Lebensdaten
um 1620 bis 1694
Geburtsort
Trudering bei München (?)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12910082X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brucker, Niklas
  • Pruckher, Niklas
  • Pruchert, Niklas
  • mehr

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Zitierweise

Prugger, Nikolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12910082X.html [29.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    1) Anna ( 1662), 2) Maria Rosina N. N., arbeitete wohl mit in P.s Werkstatt;
    7 T aus 1) u. a. Anna Maria ( 1696 Franz Ableitner, 1652–1728, Bildhauer, s. ThB), Maria Therese ( 1680 Georg Asam, 1649–1711, Maler, s. NDB I), Miniaturmalerin, Klara ( 1674 Kaspar Gottfried Stuber, 1650/51-1724, Maler, s. ThB);
    E Cosmas Damian (1686–1739) u. Egid Quirin Asam (1692–1750, beide s. NDB I), Nikolaus Gottfried Stuber (1688–1749, s. ThB).

  • Leben

    Über Jugend und Lehrzeit P.s liegen keine archivalisch gesicherten Nachrichten vor. 1644 nahm Kf. Maximilian I. den Maler mit fester Besoldung (zunächst 80 Gulden jährl., ein Jahr später Zulage v. 20 Gulden, seit 1650 „Wartegeld“ v. 150 Gulden) in den Hofdienst auf. P.s Werk in München entsprach dem typischen Aufgabenspektrum eines barocken Hofmalers: Es reichte von Porträts der fürstl. Familie und ihres Hofstaats, Stilleben und Miniaturen (Wappen, Buchmalerei) bis zu gelegentlichen Arbeiten für Festdekorationen und schlichten Vergolderarbeiten am Ende von P.s Laufbahn. Diese Aufträge wurden einzeln vergütet. Die Menge bestellter Porträts in den 50er und 60er Jahren läßt vermuten, daß es sich nicht immer um originäre Schöpfungen, sondern vielfach um Kopien und Wiederholungen handelte. Die Aufträge des Hofes reichten jedoch nicht aus, um P. und seiner Familie den Lebensunterhalt zu sichern. Als Hofbediensteter kein Mitglied der Münchner Malerzunft, richtete P. deshalb im März 1656 an Kf. Ferdinand Maria eine Eingabe mit der Bitte, ihm ein schon älteres kaiserl. Privileg, das ihm alle Rechte eines zünftischen Meisters (Lehrlingsausbildung, Gewerbefreiheit) gewährt hatte, für Bayern zu bestätigen. Nach Verhandlungen mit der Zunft, die 1656 zu Protokoll gab, daß die soziale Absicherung des Malers ihr nicht zur Last fallen dürfe, wurde dem Gesuch stattgegeben. Nun entstanden Altarbilder für bayer. Kirchen: die Franziskanerkirche in Altötting (1657), St. Peter in München (um 1670) und Kloster Tegernsee (1674). Das erste wurde mit der hohen Summe von 742 Gulden bezahlt; erhalten ist ein Bild des hl. Korbinian (Oberbild f. e. Seitenaltar d. Peterskirche).

    P.s Werk wurde bisher nicht kritisch bearbeitet, so daß eine Zuschreibung der unsignierten Porträts, die den Hauptteil seines erhaltenen Œuvres auszumachen scheinen, derzeit kaum möglich ist. P.s Maltechnik wies eine Spannbreite von geschlossenen, lasierend aufgetragenen Farbschichten im Stil des bayer Frühbarock bis zu einer offeneren, an niederländ. Gemälde anschließenden Malweise auf. Letztere könnte ihm über Joachim v. Sandrart vermittelt worden sein, nach dessen Porträts P. kopierte, oder durch den ebenfalls niederländ. gebildeten, seit den 30er Jahren in München tätigen Porträtisten Johann de Pey (1614–60). Während das Doppelporträt Kf. Maximilians mit seinem Sohn Ferdinand Maria (München, Bayer. Staatsgem.slgg.) wie ein Werk des späten 16. Jh. wirkt, erinnert das 1664 datierte Bildnis eines jungen Adligen in Dreiviertelfigur (ebd.) an Porträts aus dem Umkreis des Anthonis van Dyck. Die Schilderung der Gesichtszüge ist hier einfühlsamer als bei den offiziellen Herrscherbildnissen, so daß deren altertümliche Wirkung von zeremoniellen Erfordernissen bestimmt gewesen sein mag.

  • Literatur

    ADB 53;
    J. N. Edler v. Weizenfeld, Beschreibung d. Churfürstl. Bildergallerie in Schleisheim, 1775, S. 50, 224 f., 237 f.;
    Ch. v. Mannlich, Beschreibung d. Churpfalzbaier. Gem.-Slgg., I, 1805, S. 77 f.;
    F. Trautmann, Meister N. P., Der Bauernbub v. Trudering, 3 Bde., 1879 (hist. Roman);
    H. Gerson, Ausbreitung u. Nachwirkung d. holländ. Malerei d. 17. Jh., 1942, S. 278;
    Häuserbuch d. Stadt München, 1958, I, S. 424;
    G. Adriani, Dt. Malerei im 17. Jh., 1977, S. 122 f., 189;
    R. Baumstark, Abbild u. Überhöhung in d. höf. Malerei unter Henriette Adelaide u. d. jungen Max Emanuel, in: Kf. Max Emanuel, Bayern u. Europa um 1700, Ausst.kat. München 1976, I, S. 171 f.;
    J. Erichsen, Princeps Armis Decoratus, Zur Ikonogr. Kf. Maximilians I., in: Um Glauben u. Reich, Kf. Maximilian I., Ausst.kat. Wittelsbach u. Bayern II/1 München 1980, S. 196-224;
    Ch. Klemm, Joachim v. Sandrart, Kunstwerke u. Lebenslauf, 1986, S. 263, 325;
    ThB (unter Prucker). – Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Sibylle Appuhn-Radtke
  • Empfohlene Zitierweise

    Appuhn-Radtke, Sibylle, "Prugger, Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 746-747 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12910082X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Prugger: Nikolaus P., auch Brugger und Brucker genannt, Maler, geboren vermuthlich um 1620—25 zu Trudering, einem Dorfe östlich von München. Ueber seine ersten Schicksale wird erzählt: „seine Mutter ging mit ihm von Trudering nach München, um die Charfreitagsprocession zu sehen, während welcher ihn die Kurfürstin Maria Anna vom Balkon, wo sie der Procession ebenfalls zusah, erblickte und ihn liebgewann. Die Mutter wollte der Kurfürstin auf ihr dringendes Verlangen den Knaben nicht schenken, wohl aber leihen, und so wurden endlich beide einig“. Kurfürst Maximilian I. ließ ihn dann zum Maler ausbilden. „Er malte in der Folge so sein, daß er auf Kupferblättchen in der Größe eines Groschen 7 Porträte der Kurfürstin malte“. Neben der Miniaturmalerei betrieb er auch das Oelmalen, fertigte Altarblätter; so werden von ihm genannt der heilige Gallus auf dem Erasmusaltar in der Peterskirche zu München und in der Schloßkirche zu Tegernsee der heil. Cajetan. Hauptsächlich bekannt ist aber P. als Porträtmaler, wobei er nicht bloß kleine miniaturartige Bildnisse malte, sondern auch lebensgroße Figuren. In der Galerie Schleisheim befindet sich als „Schule der Clouet“, Nr. 691—95 eine Folge kleiner Oelporträts: Herzog Anton der Gute von Lothringen; Renata, Gemahlin desselben; Herzog Franz I. von Lothringen; Renata, Gemahlin des Herzogs Wilhelm V. von Baiern; Elisabeth, Gemahlin des Kurfürsten Maximilian I. von Baiern. Da diese schon früher als Arbeiten Prugger's aufgeführt wurden (Elisabeth ist bei Lipowsky nicht genannt, dagegen Karl III., Herzog von Lothringen, dessen jetziger Verwahrungsort mir nicht bekannt ist), so kann man kaum zweifeln, daß diese sieben Bildchen in der That von P. herrühren, der sie, wahrscheinlich im Auftrag des kurfürstlichen Hofes, nach älteren Vorlagen ausgeführt hat. Die Schleisheimer Sammlung verwahrt in der Ahnengalerie (Nr. 33—35) noch drei Bildnisse: der Kurfürst Maximilian I., die erste Gemahlin desselben Elisabeth Renata und die zweite Maria Anna; die Kurfürstin Elisabeth ist natürlich nach einem ältern Bilde copirt. Außerdem sieht man parterre im Speisesaale des Schlosses noch das große Reiterbild Max I., im Hintergrund eine Schlacht (Nr. 276). In der alten Pinakothek zu München ist von P. das lebensgroße Stifterbildniß des genannten Kurfürsten. Das Bildniß eines jungen Mannes in schwarzem Gewande, das früher in der Pinakothek war, befindet sich jetzt unter Nr. 19 in der Gemäldegalerie des kgl. Schlosses zu Ansbach. Dufresne führt in seinem Catalogue de ses Tableaux (Munich|1769) unter den Nrn. 333—339 Bildnisse der Familie Paar an, die P. im J. 1647 gemalt hatte. „Unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria wurde P. Hofmaler und unterrichtete diesen Fürsten acht Jahre lang im Zeichnen und Malen und fertigte für ihn viele zarte Miniaturen. Besonders zierte er für denselben zwei Officia beatae Virginis, eines in Octav, das andere in noch kleinerem Formate.“ Der Künstler erhielt auch ein kaiserliches Privilegium, das seine Schüler des Zunftzwanges enthob. Leider kam der verdiente Künstler, da seine Gönnerin Maria Anna 1665 starb, in üble Vermögensverhältnisse und mußte zuletzt noch Hühnersteigen verfertigen und diese selbst auf dem Markte feilbieten. 1690 ließ er sich als Sodal bei der größern von den Jesuiten geleiteten Congregation einschreiben, vier Jahre darauf (1694) verstarb er.

    Seine Tochter Theresia ( zu Sulzbach 1719) heirathete den Maler Johann Georg Asam und wurde die Mutter zweier localberühmter Künstler, des Malers Cosmas Damian Asam (geb. 1686) und des Bildhauers Aegidius Asam, deren bekannteste Schöpfung der Bau und die Ausschmückung der St. Jakobskirche zu München ist.

    Der Kupferstecher Michael Wening stach nach P. das Porträt des kurfürstlichen Leibarztes und Comes Palatinus Johannes Jacobus de Maphaeis (Maffei) in Halbfigur, 8°, worauf der Name des Künstlers mit N. Brug. pinxit angegeben ist.

    • Literatur

      Dem Münchener Schriftsteller Franz Trautmann diente unser Künstler als Held eines Romanes: „Meister Niclas Prugger, der Bauernbub von Trudering. Eine Erzählung aus dem 17. Jahrhundert“. Regensburg 1879.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Prugger, Nikolaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 135-136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12910082X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA