Lebensdaten
1846 bis 1907
Geburtsort
Leopoldsruh (Großschönau
Sterbeort
Warnsdorf (Nordböhmen)
Beruf/Funktion
Verleger ; Journalist ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137658222 | OGND | VIAF: 176971043
Namensvarianten
  • Opitz, Ambros

Orte

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Zitierweise

Opitz, Ambros, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137658222.html [03.03.2021].

CC0

  • Leben

    O., der einer Textilkaufmannsfamilie entstammte, besuchte 1859-66 das Jesuiten-Gymnasium in Mariaschein (Nordböhmen), studierte anschließend am Priesterseminar in Leitmeritz Theologie und wurde 1870 zum Priester geweiht. Er kam als Kaplan nach Warnsdorf und verblieb bis 1874 im kirchlichen Dienst; im selben Jahr erwarb er eine Buchdruckerei und begann eine umfassende volksbildnerische, journalistische sowie verlegerische, später auch politische Tätigkeit. Vor dem Hintergrund der kirchlichen Auseinandersetzungen mit dem Altkatholizismus, dem antiklerikalen Sozialismus und dem politischen Liberalismus entwickelte O. besonders für eine weitgehend unpolitische, ungebildete bäuerliche und kleinbürgerliche Bevölkerung zunächst in Nordböhmen, später in Wien ein starkes christlich-soziales Engagement. Er begründete und leitete zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften, organisierte|Arbeiter-, Männer-, Frauen- und Raiffeisenvereine zur Fortbildung und Selbsthilfe. Seit dem 4.10.1873 erschien unter seiner Leitung die erste kath. Zeitung Böhmens, das „Nordböhmische Volksblatt“ (seit 1884 „Warnsdorfer Volkszeitung“, seit 1887 „Österreichische Volkszeitung“, seit 1918 „Volkszeitung“). Er gründete oder übernahm u. a. die „Warnsdorfer Hausblätter“ (1884), welche seit 1897 in Wien als „Christliches Familienblatt zur Unterhaltung und Belehrung“ erschienen, ferner in Eger 1897 das „Egerland“, 1893 die Familienzeitung „Immergrün“, 1898 die Broschürenreihe „Volksaufklärung“ und 1901 den „Landboten“. O. war Mitbegründer der Wiener „Reichspost“, die seit dem 1.1.1894 erschien (seit 1907 als Tageszeitung) und zum bedeutendsten überregionalen und international beachteten kath. Presseorgan in der Monarchie wurde.

    1887-90 organisierte O. für Nordböhmen die ersten (deutschen) Katholikentage; aus ihnen entwickelte sich später die böhm. (deutschen) Katholikentage. Mit seinen programmatischen Vorstellungen prägte er die gesamt-österr. Katholikentage in Linz und Salzburg. Auf dem 3. Allgemeinen Österr. Katholikentag in Linz (8.-11.8.1892) setzte er eine Reform des kath. Pressewesens durch.

    O. engagierte sich politisch deutschnational; 1895-1901 war er christlich-sozialer Landtagsabgeordneter im böhm. Landtag. Er gehörte zu den bestimmenden Köpfen des österr. Politischen Katholizismus, dessen wichtigstes Forum das von ihm begründete Verlagsunternehmen wurde. O. profilierte sich als entschiedener Gegner der „Los-von-Rom“ Bewegung Georg v. Schönerers. Sein Ziel war die politische Organisierung der Christlichsozialen und die Überwindung von liberalem (Manchester-) Kapitalismus und Sozialismus durch eine Erneuerung des gesamten Gesellschafts- und Wirtschaftslebens auf den Prinzipien von Subsidiarität und Solidarität („Nächstenliebe und Gerechtigkeit“). 1897 begründete O. den Christlichsozialen Verband für Deutsch-Böhmen und lehnte die im selben Jahr erlassenen „Sprachverordnungen“ der Regierung Badeni (Zweisprachigkeit der Staatsbeamten in Böhmen) ab. Das Eintreten für soziale Gerechtigkeit einerseits und für ein Großösterreich in Verbindung mit deutschnationalem und antisemitischem Denken andererseits führte bereits in den 80er Jahren vor allem beim priesterlichen Anhang O.s, den sog. „Opitzianern“, zu verstärktem sozialem Engagement, aber auch zur Steigerung der nationalen Gegensätze in Böhmen. – In den letzten Lebensjahren war O. durch schwere Krankheit zur Untätigkeit verurteilt. Seine Initiativen und Aktivitäten wirkten jedoch noch Jahrzehnte nach seinem Tod fort.

  • Werke

    Verkehr mit Gott, Andachtsbuch f. d. christl. Jahr, 1897;
    Die Schulfrage, 1897;
    Der böhm. Streit, 1898;
    Jesus mein Alles! Gebet- u. Erbauungsbuch, 1900;
    zahlreiche Btrr. in seinen Ztgg. u. Zss.

  • Literatur

    D. Petry OSB, in: Hist.-pol. Bll. 141, S. 255-66;
    J. Gürtler, O., Ein Streiter f. Wahrheit, Freiheit u. Recht, 1908;
    A. K. Huber, O. (1846-1907), Ein Bahnbrecher d. kath. Bewegung Altösterreichs, 1961;
    F. Prinz, Die böhm. Länder von 1848 bis 1914, § 11: Die Kirchen zw. Staat, Nation u. Parteien, in: Hdb. d. Gesch. d. böhm. Länder III, 1968, S. 116 f., 122 Anm. 38 f.;
    ders.: Die Kirchen in d. Böhm. Ländern zw. Staat, Nation u. Parteien in d. zweiten Hälfte d. 19. Jh., in: FS für H. Schütz z. 70. Geb.tag, eingel. v. H. Glassl u. O. Pustejovsky, 1971, S. 160 f.;
    P. Leisching, Die Röm.-Kath. Kirche in Cisleithanien, in: Die Habsburgermonarchie 1848-1918, hg. v. A. Wandruszka u. P. Urbanitsch, IV, 1985;
    Dt. Gesch. im Osten Europas, Böhmen u. Mähren, hg. v. F. Prinz, 1993, S. 420;
    ÖBL;
    R. Hemmerle, Sudetenland-Lex., 1984;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Autor/in

    Otfried Pustejovsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Pustejovsky, Otfried, "Opitz, Ambros" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 549 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137658222.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA