Wohlbrück, Adolf
- Lebensdaten
- 1896 – 1967
- Geburtsort
- Wien
- Sterbeort
- Garatshausen/Starnberger See
- Beruf/Funktion
- Schauspieler
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Wohlbrück, Adolf Wilhelm Anton
- Walbrook, Anton( seit 1937)
- Wohlbrück, Adolf
- Wohlbrück, Adolf Wilhelm Anton
- Walbrook, Anton( seit 1937)
- walbrook, anton
- Wohlbrück, Adolph
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Personen in der NDB Genealogie
- Antonia nomen nescio, nomen nominandum (Name unbekannt)
- Bollbrück, Christph
- Bollbrück, Thomas
- Cohn, Wlhelm
- Edwards, Eugene
- Finne, Ferdinand
- Neuberger, Antonia Marie/verheiratete
- Neuberger, Artur
- Siegmund Wilhelm (1762 – 1834)
- Wohlbrück
- Wohlbrück, Adolf
- Wohlbrück, Adolf
- Wohlbrück, Betty/verheiratete
- Wohlbrück, Gisela Rosa/verheiratete
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Personen im NDB Artikel
- Baum, Vicki
- Coward, Noël
- Dickinson, Thorold
- Dupont, Ewald André
- Ebhardt, Karl
- Farkas, Nicolas
- Forst, Willi
- Gielen, Josef
- Gründgens, Gustaf
- Gründgens, Gustaf
- Hilpert, Heinz
- Hurst, Brian Desmond
- Körner, Hermine
- Lamac, Carl
- Löwenbein, Richard
- Müller, Renate
- Nicholls, George
- Ophüls, Max
- Powell, Michael
- Pressburger, Emmerich
- Raimund, Ferdinand
- Reinhardt, Max
- Schnitzler, Arthur
- Schünzel, Reinhold
- Sudermann, Hermann
- Tagger, Theodor
- Victoria
- Wilcox, Herbert
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Wohlbrück, Adolf Wilhelm Anton (seit 1937? Anton Walbrook)
| Schauspieler, * 19.11.1896 Wien, † 9.8.1967 Garatshausen/Starnberger See, ⚰ London, Friedhof der Parish Church of St John-at-Hampstead.
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Genealogie
Aus →preuß. Fam. (auch Bollbrügge, Wollbrügge, Wollbrick, Wollbrück), die zuerst mit →Thomas Bollbrück (1610–1705), Kirchenvorsteher in Jerchel b. Brandenburg nachweisbar ist;
V →Adolf (II.) (1864–1930, ev. A. B.), Artist, Zirkusclown, ab 1904 im Circus Schumann Berlin (s. Kosch, Theater-Lex.), S d. →Adolf (I.) (1826–97), Schausp., Varietékünstler (s. Kosch, Theater-Lex.), u. d. →Betty Lewien († 1869), aus Kiel;
M →Gisela Rosa (* 1879), T d. →Wilhelm Cohn (Kohn?) (jüd.), Kaufm. in W., u. d. Antonia N. N.;
Vorfahren →Christoph Bollbrück (1696–1748), Schneidermeister u. Bürger in Halberstadt, →Johann Christoph (1733–1800), Hofschneider in Berlin;
Urur-Gr-Ov →Siegmund Wilhelm (1762 –|1834), 1792 Geh. Expedierender Sekr. b. Seidenbau-Dep. d. Gen.-Direktoriums in Berlin, 1799 Kriegsrat, später b. d. Pomm. Expedition d. Geh. Staatskanzlei u. b. Justizmin.;
Urur-Gvv →Johann Gottfried (1770/72–1822), aus Berlin, Schausp., Regisseur u. Dramatiker (s. ADB 43, Fam.art.; NDB 16*; Kosch, Theater-Lex.);
Schw →Antonia Marie (* 1897, ⚭ →Artur Neuberger,* 1894, jüd., Bankbeamter in W.), aus Stuttgart, Schausp.schülerin;
– ⚯ 1938–46 →Ferdinand Finne (1910–1999), Maler, Graphiker, Schriftst. (s. Norsk biografisk leksikon), 1946–67 →Eugene Edwards, Blumenhändler in L. -
Biographie
W. besuchte die Volks- und Bürgerschule im Lazaristenkloster zu Wien und nach dem beruflichen Wechsel des →Vaters 1904 nach Berlin das dortige Friedrichs-Realgymnasium bis zum Abitur. Er begann ein Schauspielstudium bei →Karl Ebhardt und – mit einer Freistelle ausgezeichnet – an der Schauspielschule von →Max Reinhardt (1873–1943). 1914 debütierte er in „Die Schmetterlingsschlacht“ von →Hermann Sudermann (1857–1928) als Apothekerlehrling Wilhelm Vogel am Theater an der Weidendammer Brücke. Von Reinhardt mit einem 5-Jahres-Vertrag an das Dt. Theater verpflichtet, trat er am 30.1.1915 als Franzel in einer Reinhardt-Inszenierung von →Ferdinand Raimunds (1790–1836) „Alpenkönig und Menschenfeind“ erstmals auf. Ende Okt. 1915 begann W. als Freiwilliger eine Rekrutenausbildung bei den Kaiser-Alexander-Garde-Grenadieren. Er wurde an die Westfront abkommandiert, geriet Ende Okt. 1917 in franz. Gefangenschaft und gründete im Lager das Aucher Gefangenschaftstheater. Anfang März 1920 aus der Gefangenschaft entlassen, lebte er kurzfristig in Wien. 1920 trat W. einmalig erneut am Dt. Theater auf und wurde anschließend von →Hermine Körner (1878–1960) an das Münchener Schauspielhaus engagiert, wo er bis 1926 mit erweitertem Rollenspektrum blieb. 1927 wechselte er an das Sächs. Staatstheater Dresden, 1930 wieder nach Berlin, wo er nun vornehmlich am Dt. Theater (etwa als Essex unter →Heinz Hilperts [1890–1967] Regie in →Ferdinand Bruckners [1891–1958] „Elisabeth von England“, 1930) und an den Barnowsky-Bühnen spielte (etwa als Gigolo Pix in →Vicki Baums [1888–1960] Komödie „Pariser Platz 13“, R: →Gustaf Gründgens, 1931). Gerade in den komödiantischen Rollen entwickelte und verfeinerte W. den Typus des überlegenen, aber amüsanten Bonvivants.
Im Stummfilm debütierte W. – ganz seiner Herkunft verpflichtet – als Zirkusdirektor in „Marionetten“ (1915) von →Richard Löwenbein (1894–1943), danach in wenigen weiteren kleinen Auftritten. Im Tonfilm trat er erstmals in →Ewald André Duponts „Salto mortale“ (1931) als Löwenbändiger Robby auf. Sein eigentlicher Durchbruch gelang ihm als Lord Cecil in dem Liebeslustspiel „Baby“ (1931, von →Carl Lamac). Gentlemanlike, in Frack und mit Glacéhandschuhen, von swingender Beweglichkeit und mit weichem, einflüsterndem Timbre, erzwang W. aber auch in Nebenrollen Aufmerksamkeit. Mit →Renate Müller (1906–1937) als Partnerin charmierte er als Robert in der Komödie „Viktor und Viktoria“ (1933) und erneut als eleganter Rechtsanwalt und Lebemann Brent in „Die englische Heirat“ (1934, Regie jeweils →Reinhold Schünzel, 1888–1954). In dem österr. Film „Maskerade“ (1934, R: Willi Forst) gestaltete er als Kunstmaler Ferdinand von Heideneck – dekadenter Verführer und naiv Liebender zugleich – seinen Rollentypus in Perfektion und errang im Film Starstatus.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb W. zunächst in Deutschland, trat 1933 der Reichsfachschaft Film bei, verschwieg aber im Aufnahmebogen seine jüd. Herkunft mütterlicherseits. Bis 1936 trat er noch in dt. Filmen auf, u. a. mit Renate Müller, in →Willi Forsts (1903–1980) Lustspiel „Allotria“ (1936). 1936 nutzte W. die Dreharbeiten in Prag für den Film „Port Arthur“ (R: →Nicolas Farkas, →Josef Gielen), um sich, mit einem Angebot der US-Produktion RKO ausgestattet, von dem Film eine engl.sprachige Version zu realisieren, über Frankreich am 30.9.1936 in die USA abzusetzen. Nach den „Nürnberger Rassegesetzen“ als „jüdisch versippt“ geltend, zudem homosexuell und antinazistisch eingestellt, drohte ihm Verfolgung. Doch der Mißerfolg der Version und eines weiteren Films („The Soldier and the Lady“, 1937, R: →George Nicholls jr.) veranlaßten W., sich am 30.1.1937 von New York nach England einzuschiffen, wo er sich niederließ (brit. Staatsbürgerschaft 1947). Seinen Vornamen, der ihm wegen der Übereinstimmung mit dem Hitlers verhaßt war, änderte er in Anton.
Ohne Bruch etablierte sich W. in der engl. Filmszene, galt auch hier als Star und festigte seine Position in aufwendigen und ambitionierten Produktionen. In „Victoria the Great“ (1937) von →Herbert Wilcox, anläßlich des 100. Thronjubiläums von Queen →Victoria entstanden, verkörperte er distinguiert den Prinzen Albert. Er erweiterte sein schauspielerisches Spektrum um sinistre Schurkenrollen, etwa in „Gaslight“ (1940) von →Thorold Dickinson. Politisch engagiert, übernahm er die Rolle eines poln. Pianisten und Piloten, der sich im Kampf gegen die Nationalsozialisten|auszeichnet („Dangerous Moonlight“, 1941, Regie →Brian Desmond Hurst), und ebenso die Aufgabe in „49th Parallel“ (1941, R: →Michael Powell), einen in den USA siedelnden dt.stämmigen Hutterer zu charakterisieren, der Überlebende eines dt. versenkten U-Bootes bei sich aufnimmt. In „The Life and Death of Colonel Blimp“ (1943, Regie, Drehbuch, Produktion Michael Powell u. →Emeric Pressburger) verkörperte er einen positiv angelegten ehemaligen preuß. Offizier – entgegen der engl. Propagandastrategie.
Nach dem 2. Weltkrieg reüssierte W. insbesondere als besessener Ballett-Impresario Boris Lermontov in „The Red Shoes“ (1948, Regie, Drehbuch, Produktion Michael Powell u. Emeric Pressburger), als souveräner Conferencier in der →Schnitzler-Adaption „La Ronde“ (1950) von →Max Ophüls (1902–1957) und als Kg. Ludwig I. in „Lola Montès/Lola Montez“ (1955).
Im bundesdt. Nachkriegsfilm fand W. keine adäquaten Rollen mehr, lediglich im westdt. Fernsehen bot man ihm in Literaturverfilmungen gelegentlich Entfaltungsmöglichkeiten. Von →Gustaf Gründgens (1899–1963) aufgefordert, spielte er in den späten 1950er Jahren bis Mitte der 1960er Jahre an westdt. Bühnen. Während einer Vorstellung von →Noel Cowards „Duett im Zwielicht“ (1967) an der Münchner Kleinen Komödie brach er zusammen und starb an den Folgen eines Herzinfarkts.
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Auszeichnungen
|Dt. Filmpreis, Filmband in Gold (1967).
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Werke
Weitere W Erster Verbrecher in „Himmel u. Hölle“, Schausp. v. P. Kornfeld in e. Inszenierung v. L. Berger, Dt. Theater Berlin 1920;
Anthony Cavendish in „Eine kgl. Fam.“, Satire v. G. S. Kaufman u. E. Ferber, Regie M. Ophüls, 1931, Robert in: „Jemand“, Komödie v. F. Molnárs, R: G. Gründgens, 1931, beides an d. Barnowsky-Bühnen, Berlin;
– weitere Filme u. a. Wüstenrausch, 1923 (Regie: G. v. Bolvary);
Drei v. der Stempelstelle, 1932 (R: E. Thiele);
Walzerkrieg, 1933 (R: L. Berger);
Regine, 1935 (R: E. Waschneck);
Ich war Jack Mortimer, 1935 (R: C. Froelich);
Der Student v. Prag, 1935 (R: A. Robison);
Der Kurier des Zaren, 1936 (R: R. Eichberg);
The Rat, 1937 (R: J. Raymond);
Sixty Glorious Years, 1938 (R: H. Wilcox);
König f. e. Nacht, 1950 (R: P. May);
Le Plaisir, 1951 (R: M. Ophüls);
L’Affaire Maurizius, 1953 (R: J. Duvivier);
Oh … Rosalinda!!, 1955 (R: M. Powell, E. Pressburger);
Saint Joan, 1957 (R: O. Preminger);
I Accuse!, 1958 (R: J. Ferrer);
Venus im Licht, TV 1960 (R: P. Beauvais);
Laura, TV 1962 (R: F. J. Wild). -
Literatur
L W. Holl, Das Buch v. A. W., 1935;
B. J. (= B. Jeremias), A. W., Zu seinem Tode, in: FAZ v. 11.8.1967;
F. Henseleit, Noblesse u. Melancholie waren Gütezeichen seiner Darst., in: Berliner Morgenpost v. 11.8.1967;
s., Zum Tode v. A. W., in: SZ v. 11.8.1967;
F. R. (= Feuilletonred.), Reize e. müden Kultur, in: Der Tagesspiegel v. 11.8.1967;
K. Loup, Die W.s, Eine dt. Theaterfam., 1975, S. 259–67;
E. Gibbels u. E. Hettwer, A. W./Anton Walbrook, Schausp.–Emigrant–Europäer, 1992 (Ms. Archiv Dt. Kinemathek, Berlin);
G. Seeßlen, L’homme fatale, Die Verführung d. Melancholie, Der Schausp. A. W. u. seine Filme, in: Ch. Cargnelli u. M. Omasta (Hg.), Aufbruch ins Ungewisse, Österr. Filmschaffende in d. Emigration vor 1945, 1. Bd., 1993, S. 29–38;
J. Gympel, Wovon Frauen träumen, Der Tagesspiegel v. 13.1.1997;
T. Krause, Der schönste Mann d. dt. Films, in: Die Welt v. 10.7.2020;
Kosch, Theater-Lex.;
P. S. Ulrich, Biogr. Verz. f. Theater, Tanz u. Musik, 1997 (Qu);
Sucher, Theaterlex.;
Personenlex. Film;
K. Weniger, „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“, Lex. d. aus Dtld. u. Österr. emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945, 2011;
CineGraph;
Munzinger. -
Autor/in
Wolfgang Jacobsen -
Zitierweise
Jacobsen, Wolfgang, "Wohlbrück, Adolf Wilhelm Anton (seit 1937? Anton Walbrook)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 389-392 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142936.html#ndbcontent