Wolff, Andreas

Lebensdaten
1652 – 1716
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118838415 | OGND | VIAF: 22938643
Namensvarianten

  • Wolf, Johann Andreas
  • Wolff, Johann Andreas
  • Wolf, Andreas
  • Wolff, Jan( genannt)
  • Wolff, Andreas
  • Wolf, Johann Andreas
  • Wolff, Johann Andreas
  • Wolf, Andreas
  • Wolff, Jan( genannt)
  • wolff, jan
  • Wolff, Johann A.
  • Wolff, Andreas Johann
  • Wolf, Andreas Johann
  • Wolff, Jonas

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Zitierweise

Wolff, Andreas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118838415.html [09.02.2026].

CC0

  • Wolff, Johann Andreas (auch genannt Jonas)

    | Maler, Innen- und Festarchitekt, ~ 11.12.1652 München, † 9.4.1716 München, ⚰ München, Alter Südlicher Friedhof. (katholisch)

  • Genealogie

    V Jonas Wolf(f) (um 1616/17–80), aus M., 1644 Meister, Hofmaler ebd., Mitarb. an d. Malereien d. Ks.hofs in d. Residenz (s. ThB), S d. Matthäus (erw. 1641, 1663), Maurer;
    M Maria Helena Schön ( 1691);
    B Philipp Jakob (* 1654), Joseph (* 1660, beide früh †);
    1688 Maria (um 1666–1710), T d. Matthias Neu (1638–1704), Bildhauer in Landshut;
    2 S (beide früh †), 7 T (5 früh †);
    als deren Taufpatinnen aus d. kfl. Hofges. u. a. bezeugt Maria Sabina Gfn. v. der Wahl u. Clara Frfr. v. Wämpl, Gemahlin d. Landschaftskanzlers Dr. Johann Sebastian Frhr. v. Wämpl.

  • Biographie

    W. lernte vermutlich in der Werkstatt seines Vaters und war 1672 kurzfristig bei dem Bildhauer Balthasar Ableithner (1614–1705) tätig.

    Der Status seines Vaters schützte ihn vor den Reglements der Münchner Maler- und Bildhauerzunft, so daß deren Matrikel keine Daten zu W.s Lehr- und Gesellenzeit überliefert.

    Möglicherweise verbrachte W. seine Gesellenzeit bei dem Hofmaler Niklas Prugger (um 1620–94), mit dem er 1681–85 in der Residenz zusammenarbeitete (Schlichtenmaier).

    W.s Werk ist breit gefächert: Zunächst lag der Schwerpunkt auf mythologischen Deckengemälden, die ab 1680 im Auftrag Kf. Max Emanuels für die Neuausstattung der Kaiserzimmer und des Vierschimmelsaals in der Münchner Residenz entworfen und Anfang der 1690er Jahre ausgeführt wurden. Es handelte sich um große Staffeleibilder, die in Holzrahmen an die Decken versetzt wurden.

    Entwürfe zu diesen Gemälden des Alexanderzyklus und der olympischen Götter zeigen W.s Fähigkeit zur Verkürzung von Figuren „di sotto in su“. Dies ist umso erstaunlicher, als keine Italien- oder Frankreichreise für ihn nachweisbar ist. Überliefert sind allein Aufenthalte im süddt.-österr. Raum (Augsburg, Landshut, Passau, Regensburg, Salzburg). Ein|vom Kurfürsten angebotenes Reisestipendium für Frankreich soll W. abgelehnt haben.

    Er kann sich jedoch anhand von Nachstichen berühmter Gemälde, die er sammelte, weitergebildet haben. Sicher verschafften ihm auch seine Beziehungen zu Johann Anton Gumpp (1654–1719) und Melchior Steidl (1657–1727) Einblick in die neuere Entwicklung der Deckenmalerei.

    Der zweite und umfangreichste Schwerpunkt von W.s Tätigkeit war die Altarmalerei. Neben konventionellen Arbeiten entstanden großformatige Gemälde mit individueller Ikonographie und teilweise stimmungsvollem Kolorit. Letzteres gilt v. a. für W.s Weihnachtsbild im Passauer Dom (1700). Als sein größtes erhaltenes Altarbild (615 x 373 cm) gilt das 1712 vollendete Hochaltarbild der Benediktinerabteikirche Kremsmünster (Oberösterreich) mit der „Verklärung Christi“. Das ungewöhnliche Format erforderte die Konstruktion eines eigenen Webstuhls, da W. eine Naht im Malgrund vermeiden wollte. Dieser Webstuhl wurde von den Zeitgenossen als so exzeptionell empfunden, daß er im Münchner Rathaus ausgestellt wurde.

    Auffallend ist außerdem W.s Fähigkeit zur Erfindung neuer Themen. Unkanonisch ist z. B. das Hochaltarbild der Münchner Dreifaltigkeitskirche, Klosterkirche der Unbeschuhten Karmelitinnen (1715–1716, vollendet v. Johann Degler, um 1670–1730): Es zeigt die Dreifaltigkeit mit dem von einem Nimbus aus sieben Flämmchen umgebenen Hl. Geist in Menschengestalt, der Gottvater und Sohn in einem leuchtenden Dreieck umfängt („In der Einheit des Heiligen Geistes“) – wohl ausgelöst von den Visionen der hl. Creszentia Höß (1682–1744) von Kaufbeuren, die mit dem Münchner Karmelitinnenkloster in Verbindung stand. Das seltene Thema der „Kommunion Marias durch Johannes Ev.“ (1716, Landshut, St. Martin) wurde mehrfach von seiner Werkstatt kopiert, fand also großes Interesse bei den Käufern.

    W.s Kompositionen haben meistens geringe Tiefe, so daß die Figuren eine reliefartige Zone im Vordergrund bilden, besonders anschaulich an der „Bestattung der hl. Katharina“ (1692) in der Münchner Frauenkirche.

    Die Beleuchtung wirkt wie hier oft caravaggiesk – wahrscheinlich mitbestimmt durch den älteren Hofmaler Johann Ulrich Loth (vor 1599–1662). Die Figuren W.s haben klassische Köpfe und Körper, die an antiken Skulpturen – vermutlich deren Wiedergabe in Kupferstichen – geschult zu sein scheinen. W. legte jedoch großen Wert auf die Darstellung von Emotionen (z. B. Enthauptung d. hl. Katharina, um 1699/1700, u. Marter d. hl. Matthäus, 1703, beide Freising, Dom). W.s Farbauftrag verband Vorbilder aus Manierismus (Peter Candid) und Frühbarock (Peter Paul Rubens). Inwieweit W. auch die Architektur der Altarretabel mitbestimmte, läßt sich nicht in jedem Fall klären, aber ungewöhnliche Lösungen wie der Josephsaltar der Karmelitenkirche in Regensburg (1701) mit seinem herzförmigen Altarblatt und erhaltene Retabel-Entwürfe, z. B. zum Corporis Christi-Altar in St. Peter, München (um 1708/09), legen die Vermutung nahe, daß W. häufig die Gesamtkonzeption anvertraut wurde.

    W. entwarf, meist in Zusammenarbeit mit Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713), auch Gebäude und deren Innenausstattung. Belegt ist seine Tätigkeit bei der Umgestaltung der Wallfahrtskirche Maria Thalkirchen (1695–1698), am Kongregationssaal des Münchner Jesuitenkollegs (1709–1711; 1944 zerstört), am Versammlungssaal der Marianischen Bürgerkongregation, der W. selbst angehörte, und an der Maximilianskapelle des Augsburger Doms (beide 1710).

    Ein weiteres prestigeträchtiges Arbeitsgebiet waren W.s Entwürfe für ephemere Architektur in Münchner Kirchen: perspektivische, mehrschichtige Kulissen für Heilig-Grab-Aufbauten bzw. Vierzigstundengebete (Frauenkirche, 1689; St. Peter, 1698–1709). Profane Triumphalbauten im öffentlichen Raum waren Teil von W.s Arbeiten im Dienst der Herrscherpanegyrik (so 1686 u. 1715 für Einzüge Kf. Max Emanuels); Inventor dieser von außergewöhnlicher Gelehrsamkeit zeugenden Aufbauten mit Motti, allegorischen Figuren und künstlicher Beleuchtung war zumindest 1715 (lt. Quittung) W. selbst.

    Zu seinen späteren Schülern gehörten Johann Paul Vogel (Vogl, 1673–1739), Franz Joseph Lederer (1676–1733), Eustachius Kendlbacher (1662–1725), Johann Degler (der die von Westenrieder abgedruckten biographischen Angaben zu W. überlieferte) und Johann Georg Bergmüller (1688–1762). Sie wurden in zeitgenössischen Quellen als „Scholaren“ bezeichnet, was dafür spricht, daß sie bei W. keine allein handwerkliche Ausbildung erhielten. Die Malerzunft, in der W. niemals Mitglied war, widmete ihm anläßlich seines Todes einen ungewöhnlich achtungsvollen Eintrag im Meisterbuch.

  • Quellen

    Qu Archiv d. Erzdiözese München u. Freising (CB 301, M 9265 [Taufb. Frauenkirche 1652–63]; CB 288, M 9044 [Sterbeb. St. Peter 1706–20); Zentraleurop. Prov. d. Jesuiten, Archiv München (Abt. 41 /|6, 41/7); Bayer. HStA (FS 698; HR I Fasz. 287/368 1/3; GL Fasz. 1489/1; Jesuitica 183–197, 220; KL München Collegiatstift, Nr. 31); Bayer. Staatsbibl. (Oefeleana, V, 5; 14); StadtA München (ZIM–055); Münchner Stadtmus. (Maillinger-Slg. I) u. Staatl. Graph. Slg. München (Zeichnungen u. Druckgraphik).

  • Werke

    |Werkkat. b. Schlichtenmaier u. Riether (beide s.

  • Literatur

    L);
    Auswahl b. Appuhn-Radtke u. a. 2016. L ADB 43;
    L. v. Westenrieder, Beschreibung d. Hauptu. Residenzstadt München, 1782, T. 3, S. 389–95;
    L. Waagen, J. A. W., 1932;
    Häuserbuch d. Stadt München, Bd. III: Hackenviertel, 1962, S. 232;
    U. Götz, Der Münchner Hofmaler A. W. (1652–1716), Unterss. zu seinen Altarbildern, 1988;
    K. Schlichtenmaier, Stud. z. Münchner Hofmaler J. A. W. (1652–1716) unter bes. Berücksichtigung seiner Handzeichnungen, Diss. Tübingen 1988 (W-Verz.);
    J. A. W. 1652–1716, Universalkünstler f. Hof u. Kirche, hg. v. S. Appuhn-Radtke, J. H. Biller, D. Dietrich u. M.-L. Hopp-Gantner, 2016 (W-Verz., P);
    L. Altmann, „der edl und Khunstreiche Herr J. A. W.“, Zum 300. Todestag d. Münchner u. Freisinger Hofmalers, in: Amperland 52, 2016, S. 6–11;
    A. Riether (mit Btrr. v. J. Strasser), J. A. W., Zeichenkunst in München um 1700, Ausst.kat. d. Staatl. Graph. Slg., München 2016 (W-Verz., P);
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Porträts

    |Selbstbildnis, um 1695/1700, Öl/Lwd. (München, Bayer. Staatsgem.slgg.) mit Nachzeichnungen u. druckgraph. Reproduktionen (Münchner Stadtmus., Maillinger-Slg.;
    Staatl. Graph. Slg. München;
    Hzgl. Georgianum, Deutinger-Slg.).

  • Autor/in

    Sibylle Appuhn-Radtke
  • Zitierweise

    Appuhn-Radtke, Sibylle, "Wolff, Johann Andreas (auch genannt Jonas)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 432-434 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118838415.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Wolf, Johann Andreas

  • Biographie

    Wolf: Johann Andreas W. (Wolff), Maler, geboren am 11. December 1652 zu München, war Schüler seines Vaters Jonas, der ein sehr untergeordneter Maler gewesen sein soll. Den Hauptgrund seiner Bildung legte er nach Lipowsky (bairisches Künstlerlexikon) bei dem vortrefflichen kurfürstlichen Hofbildhauer Balthasar Ableitner, was jedenfalls auf die Genauigkeit seiner Zeichnung sehr einwirkte, und soll dann nach ihm geliehenen Zeichnungen des Rafael von Urbino studirt haben. Johann Heinrich Schönfeld inspirirte ihn anfangs, dann der kräftige Karl Loth, mit dem er jedenfalls mehr Verwandtschaft hat. Wolf's Reisen gingen nicht weiter als nach Salzburg, Augsburg und Passau, was eigentlich zu bedauern ist, da die Meisterwerke Italiens ein so hervorragendes Talent sicher gefördert hätten. Jedenfalls war er ein ganz vorzüglicher Künstler, dem eben nur das fehlte, was den übrigen Künstlern seines Schlages auch abging, nämlich die Vertiefung in den jedesmaligen Vorwurf. Er war ein Barockmaler, dessen Werke nur in der ganzen kirchlichen Umgebung gewürdigt werden können. Doch charakterisirt ihn immerhin ein gewissenhaftes Studium, auch nach der Natur, das besonders in seinen Zeichnungen zu Tage tritt. In zahlreichen Orten in Baiern (München, Augsburg, Dießen, Passau, Freising, Fürstenfeld, Erding, Andechs, Vilsbiburg, Regensburg, Benediktbeuern, Straubing, Landshut, Berg am Laim, Waldsassen, Kempten, Buxheim), Oesterreich (Salzburg,|St. Florian, Kremsmünster, Göttweih, Innsbruck, Linz), ferner in Schussenried und Freiburg im Breisgau sind Altarblätter und andere Gemälde von ihm.

    In seinen älteren Jahren bekam er Neigung zur Baukunst; nach seinen Plänen und seiner Leitung wurde die Prämonstratenser-Abtei und -Kirche zu Schäftlarn an der Isar erbaut. Der Künstler starb zu München; sein Grabstein enthielt die Aufschrift: In diesen dreien Begräbnissen ruhen in Gott Herr Jonas Wolf, Bürger und Hofmaler allhier, ist im Herrn entschlafen den 28. August 1680; dessen Hausfrau Maria Helena, geborne Schönin, ist verschieden den 15. October 1691. Dann auch Johann Andre Wolf, in Baiern und Freising Hofmaler etc., dessen Seel Gott befohlen, den 9. April 1716; wie auch dessen liebste Hausfrau Maria Eva Katharina. Requiescant in pace. Wolf's in Tusche gezeichnetes Selbstbildniß wird im kgl. Kupferstichcabinet zu München bewahrt; danach entstanden die Reproductionen von G. C. Kilian, Barth. Weiß und Max Franck. Es zeigt feine, intelligente, beobachtende Züge.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Wolf, Johann Andreas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), S. 760-761 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118838415.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA