einrichtung der SMAD in Ost-Berlin. 1949 nahm W. ein Regiestudium am Staatl. Allunionsinstitut für Kinematographie (WGIK) in Moskau auf. Dort wurde er von führenden sowjet. Spielfilmregisseuren unterrichtet, u. a. von →Michail Romm, →Aleksandr Dowshenko und →Sergej Gerassimow, dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb. Freundschaft schloß er auch mit seinem bulgar. Kommilitonen →Angel Wagenstein (* 1922), mit dem er bei seinen Filmen „Sterne“ (1959), „Der kleine Prinz“ (1966) sowie „Goya“ (1971) zusammenarbeitete. In Praktika zwischen den Semestern sammelte er Erfahrungen als Regie-Assistent bei der DEFA, so bei →Joris Ivens (1898–1989) (Freundschaft siegt, 1952), →Herbert Ballmann (1924–2009) (Blaue Wimpel im Sommerwind, 1952) und →Kurt Maetzig (1911–2012) (→Ernst Thälmann–Sohn seiner Klasse, 1954). Sein Diplom erlangte W. 1955 mit dem Abschlußfilm „Einmal ist keinmal“, einem erzgebirg. Heimat-Musical, das er bei der DEFA drehte. Seitdem war er als Spielfilmregisseur am DEFA-Studio für Spielfilme fest engagiert.
In „Genesung“ (1956) und „Leute mit Flügeln“ (1960) verband W. mittels Rückblenden zeitgenössische DDR-Entwicklungen mit der jüngeren Vergangenheit. Zum Hauptfeld seiner filmkünstlerischen Arbeiten wurde das wechselvolle Verhältnis zwischen Russen und Deutschen. In „Sonnensucher“ (1958) gestaltete W. Widersprüche zwischen sowjet. Besatzungsoffizieren, ehemaligen Nationalsozialisten, Abenteurern, Zwangsverpflichteten und Entwurzelten in einem Bergwerk im Nachkriegs-Ostdeutschland. Der Film wurde jedoch nach einem Einspruch des sowjet. Botschafters verboten; dieser wollte verhindern, daß der ostdt. Anteil an der sowjet. Atomwaffenproduktion durch die Darstellung des massiven Uranerzabbaus in der „Wismut“ öffentlich wurde. Erst 1972 konnte der Film uraufgeführt werden.
In dem stark autobiographischen Film „Ich war neunzehn“ (1968, Drehbuch mit →Wolfgang Kohlhaase, 1931–2022) verarbeitete W. in weitgehend dokumentarischem Stil eigene Kriegserlebnisse. Mit Kohlhaase, dem Kameramann →Werner Bergmann (1921–1990) und dem Filmarchitekten →Alfred Hirschmeier (1931–1996) drehte er weitere Filme, u. a. „Mama, ich lebe“ (1977), der das dt.-sowjet. Verhältnis während des Krieges thematisierte.
In mehreren Arbeiten setzte sich W. mit dem nationalsozialistischen Deutschland auseinander. In „Lissy“ (1957) zeichnete er den Zerfall kleinbürgerlicher Familienverhältnisse unter dem Einfluß der aufkommenden NS-Bewegung nach. In „Sterne“ (1959), einer ostdt.-bulgar. Koproduktion, beschrieb W. die tragische Liebesgeschichte zwischen einem dt. Soldaten und einer gefangenen Jüdin im 2. Weltkrieg. „Professor Mamlock“ (1961, nach dem gleichnamigen Bühnenstück seines Vaters) thematisierte den Antisemitismus der Nationalsozialisten. Auch W.s Mitwirkung an der szenischen Lesung von →Peter Weiss’ (1916–1982) Oratorium „Die Ermittlung“ gehörte in diesen Zusammenhang (1965 im DDR-Fernsehen). Zuvor hatte er sich in „Der geteilte Himmel“ (1964), seinem ersten großen zeitgenössischen Film, mit der Realität des geteilten Deutschland auseinandergesetzt.
Die Spannung zwischen Kunst, Macht und Gesellschaft gestaltete W. in der Filmbiographie „Goya“ (1971, nach d. Roman →Lion Feuchtwangers) und in „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ (1974), wo sich ein eigenwilliger Bildhauer sehr verschiedenen Haltungen und Erwartungen an seine Kunst gegenübersah. W.s international bekanntester und erfolgreichster, zugleich letzter Film war „Solo Sunny“ (1980), das melancholisch-komische Porträt einer jungen Schlagersängerin, die energisch nach ihrem eigenen Platz in der DDR sucht. Das seit 1980 von ihm geleitete, sechsteilige dokumentarische Filmprojekt „Busch singt“ über den Schauspieler und Sänger →Ernst Busch (1900–1980) konnte er nicht mehr fertigstellen. W.s Filme fanden – auch international – große Anerkennung, insbesondere wegen ihrer eindrücklichen, unkonventionellen Bildsprache.
W., der 1952 die DDR-Staatsbürgerschaft erworben hatte und in die SED eingetreten war, wirkte in verschiedenen kulturpolitischen Organen der DDR mit, u. a. 1955–59 im Zentralrat der FDJ. Ab Juni 1965 war er Präsident der Akademie der Künste und fungierte hier v. a. als anerkannter Vermittler zwischen unterschiedlichen künstlerischen Kräften und der DDR-Führung. 1967 war er eines der Gründungsmitglieder des Verbandes der Filmund Fernsehschaffenden der DDR und gehörte zu dessen Vorstand. 1981 wurde er als Delegierter des X. Parteitages der SED zum Mitglied des Zentralkomitees gewählt. Im selben Jahr engagierte er sich beim 1. Berliner Treffen zur Friedensförderung für die Zusammenführung von Künstlern aus Ost und West.–Ihm zu Ehren erhielt die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR (heute Filmuniversität) in Potsdam-Babelsberg 1985 seinen Namen. Seit 1986 wird jährlich der Konrad-Wolf-Preis von der Berliner Akademie der Künste vergeben.
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Awards
|Bronzemedaille d. Filmfestivals d. Internat. Messe Damaskus f. „Genesung“ (1956);
Hauptpreis d. Internat. Filmfestivals Karlovy Vary f. „Lissy“ (1957);
Bronzemedaille d. Internat. Filmfestivals d. Weltfestspiele d. Jugend u. Studenten in Moskau f. „Lissy“ (1957);
Sonderpreis d. Jury d. Internat. Filmfestspiele v. Cannes f. „Sterne“ (1959);
Nat.preis d. DDR II. Kl. f. „Sterne“ (1959, mit W. Bergmann);
Silberne Lotusblume d. Internat. Filmfestivals v. Neu-Delhi f. „Prof. Mamlock“ (1961);
Goldmedaille d. Internat. Filmfestivals Moskau f. „Prof. Mamlock“ (1961);
Erich-Weinert-Medaille f. „Der geteilte Himmel“ (1965, mit E. Esche);
VVO in Silber (1965);
Nat.preis d. DDR I. Kl. f. „Ich war neunzehn“ (1968, mit W. Bergmann u. W. Kohlhaase);
Johannes-R.-Becher-Medaille in Gold (1969);
Nat. preis d. DDR I. Kl. f. „Goya“ (1971, im Kollektiv);
Kunstpreis d. DDR f. „Goya“ (1971, im Kollektiv);
Spezialpreis d. Jury d. Internat. Filmfestivals Moskau f. „Goya“ (1971);
Karl-Marx-Orden (1974);
Ehrenbürger d. Stadt Bernau b. Berlin (1975);
Kunstpreis d. Ges. f. Dt.-Sowjet. Freundschaft f. „Sonnensucher“ u. „Ich war neunzehn“ (1975);
Kunstpreis d. FDGB f. „Mama, ich lebe“ (1977);
Silbermedaille d. Internat. Filmfestival d. neorealist. Films Avellino f. „Mama, ich lebe“ (1977);
Nat.preis d. DDR I. Kl. f. Kunst u. Lit. (1979);
Regie-Preis d. 1. Nat. Spielfilmfestivals d. DDR f. „Solo Sunny“ (1980);
FIPRESCI-Preis d. Internat. Filmfestspiele Berlin f. „Solo Sunny“ (1980);
Stern auf d. Boulevard d. Stars in Berlin (2010);
sowjet. Orden d. Roten Sterns;
sowjet. Orden d. Vaterländ. Krieges 1. Grades;
– K.-W.-Straßen, Berlin-Weißensee u. Potsdam. -
Works
Weitere W Sag’dein Wort! Potsdam-Babelsberg, Betriebsak. d. DEFA-Studios f. Spielfilme, 1982;
K. W. im Dialog, Künste u. Politik, hg. u. eingel. v. D. Heinze u. L. Hoffmann, 1985 (P);
K. W., Direkt in Kopf u. Herz, Aufz., Reden, Interviews, 1989 (zahlr. P);
Aber ich sah ja selbst, das war d. Krieg, Kriegstageb. u. Briefe 1942–1945, 2015 (P);
–schriftl. Nachlaß: Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin. -
Literature
|B. Köppe u. A. Renk, K. W., Selbstzeugnisse, Fotos, Dokumente, 1985;
Markus Wolf, Die Troika, Gesch. e. nichtgedrehten Films, 1989;
W. Jacobsen u. R. Aurich, Der Sonnensucher K. W., 2005;
A. Vollmer u. H.-E. Wenzel, K. W., Chronist im Jh. d. Extreme, 2019 (P);
– Wer war wer DDR;
BHdE II;
CineGraph (P). -
Portraits
P Dok.filme: K. W., 1977, Regie G. Nickel (Fernsehen d. DDR, DEFA-Studio f. Kurzfilme, Potsdam-Babelsberg);
Porträt per Telefon: K. W., Moderation H. F. Oertel, 1980 (Fernsehen d. DDR);
Die Zeit, die bleibt, Ein Film über K. W., 1985, Regie L. Hohmann (DEFA-Studio f. Dok.filme). -
Author
Günter Agde -
Citation
Agde, Günter, "Wolf, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 399-401 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118634739.html#ndbcontent