Lebensdaten
1892 - 1939
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Jerusalem
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 129491810 | OGND | VIAF: 71429565
Namensvarianten
  • Lachmann, Robert

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Zitierweise

Lachmann, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129491810.html [11.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1857–1913), Dr. phil., Gymnasialprof., Astronom, Meteorologe (s. Pogg. IV, V);
    M Johanna Händler.

  • Leben

    Nach Beendigung des humanistischen Gymnasiums studierte L. Englisch und Französisch an den Universitäten Berlin und London, dann Musikwissenschaft bei E. M. v. Hornbostel, Curt Sachs u. a. und Arabistik bei E. Mittwoch an der Berliner Universität. Während des 1. Weltkrieges diente er anfänglich im Heer, wurde jedoch bald als Dolmetscher in einem Kriegsgefangenen-Lager in Wünsdorf b. Zossen eingesetzt. Hier fand sein erster Kontakt mit außereurop. Musik statt, im besonderen mit der arab. Musik aus den nordafrikan. Ländern. Anschließend spezialisierte sich L. auf arab. Musikkulturen und promovierte 1922 mit einer Arbeit über „Die Musik in den tunes. Städten“. Diese Studie wurde nach einem längeren Aufenthalt in Tunis und aufgrund eigener „Feld“-Aufnahmen (auf Wachszylindern, mit dem Edison-Phonographen) durchgeführt. Während der 20er Jahre folgten weitere Musik-Expeditionen nach Tripolis, der Kabylei, Muknin, Testour, Djerba. Auf der Insel Djerba fand er einen fast verschollenen Stamm einer alteingesessenen jüd. Bevölkerung vor, deren mündliche Musiktradition er ausführlich aufnahm (1929). Diese Aufnahmen wurden ein Jahrzehnt später zum Thema seines Buches über die „Gesänge der Juden auf der Insel Djerba“ (1940 [engl.], dt. in: R. L., Posthumous Works II, 1978). 1929 erschienen seine zwei Hauptwerke „Die Musik des Orients“ und „Die Musik der außereurop. Natur- und Kulturvölker“. 1927-33 wirkte L. als Musikbibliothekar an der Berliner Staatsbibliothek. 1931 gab er in Zusammenarbeit mit dem arab. Musikologen Mahmud al-Hefni einen mittelalterlichen Musiktraktat von Al-Kindi in deutscher Übersetzung heraus. Beim ersten internationalen Kongreß arab. Musik in Kairo 1932 wurde L. zum Vorsitzenden der Phonogramm-Kommission ernannt, was ihm ermöglichte, eine Serie von Aufnahmen der besten Sänger und Spieler aus mehreren arab. Ländern zu machen. – Im selben Jahr wurde vom Berliner Kreis der Musikethnologen die Gesellschaft zur Erforschung der Musik des Orients gegründet, ebenso die Zeitschrift für vergleichende Musikwissenschaft (3 Bde., 1933–35), mit L. als Herausgeber. – 1935 emigrierte L. nach Palästina, wo er in Jerusalem mit dem Aufbau eines Phonogramm-Archivs betraut wurde. L.s Tätigkeit während seiner letzten vier Jahre bedeutete den Beginn der modernen Musik-Ethnologie in Israel und im ganzen eine Fortsetzung der Pionierarbeit, die der ältere Forscher zur oriental-jüd. Musik, A. Z. Idelsohn, 1906-21|geleistet hatte. Trotz ungünstiger Verhältnisse und trotz L.s langer Krankheit gelang es ihm noch, ca. 1 000 neue Aufnahmen zu machen, hauptsächlich zum Thema orientalischer Musikliturgien. Neuartig gegenüber Idelsohns Tätigkeit ist L.s „vergleichende“ Analyse von Musikstilen, die funktionell zusammengehören. Eines seiner Ziele war, die geheimen Gesetzlichkeiten mündlicher Musiktraditionen aus ihrer eigenen Mentalität und mit Hilfe des gelehrten arab. Schrifttums zur Musik zu erschließen.

  • Auszeichnungen

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Musik in d. tunes. Städten, in: Archiv f. Musikwiss. 5, 1923, S. 136-71;
    Musik u. Tonschr. d. No, in: Ber. üb. d. musikwiss. Kongreß d. dt. Musikges. in Leipzig, 1925, S. 80-93;
    Die Weise v. Löwen u. d. pyth. Nomos, in: Festschr. f. J. Wolf, 1929, S. 97-106;
    Musik d. Orients, 1929 (span. 1931, Nachdr. 1965);
    Die Musik d. außereurop. Natur- u. Kulturvölker, in: Hdb. d. Musikwiss., hrsg. v. E. Bücken, 1929;
    Ueber d. Komp. d. Melodien, 1931 (mit Mahmud el-Hefni);
    Asiat. Parallelen z. Berbermusik (mit E. M. v. Hornbostel), in: Zs. f. vgl. Musikwiss. 1, 1933, S. 4-11;
    Das ind. Tonsystem b. Bharata u. s. Ursprung, ebd., S. 73-91;
    Die Musik im Volksleben Nordafrikas, in: R. L., Posthumous Works I, hrsg. v. E. Gerson-Kiwi, 1974;
    Oriental. Musik u. Antike, ebd.

  • Literatur

    E. Gerson-Kiwi, Jerusalem Archive for Oriental Music, in: Musica Hebraica I-II, 1938, S. 40-42;
    dies., Musicology in Israel - a survey of its historical development, in: Acta Musicologica 30, 1958, S. 17-20;
    dies., R. L., His Achievement and his Legacy, in: YUBAL 3, 1974, S. 100-08;
    dies., Two Anniversaries - Two Pioneers in Jewish Ethnomusicology (A. Z. Idelsohn;
    R. L.), in: Orbis Musicae 2, 1973/74, S. 17-28;
    J. Kunst, Ethnomusicology, 1955, S. 19, 43;
    D. Wohlenberg, Kultmusik in Israel, 1967, S. 521;
    A. Shiloah, The Theory of Music in Arabic Writings, in: Répertoire Internat, des Sources Musicales X, 1980, S. 253-60;
    Grove;
    MGG VIII;
    Enc. Jud. X.

  • Autor/in

    Edith Gerson-Kiwi
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerson-Kiwi, Edith, "Lachmann, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 374 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129491810.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA