Lebensdaten
1881 oder 1878 bis 1972
Geburtsort
Kopenhagen
Sterbeort
Kopenhagen
Beruf/Funktion
Schauspielerin
Konfession
lutherisch?
Normdaten
GND: 118587854 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nielsen, Asta Carla Sofie Amalie
  • Schendel von Pelkowski, Asta Carla Sofie Amalie (in erster Ehe verheiratete)
  • Urban, Asta Carla Sofie Amalie (in zweiter Ehe verheiratete)
  • mehr

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Zitierweise

Nielsen, Asta, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587854.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jens Christian, Arbeiter in K. u. Malmö;
    M Ida Frederikke Petersen;
    1) Berlin 1911 Alfred Schendel v. Pelkowski (* 1878), Kaufm. in Berlin, 2) 1912 ( 1915) Drban (1879–1947), Regisseur, S d. Nicolaus Urban Gad (1841–1920), dän. Contre-Admiral, u. d. Emmerenza N. N. (1852-1921), dän. Schriftst. u. Frauenrechtlerin, 3) Sven Gade, 4) (?) Grigori Chmara, Schausp., 5) (?) 1919 ( 1927) Freddy Wingaardh, schwed. Kapitän, Dir. e. Filmfirma, 6) Kopenhagen-Frederiksberg 1970 Christian Theede (1899–1988) aus Odense, Gärtnereibes., Kunsthändler, Galerist auf d. Insel Møn (s. W); 1 unehel. T Jesta (1901–64, Paul Vermehren, 1904–64, dän. Maler, Graphiker u. Sänger).

  • Leben

    Nach privatem Schauspielunterricht erhielt N. 1902 in Kopenhagen ein Engagement am Dagmar-Theater und 1908 am Neuen Theater. 1910 wirkte sie in einem der ersten Langfilme von mehr als drei Akten mit. „Afgrunden“ (Drehbuch/Regie: Urban Gad) zeigte eine Hinwendung des Films zum sozialen Drama, das wesentlich um das Schicksal von Frauen kreist. Unterstützt durch eine intensive Werbekampagne und ein besonderes Vermarktungssystem ihrer Filme wurde sie, seit 1911 in Deutschland überwiegend mit Urban Gad arbeitend, zu einem der ersten europ. Filmstars. Mit ihrer schlanken, fast hageren Physiognomie, den oft dunkel umschatteten großen Augen und dem kantigen Gesicht vermochte sie ihren Rollen intensive Körperlichkeit und Charaktertiefe zu geben. Sie erschien als Verkörperung der modernen, um Selbstbestimmung ringenden, daran jedoch zerbrechenden Frau. Viele ihrer 70 deutschen Stummfilme variieren den melodramatischen Konflikt einer Frau, die sich abseits der gesellschaftlichen Konventionen bewegt. Meist wurde er im Bohème- oder Künstlermilieu („Nachtfalter“, 1911, „Die Filmprimadonna“, 1913 oder „Die Börsenkönigin“, 1916), seltener im proletarischen Milieu („Zigeunerblut“, 1911, „Vordertreppe und Hintertreppe“, 1914) situiert. 1916 verließ N. Deutschland, kehrte aber nach Kriegsende zurück. Sie agierte nun in differenzierten Charakterrollen, die jedoch weiterhin den Konflikt von Figur und Sozialnorm betonen (etwa „Rausch“, 1919, „Der Reigen“, 1920, und vor allem der von ihr selbst produzierte „Hamlet“, 1921, sowie „Vanina“, 1922).

    Die Spielweise der N. basierte auf einer ungewöhnlichen Synthese. Aus Distanz, Selbstvergessenheit und Ironie entwickelte sie starke Emotionen, die sie durch einfache mimische und gestische Mittel herauszuarbeiten und zu objektivieren wußte. Auf dem Gesicht der von ihr gespielten alternden Frau in „Absturz“ (1923), die ahnt, daß ihr Liebhaber sie verlassen wird, konnte man „eine Seele sterben“ sehen (Balázs). In ihrer reifen Verkörperung der Lulu in „Erdgeist“ (1923) schaffe sie es, „spiritualisierte Erotik“ (Balázs) darzustellen. In den Altersrollen, etwa in „Die freudlose Gasse“ (1925) und vor allem in „Dirnentragödie“ (1927), wurde noch einmal die in Gestus und Gestalt der N. stets gegenwärtige Kritik an den vordergründigen Schönheits- und Lebensnormen spürbar. „Unmögliche Liebe“ (1932) war ihr einziger Tonfilm. Danach trat sie noch sporadisch in Tourneetheatern auf.

  • Werke

    Mein Weg im Film, in: Berliner Ztg. v. 22.9. -
    24.10.1928, dass. auch in: R. Seydel u. A. Hagedorff (Hg.), A. N., ihr Leben in Fotodokumenten, Selbstzeugnissen u. zeitgenöss. Betrachtungen, 1981 (P);
    Die schweigende Muse (1945/46), 1977 (P);
    Ein Tag im Paradies, mit e. vollst. Filmogr. A. N., hg., übers. u. mit e. Nachwort versehen v. A. O. Hagedorff, 1996;
    Liebe mit Achtzig, A. N. – Christian Theede, Briefe, hg. v. Filmmus. Potsdam u. A. O. Hagedorff, 1997 (P).

  • Literatur

    P. Diaz, A. N., 1920 (P);
    A. Langsted, A. N., o. J.;
    B. Balázs, Der sichtbare Mensch, 1924 (auch in: ders., Schrr. z. Film, I, 1982);
    E. Magnus, A. N., 1925;
    E. M. Mungengast, A. N., 1928 (P);
    M. Engberg, A. N., 1967;
    H. Belach (Red.), A. N. 1881-1972, 1973 (P);
    K. Neiiendam, Skuespillerinden A. N., 1985 (P);
    T. Preis, A. N. – das wilde Unkraut, in: K. Hickethier, Grenzgänger zw. Theater u. Kino, 1987, S. 43-54 (P);
    J. Bergstrom, A. N.s Early German Films, in: P. Cherchi (Hg.), Prima di Caligari, 1990, S. 162-84;
    J. Kasten, Weg v. d. eingefrorenen Leiblichkeit, in: M. Behn (Red.), Schwarzer Traum u. weiße Sklavin, 1994, S. 63-72;
    H. Schlüpmann, Ohne Worte, A. N. als Erzählerin im Kinodrama, ebd., S. 125-36;
    I. Byrjalsen, A. N. – filmens dronning, 1994;
    Rhdb. (P);
    CineGraph.

  • Autor/in

    Jürgen Kasten
  • Empfohlene Zitierweise

    Kasten, Jürgen, "Nielsen, Asta" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 230 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587854.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA