Lebensdaten
1848 bis 1924
Geburtsort
Olbernhau (Erzgebirge)
Sterbeort
Berlin-Schlachtensee
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118715941 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kretzschmar, August F.
  • Kretzschmar, August Ferdinand Hermann
  • Kretzschmar, H.
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Zitierweise

Kretzschmar, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118715941.html [28.03.2017].

CC0

Kretzschmar, Hermann

Musikwissenschaftler, * 19.1.1848 Olbernhau (Erzgebirge), 10.5.1924 Berlin-Schlachtensee. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Karl Dankegott (1794–1868), Kreuzschüler, Kantor, Organist, Kirchenkomp., aus alter Kantoren- u. Organistenfam.; M Karoline Wilhelmine (1803–64), T d. Pfarrers Joh. Gotthold Leupold in Mülsen St. Niklas; 1880 Klara Meller aus Bristol.

  • Leben

    K. gehört zu den ersten deutschen Musikwissenschaftlern, die praktisch-musikalisches Können mit umfassendem theoretischem Wissen verbanden. Nach Unterricht bei seinem Vater wurde er 1862 Alumnus der Dresdener Kreuzschule. 1867-68 war er 2. Präfekt des Kreuzchors und Famulus des Kantors J. Otto, der ihn auch in Theorie und Komposition unterrichtete. K. wandte sich zunächst einem philologischen und musikwissenschaftlichen Studium in Leipzig zu, wo er bei F. Ritschl, W. Voigt und O. Paul arbeitete und 1871 mit einer Dissertation über die Notation vor Guido v. Arezzo zum Dr. phil. promoviert wurde. 1869/70 hatte K. außerdem das Leipziger Konservatorium besucht, dem er seit 1871 als Lehrer angehörte. Gleichzeitig wirkte er als Orgelvirtuose und Dirigent verschiedener Leipziger Chöre (Euterpe, Ossian, Bach-Verein, Singakademie), mußte aber 1876 aus gesundheitlichen Gründen das Wirkungsfeld einschränken und alle Ämter aufgeben. Nach einer einjährigen „abenteuerlichen Episode“ als Theaterkapellmeister in Metz folgte K. 1877 einem Ruf als Universitätsmusikdirektor nach Rostock, wo er 1880 die Stellung des städt. Musikdirektors übernahm. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit entstand der 1. Band des „Führers durch den Konzertsaal“ (3 Bde., 1888–90, mehrere Aufll.), wie sich überhaupt sein wachsendes organisatorisches Interesse am Musikleben, wozu jetzt auch die deutsche Schulmusik und der Kirchengesang gehörten, in regem publizistischem Wirken (meist in „Die Grenzboten“) äußerte. 1887 wurde K. Universitätsmusikdirektor in Leipzig. Er hielt musikgeschichtliche Vorlesungen am Konservatorium und an der Universität (1895 ao. Professor). Eine wichtige erste Zusammenfassung seiner wissenschaftlichen Arbeiten bilden die 1903 unter dem Titel „Musikalische Zeitfragen“ veröffentlichten Vorträge. 1904 wurde er nach Berlin auf den neueingerichteten Lehrstuhl für Musikgeschichte der Universität berufen, und dort baute er ein musikhistorisches Seminar auf. Er konnte bald die wichtigsten Positionen des Berliner Musiklebens in seiner Hand vereinigen: 1907 wurde er kommissarischer Leiter des Instituts für Kirchenmusik, 1909 Nachfolger J. Joachims als Vorsteher der Orchesterabteilung, kommissarischer Direktor der akademischen Hochschule für Musik und 1912 Vorsitzender der Musikgeschichtlichen Kommission und damit Herausgeber der DDT. Die Berliner Zeit K.s stellt den Höhepunkt seines Wirkens dar. Trotz kriegsbedingter Schwierigkeiten konnte er der Musikhochschule, der er bis 1920 vorstand, breitere Anerkennung verschaffen und sie durch Einführung neuer Lehrmethoden und -fächer (Kurse über Einrichtung und Bearbeitung alter Musik, Opernschule, Rhythmische Gymnastik, Gehörbildung und Improvisation, erste Cembaloklasse an einer deutschen Musikhochschule) der zukünftigen Entwicklung öffnen, wie er auch in seiner Berufungspolitik (u. a. W. Landowska, H. Becker, A. Busch) eine glückliche Hand hatte. Seine Arbeiten haben grundlegende, zukunftweisende|Bedeutung. Durch seine pädagogische und organisatorische Wirksamkeit bereitete er die Reformen L. Kestenbergs vor, obgleich diesem seine historische Denkweise fremd war. Für K. aber war die Musikgeschichte, die er stets in die großen kulturgeschichtlichen Zusammenhänge einzuordnen verstand, ausgehend von einer „wohlorganisierten Denkmälerarbeit (und) ihrer Einführung in die Praxis“, die „Lehrmeisterin der Musikpraxis“.

  • Werke

    Weitere W u. a. De signis musicis quae scriptores per primam medii aevi partem usque ad Guidonis Aretini tempora florentes tradiderint, Diss. Leipzig 1871; G. F. Händel, in: Waldersee, Ges. Aufsätze, 1884; Die venetian. Oper u. d. Werke Cavallis u. Cestis, in: Vj.schr. f. Musikwiss. 8, 1892, S. 1 ff.; Monteverdis Incoronazione di Poppea, ebd. 10, 1894, S. 483 ff.; Ges. Aufsätze üb. Musik u. anderes aus d. Grenzboten, 1910; Ges. Aufsätze aus d. Jbb. d. Musikbibl. Peters, 1911; Gesch. d. neuen dt. Liedes I, 1911, Nachdr. 1966; Gesch. d. Oper, 1919, Nachdr. 1970; Einführung in d. Musikgesch., 1920, Nachdr. 1970; Bach-Kolleg, 1922. - Hrsg.: einzelne Bde. d. Bach-Gesamtausg.; ältere Orchesterwerke.

  • Literatur

    Festschr. H. K. z. 70. Geb.tag, 1918; H. Abert, in: Jb. d. Musikbibl. Peters 31, 1924, S. 9; A. Einstein, in: Zs. f. Musikwiss. 6, 1924; F. M. Gatz, Musik-Ästhetik in ihren Hauptrichtungen, 1929; R. Kötzschke, in: Sächs. Lb. II, 1938, S. 229-44 (L, P); F. Blume, Musikforschung u. Musikpraxis, in: Festschr. F. Stein, 1939, S. 13-25; W. Vetter, H. K. u. d. dt. Schulmusik, in: Musik in d. Schule, 1951, S. 78-82; G. Braun, Die Schulmusikerziehung in Preußen, 1957, S. 32-42; R. Heinz, Gesch.begriff u. Wiss.charakter d. Musikwiss. in d. 2. Hälfte d. 19. Jh., 1968; ders., Gesch. als angew. Ästhetik, Zum Verhältnis Musikästhetik-Musiktheorie b. F. Chrysander u. H. K., in: Die Ausbreitung d. Historismus üb. d. Musik, hrsg. v. W. Wiora, 1969; U. Günther, Die Schulmusikerziehung v. d. Kestenberg-Reform b. z. Ende d. 3. Reiches, 1967, S. 11 ff.; MGG VII (W, L); Riemann (W, L).

  • Autor

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Kretzschmar, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 19 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118715941.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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