Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
bayerische Adelsfamilie
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119504731 | OGND | VIAF: 45113532
Namensvarianten
  • Tattenbach, Freiherren von (seit 1598 bzw. 1623)
  • Tattenbach, Grafen von (seit 1637)
  • Tättenpöckh, von
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Zitierweise

Tattenbach, von (bis 1598 bzw. 1623), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119504731.html [19.01.2021].

CC0

  • Leben

    Das Adelsgeschlecht erscheint mit Ortlieb Tättenbeck 1376 urkundlich, der 1390 und 1400 unter dem Beinamen „zu Geyersperg“ siegelte. 1598 wurden die Brüder Johann-Christoph, ksl. Rat und Regent der Regierung der innerösterr. Lande, Wolfgang Friedrich, auf Zeilern, und Gotthard, auf Plankenstein, sowie deren Vetter Gottfried, auf Hausbach und Eberschwang, mit dem Beinamen „v. Gonobitz (Ganowitz)“ in den erbländ.-österr. Freiherrenstand erhoben. Wolfgang Friedrich und Gotthard gehörten seit 1615 dem niederösterr. Herrenstand, Gottfried seit 1619 der oberösterr. Landsmannschaft an. 1623 wurden Johann Christoph, Wolfgang Friedrich und Gotthard sowie deren Vetter Johann Adolf, bayer. Kammerherr, Rittmeister und Pfleger zu Ried, mit den Beinamen „v. Wolhimel und Ganowitz“ in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Letzterer sowie Wolfgang Friedrich, Gotthard (1581–1649), Reichstagskommissar in Regensburg, Gottfried, auf Plankenstein, Wilhelm, ksl. Geheimrat und Obersthofmeister, und Georg, auf Königsberg, wurden 1637 in den Reichsgrafenstand erhoben. Wilhelm, Hans Erasmus ( 1661), Malteser-Großprior, ksl. Geheimrat und Hofkriegsrat, und Gottfried Wilhelm (1633–87), bayer. Rat, Oberstjägerund Oberststallmeister, wurde 1646 der Titel „Graf v. Rheinstein“ (Regenstein im Harz) verliehen; die Angehörigen dieses Zweiges nannten sich fortan „Grafen v. Rheinstein und T.“ Bereits 1634 hatte Ehzg. Leopold Wilhelm als Inhaber des Hochstifts Halberstadt seinen Kämmerer Hans Erasmus in die Burgherrschaft Rheinstein eingesetzt, die an dessen Neffen Hans Erasmus (1631–71, s. L), steir. Statthaltereirat und reichster Großgrundbesitzer der Untersteiermark (heute Slowenien), überging. Da sich Hans Erasmus an der ungar. Magnatenverschwörung gegen den Kaiser – angeführt von Gf. Peter Zrinyi – beteiligt hatte, wurde er 1671 in Graz enthauptet. Sein Sohn Anton (1657–1718) trat in das Zisterzienserkloster Rein ein und wurde Propst zu Straßengel. Nachdem Gottfried Wilhelm, Sohn des Johann Adolf, Maria Barbara Gfn. Kurz v. Valley († 1703) geheiratet hatte, erhielt er 1658 zusätzlich das Prädikat „Graf v. Valley“. Ebenso wie sein Sohn Ferdinand Joseph (1659–1712, s. L), bayer. Hof- und Geheimrat, Pfleger zu Schongau, Gesandter am Reichstag und Obersthofmeister der Kurfürstin Therese Kunigunde, wurde er ermordet. Dessen Sohn Maximilian Franz (1687–1762), bayer. Geheimer Rat, wurde Konferenzminister, Oberststallmeister und Oberstkämmerer. Joseph Ferdinand (1723–1802, s. L), Wirklicher Geheimer Rat, folgte seinem Vater als Pfleger zu Friedburg (Innkreis). 1763–67 war er bayer. Reichstagsgesandter, danach Obersthofmarschall, seit 1762 gleichzeitig Rechnungsaufseher der|Landschaft bis zu seiner Ernennung 1791 zum Oberstkämmerer und Geheimen Staats- und Konferenzminister. Mit ihm erlosch die auf Johann Adolf zurückgehende Linie der Grafen von Rheinstein und T.

    Nachfahren Gotthards ( 1649), die Brüder Franz (1769–1854, s. L), bayer. Oberstleutnant, und Karl (1771–1828), der nach Konstantinopel auswanderte, begründeten je eine Familienlinie, wobei letztere 1922 im Mannesstamm erlosch. Franz’ drei Söhne waren Ludwig (1816–1904) und Maximilian (1824–1903), beide bayer. Oberst, sowie Wilhelm (1823–98), bayer. Ritt- und Stallmeister. Wilhelm war mit Emma (1831–88), der Tochter des Feldmarschalls Carl Fürst v. Wrede (1767–1838) verheiratet, Maximilians gleichnamiger Sohn (1856–1936) mit Maria Cäcilia Käß (1867–1947, s. L), Ehrenbürgerin von Haunstetten, wo das gfl. Palais 1955 zum Rathaus umgebaut wurde. Ludwigs Söhne Franz (1840–84, s. L), bayer. Oberstleutnant und Schwiegersohn des Generals Ludwig Gf. v. Rechberg-Rothenlöwen, und Christian (1846–1910), Diplomat, Botschafter in Portugal und Spanien, begründeten die beiden Äste der 1. Linie. Christian war mit Konstanze (1856–1934), Tochter des Bankiers Wilhelm v. Metzler (1818–1904) verheiratet; seine Schwägerin Sascha Gfn. v. Schlippenbach (1852–1938, s. L) führte in Berlin einen politischen Salon. Sein Sohn Franz (1886–1974) war Botschafter in Costa Rica und Guatemala, 1929–37 Protokollchef im Auswärtigen Amt; sein weiterer Sohn Eberhard Alexander (1887–1973), Dr. iur., übersiedelte, nachdem er als bayer. Leutnant ausgeschieden war, ebenso wie Franz’s Kinder Christian (1924–2007), Manuela (* 1926) und Rafael (1928–2010) nach Costa Rica. Christian war Botschafter von Costa Rica bei den Vereinten Nationen, Manuela war mit Roderich Gf. v. Thun-Hohenstein (1901–83) verheiratet, der 1933 dem kurzlebigen „Bund kath. Deutscher“ vorstand und nach dem 2. Weltkrieg als Entwicklungshelfer nach Costa Rica ging. Rafael baute hier einen landwirtschaftlichen Betrieb auf.

    Zum 1. Ast gehören Franz’ ( 1884) Kinder Gabriele (1870–1954), Generaloberin der Krankenfürsorge vom Dritten Orden, und Gottfried (1875–1961, s. L), Oberstleutnant, seit 1919 Sägewerksleiter in Isny, der mit Marie Gfn. v. Quadt zu Wykradt und Isny (1883–1925) verheiratet war, sowie deren Sohn Franz (1910–92, s. L). Dieser wurde 1929 Jesuit, studierte in Frankfurt, Rom und Innsbruck Theologie und wurde 1940 zum Priester geweiht. 1944/45 besuchte er mehrmals seinen in Berlin-Tegel inhaftierten Mitbruder Alfred Delp. 1946–48 war er Seelsorger für die Kriegsgefangenen in Nantes, danach Spiritual im Priesterseminar in Freising, 1953–59 Rektor am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom, Organisator des Eucharistischen Weltkongresses 1960 in München, Spiritual im Theologenkonvikt in Freiburg (Br.) und 1965–70 Rektor der Ordenshochschule in Pullach. Bei einem Besuch 1970/71 wurde er mit der Armut und Unterdrückung der Bevölkerung in Mittelamerika konfrontiert. Zur Verbesserung des Bildungsniveaus gründete er 1973 in Costa Rica, 1978 auch in Guatemala Radio-Erwachsenenschulen, die seither mehr als ½ Mio. Jugendliche aus dem Analphabetentum zu einem erfolgreichen Schulabschluß führten.

  • Literatur

    O. Mutzbauer, Die Urkk. d. Archivs d. Grafen v. T., 1967;
    G. Zang, Soz.struktur u. Sozialisation d. Adels im 18. Jh., exemplar. dargest. an Kurbayern, 1972;
    GHdA II, 1952;
    ebd. 63, 1976;
    ebd. 131, 2003 (L);
    GHdA Bayern VII, 1961;
    ebd. 27, 2010;
    zu Hans Erasmus († 1671):
    ADB 37;
    R. Engele, Damals in Graz, 2010 (P);
    zu Ferdinand Joseph († 1712) u. Joseph Ferdinand († 1802):
    W. Fürnrohr, Kurbaierns Gesandte auf d. Immerwährenden RT, 1971;
    zu Franz († 1854), Franz († 1884) u. Gottfried († 1961):
    O. Hackl, Die bayer. Kriegsak. (1867–1914), 1989;
    G. Gahlen, Das bayer. Offz.korps, 2011;
    zu Christian († 1910):
    BJ XV, Tl. (L);
    H. Drechsler, Südafrika unter dt. Kolonialherrschaft, 1996;
    zu Maria Cäcilia († 1947):
    Augsburger Stadtlex.;
    zu Franz († 1992):
    Münchner Kath. Kirchenztg. v. 14. 1. 1990 (P), 17. 2. 1991 u. 30. 8. 1992 (P);
    R. Haub, F. v. T. SJ, Die Sorge um den Menschen steht im Mittelpunkt, Ein Erzieher f. Mittelamerika, 2010 (P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Tattenbach, von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 796-797 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119504731.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA