Lebensdaten
1894 bis 1970
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118759256 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schramm, Percy Ernst
  • Schramm, P. E.
  • Schramm, Percy E.

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schramm, Percy Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759256.html [19.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Kaufm.fam., die Ende d. 17. Jh. nach H. eingewandert ist;
    V Max (1861–1928), aus Maroim (Brasilien), wo d. Fam. seit 1830 e. Fa. besaß, seit 1866 in H., Dr. iur., RA, 1925-28 Bgm. v. H. (s. W, DBI X, S. 246-50), S d. Ernst, Kaufm. in Brasilien, seit 1866 in H., u. d. N. N. Jencquel ( 1866);
    M Olga O'swald (1869–1964);
    Trieglaff (Pommern) 1925 Ehrengard (1900–85), 1953-56 Ratsherrin in G. (FDP), MdL Niedersachsen (SPD), Gründerin u. Leiterin d. griech. Hilfswerks d. Dt. Frauenrings (s. W, L), T d. Adolf v. Thadden (1858–1932), auf Trieglaff, Gruchow u. Vahnerow, Dr. iur., preuß. Landrat zu Greifenberg, MdL d. Provinz Pommern, Vors. d. Verbands d. pomm. Landkreise, Rechtsritter d. Johanniterordens, u. d. Ehrengard v. Gerlach (1868–1909); Geschw d. Ehefrau Elisabeth v. Thadden (1890–1944 hingerichtet), Gründerin u. Leiterin d. ev. Landerziehungsschule f. Mädchen in Schloß Wieblingen b. Heidelberg, Reinold v. Thadden (1891–1976), Dr. iur., Dr. theol., Dr. h. c. mult., MdL Preußen, Gründer u. Ehrenpräs. d. Dt. Ev. Kirchentags, Mitgl. d. Synode d. EKD u. d. Zentralkomitees d. Oekumen. Rats d. Kirchen, Adolf v. Thadden (1921–96), MdL. MdB. Vors. d. NPD, Maria v. Thadden (* 1922, Dieter Wellershoff, * 1925, Dr. phil., Schriftst.);
    3 S;
    N Franz-Lorenz v. Thadden (1924–79, kath.), MdB, Chefredakteur d. Saarbrücker Landesztg., Leiter d. Überseehilfe d. Dt. Caritasverbands, Rudolf v. Thadden (* 1932), Dr. phil., Dr. h. c. mult., Prof. f. Mittlere u. Neuere Gesch. in G. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2005).

  • Leben

    S. hatte schon als Schüler eines Reformgymnasiums das Berufsziel Historiker. Mit 19 Jahren veröffentlichte er seine erste wissenschaftliche Arbeit genealogischen Inhalts. Angeregt durch Aby Warburg (1866–1929), einen Freund der Familie, und dessen Forschungen zum Nachleben der Antike in Mittelalter und Renaissance und zu Bildern als Geschichtsquellen, begann er nach dem Abitur im April 1914 in Freiburg (Br.) zu studieren. Bei Kriegsausbruch trat er beim Schleswiger Husaron-Rgt. ein, verbrachte den Krieg meist in Rußland, zuletzt in Frankreich, von wo er als Leutnant d. Res. seine Schwadron in die Heimat zurückführte. Seit 1919 studierte er Geschichte, historische Hilfswissenschaften, Kunstgeschichte und Staatsrecht in Hamburg, Marburg, Kiel, München und Heidelberg, wo er Ernst Kantorowicz, Friedrich Baethgen und Otto Cartellieri sowie Friedrich Gundolf, Hans v. Schubert und Heinrich Zimmer kennenlernte. Bei Karl Hampe (1869–1936) wurde er 1922 mit einer Dissertation „Studien zur Geschichte Ottos III.“ (ungedr.) promoviert. 1923-26 war S. Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica als Assistent von →Harry Breßlau (1848–1926) für die Ausgabe der Urkunden Ks. Heinrichs III. und kleinerer Texte zu den Scriptores. Schon 1928 erschien sein erstes größeres Werk „Die dt. Kaiser und Könige in Bildern ihrer Zeit, I: Bis zur Mitte des 12. Jh. (751-1152)“ (1928, 21983 [bis 1190 weitergeführt]). Dissertation und Habilitationsschrift (1924) erweiterte er zu seinem zweiten Werk „Kaiser, Rom und Renovatio, Studien und Texte zur Geschichte des Rom. Erneuerungsgedankens vom Ende des Karolingischen Reiches bis zum Investiturstreit“ (2 Bde., 1929, Nachdr. 1992), das ihn bekannt machte und dazu beitrug, daß er im selben Jahr auf den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Univ. Göttingen berufen wurde. Als weitere Werke folgten: „Geschichte des engl. Königtums im Lichte der Krönung“ (1937, auch engl.) sowie „Der König von Frankreich, Das Wesen der Monarchie vom 9. bis zum 16. Jh.“ (1939, erw. Ausg. 1960).

    1932 setzte sich S. für die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten ein, was ihm die Gegnerschaft der Nationalsozialisten und zunächst die Ablehnung seines Parteiaufnahmeantrags vom Okt. 1937, zu dem ihn Karl Brandi gedrängt hatte, eintrug. Nach der „Reichskristallnacht“ protestierte er öffentlich gegen das Pogrom. Im Herbst 1939 als Rittmeister d. Res. eingezogen und später zum Major befördert, war S. in verschiedenen Stäben tätig, vom März 1943 bis zum Mai 1945 als Führer des Kriegstagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht, hierbei unterstützt von Felix Hartlaub (1913–45). Aus der amerik. Kriegsgefangenschaft im Okt. 1946 entlassen, durfte er erst im Nov. 1948 auf seinen Göttinger Lehrstuhl zurückkehren (1963 em.).

    S.s etwa 355 Veröffentlichungen umspannen den Zeitraum von der Antike bis zum 20. Jh. und behandeln verschiedenste Themen – von den Kaisern, Königen und Päpsten bis zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Bürgertums. Der Schwerpunkt seiner Forschungen lag aber im Mittelalter, und hier hat er bahnbrechend gewirkt als Begründer einer neuen historischen Hilfswissenschaft „Herrschaftszeichen und Staatssymbolik“. S. untersuchte erstmals systematisch die europ. Kronen und sonstigen Zeichen der Königswürde, die Krönungen und andere Zeremonien sowie die dazugehörigen Wort- und Bildzeugnisse. Dabei berücksichtigte er stets die Kunst-, Liturgie- und Rechtsgeschichte. Nach dem 2. Weltkrieg gab er auch der Zeitgeschichtsforschung Impulse; so zählten zu seinen Schülern neben Mediävisten wie Wilhelm Berges (1909–78) u. a. auch Andreas Hillgruber (1925–89) und Hans-Adolf Jacobsen (* 1925).

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen (o. 1937), Spoleto, Stockholm u. Wien (korr. 1952. Ehrenmitgl 1964), d. American Ac. of Medieval Studies, d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. sowie d. Zentraldir. d. MGH in München; Orden Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1958, seit 1963 Ordenskanzler); Silberne Johann-Christoph-Gatterer-Medaille (1959); Bardeleben-Medaille; Medaille f. Kunst u. Wiss. d. Stadt Hamburg; Gr. BVK mit Stern (1964), österr. Ehrenzeichen f. Kunst u. Wiss.; Gedenktafel in d. Univ. Göttingen.

  • Werke

    Weitere W Monogrr.: Die zeitgenöss. Bildnisse Karls d. Gr., 1928;
    Dtld. u. d. Welt, 1943, 21952;
    Hamburg, Dtld. u. d. Welt, 1949;
    Kaufleute zu Haus u. über See, 1949;
    Gesch. d. 2. Weltkrieges, 1951 (mit H. Stange);
    Herrschaftszeichen u. Staatssymbolik, Btrr. z. ihrer Gesch. v. dritten z. sechzehnten Jh., 3 Bde., 1954–56, Nachträge aus d. Nachlaß, 1978;
    Die Treibstoff-Frage v. Herbst 1943 bis Juni 1944, 1954;
    Ks. Friedrichs II. Herrschaftszeichen, 1955;
    Sphaira-Globus-Reichsapfel, Wanderung u. Wandlung e. Herrschaftszeichens v. Caesar bis zu Elisabeth II., 1958;
    Die Invasion 1944, 1959;
    Kriegstageb. d. Oberkommandos d. Wehrmacht 1940-1945, 4 Bde., 1961-65;
    Hitler als mil. Diktator, 1961;
    Hitler als mil. Führer, 1962;
    Denkmale d. dt. Könige u. Kaiser. I: Ein Btr. z. Herrschergesch. v. Karl d. Gr. bis Friedrich II. 768-1250, 1962, 21981, II: Ein Btr. z. Herrschergesch. v. Rudolf I. bis Maximilian II. 1273-1519 (mit H. Fillitz in Zus.arb. mit F. Mütherich), 1978;
    Neun Generationen, Dreihundert J. dt.Kulturgesch.“ im Lichte d. Schicksale e. Hamburger Bürgerfam. (1648–1948), 2 Bde., 1963/64;
    Kaiser, Könige u. Päpste, Ges. Aufss. z. Gesch. d. MA, 5 Bde., 1968-71;
    zu Ehrengard:
    Griechenland u. d. gr. Machte 1913-1923, 1933;
    Griechenland u. d. Großmächte im Zweiten Weltkrieg, 1955;
    Ein Hilfswerk f. Griechenland, Begegnungen u. Erfahrungen mit Hinterbliebenen dt. Gewalttaten in d. J. 1941 bis 1944, 2003.

  • Literatur

    FS P. E. S. z. dessen 70. Geb.tag, hg. v. P. Classen u. R. Scheibert, 2 Bde., 1964 (P, Bibliogr. v. Annelies Ritter S. 281-316);
    W. Bußmann. in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1971, S. 203-10 (P);
    R. Elze, in: DA 27, 1971, S. 655-57;
    H. Heimpel, in: HZ 214, 1972. S. 96-108;
    N. Kamp, P. E. S. u. d. MAforsch., in: Gesch.wiss. in Göttingen, hg. v. H. Boockmann u. H. Wellenreuther, 1987, S. 344-63;
    J. Grolle, Der Hamburger P. E. S., Ein Hist. aul d. Suche nach d. Wirklichkeit, 1989;
    ders., P. E. S. – Fritz Saxl, in: Aby Warburg, Akten d. internal. Symposiums Hamburg, 1990, 1991;
    ders., P. E. S. – ein Sonderfall in d. Gesch.schreibung Hamburgs, in: Zs. d. Ver. f. Hamburg. Gesch. 81, 1995, S. 23-60 (P);
    H. Becker u. a. (Hg.), Die Univ. Göttingen unter d. NS, 21998;
    H. Fuhrmann, Menschen u. Meriten, 2001, S. 285-90 (mit Abb. e. Karikatur d. Kladderadatsch v. 6.6.1937 anläßl. d. Krönung v. Georg VI. v. England);
    D. Thimme, Die Erinnerungen d. Hist. P. E. S., Beschreibung e. gescheiterten Versuchs, ebd. 83, 2003, S. 227-62: ders., P. E. S. u. d. MA, Wandlungen e. Gesch.bildes, 2006 (P);
    M. Messerschmidt, Karl Dietrich Erdmann, Walter Bußmann u. P. E. S., in: NS in d. Kulturwiss. 1, 2004, S. 418-43, bes. S. 434-43;
    M. Marose, Unter d. Tarnkappe, Felix Hartlaub, 2005;
    A. Ch. Nagel, Im Schatten d. Dritten Reichs, Mittelalterforsch. in d. BRD 1945-1970, 2005;
    Ernst Schubert, in: Reallex. d. German. Altertumskunde 27, 2004, S. 279-85;
    Munzinger;
    Killy;
    Göttinger Gel. (P);
    Hamburg. Biogr. I (P)|

  • Nachlaß

    Nachlaß: StA Hamburg; – zu Max: P. E. Schramm, in: DBJ X, 1931, S. 246-50; – zu Ehrengard: H.-M. Kühn, in: Göttinger Jb. 41, 1993, S. 211-24; – zur Fam.: Dt.GB 51, 1927. S. 472 f., 128, 2004. S. 127.

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Schramm, Percy Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 515-517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759256.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA