Lebensdaten
1931 - 2010
Geburtsort
Sonneberg (Thüringen)
Sterbeort
Altlangsow bei Seelow (Oderbruch)
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Maler ; Schauspieler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118618474 | OGND | VIAF: 10638800
Namensvarianten
  • Stötzer, Werner
  • Stötzer, Werner

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Zitierweise

Stötzer, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618474.html [05.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Eugen (1898–1945), Kaufm. in Steinach (Thüringer Wald);
    M Elsa Luthardt (1904–54;
    B Walter (1926–86), Germanist in Texas u. Hannover;
    1) Berlin 1960 1997 Renate Rauschenbach (* 1929), 2) Seelow 1998 1976 Sylvia Hagen (* 1947), aus Treuenbrietzen (Fläming), studierte 1966–69 Med. an d. HU Berlin, 1971–76 Bildhauerei an d. Kunsthochschule Berlin-Weißensee u. a. b. S., Bildhauerin in A., Brandenburg. Kunstpreis d. Märk. Oderztg. 2006 (s. L);
    1 T aus 1) Carla (* 1961), Keramikerin in Berlin, 1 S aus 2) Karl Hagen-S. (* 1978), Dipl.-TV- u. Filmregisseur in Potsdam-Babelsberg.

  • Leben

    S. wuchs in der Kleinstadt Steinach im Thüringer Wald auf, besuchte dort Volks- und Oberschule und erlernte 1946–48 an der Fachschule für Spielzeuggestaltung in Sonneberg den Beruf des Keramikmodelleurs. 1949–51 studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar und 1951–54 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, v. a. bei Eugen Hoffmann (1892–1955) und Walter Arnold (1909–79), dessen Aspirant er für kurze Zeit wurde. Entscheidende Anregungen empfing er 1954–58 in Berlin als Meisterschüler von Gustav Seitz (1906–69) an der Dt. Akademie der Künste sowie von Waldemar Grzimek (1918–84) und durch das Theater von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Reisen führten ihn 1955 nach Prag und Kuks (Böhmen), 1958 nach China – gemeinsam mit John Heartfield (1891–1968), dessen Frau und dem Maler Harald Metzkes (* 1929). Danach war S. freischaffend in Berlin tätig, wo er am Stadtrand einen ehemaligen Bauernhof erwarb. 1959–61 entstanden für den Hof der Ost-Berliner Staatsbibliothek ein formal neuartiges Relief mit dem Text von Brechts Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ und eingestreuten Figurenszenen sowie die Statue eines Arbeiters mit Buch – seine letzte Gewandfigur. Zeitlebens schuf er Porträts von Personen, die ihm sympathisch waren, und Aktfiguren. Seit 1956 war S. an etwa 120 Ausstellungen beteiligt, darunter 1960 erstmals in Paris; seit 1960 hatte er etwa 80 Einzelausstellungen, gelegentlich mit einem anderen Künstler, seit 1982 auch in Westdeutschland. 1962 wandte sich S. der bis dahin in der DDR vernachlässigten Steinbildhauerei zu, ohne jedoch das Modellieren für den Bronzeguß aufzugeben. Den „Steinheider Torso“ schlug er 1964 aus einem bei Lauscha gefundenen Block (im Nachlaß). Aus Mangel an geeignetem Material verarbeitete er ehemalige Treppenstufen, Wandpfeiler oder Grabsteine und ließ dabei Spuren ihrer früheren Verwendung sichtbar, um eine historische Dimension bewußt zu machen. Reisen in die UdSSR, 1965 nach Wien, wo er Alfred Hrdlicka (1928–2009) und Fritz Wotruba (1907–75) kennenlernte, sowie nach Budapest weiteten seine Sicht. Ohne Auftrag befaßte sich S. mit Geschehnissen wie dem Völkermord von Deutschen an Juden in Babi Jar bei Kiew und in Auschwitz, später an Sinti und Roma aus Berlin-Marzahn. 1974 mimte S., der keiner Partei angehörte, überzeugend einen SED-Bürgermeister in dem Film „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase, der unter Verwendung von Arbeiten S.s die Schwierigkeiten von Künstlern mit der Politik der DDR thematisierte. 1975 begann er im Auftrag des Kulturministeriums mit seinem Beitrag zur Gestaltung des Berliner Marx-Engels-Forums, einem fünfteiligen Marmorrelief mit dem Titel „Krieg und Frieden – Alte Welt“ (vollendet 1986), und war 1975–78 Gastdozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit 1978 lebte er mit seiner ehemaligen Schülerin Sylvia Hagen in Altlangsow. 1980 schuf er die Ausstattung zu „Elektra“ am Dt. Theater Berlin, 1980–84 arbeitete er auch in Vilmnitz (Rügen) und nahm 1988–89 an Bildhauersymposien in West-Berlin teil. Als Vizepräsident neben Heiner Müller bereitete S. 1990–92 die Vereinigung der Ost-Berliner mit der West-Berliner Kunstakademie vor. Seine Kunst, für die er nun griech. und Carrara-Marmor verwenden konnte, erfuhr auch im Westen Deutschlands stärkere Beachtung, was in dem 2000 erteilten Auftrag zu einer monumentalen, stark abstrahierten „Pietà“ für den Domplatz in Würzburg gipfelte (aufgestellt 2003). Einige Jahre später erlag er einem Krebsleiden.

    S. wurde in der ersten nach 1945 ausgebildeten Generation zu einem der maßgeblichen Bildhauer in der DDR. Sehr bald konzentrierte er sich darauf, nur mit der traditionsreichen Aktfigur, auch als Torso, etwas über Verhaltensweisen und Schicksale auszusagen und selbst bei Werken, die an bestimmte Ereignisse erinnerten, statt der üblicherweise erwarteten Konkretisierung das allgemein Menschliche und damit auch eine mögliche|Wiederholung des Geschehens bewußt zu machen. Bei seiner Stein-, gelegentlich auch Holzskulptur spielten das Material und die Form des bearbeiteten Blocks eine aktive Rolle für die in langen Arbeitsprozessen von ihm selbst herausgeschlagene Gestalt, die er zunehmend unvollständiger und abstrakter beließ, um ein nicht abgeschlossenes Werden zu verdeutlichen. Ähnliches galt für das skizzenhafte Modellieren bei Bronzeplastiken. Mehrmals griff S. ein Motiv nach Jahren in neuer Form wieder auf. Das Zeichnen nach der Natur blieb ein Ausgangspunkt für seine Formfindung, das Erleben von Landschaft eine Grundlage seines Weltverständnisses. Jahrelang variierte S. Personifikationen der in seiner Heimat entspringenden Flüsse Werra und Saale, und ließ sich anregen vom Anblick des Meeres. S. vermochte seine Arbeit auch kunstfernen Menschen zu vermitteln und holte brandenburg. Künstler zu Symposien in seinem Wohnort.

  • Auszeichnungen

    A Will-Lammert-Preis d. Dt. Ak. d. Künste, Berlin (1962);
    Käthe-Kollwitz-Preis d. Ak. d. Künste d. DDR, Berlin (1975);
    Nat.preis d. DDR (1977 u. 1986);
    Mitgl. d. Ak. d. Künste d. DDR, Berlin (1978);
    Prof. mit künstler. Lehrtätigkeit, ebd. (1987);
    Vizepräs. d. Ak. d. Künste zu Berlin (1990–92;
    Ernst-Rietschel-Kunstpreis, Dresden (1994);
    Kunstpreis d. Min.präs. v. Brandenburg (2008);
    Ehrenbürger v. Seelow (2009).

  • Werke

    Weitere W u. a. Sitzender Junge, Bronze, 1956 (Berlin, Bes. d. Stadt);
    Porträt Natalie Richter, Bronze, 1959 (Schwerin, Staatl. Mus.);
    Porträt Gerhard Kettner, Bronze, 1963 (Berlin, Nat.gal.);
    Männl. Torso, Marmor, 1964 (Koserow, Gedenkstätte Niemeyer-Holstein);
    Gr. Liegende, in memoriam Johannes Bobrowski, Marmor, 1966 (Halle, Stiftung Gal. Moritzburg);
    Katastrophen u. Idyllen, Bronzetür Mus. Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg, 1966;
    Babi Jar, Zinkguß, 1967, neue Variante, Marmor, 1995;
    Entwurf f. e. Denkmal in Neubrandenburg, Bronze, 1967;
    Gr. Sitzende mit aufgestütztem Arm, Bronze, 1970–74 (Berlin, Nat.gal.);
    Die Werra, Bronze, 1972, spätere Varianten;
    Auschwitzgruppen, Sandstein, 1971/72 ff.;
    Sitzende, Sandstein, 1973/74 (Dresden, Skulpturenslg.);
    Gr. Liegende mit aufgestütztem Arm, Sandstein, 1974 (Berlin, Bes. d. Stadt);
    Saale u. Werra, Bronze, Varianten ab 1979, Marmor, 1995;
    Zigeuner v. Marzahn, Varianten in Bronze u. Stein, 1980–94;
    Guernica, f. Paul Eluard, Bronze, 1981, Variante, Stein, 1986/87;
    Wegzeichen, I, Marmor, 1984, Varianten bis 1998;
    Stürzender Engel, Eisen, 1986;
    Seezeichen, Sandanski-Marmor, 1988–98 (Warnemünde, Westmole);
    Begegnung, Marmor, 1996 (Neuhardenberg, Stiftung);
    Landschaft auf Naxos, Marmor, 1997 (Berlin, Staatl. Museen, Skulpturenslg.);
    Gr. Welle, Marmor, 2000;
    Prinzessinnengruppe, f. Schadow, Marmor, 2001–02;
    Martyrium, Eiche, 2001 (Würzburg, Mus. am Dom);
    Porträt Prof. Günter Tembrock, Bronze, 2003 (Berlin, HU);
    Die Oder, Kalkstein, 2005–08;
    Märk. Tor, Sandstein, 2006–08;
    Östl. Landschaft, Marmor u. Eisen , BT);
    Zeichnungen, Druckgraphik
    ;
    Schrr.: Arbeit am Stein, in: Bildende Kunst 23, 1975, H. 8, S. 394 f.;
    Gedanken u. Motive, Mit 16 Radierungen, hg. v. M. Flügge u. B. Heise, 2002, ²2006;
    – Teile d. schriftl. Nachlasses: Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin.

  • Literatur

    H. Sandberg, in: Bildende Kunst 5, 1957, H. 3, S. 184 f.;
    A. Janda, in: Weggefährten, 1970, S. 320–35, 22 Abb. (P);
    W. S., Plastik u. Zeichnung, mit Text v. F. Jacobi, Berlin, Nat.-Gal. 1977;
    L. Lang, Künstler in Berlin, 1979;
    E. Frommhold, in: Künstler d. DDR, 1981, S. 264–72 (P);
    W. S., Plastik u. Zeichnungen, Bremen, Gerhard-Marcks-Stiftung 1986/87;
    W. S., seine Lehrer, seine Schüler, mit Texten v. M. Nungesser, D. Kolland u. M. Flügge, Berlin, Gal. im Körnerpark u. Bildhauergal. Messer-Ladwig 1989;
    W. S., Skulptur u. Zeichnung, Berlin, Ak. d. Künste, dann in Bonn, Heilbronn, Magdeburg, Rostock, 1991 (mit Texten v. G. Kettner, D. Schmidt, E. Frommhold, W. Schade u. M. Flügge, W. S. im Gespräch mit K. Thomas, ausführl. Bibliogr., P);
    P. H. Feist, Figur u. Objekt, 1996, S. 221 u. 291;
    W. S., Skulpturen u. Zeichnungen 1989–1998, Frankfurt/M., Gal. Schwind, 1998 (mit Texten v. W. Jens, M. Freitag u. J. Merkert, P);
    W. S. u. Sylvia Hagen, Skulptur, Zeichnung, Magdeburg, Kunstmus. Kloster Unser Lieben Frauen, Apolda, Kunsthaus Avantgarde 2002 (P);
    W. S., Sonneberg, Comptoir-Kunstmag., 2004 (mit Text v. F. Jacobi);
    B. Heisig, H. Metzkes u. W. Förster, W. S., Cottbus Kunstmus. Dieselkraftwerk 2009;
    W. S., Skulpturen u. Zeichnungen, Retrospektive, Frankfurt/M., Gal. Schwind, 2009;
    W. S. 1931–2010, Berlin G.-Kolbe-Mus. 2011 (mit Texten v. U. Berger u. M. Flügge, P);
    Vollmer;
    Wer war wer DDR;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Brandenburg. Biogr. Lex. (P);
    Dict. of Art;
    Lex. Künstler DDR;
    zu Sylvia Hagen:
    S. H., Skulpturen u. Zeichnungen 2002–2007, 2007;
    S. H., Radierungen, 2010;
    Lex. Künstler DDR.

  • Portraits

    Graphitzeichnung v. G. Kettner, 1962 (Leipzig, Mus. d. bildenden Künste).

  • Autor/in

    Peter H. Feist
  • Empfohlene Zitierweise

    Feist, Peter H., "Stötzer, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 400-401 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118618474.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA