Lebensdaten
1897 bis 1976
Geburtsort
Beuthen (Oberschlesien)
Sterbeort
Oslo
Beruf/Funktion
Verleger ; Schriftsteller ; Lektor
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118620959 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tau, Max

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Zitierweise

Tau, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620959.html [25.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nathan (1870–1941), Kaufm. in B., S d. David;
    M Julie (Yulia) (1874–1942 Auschwitz), T d. Rafael Julius (Iulius), aus Krojanke (Westpreußen), u. d. Sara N. N.;
    1 B Fritz (* 1902), Kaufm., emigrierte 1939 n. Palästina, Mitbegründer d. Kibbuz Beth Jizchak, 1 Schw Friedel Rein (* 1899);
    Stockholm 1944 Tove (1905–94, 2] 1988 Haakon Natvig, 1905–2003, 1952–75 Prof. f. Hygiene in Oslo, s. Norsk biografisk leksikon2, 1] Dorothea [Vesla] Sendstad, 1905–79, Malerin, Graphikerin), Journ., T d. Johan Filseth (1862–1927), Journ. in Lillehammer, u. d. Laura Krabbe (1879–1969), aus Kopenhagen; kinderlos; Schwager Kaare Krabbe Filseth (1901–44), Journ. in Hønefoss, als Widerstandskämpfer ermordet.

  • Leben

    T. wuchs in einem liberalen jüd. Elternhaus auf. Nach dem Abitur am Humboldt-Realgymnasium in Berlin-Oberschöneweide|nahm er 1921 entgegen dem Wunsch des Vaters in Berlin ein Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte und Psychologie auf, wechselte dann nach Hamburg und wurde 1927 in Kiel mit einer germanistischen Dissertation (Landschafts- u. Ortsdarst. Theodor Fontanes, 1928) zum Dr. phil. promoviert. Im folgenden Jahr wurde er Cheflektor im Berliner Bruno-Cassirer-Verlag und war zuletzt 1938 für den Universitas-Verlag tätig, bevor er noch im selben Jahr mit der Hilfe des norweg. Kunstmalers Tore Hamsun (1912–95), eines Sohns von Knut Hamsun, nach Oslo emigrierte. Dort arbeitete er ebenfalls als Lektor und floh nach der dt. Besetzung 1942 nach Stockholm, wo er den „Neuen Verlag“ für dt. Exilliteratur mitgründete. Als norweg. Staatsbürger (seit 1944) kehrte er 1945 nach Oslo zurück, behielt dort bis zum Lebensende seinen Wohnsitz und arbeitete für norweg. Verlage. 1956 gründete er die von mehreren internationalen Verlagen getragene „Friedensbücherei“ und 1960 die „Norsk-Tysk-Forening“ (Dt.Norweg. Vereinigung), mit der er es sich zur Aufgabe machte, zum besseren politischen und kulturellen Verständnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Norwegen beizutragen.

    Bereits während seiner Studienzeit war T. als Literaturkritiker (u. a. für d. Frankfurter Ztg.), Lektor und Herausgeber tätig. Er gab dem Bruno-Cassirer-Verlag eine stärkere belletristische Ausrichtung, entdeckte Wolfgang Koeppen (1906–96) und Marie-Luise Kaschnitz (1901–74) und förderte u. a. Paul Gurk (1880–1953) und August Scholtis (1901–69). Nach der Emigration setzte er sich für die Verbreitung zeitgenössischer dt. Literatur in Skandinavien ein. Sein eigenes literarisches Schaffen begann erst nach dem 2. Weltkrieg: In dem Roman mit dem programmatischen Titel „Glaube an den Menschen“ (1948, zuerst norweg. 1946) wie auch in seinen weiteren literarischen und autobiographischen Veröffentlichungen thematisierte T. vor dem Hintergrund eigener Leidenserfahrungen die Versöhnung der Religionen und den Frieden zwischen den Völkern. Freundschaften verbanden T. mit Knut Hamsun, dem griech. Schriftsteller Nikos Kazantzakis (1883–1957) und Albert Schweitzer (1875–1965), für dessen Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis (1952) er sich einsetzte.

  • Auszeichnungen

    A Friedenspreis dt. Verleger (1950 [Erster Preisträger]); Nelly-Sachs-Preis (1965); Schlesierschild (1965); Lessingring u. Lit.preis d. dt. Freimaurer (1966 [Erster Preisträger]); Gr. BVK mit Stern (1967); Sonning-Preis (Dänemark, 1970); St. Olav-Orden (Norwegen, 1972); Oberschles. Kulturpreis (1974); Ehrenbürger d. Univ. Kiel; – M.-T.-Schule, Kiel (seit 1967) u. Dt. Schule Oslo – M. T. (seit 1998).

  • Werke

    Weitere W Bruno Arndt, Sein Wesen u. Werk, 1920;
    A. Schweitzer u. d. Friede, 1955;
    Denn über uns ist d. Himmel, 1955 u. ö., zuerst norweg. 1954, engl. 1982 (Nachw. v. N. Kazantzakis);
    Schles. Feierstunde, 1959 (mit E. H. Rakette);
    Das Land, das ich verlassen mußte, 1961, 21964, norweg. 1962;
    Ein Flüchtling findet sein Land, 1964, 21966, norweg. 1964 u. ö.;
    Auf d. Weg z. Versöhnung, 1968, zuerst norweg. 1967;
    Trotz allem! Lebenserinnerungen, 1973, 21990, zuerst norweg. 1971;
    H. Rieber-Mohn (Hg.), Livets Skole, En M. T.-bok, 1977;
    Hg.:
    Die Stillen, Dichtungen, 1921;
    Der dt. Roman, 1921 f.;
    Die dt. Novelle, 1922 ff.;
    Hermann Stehr, Ges. Werke, 9 Bde., 1924;
    Das Wilhelm Schmidtbonn Buch, 1926;
    Vorstoß, Prosa der Ungedr., 1930 (mit W. v. Einsiedel);
    J. Görres, Ausw. aus seinen Schrr., 1931;
    A. Schweitzer, Veien til deg selv, 1956;
    ders., Veien til livet, 1965 u. ö.;
    Tyskland forteller, 1973;
    Briefe:
    H. Däumling (Hg.), Das Leben lieben, M. T. in Briefen u. Dok. 1945–76, 1988;
    Nachlaß:
    Stadt- u. Landesbibl. Dortmund.

  • Literatur

    Mot til fred, Festskrift til M. T., 1957;
    A. Perlick (Hg.), FS f. Dr. M. T., 1961 (W-Verz.);
    ders., M. T.Biogr. u. -Bibliogr., in: Mitt. d. Beuthener Gesch.- u. Mus.ver. 25/26, 1963/64, S. 149–54 (W-Verz.);
    W. Koeppen, Sein Leben, Lauter Wunder (1962), in: ders., Gesammelte Werke, Bd. 6, 1986, S. 355–57;
    M. T., Ansprachen u. Dok. z. Verleihung d. Kulturpreises d. Stadt Dortmund, 1965 (P);
    Baumeister e. brüderl. Welt, M. T., 1966;
    B. Doerdelmann (Hg.), Freundesgabe f. M. T., 1967;
    R. Huseby u. a. (Hg.), Europa, Arv og appell, Festskrift til M. T., 1967 (P);
    G. Høst u. a., M. T., 1967;
    L. Stiehm, M. T., Bildner, Erwecker, Warner, 1968 (P);
    C. Leje, Der Lektor u. Verleger M. T. 1942–46 in d. schwed. Emigration, in: Jb. d. schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Breslau 16, 1975, S. 297–323;
    E. H. Rakette (Hg.), Jeder Mensch kann d. Seine tun, Hommage f. M. T., 1975;
    ders., M. T., Der Freund d. Freunde, 1977;
    O. Haas, M. T. u. sein Kr., 1988;
    D. Haberland (Hg.), Ein symbol. Leben, Btrr. anläßl. d. 100. Geb.tages v. M. T., 2000 (W-Verz.);
    E. Klin, M. T.s Erinnerung an Schlesien u. seine Schriftst., in: E. Białek u. a. (Hg.), Eine Prov. in d. Lit., Schlesien zw. Wirklichkeit u. Imagination, 2003, 22005, S. 99–108;
    Ostdt.Biogr.;
    Enc. Jud.2;
    Munzinger;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Norsk biografisk leksikon2 (P);
    Killy;
    Schles. Lb. X, 2010;
    Fischer, Verleger;
    Heuer.

  • Portraits

    Lith. v. E. Stumpp, 1929 (Berlin, Dt. Hist. Mus.);
    Zeichnung v. H. Edelmann, 1976 (Hamburg, Privatbes.);
    Büste v. K. Lehmann (Kiel, M.-T.-Schule).

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Tau, Max" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 797-798 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118620959.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA