Lebensdaten
1881 bis 1959
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
New York (USA)
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119384000 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sachs, Curt
  • Sachs, C.
  • Sachs, Kurt

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Zitierweise

Sachs, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119384000.html [19.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Louis Eduard (1839–1908), Fabr. in B., S d. Eduard;
    M Anna Fröhlich (1841–1916);
    Berlin 1908 Irene Lewin (1888–1985);
    2 S Georg (1909–39), Ph. D., Prof. an d. Univ. Madrid, Ernst (1920–62), Ing., 2 T Judith (1912–90), Ph. D., Bibliothekarin am Inst. for Advanced Study, Princeton (New Jersey, USA), Gabriel(l)e Forrest (* 1915), in Camden (New Jersey, USA).

  • Leben

    Parallel zum Besuch des Franz. Gymnasiums erhielt S. Unterricht in Klavier, Theorie und Komposition, bevor er 1900 das Studium der Kunstgeschichte und Musikwissenschaft an der Univ. Berlin aufnahm. 1904 wurde er bei Carl Frey über Verrocchios Skulpturen promoviert und setzte später bei Hermann Kretzschmar und Johannes Wolf seine musikwissenschaftlichen Studien fort. 1905/06 am Kunstgewerbemuseum in Berlin tätig, gab er 1905-07 mit Ernst Jaffé das Rezensionsorgan „Monatshefte der kunstwissenschaftlichen Literatur“ heraus. Seit 1908 wandte er sich ausschließlich musikalischen Themen zu. 1918 zum militärischen Nachrichtendienst eingezogen, habilitierte er sich 1919 an der Univ. Berlin mit seinem „Handbuch der Musikinstrumentenkunde“ und wurde Ende 1919 als ao. Professor vertretungsweise, seit Sept. 1920 gänzlich mit der Leitung der Sammlung alter Musikinstrumente bei der Staatl. akad. Hochschule für Musik in Berlin zu Charlottenburg (heute Musikinstrumenten-Museum SIMPK) betraut. 1921 wurde S. ao., 1928 etatsmäßiger Professor an der Universität, seit 1926 lehrte er zusätzlich Instrumentenkunde an der Staatl. Akademie für Kirchen- und Schulmusik, Berlin. 1930 hielt er sich zwei Monate lang als Berater des Instituts für oriental. Musik in Kairo auf. 1933 wurde er aus rassistischen Gründen aus dem Staatsdienst entlassen. Als sein Vorhaben, unverzüglich in die USA zu emigrieren, scheiterte, ging er mit Hilfe eines Rockefeller-Stipendiums und der Alliance Israélite Universelle zunächst nach Paris und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter (Chargé de mission) am Musée d'Ethnographie du Trocadéro. Erst im August 1937 konnte er dank seiner Berufung als Visiting Professor an die New York University zusammen mit seiner bis dahin in Berlin verbliebenen Familie nach New York übersiedeln. Hier fungierte er neben seiner Lehrtätigkeit als Berater der New York Public Library und des Metropolitan Museum of Art. Seit 1953 war er Adjunct Professor (ao. Prof.) an der Columbia University, New York. 1957 gab er seine Stelle an der New York University auf.

    S. war einer der vielseitigsten und produktivsten Musikologen, ein analytisch denkender und die gedankliche Synthese suchender Wissenschaftler. Zusammen mit Erich M. v. Hornbostel (1877–1935) legte S. auf der Grundlage der Klassifikation von Victor Mahillon eine streng systematische morphologische Instrumentenklassifikation vor, bei der die physikalische Klangerzeugung als Ordnungsprinzip herangezogen wird und die bis heute als die führende pragmatische Klassifikation gilt. Seine Schrift „Geist und Werden der Musikinstrumente“ (1929) bietet mit ihrem historisch-hermeneutischen Ansatz als eines der wichtigsten Beispiele der sog. Kulturkreislehre eine kulturgeographisch argumentierende, die universalgeschichtlichen Zusammenhänge betonende Chronologie der Musikinstrumente von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Don neuen Massenmedien, insbesondere der Schallplatte, stand S. sehr aufgeschlossen gegenüber. Unter seiner redaktionellen Leitung entstand z. B. 1930 mit „2000 Jahre Musik auf der Schallplatte“ erstmals in Deutschland eine mit historisierendem Anspruch veröffentlichte Plattenserie (12 Schellackplatten mit Textbeil.), deren Idee er 1934 von Paris aus mit der Konzeption der „L'Anthologie sonore“ erfolgreich weiterentwickelte (ca. 160 Schellackplatten).|

  • Auszeichnungen

    Präs. d. American Musicological Soc. (1950–52); Dr. of Hebrew Letters (Hebrew Union College, New York School 1950); Dr. phil. h. c. (FU Berlin 1956); Ehrenmitgl. d. Ges. f. Musikforsch. (1956); Ehrenpräs. d. Soc. for Ethnomusicology (1956); Curt Sachs Award d. American Musical Instrument Soc. (seit 1983); „Curt-Sachs-Saal“ d. Musikinstrumenten-Mus. in Berlin (seit 1985).

  • Werke

    [27] Lieder f. e. Singstimme mit Pianoforte (Berlin o. J.);
    Schrr.
    u. a.: Musikgesch. d. Stadt Berlin bis z. J. 1800, 1908, Nachdr. 1980;
    Musik u. Oper am Kurbrandenburg. Hof, 1910, Nachdr. 1977;
    Real-Lex. d. Musikinstrumente zugleich e. Polyglossar f. d. gesamte Instrumentengebiet, 1913, Nachdr. 1979;
    Systematik d. Musikinstrumente, Ein Versuch, in: Zs. f. Ethnol. 46, 1914, H. 4/5, S. 554-90 (mit E. M. v. Hornbostel) (engl. Übers. v. A. Baines u. K. P. Wachsmann, in: Galpin Soc. Journal 14, 1961, S. 3-29);
    Die Musikinstrumente Indiens u. Indonesiens, zugleich e. Eint, in d. Instrumentenkunde, 1915, 21923, Nachdr. 1983;
    Hdb. d. Musikinstrumentenkunde, 1920, 21930, Nachdr. 1976;
    Die Musikinstrumente d. alten Ägyptens, 1921;
    Slg. alter Musikinstrumente b. d. Staatl. Hochschule f. Musik zu Berlin, Beschreibender Kat., 1922;
    Musik d. Altertums, 1924;
    Geist u. Werden d. Musikinstrumente, 1929 (hierzu R. Lachmann, in: Zs. f. Musikwiss. 12, 1929/30, S. 494-97;
    Albrecht Schneider, Musikwiss. u. Kulturkreislehre, Zur Methodik u. Gesch. d. Vergleichenden Musikwiss., 1976, bes. S. 78-90);
    Eine Weltgesch. d. Tanzes, 1933 (franz., engl., ital., Japan., slowen. Überss.), Nachdr. 1984 u. 1992;
    La signification, la tache et la technique muséographique des collections d'instruments de musique, in: Mouseion 8, 1934, no. III-IV, Bde. 27/28, S. 153-84;
    The hist. of musical instruments, 1940 (poln. Übers.);
    The rise of music in the ancient world east and west, 1943, dt. Übers. u. d. T: Die Musik d. alten Welt in Ost u. West, 1968 (japan. u. poln. Überss.);
    The Commonwealth of art, 1946;
    Our musical heritage, A short hist. of music, 1948, 21955, Nachdr. 1978;
    Rhythm and tempo, 1953 (japan. Übers.), Nachdr. 1988;
    Schrr.verz.:
    K. Hahn, Verz. d. wiss. Arbb. v. C. S., in: Acta musicologica 29, 1957, S. 94-106;
    Film:
    Die Klangwelt d. Rokoko, 1929 (Vortrag mit Musikbeispielen).

  • Literatur

    The Commonwealth of music, In honor of C. S. ed. by G. Reese u. R. Brandel, 1965 (darin bes. H.-H. Draeger. C. S. as an ethnomusicologist, S. 10-25;
    L. Schrade, G. S. as a historian, S. 1-9, P);
    A. Berner, Die alte Musikinstrumenten-Slg. in Berlin, in: Wege z. Musik, hg. v. Staatl. Inst. f. Musikforsch. Preuß. Kulturbes. 1984, S. 11-122, bes. S. 68-111 (P);
    M. Eiste, MA auf alten Schallplatten, Die Anfänge d. Rekonstruktion ma. Musizierpraxis, in: MA-Rezeption III, Ges. Vortrr. d. 3. Salzburger Symposions: MA, Massenmedien, Neue Mythen, 1988, S. 421-36;
    ders., Bildungsware Alte Musik, C. S. als Schallplattenpäd., in: Basler Jb. f. Hist. Musikpraxis 13 (1989), 1990, S. 207-47;
    S. Youngerman, in: CORD news, 6 (1973/74), No. 2, July 1974, S. 6-19;
    A. Lüderwaldt, Der ‚soziolog. Gesichtspunkt' in d. Instrumentenkunde, in: Mitt. d. Dt. Ges. f. Musik d. Orients 13, 1975, S. 5-38;
    C. Sprague Smith, C. S. and the Library Mus. of the Performing Arts, in: Musica Judaica 4, 1981/82, No. 1, S. 9-19;
    Rhdb.;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    BHdE II;
    New Grove: New Grove2;
    W. R. Dawson u. E. P. Uphill, Who was who in Egyptology, hg. v. M. L. Bierbrier, 31995.

  • Autor/in

    Martin Elste
  • Empfohlene Zitierweise

    Elste, Martin, "Sachs, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 335-336 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119384000.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA