Lebensdaten
1902 bis 1957
Geburtsort
Sankt Johann/Saar (heute: Saarbrücken)
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Filmregisseur
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11859009X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oppenheimer, Max (eigentlich)
  • Ophuls, Max (im Exil)
  • Opuls, Max (seit 1941)
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Zitierweise

Ophüls, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859009X.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold Oppenheimer (1872–1950) aus Höchst (Odenwald), Textilkaufm., Kaufhausbes.;
    M Helene Bamberger (1879–1943) aus Worms;
    Wien 1926 Hilde Wall (1894–1980) aus Braunschweig, Schausp.;
    S Marcel (* 1927), Filmregisseur in Frankreich (s. W, L).

  • Leben

    O., der in einer wohlhabenden jüd. Familie aufwuchs, verließ die Oberrealschule in Saarbrücken vor dem Abitur, um Schauspieler zu werden. Nach dem Debüt 1919 am Stadttheater Saarbrücken wechselte er ein Jahr später nach Stuttgart, wo er sich das Pseudonym „Ophüls“ zulegte. Es folgten Engagements in verschiedenen deutschen Städten, bis er 1925 als Spielleiter und Schauspieler bei den Vereinigten Stadttheatern Barmen-Elberfeld engagiert wurde. Für die Spielzeit 1925/26 wechselte er an das Burgtheater Wien, wo er sich antisemitischen Anwürfen ausgesetzt sah und man ihm kündigte. O. ging anschließend als Oberspielleiter an das Neue Theater in Frankfurt und war 1928-32 Erster Spielleiter, dann Dramaturg an den Vereinigten Theatern in Breslau (Lobe- und Thalia-Theater). Hier inszenierte er auch sein eigenes Stück für Kinder „Fips und Stips auf der Weltreise“, das am 16.12.1928 Premiere hatte. 1931 wurde O. zusätzlich als Spielleiter an die Meinhard-Bernauer-Bühnen in Berlin verpflichtet. In den 20er Jahren schrieb er auch für den Hörfunk in Frankfurt/Main und Breslau. Anfang der 30er Jahre arbeitete er u. a. für das Berliner Kabarett Katakombe. 1931 war O. bei Anatole Litvaks Komödie „Nie wieder Liebe“ Regieassistent und führte die Dialogregie. Als Filmregisseur debütierte er noch im selben Jahr mit dem Kurzspielfilm „Dann schon lieber Lebertran“ nach einer Originalgeschichte von Erich Kästner; ein Jahr später realisierte er seinen ersten Spielfilm „Die verliebte Firma“, wie die folgenden Filme eine Auftragsarbeit, von der Kritik beiläufig wahrgenommen, aber geprägt vom stilistischen Empfinden eines mehr als nur komödiantischen Talents. Seinen Durchbruch erzielte O. mit der Schnitzler-Verfilmung „Liebelei“ (1932/33), einer musikalisch durchkomponierten Inszenierung, in der er seinen Themen- und Stilkanon exemplarisch entfaltete, den Widerspruch zwischen Kunst und Realität melancholisch formulierte und in Bilder faßte. O. bevorzugte ein impressionistisches Erzählen vor dem Hintergrund einer Dissonanz von Bildern und Tönen, übersetzte in elegant gleitende Kamerabewegungen und lange Einstellungen, damit sich die Personen entfalten können.

    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh O. mit seiner Familie nach Paris. Aus dem Vorspann des Films „Liebelei“ war bereits am Tag der Uraufführung sein Name getilgt. 1933/34 entstanden als erster|Film im Exil eine franz. Fassung von „Liebelei“ mit dem Titel „Liebelei, Une histoire d'amour“ und die Gaunerkomödie „On a volé un homme“ mit dem ebenfalls emigrierten Produzenten Erich Pommer. Bis 1937 drehte O. mit wenig Erfolg abwechselnd in Frankreich, Italien und Holland, folgte einer Einladung für einen Film nach Moskau, ohne daß es zu dessen Realisierung kam. Seit 1937 entstanden in rascher Folge vier Filme in Frankreich: „Yoshiwara“ (1937), „Werther“ (1938), „Sans Lendemain“ (Ohne ein Morgen, 1939) und „De Mayerling à Sarajevo“ (Von Mayerling bis Sarajewo, 1939/40). Literarische Begabung, Gespür für Zeitkolorit, psychologische Sensibilität, moralische Integrität und atmosphärische Intention kennzeichnen sein filmisches Œuvre.

    1938 erhielt O. die franz. Staatsbürgerschaft und trat 1939/40 in die Armee ein. Er war Autor antinazistischer Rundfunksendungen und folgte 1940 einer Einladung, am Zürcher Schauspielhaus zu inszenieren. Mit Hilfe Varian Frys und des amerik. Emergency Rescue Committee konnte er mit seiner Familie im Juli 1941 Europa verlassen, um nach Hollywood zu gehen. Einen Regievertrag erhielt er erst nach Kriegsende. „The Exile“ (Der Verbannte, 1947) wurde sein erster amerik. Film. 1947/48 drehte er nach Stefan Zweigs Novelle „Brief einer Unbekannten“ „Letter from an Unknown Woman“, einen Film über ein Frauenschicksal im Wien der Jahrhundertwende, der durch die Kameraführung und die wechselnden Erzählperspektiven fasziniert. Nach Frankreich zurückgekehrt, drehte O. noch einmal nach einer Vorlage von Arthur Schnitzler „La Ronde“ (Der Reigen, 1950), in dem er die Muster seiner Ästhetik erkennbar werden läßt. Unter großen produktionstechnischen Schwierigkeiten entstand 1955 der kulturkritische Film „Lola Montez“ in drei Sprachen. Seit 1954 führte O. u. a. Hörspielregie beim Südwestfunk in Baden-Baden. 1956 übernahm er auf Einladung von Gustaf Gründgens die Regie von Beaumarchais' „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, erkrankte aber vor der Premiere und starb in einem Hamburger Krankenhaus.

  • Werke

    Weitere W Die verkaufte Braut, 1932;
    Lachende Erben, 1932/33;
    La Signora di tutti, 1934;
    Divine, 1935;
    La Valse brillante (en la b) de Chopin, 1935;
    Ave Maria de Schubert, Cinéphonie, 1935;
    La tendre ennemie (auch: L'ennemie), 1935/36;
    Komedie om Geld (Komödie ums Geld), 1936;
    L'école des femmes (auch: L'école des femmes – de Molière – au cinéma), 1941;
    Vendetta (Regie begonnen, fortgeführt v. P. Sturges, St. Heisler, H. Hughes, vollendet v. M. Ferrer), 1946-50;
    Caught (Gefangen), 1948/49;
    The Reckless Moment (Schweigegeld f. Liebesbriefe), 1949;
    Le plaisir (Pläsier), 1951/52;
    Madame de…/I Gioielli di Madame de… (Madame de…), 1953;
    Les amants de Montparnasse/Montparnasse 19 (Montparnasse 19), 1957/58 (Regie: J. Becker;
    O. mit H. Jeanson f. d. Drehbuch verantwortl., sollte auch Regie führen, starb aber zwischenzeitl.). – Autobiogr.: Spiel im Dasein, 1959 (P, Neuaufl. o. J., franz. 1963). -
    Zu Marcel: Widerreden u. andere Liebeserklärungen, Texte zu Kino u. Pol., hg. v. R. Eue u. C. Wulff, 1997.

  • Literatur

    C. Beylie, M. O., 1957, 1963, 1984 (W- u. L-Verz., P);
    R. Roud, M. O., An Index, 1958;
    G. Annenkov, M. O., 1962;
    J.-J. Brochier, M. O., 1971;
    P. Willemen (Hg.), O., 1978;
    M. Mancini, M. O., 1978 (W- u. L-Verz., P);
    G. Spagnoletti (Hg.), Il cinema di M. O., 1978 (W- u. L-Verz., P);
    A. L. Williams, M. O. and the Cinema of Desire, Style and Spectacle in Four Films, 1948–1955, 1980;
    M. Beckert, in: Saarländ. Lb. I, 1982 (W, L, P);
    H. G. Asper, M. O. gegen Hitler, in: Exilforsch. 3, 1985, S. 173-82;
    ders., „… daß diese Dinge nicht in Vergessenheit geraten“, M. O.s. Exilwerk, in: Kulturelle Wechselbeziehungen im Exil, Exile Across Cultures, hg. v. H. F. Pfanner, 1986;
    ders. (Hg.), M. O., Theater, Hörspiele, Filme, 1993;
    ders., M. O., 1998;
    W. K. Guérin, M. O., 1988 (W-Verz.);
    P. W. Jansen u. W. Schütte (Hg.), M. O., 1989 (W- u. L-Verz., P);
    Kinemathek, Nr. 75, Dez. 1989;
    FilmExil, H. 2, Mai 1993, hg. v. d. Stiftung Dt. Kinemathek, Berlin;
    A. Tassone, M. O., L'enchanteur, 1994;
    S. M. White, The Cinema of M. O., Magisterial Vision and the Figure of Women, 1995;
    L. Bacher, M. O. in the Hollywood Studios, 1996;
    BHdE II (auch zu Marcel);
    CineGraph;
    Frankfurter Biogr.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Ophüls, Max" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 548-549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859009X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA