Lebensdaten
1889 bis 1966
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Woodland Hills bei Los Angeles (USA)
Beruf/Funktion
Filmproduzent
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118852590 | OGND | VIAF: 18019601
Namensvarianten
  • Pommer, Eric
  • Pommer, Erich
  • Pommer, Eric

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Zitierweise

Pommer, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118852590.html [20.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1852–1937), Kaufm., Inh. e. Leinen-, Wäsche- u. Bettwarenhandlung;
    M Anna Jacobsohn (1853–1912);
    ⚭ Gertrud Levy (1886–1960), Buchhalterin;
    S Hans-Eckardt Hermann (John) (* 1916), Produktionsleiter in den USA.

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Hildesheim und kaufmännischer Lehre in Berlin wurde P. 1907 Verkäufer in der Berliner Filiale des franz. Film-Konzerns Gaumont, seit 1910 dessen Filialleiter in Wien. 1913 wechselte er zur Produktionsfirma Eclair und begann mit der Produktion von Spielfilmen. 1915 schwer verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt, gründete P. unter Verwendung des zwangsliquidierten Geschäftskapitals der deutschen Eclairfilialen mit einem Partner die Decla-Film-Gesellschaft Holz & Co. Diese fusionierte im Verlaufe der folgenden Jahre mit anderen Produktionsfirmen, bis sie 1921 in der Ufa aufging, in deren Vorstand P. 1923 eintrat.

    1919 produzierte P. mit Robert Wiene (1881–1938) als Regisseur den Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“, der zu einem stilbildenden Schlüsselfilm der deutschen Filmgeschichte wurde. Zu P.s festem Mitarbeiterstab gehörten die Regisseure Ludwig Berger, Fritz Lang und F. W. Murnau, die Autoren Thea v. Harbou und Carl Mayer, die Kameramänner Karl Freund und Carl Hoffmann, die Architekten Robert Herlth, Erich Kettelhut, Walter Röhrig und Hermann Warm. In seinem Produktionskonzept setzte P. früh auf literarische sowie thematisch und ästhetisch ambitionierte Projekte. Mit geschäftlichem Kalkül und Gespür für attraktive Genres etablierte er den „künstlerischen Unterhaltungsfilm“ in der Filmlandschaft der Weimarer Republik und gilt seither als Beispiel eines kreativen Produzenten.

    In der Ufa förderte P. den spektakulären, aber künstlerisch anspruchsvollen Film. Er produzierte u. a. Langs zweiteiligen Film „Die Nibelungen“ (1922-24), Bergers Komödie „Der verlorene Schuh“, Murnaus Kammerspiel „Der letzte Mann“ (1924) und dessen „Faust“-Verfilmung (1925/26) sowie E. A. Duponts „Varieté“ (1925). Wegen immens gestiegener Produktionskosten zu „Metropolis“ (1925-27; Regie: F. Lang) geriet die Ufa in finanzielle Schwierigkeiten, so daß P.s Vertrag nicht verlängert wurde. 1926 produzierte er in den USA für die Paramount und die MGM zwei Filme, kehrte 1927 nach Deutschland zurück und trat als Chef einer Produktionsabteilung wieder in die Ufa ein.

    P. brachte amerik. Studiomethoden mit, die den produktionstechnischen Ablauf in deutschen Ateliers veränderten. Er realisierte aufwendige und technisch innovative Unterhaltungsfilme, darunter die von Joe May inszenierten Filme „Heimkehr“ (1928) und „Asphalt“ (1929). Früh erkannte er die Möglichkeiten des Tonfilms, dessen technische und ästhetische Standards er mitzuentwickeln half. 1929 lancierte er den ersten Ufa-Tonfilm „Melodie des Herzens“ (Regie: H. Schwarz) in drei fremdsprachigen Versionen. 1930 produzierte P. mit dem Film „Der blaue Engel“ (nach Heinr. Manns Roman „Professor Unrat“) einen Welterfolg. P. entwickelte das Genre der Tonfilmoperette, deren exponierteste Beispiele „Die Drei von der Tankstelle“ (1930; Regie: W. Thiele), „Der Kongreß tanzt“ (1931; Regie: E. Charell) und „Ein blonder Traum“ (1932; Regie: P. Martin) sind. Mit Lilian Harvey und Willy Fritsch als Traumpaar des frühen deutschen Tonfilms und Schauspielern wie Renate Müller, Käthe v. Nagy, Hans Albers, Emil Jannings und Heinz Rühmann gelang es P., Stars zu kreieren. Als Komponisten verpflichtete er u. a. Werner Richard Heymann und Friedrich Hollaender.

    P. emigrierte 1933 über Paris in die USA. Zunächst als Produzent für die 20th Century-Fox tätig, produzierte er 1935/36 in England Filme für Alexander Korda, bevor er 1937 mit dem Schauspieler Charles Laughton die Mayflower Pictures Corporation gründete, bei deren erster Produktion, „Vessel of Wrath“ (1937/38), er auch zum einzigen Mal|selbst Regie führte. Seine in Deutschland erfolgreiche Produktionstrategie konnte P. im Exil nicht fortsetzen. Der Film „Jamaica Inn“ (1939; Regie: A. Hitchcock) wurde nur ein mäßiger Erfolg. Bei Kriegsbeginn in die USA zurückgekehrt, war P. als Produzent für die Radio-Keith-Orpheum tätig; mit Dorothy Arzner als Regisseurin produzierte er die sozialkritische Komödie „Dance, Girl, Dance“ (1940).

    1944 amerik. Staatsbürger geworden, kehrte P. 1946 als oberster Filmoffizier der US-Militärregierung nach Deutschland zurück und engagierte sich für den Wiederaufbau und die Neuordnung der deutschen Filmindustrie. 1951 gründete er in München die Intercontinental Film GmbH, mit der er vier Filme realisierte. Enttäuscht vom ausbleibenden Erfolg, verbittert wegen Aversionen innerhalb der Filmindustrie und aus gesundheitlichen Gründen kehrte P. 1956 in die USA zurück. Versuche, in die TV-Produktion einzusteigen, scheiterten.

  • Werke

    Weitere Filme u. a. Die Spinnen (1919;
    Regie: F. Lang);
    Schloß Vogelöd (1921;
    Regie: F. W. Murnau);
    Der müde Tod (1921;
    Regie: F. Lang);
    Dr. Mabuse, d. Spieler (1921/22;
    Regie: F. Lang);
    Ein Glas Wasser (1922/23;
    Regie: L. Berger);
    Tartüff (1925;
    Regie: F. W. Murnau);
    Manon Lescaut (1925/26;
    Regie: A. Robison);
    Hotel Imperial (1926;
    Regie: M. Stiller);
    Liebeswalzer (1929/30 Regie: W. Thiele);
    Der Mann, d. seinen Mörder sucht (1930;
    Regie: R. Siodmak);
    Stürme d. Leidenschaft (1931;
    Regie: R. Siodmak);
    Ich bei Tag u. Du bei Nacht (1932;
    Regie: L. Berger);
    F. P. 1 antwortet nicht (1932;
    Regie: K. Hartl);
    Ich u. d. Kaiserin (1932/33;
    Regie: F. Hollaender, P. Martin);
    On a volé un homme (1933/34;
    Regie: M. Ophüls);
    Liliom (1933/34;
    Regie: F. Lang);
    Music in the Air (1934;
    Regie: J. May);
    Fire Over England (1936;
    Regie: W. K. Howard);
    They Knew What They Wanted (1940;
    Regie: G. Kanin);
    Nachts auf d. Straßen (1951;
    Regie: R. Jugert);
    Kinder, Mütter u. e. General (1954/55;
    Regie: L. Benedek). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv Filmmus. Berlin, Dt. Kinemathek.

  • Literatur

    Dr. K. L. (i. e. Kurt London), in: Der Film, Nr. 11, 15.3.1930;
    G-z. (i. e. Erwin Goelz), Der größte dt. Produzent, in: Stuttgarter Ztg., 24.7.1959;
    H. G. Luft, E. P. Germany's Greatest Film Producer Became Such Through Charm and Assiduity, in: Films in Review, Nr. 8, Okt. 1959, Nr. 9, Nov. 1959;
    W. Jacobsen, E. P., Ein Produzent macht Filmgesch., 1989 (Filmo- u. Bibliogr., P);
    ders., Produktion, E. P., in: U. Jung u. W. Schatzberg (Hg.), Filmkultur z. Zeit d. Weimarer Rep., 1991, S. 217-31;
    T. Brandlmeier, in: epd Film, Nr. 3, März 1989;
    H. Kappelhoff, Lebendiger Rhythmus d. Welt, in: H.-M. Bock u. M. Töteberg, Das Ufa-Buch 1992, S. 208-13;
    U. Hardt, E. P., From Caligari to California, 1996 (Film- u. Bibliogr., P);
    CineGraph (W-Verz.);
    BHdE II.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Pommer, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 612-613 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118852590.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA