Lebensdaten
1879 bis 1940
Geburtsort
Chemnitz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Photograph ; Filmpionier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118612573 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seeber, Friedrich Konrad Guido
  • Seeber, Guido
  • Seeber, Friedrich Konrad Guido
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Zitierweise

Seeber, Guido, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612573.html [12.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Clemens (s. 1);
    M Laura Schubert;
    1) Oberschöna b. Freiberg 1904 Lina Fritzsche (* 1879), 2) 1936 Martha Thomas (1898–1986);
    1 T aus 1).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Chemnitz war S. als Gehilfe im Atelier seines Vaters sowie als Volontär beim Hofphotographen Carl Pietzner (1853–1927) in Karlsbad und Wien tätig. Bei ihren Vorführungen „lebender Photographien“ gelang es Clemens und S. mittels Verbesserung der Projektionstechnik, die Darstellung von Menschen und Tieren bis zur doppelten Lebensgröße („Seeber's lebende Riesenphotogrr.“) zu steigern. Seit 1898 entstanden mit dem Aufnahmeapparat von Oskar Messter (1866–1943) auch eigene Filme, gleichzeitig vervollkommnete S. die Kopier- und Entwicklungstechnik. Nach S.s Anregungen fertigte Messter Vorführapparate, die für die Zwecke des Wanderkinos besser geeignet waren. In der Folge konstruierte S. mit seinem Vater Apparate zur Aufnahme und Wiedergabe von Filmen (1903 patentiert als „Seeberograph“). Das „Seeberophon“, ein von ihm im Anschluß an Messter entwickeltes Verfahren, Grammophonaufnahmen mit synchronem Film zu verbinden, mit dem er wie dieser sog. Tonbilder herstellte, wurde 1905 als Warenzeichen eingetragen.

    S., der 1900–03 seinen Wehrdienst in Zwickau ableistete, übernahm nach dem Tod des Vaters dessen Fotoatelier. Zwei Jahre später verkaufte er es und verließ seine Geburtsstadt. Nach einigen Studienjahren, die ihn u. a. nach Valencia (Spanien) und zu den Gebrüdern Lumière nach Paris führten, und einer Tätigkeit als Filmprüfer wurde er 1909 Technischer Leiter bei der Deutschen Bioscop-Gesellschaft in Berlin. In deren Auftrag filmte er aktuelles Geschehen, so den Aufstieg des Zeppelin über den Bodensee, und produzierte wieder Tonbilder. 1911 drehte er in dem noch kleinen Atelier der Gesellschaft die ersten dt. Stummfilme mit Asta Nielsen. In einem ehemaligen Fabrikgelände in Neubabelsberg bei Potsdam entstand unter seiner Leitung als Glasbau das erste ebenerdige Filmatelier, wo im Febr. 1912 „Der Totentanz“ mit Asta Nielsen (1881–1972) produziert wurde. S. kann somit als Begründer der Filmstadt Babelsberg gelten. 1913 drehte S. unter der Regie von Stellan Rye mit Paul Wegener als Hauptdarsteller „Der Student von Prag“, den ersten dt. Kunstfilm, mit dem er zugleich neue technische Möglichkeiten auslotete. 1915 entstand, ebenfalls mit Paul Wegener, „Der Golem“.

    Während des 1. Weltkriegs erprobte S. in der Segelflugzeugversuchsanstalt Warnemünde, wo er im Auftrag der Kriegsmarine eine „Zentrale Foto- und Filmbildstelle“ errichtete, mit Erfolg neue militärische Anwendungen für die Kameratechnik. 1918–20 war er als Technischer Direktor und Mitgeschäftsführer wieder in der Deutschen Bioscop Gesellschaft in Neubabelsberg tätig, danach wirkte er als freier Kameramann für verschiedene Produktionsgesellschaften. Es entstanden u. a. die Stummfilme „Das wandernde Bild“ (1920) unter der Regie von Fritz Lang, der aufwendige Vierteiler „Fridericus Rex“ (1920/23), „Die freudlose Gasse“ (1925) mit Greta Garbo, „Geheimnisse einer Seele“ (1925/26) und „Kasernenzauber“ (1930). Seit 1923 beteiligte sich S. auch an den Tonfilmexperimenten der Tri-Ergon-Film. Darüber hinaus publizistisch tätig, suchte S. seine präzisen Kenntnisse der Kamera- und Filmtechnik und deren Geschichte an Fachleute und Amateurfilmer weiterzugeben. Die Begründung der „Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft“ (1919) sowie der Zeitschriften „Kinotechnik“ (1919) und „Filmtechnik“ (1925), Foren produktiver Filmpraxis, gehen wesentlich auf ihn zurück. Die Tricktechnik verdankt S. zahlreiche Neuerungen, so daß Sergej Eisenstein ihn einen „Großmeister des Trickfilms“ nannte. 1935 übertrug ihm die UORG die Leitung ihrer Trickabteilung. „Man muß ( . . . ) auf der Kamera wie auf einem Instrument ,spielen`“, charakterisierte er selbst seine Arbeitsweise. „Er war angesehener Handwerksmeister, erfindungsreicher Techniker und schöpferischer Künstler zugleich“, schrieb Andor Kraszna-Krausz. Durch einen Schlaganfall gesundheitlich angegriffen, drehte S. 1934 seine letzten Filme.

  • Auszeichnungen

    Ehrengabe d. Stadt Chemnitz (1939); S.-Platz in Chemnitz (1998).

  • Werke

    Weitere W u. a. Schrr.: Der prakt. Kameramann, 3 Bde., 1927;
    Vom Film meines Lebens, in: Taschenb. d. Kameramannes, 1928;
    Kamera-Kurzweil, 1930;
    Nachlaß:
    Filmmus. Berlin, Dt. Kinemathek;
    Qu
    StadtA Chemnitz, Polizeimeldewesen, Handelsregister A.

  • Literatur

    Das wandernde Bild, Der Filmpionier G. S., hg. v. d. Stiftung Dt. Kinemathek, 1979 (zahlr. Dok.;
    P);
    weitere L s. 1);
    H. W. Sontag, Sidi, Eine Hommage an d. Kameramann u. Filmpionier G. S., 1986;
    K.|Kreimeier, Die Ufa-Story, 1992;
    H. Herbst, Drei Bildbeschreibungen u. e. Liste, Der Filmpionier G. S., in: Die Modellierung d. Kinofilms, hg. v. C. Müller u. H. Segeberg, 1998, S. 15–41;
    CineGraph;
    Brandenburg. Biogr. Lex. (P);
    Von André bis Zöllner, 125 Biogrr. z. Chemnitzer Gesch., Aus d. StadtA Chemnitz, H. 2, 1998, S. 106 (P).

  • Autor/in

    Stephan Weingart
  • Empfohlene Zitierweise

    Weingart, Stephan, "Seeber, Guido" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 134-135 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612573.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA