Lebensdaten
1870 bis 1932
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Graphiker ; Zeichner ; Buchkünstler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118590243 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Orlik, Emil

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Zitierweise

Orlik, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590243.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (1832-97), aus Wosredek b. Beneschau (Böhmen), Schneidermeister in P., S d. Marcus (Adler) u. d. Katharina Basch;
    M Anna (1833–1913), aus Modrovice b. Beraun (Böhmen), T d. Salomon Stein u. d. Sara Herrmann; ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Neustädter Gymnasium in Prag besuchte O. in München 1889-91 zunächst die private Malschule von Heinrich Knirr, anschließend – als Schüler von Wilhelm v. Lindenschmit d. J. – die Akademie und lernte die Techniken der Radierung bei Johann Leonhard Raab. Unter dem Einfluß Menzels, Leibls und der engl. Radierer entwickelte sich sein Zeichenstil. 1894 kehrte O. nach Prag zurück, wo er zunächst seinen Militärdienst ableistete und sich als Mitglied des „Vereins deutscher bildender Künstler in Böhmen“ an dessen Ausstellungen beteiligte. 1896 folgte er dem Freund Rainer Maria Rilke nach München, wo er – nach ersten|Farblithographien – zusammen mit Bernhard Pankok (1872–1943) nun auch mit der Technik des Farbholzschnitts experimentierte; gleichzeitig begann er, für die Zeitschrift „Jugend“ zu arbeiten. 1897-1904 richtete sich O. ein Atelier in Prag ein, unterbrach seine dortige Tätigkeit aber durch häufige Reisen nach Berlin und Wien, wo er seit 1899 Mitglied der Sezession war. 1897 erregte sein Plakat für die Aufführung der „Weber“ von Gerhart Hauptmann in Prag allgemeines Aufsehen – eine Inkunabel der Plakatgeschichte. 1898 unternahm er eine elfmonatige Reise nach England, Schottland, Holland, Belgien und Paris, wobei er sich insbesondere von den Gemälden der Schule von Barbizon und den Holzschnitten Félix Vallottons und William Nicholsons anregen ließ. 1900 zeigte O. auf seiner ersten großen Einzelausstellung in Brünn über 300 Arbeiten. 1900/01 unternahm er eine Schiffsreise von Genua durch den Suezkanal nach Südostasien über Hongkong nach Japan. Als einer der ersten europ. Künstler studierte er die ostasiat. Holzschnitt- und Farbdrucktechnik an Ort und Stelle und hielt in den folgenden Jahren zahlreiche Vorträge über Japan. Nach weiteren Reisen nach Paris, London und Amsterdam hielt O. sich immer wieder für längere Zeit in Berlin und in Wien auf, wohin er 1904 schließlich mit seinem Atelier übersiedelte. Im Kreis um Gustav Klimt und Josef Hoffmann wurde er in Malerei und Grafik von ornamentalen und stilisierenden Jugendstil-Elementen beeinflußt. Er befreundete sich mit Ferdinand Hodler, profilierte sich zunehmend als Porträtist und entwarf Bücher und Plakate.

    1905 wurde O. als Professor an die Staatliche Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums berufen und leitete als gesuchte Lehrerpersönlichkeit bis 1932 die neu eingerichtete „Fachklasse für graphische und Buchkunst“. Zu seinen Schülern zählten unter anderen George Grosz, Hanna Höch, Karl Hubbuch und Carl Meffert. Neben seiner Lehrtätigkeit entwarf O. Exlibris, Tapeten und handgedruckte Stoffe, Buchillustrationen und Plakate. 1906 begann seine Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, für den er Bühnenbilder und Kostüme entwarf; seine bei Proben und Aufführungen am Deutschen Theater entstandenen Zeichnungen machten ihn zum wichtigsten künstlerischen Chronisten des Berliner Theaterlebens. Als Mitglied der Berliner Sezession stand er mit seiner reichen Ausstellungstätigkeit im Zentrum des Berliner Kulturlebens und wurde zum ständig zeichnenden und gesuchten Porträtisten der Berliner Gesellschaft. Weiterhin fand er Zeit für zahlreiche Studienreisen, die ihn nach Venedig (1906), Rom (1907) und Florenz (1910), nach Paris (1908 u. 1910) und Genf (1911), in die USA (New York, 1924) und auf den Balkan (1913 u. 1917) führten; 1911/12 unternahm er eine weitere große Reise über Ägypten, Nubien, Sudan und Ceylon nach China, Japan und Korea mit dem Rückweg über Sibirien. Nach dieser zweiten Ostasienreise beschäftigte er sich wieder intensiv mit der Radierung, kopierte für das anspruchsvolle Berliner Galeriewerk Mantegna, Botticelli und Michelangelo und schuf Bildnisse von Zeitgenossen (R. Strauss, M. Slevogt) und historischen Persönlichkeiten (Bach, Beethoven, Kant, Wagner). 1918 nahm er als Porträtist an der deutsch-russ. Friedenskonferenz in Brest-Litowsk teil; die hiernach erschienene Mappe wurde zu einem seiner letzten großen Erfolge. O. verschloß sich allen neueren expressionistischen, abstrakten oder neusachlichen Tendenzen. Als 1919 das Bauhaus in Weimar gegründet wurde, verlor er viele seiner Schüler an die neue Richtung und ließ sich schließlich im Juni 1932 vorzeitig pensionieren. Wenige Monate nach seinen Freunden Josef Grünberg und Max Slevogt, mit denen er die graphische Experimentiergruppe SPOG (Slevogt, Pankok, Orlik, Grünberg) gegründet hatte, starb er.|

  • Auszeichnungen

    Goldene Medaillen v. Dresden u. Brüssel; Mitgl. d. preuß. Ak. d. Künste (1922); Ehrenmitgl. d. China-Inst. u. Mitgl. d. Sachverständigenkomm. d. Staatl. Museen in Berlin.

  • Werke

    Hunderte v. Zeichnungen u. graph. Bll. in Berlin, München, Regensburg, Dresden, Prag u. Wien. – Mappenwerke: Kl. Holzschnitte 1896–99, 54 Bl., 1920;
    Aus Japan, 15 farbige Radierungen u. Lith., 1904;
    Fünfundneunzig Köpfe, hg. v. M. Osborn, 1920;
    Aus Ägypten, 15 Radierungen, 1922;
    Zuhörer u. Zuschauer, 8 Radierungen, 1923;
    Slevogtiana, Worte v. O. Loerke, 12 Lith. 1902-1929, 1929;
    Malergrüße an M. Lehrs 1898-1930, 1976. – Schrr.: Kleine Aufss., 1924;
    E. O. an Marie v. Gomperz, Briefe 1902-1932, hg. v. O. Rychlik, 1997.

  • Literatur

    F. W. Pauli, E. O., Wege e. Zeichners u. Graphikers, 1972 (L, P);
    F. Matsche, in: Lb. Böhmen II. 1976, S. 217-43;
    J. Ch. Allmayer-Beck, Der Zeichner u. Graphiker E. O. in Brest-Litowsk, in: Jb. d. Kunsthist. Slgg. Wien, 77, NF 41, 1981, S. 198 ff. (W-Verz.);
    M. Schütte, E. O., Graphik im Berliner Kupf.kab., 1983 (W, L, P);
    S. Kuwabara, E. O. u. Japan, Diss. Heidelberg 1987 (W, L);
    H. R. Scheffer, Die Exlibris d. E. O., 1992 (mit Biogr., W, L);
    E. O., Leben u. Werk 1870-1932, Prag – Wien – Berlin, hg. v. E. Otto, 1997;
    Wi. 1928;
    ThB;
    Vollmer, LGB. – Ausst.kat.: E. O., Haus d. ostdt. Heimat Berlin 1963;
    E. O. (1870-1932) z. 100. Geb.tag, W.-Lehmbruck-Mus. d. Stadt Duisburg, mit Text v. S. Salzmann, 1970 (W, L, P);
    E. O., Zeichnungen u. Druckgraphik v. 1889-1932, Bonn u. München, mit Text v. F. Matsche, 1972 (W, L, P);
    E. O., Theater u. Ges. am Beginn d. 20. Jh., Kunstamt Neukölln, mit Text v. J. Bartosch, 1980 (P);
    E. O., Ein Lebenswerk zw. Prag u. Berlin, Zeichnungen, Graphik, Plakate, Buchkunst, Eine Ausst.reihe d. Künstlergilde 1986-1988, mit Text v. E. Schremmer, Esslingen 1986 (ausführt. W-, Ausst.- u. L-Verz., P);
    E. O., Gal. B. Niemann Berlin, mit Text v. B. Freese, 1990 (L, P);
    O. Rychlik (Hg.), E. O., Prag – Wien – Berlin (1870–1932), Jüd. Mus. Wien 1997;
    E. O., Ausst.kat. Eger 1998. – Zur Fam.: H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen III, 1987, S. 82.

  • Autor/in

    Dorothea Peters
  • Empfohlene Zitierweise

    Peters, Dorothea, "Orlik, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 591-593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590243.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA