Lebensdaten
1893 oder 1894 bis 1977
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Kameramann
Konfession
-
Normdaten
GND: 12495748X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schuftan, Eugène
  • Shuftan, Eugen
  • Schüfftan, Eugen
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schüfftan, Eugen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12495748X.html [20.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold, Fabr.;
    M Lina Wolff;
    Marta-Louise Althaus

  • Leben

    Nach Schulbesuch und Studium an der Kunstakademie in Breslau versuchte S. sich als Maler in Berlin und führte zeitweilig auch Dekorationen aus, u. a. 1918/19 für den Architekten Hans Poelzig, bei dessen Neubau des Großen Schauspielhauses in Berlin er die farbliche Gestaltung der Decke übernahm. In diese Zeit fiel sein erster Kontakt mit dem Film. Zusammen mit dem Trickkameramann Ernst Kunstmann (1898–1995) entwickelte er 1923 ein technisches Verfahren, um mit Hilfe eines Spiegels ein Modell mit realer Szenerie zu kombinieren. Erstmals angewandt in Fritz Langs zweiteiligem Film „Die Nibelungen“ (1922-24), wurde diese Technik als Illusionsmaschine zur Perfektion gebracht in den Bildern einer Zukunftsstadt, die Lang in „Metropolis“ (1925/26) entwarf, besonders für die Szene des Molochs, in dessen Schlund Menschenmassen verschwinden.

    Um 1923 wurde das Verfahren zunächst von S. entwickelt und dann als Patent angemeldet, in der Folge allein von der Ufa ausgewertet und kontrolliert, 1926 jedoch von der Berliner Firma „Deutsche Spiegeltechnik GmbH & Co“ zur weltweiten Nutzung angeboten. S., aufgeschlossen für phantastische Stoffe, verfeinerte in der Folgezeit diese Tricktechnik und partizipierte an der wirtschaftlichen Auswertung, bevor er sich 1929 entschied, nur mehr als Kameramann zu arbeiten. Erstmals tat er dies bei dem halbdokumentarischen Film „Menschen am Sonntag“ (1929/30), zu dem sich die späteren Regisseure und Autoren Robert (1900–73) und Curt Siodmak (1902–2000), Billy Wilder (1906–2002), Fred Zinnemann (1907–97) und Edgar G. Ulmer (1904–72) zusammenfanden. S. fotografierte u. a. Robert Siodmaks „Abschied“ (1930), nicht zuletzt durch seine Lichtsetzung und Kameraarbeit stilistisch einem poetischen Realismus nahe, und 1932 das Wüstenmärchen „Die Herrin von Atlantis“ in der Regie von Georg Wilhelm Pabst (1885–1967), wo er zu weiteren Nuancen seines Spiels mit dem Licht gelangte. 1931 war er mit dem Kameramann Karl Puth (1891–1955) an Max Ophüls' (1902-57) Regiedebüt, dem Kurzspielfilm „Dann schon lieber Lebertran“, beteiligt. Im selben Jahr führte er zusammen mit Franz Wenzler Regie bei der Verfilmung des Schwanks „Das Ekel“. Schon bei diesen Arbeiten fiel auf, wie sehr S. an psychologischen Bildwirkungen interessiert war, während gleichzeitig die Kamera Distanz zur Aktion wahrte.

    1933 ging S. nach Frankreich ins Exil. Hier wirkte er als Kameramann an Filmen emigrierter dt. Regisseure mit; besonders häufig arbeitete er mit Max Ophüls zusammen. Mit seinem Sinn für expressiv-suggestive Licht- und Schattensetzung, besonders in Schwarzweiß-Filmen, und geschickte perspektivische Bildauflösungen prägte er aber auch Filme von Marcel Carné und René Clair, in dessen Film „Quai des brumes“ (1938) er etwa durch helle Lichtpunkte das Bild in die Tiefe verlängerte.

    Nach seiner weiteren Emigration 1940 in die USA konnte er wegen der strikten Gewerkschaftsbestimmungen nicht mehr als Kameramann arbeiten, beeinflußte aber als „Supervisor“ oder „Technical Director“ Filme von Douglas Sirk, Edgar G. Ulmer und Robert Siodmak. Nach dem Krieg häufig wieder in Europa, besonders in Frankreich tätig, arbeitete er u. a. mit Georges Franju (1912–87) und Jean-Pierre Mocky (* 1929). Einen „Oscar“ erhielt S. für seine Kameraarbeit in Robert Rossens (1908–66) spätem Film noir, dem Spielermelodram „The Hustler“ (1961). Wie kaum einem anderen Kameramann seiner Generation gelang S. eine stilistische Verbindung der Ausdrucksmittel des dt. Expressionismus der 20er Jahre mit dem poetischen Realismus des franz. Kinos der 30er und des amerik. Film noir der 40er Jahre.

  • Auszeichnungen

    American Ac. Award (1961); Dt. Filmpreis, Filmband in Gold (1964); Billy Bitzer Award (1975).

  • Werke

    Weitere W Gassenhauer, 1930/31 (Regie: L. Pick);
    Du haut en bas, 1933 (Regie: G. W. Pabst);
    La tendre ennemie/L'ennemie, 1936 (Regie: M. Ophüls);
    Drôle de drame, 1937 (Regie: Marcel Carné);
    Yoshiwara, 1937 (Regie: M. Ophüls);
    Mollenard, Capitaine Corsaire, 1937 (Regie: R. Siodmak);
    Le drame de Shanghai, 1938 (Regie: G. W. Pabst);
    Werther/Le Roman de Werther, 1938 (Regie: M. Ophüls);
    Sans lendemain, 1939 (Regie: M. Ophüls);
    De Mayerling à Sarajevo, 1939/40 (Regie: M. Ophüls);
    Hitler's Madmen, 1942/43 (Regie: D. Sirk;
    Technical Director);
    It Happened Tomorrow, 1943/44 (Regie: R. Clair;
    Supervision);
    Strange Illusion/Out of the Night, 1944/45 (Regie: E. G. Ulmer;
    Supervison);
    The Dark Mirror, 1946 (Regie: R. Siodmak;
    Supervision);
    La tête contre les murs, 1958 (Regie: G. Franju);
    Les yeux sans visage, 1959 (Regie: G. Franju);
    Un couple, 1960 (Regie: J.-P. Mocky);
    Les vierges, 1962 (Regie: J.-P. Mocky);
    Lilith, 1963/64 (Regie: R. Rossen);
    Korr.:
    Nachrr. aus Hollywood, New York u. anderswo, Der Briefwechsel Eugen u. Marlise S.s mit Siegfried u. Lili Kracauer, hg. v. H. G. Asper, 2003.

  • Literatur

    E. Wulff, Das S.sche Kombinationsverfahren, in: Die Kinotechnik, Nr. 2, 25.1.1926, S. 35-40;
    W. Zurbuch, E. S., Meister d. Filmtechnik, in: Filmtechnikum, Juni 1962, S. 179 f.;
    H. C. Opfermann u. G. Kramer, Die neue Trickfilm-Schule, Ein Lehr- u. Nachschlagebuch, 1968;
    R. Fielding, The Technique of Special Effects Cinematography, 1972, S. 80-89;
    T Brandlmeier, Die List d. Technik, E. S. wäre 80, in: Film-Korr., Nr. 7, 10.7.1974;
    R. Giesen, in: Filme (Berlin/West), Nr. 9. Mai/Juni 1981;
    CineGraph (P).

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Schüfftan, Eugen" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 634-635 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12495748X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA