Lebensdaten
1913 bis 1945
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118701789 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hartlaub, Felix
  • Hartlaub, Gustav Adolf Felix

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Zitierweise

Hartlaub, Felix, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701789.html [14.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Frdr. (1884–1963), Dir. d. Mannheimer Kunsthalle, Kunsthistoriker (s. L), S d. Großkaufm. Carl in Bremen u. d. Helene Wueste;
    M Félicie Meyer ( 1930) aus Bremen;
    Ur-Gvv Gustav (s. 2);
    Schw Geno(veva) (* 1915), Schriftstellerin; - ledig.

  • Leben

    H. besuchte das Gymnasium in Mannheim und die Odenwaldschule bei Heppenheim (dort Abitur 1932). Nach einer Italienreise (1933) schrieb er die Erzählung „Parthenope oder das Abenteuer in Neapel“ (Druck 1951). Nach Ableistung des Arbeitsdienstes studierte er neuere Geschichte und Romanistik, 1934 in Heidelberg, 1935-39 in Berlin. Hier schrieb er eine große Anzahl von Skizzen, die als Entwürfe zu persönlichen Schlüsselerzählungen anzusehen sind. Außerdem entstanden Materialsammlungen zu geplanten Aufsätzen über aktuelle Themen. 1939 wurde er bei Walter Elze in Berlin promoviert, anschließend verfaßte er weitere Arbeiten, unter ihnen das Fragment „Breughels Affe“ (Druck 1957), das H.s Beziehungen zu seiner nach Paris emigrierten jüdischen Freundin zum Thema hat. Im September 1939 wurde H. zu einer Sperrballoneinheit der Wehrmacht eingezogen. Weitere Aufzeichnungen entstanden, jetzt keine persönlichen Schlüsselerzählungen mehr, sondern Tatsachenbeschreibungen, deren letzte Intention schlichte Authentizität zu sein scheint. Im Dezember 1940 wurde H. auf Betreiben Elzes für die historische Archivkommission des Auswärtigen Amtes nach Paris reklamiert. Dort entstanden Skizzen für einen Roman und Notizen, die sich mehr und mehr zu erzählungsartigen Fragmenten ausweiteten. 1941 kehrte H. zu seiner alten Einheit nach Rumänien zurück, 1942 wurde er, wiederum auf Betreiben Elzes, zur kriegsgeschichtlichen Abteilung beim Oberkommando der Wehrmacht in Berlin beordert. Seit Mai 1942 war er als historischer Sachbearbeiter in der Abteilung „Kriegstagebuch“ des Führerhauptquartiers beschäftigt. Lange Passagen des offiziellen Kriegstagebuches von 1944 stammen unmittelbar von ihm, für andere hat er weitgehende Vorarbeiten geleistet.|Bekannt geworden ist H. vor allem durch seine vier Erzählungsfragmente, die er im Führerhauptquartier neben anderen, bei der Plünderung von Berlin verlorengegangenen Arbeiten geschrieben hat. Von ihnen ist „Im Sperrkreis“ (Titel nicht von H.) das selbständigste und in sich geschlossenste. Das Fragment „Im Sonderzug des Führers“ (der ebenfalls nicht von H. stammende Titel ist irreführend) weist besonders viele Berührungspunkte zu einer nachgelassenen Romandisposition auf.

    Viele Arbeiten H.s, vor allem die des jugendlichen, wurden für die Veröffentlichung stark bearbeitet. Die Originale sind allenfalls beachtenswert im Rahmen einer Entwicklungsgeschichte H.s. Literarisch relevant werden seine Arbeiten (von „Parthenope oder das Abenteuer in Neapel“ abgesehen) erst mit Beginn der Berliner Aufzeichnungen, die sich hauptsächlich mit den alltäglichen Gegebenheiten eines Studenten im Deutschland nach Hitlers Machtergreifung befassen. Bis zu den letzten vier Erzählungsfragmenten hin bildete H. einen zunehmend schärfer akzentuierten Personalstil heraus. Er griff die offizielle Sprachregelung der damaligen Zeit auf und führte sie durch leicht überlesbare, doch stets genau kontrollierte und kontrollierbare Verstellung ad absurdum. Selbst den willkürlichen militärischen Decknamen der damaligen Zeit wie „Margarethe I und II“ (Besetzung Ungarns beziehungsweise Rumäniens) oder „Taifun“ (Angriff auf Moskau) gewann er noch zwingende Metaphorik ab, indem er vermerkte: „neue Damen erscheinen“ oder „in der windstillen toten Mitte des Taifun“.

    Bis heute gibt es keine authentische Ausgabe seiner Arbeiten. H. hat keine von ihnen selbst publiziert. Ersten postumen Veröffentlichungen, die dem Zweck dienten, die Werke eines unter den Nationalsozialisten zum Schweigen verurteilten Autors vorzulegen, folgten erweiterte Ausgaben, die anscheinend den Erwartungen der ersten Rezensenten entsprechen sollten. Einseitig verlegerische Gründe dürften zu weiteren Stilisierungen geführt haben, dank denen das literarische Werk H.s heute noch weitgehend als eine Sammlung von Tagebuchaufzeichnungen angesehen und als unkritisch auswertbare historische Quelle mißverstanden wird.

  • Werke

    Weitere W u. a. Von unten gesehen, Impressionen u. Aufzeichnungen d. Obergefreiten F. H., hrsg. v. Geno H., 1950 (japan. Übers.);
    Das Gesamtwerk, Dichtungen, Tagebücher, hrsg. v. ders., 1955 (P; enthält nicht alle Schrr. H.s
    ;
    ital. Übers., 1962);
    F. H. in s. Briefen, 1958 (P). - Hist. Arbb.: Don Juan d'Austria u. d. Schlacht bei Lepanto, Diss. Berlin 1940;
    Die OKW-Kriegsschauplätze im Rahmen d. Gesamtkriegsführung (1.1.-31.3.1944), in: Kriegstagebuch d. Oberkommandos d. Wehrmacht, hrsg. v. P. E. Schramm, IV, 1961, S. 78 ff.;
    Der südöstl. Kriegsschauplatz, ebd., S. 601 ff.;
    Mitarb. am Abschnitt Die Kämpfe um d. Brückenkopf Nettuno v. d. Landung (22.1.) b. z. 31.3.1944, ebd., S. 122 ff.

  • Literatur

    H. E. Holthusen, Der negative Held, in: ders., Ja u. Nein, 1954, S. 181 ff.;
    H. M. Enzensberger, Vor Tarnkappen wird gewarnt, in: Augenblick 2, 1956, H. 3, S. 27 f.;
    H. Plard, „Tout seul“: La conscience de la solitude chez F. H., in: Etudes Germanique 14, Paris 1959, S. 987 ff.;
    Ch. Wilke, „Das Gesamtwerk“ u. F. H., Diss. Würzburg 1964 (krit. Apparat z. Werk, Bibliogr.; ungedr.). - Zu V Gustav Frdr.: A. Wechsler, in: Ruperto-Carola 34, 1963, S. 135-38 (P)
    ;
    G. Poengen, in: Kunstchronik 17, 1964, S. 51 f.

  • Autor/in

    Christian Wilke
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilke, Christian, "Hartlaub, Felix" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 718-719 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701789.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA